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Summer Breeze 2004 - Abtsgmünd

18.09.2004 | 13:11

19.08.2004,

Alle Jahre wieder dieses natürlich-schöne Gelände in Abtsgmünd - viel grün, viel Natur. Leider ist der Betonboden vor der Bühne noch immer nicht einer Wiese gewichen, beim Crowdsurfen droht Wundschürfen. Dafür ist der Durchgang von Bühnengelände zum Metalmarkt dieses Jahr etwas größer, dort steht nichts mehr im Weg herum. Extreme Staus wie 2003 bleiben deshalb meist Mangelware - schön! Und pünktlich 13 Uhr beginnt es, das Summer Breeze 2004...
(Henri Kramer)

Der Soundcheck der LORDS OF DECADENCE um kurz vor zwölf hat sich schon vielversprechend angehört und der Auftritt der Jungs fällt positiv aus dem Rahmen. Das Quartett ist ganz in weiß gekleidet (bis auf den Gitarristen, der eine Army-Shorts trägt) und erinnert nicht nur optisch an IN FLAMES. Songs wie 'When Rain Is Pain' und 'Point Of No Return' vom neuen Album gehen gut ins Ohr. Der Sound ist gut und transparent und bis auf die Keys und Synthies ist der Rest live. Der neue Drummer Martin hat sich die Nummern in kürzester Zeit draufgeschafft, was das Publikum zumindest zu einem Höflichkeitsapplaus animiert. Nach dem Ende des Konzerts werden von einer kleinen, aber feinen Menge Sprechchöre angestimmt und der Applaus ist ebenfalls beachtlich. Sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.
(Tolga Karabagli)

Mittachs, halb zwei in Abtsgmünd: Vor der Pain Stage hat sich ein recht ansehnliches Grüppchen versammelt, das zum Todelmörtel der FRAGMENTS OF UNBECOMING ordentlich Laune verbreitet. Die Noobs glänzen dabei mit Melo-Death-Perlen der Marke 'The Seventh Sunray Enlights My Pathway' oder 'Skywards: A Sylphe's Ascension', jedoch ohne das Niveau oder die Qualität des Silberlings zu erreichen. Schade. Der etwas durchwachsene, leicht matschige Sound trägt sein übriges dazu bei, um bei mir nicht mehr als einen "Naja-ganz-nett-Eindruck" zu hinterlassen. Dafür entschädigt das AT THE GATES-Cover 'Blinded By Fear' aber definitiv, auch wenn danach schon fast zehn Minuten vor dem Zeitplan Schluss ist. Macht aber Appetit auf mehr. (Und wer sich noch fragt, was um Gottes Namen ein "Noob" ist: Noob = Newbie = Neuling im Geschäft = FRAGMENTS OF UNBECOMING mit erstem Album bei Metalblade - grinsende Anmerkung von H.K.)
(Rouven Dorn)

Nach den FRAGMENTS OF UNBECOMING geht es musikalisch in eine ganz andere Ecke, denn RAWHEAD REXX sprechen mit ihrem typischen Teutonen-Metal ja eher die Traditionalisten an. Trotzdem finden sich auch Metal-Fans anderer Couleur vor der Bühne ein, sodass sich ein ganz nettes Grüppchen bildet. Die Band um Frontmann Jürgen Volk, der irgendwie wie eine Mischung aus Chris Boltendahl (GRAVE DIGGER) und "Der Herr der Ringe"-Pippin wirkt, steigt mit 'The Scream' in ihr Set ein und lässt mit 'Mr.Hyde' gleich noch einen zweiten Song vom selbstbetitelten Debüt folgen. Danach gibt es mit 'Barons Overthrow' den einzigen Song vom 2003er-Werk "Diary In Black" zu hören, denn danach kommt mit 'Sons Of Mayhem' wieder ein älterer Song - eingeleitet durch ein kurzes Schlagzeugsolo, in das die Gitarren einsteigen. Apropos Gitarren: Diese sind bei fast dem gesamten Auftritt nur zu erahnen, da der Sound sehr Bass-lastig ist und alle anderen Instrumente überlagert. Dies schadet der Stimmung im Publikum jedoch überhaupt nicht, genauso wenig wie der einsetzende Regen, und als die obligatorische BLACK SABBATH-Coverversion 'Heaven And Hell' folgt, gehen die Leute auch recht begeistert mit. Mit 'Quickie' spielen RAWHEAD REXX dann auch noch einen nagelneuen Song vom im Februar 2005 erscheinenden Album, bevor mit 'Town Of Skulls' der Schlusspunkt gesetzt wird. Alles in allem ein sehr ordentlicher Auftritt!
(Martin Schaich)

Als ich mich kurz nach halb drei erstmals Richtung Pain Stage begebe, testet der Schlagzeuger von GOREROTTED gerade sein Double-Bass. Der Sänger labert noch eine Weile ins Mikro, dann prügeln die fünf Briten los. Während der Songs vom aktuellen Album "Only Tools And Corpses" schwimmen dann auch die ersten Crowdsurfer des Tages über die Menge. "Prost, you fucking german Fuckers!" ruft der Sänger und widmet 'Fuck Your Arse With Broken Glass' den "german chicks". Nach einer knappen halben Stunde ballern die Grindcore-Hools noch 'Cut, Gut, Beaten, Eaten' raus und verabschieden sich mit einem laut gegrölten "Fick mein' Arsch!" von der Bühne. Später sieht man einen der saitengreifenden Glatzköpfe (der mit dem blauen Schottenrock) im VIP-Zelt besoffen randalieren sowie noch später und noch besoffener sich ein paar Abfuhren von diversen Frauen einfahren. Fuck yourself! (Nicht zu vergessen ein weiterer höchst bemerkenswerter Spruch des Frontmanns von GOREROTTED: "Ich bin ein kleiner Schwanzlutscher" - zum Glück gegen andere Lebensweisen tolerant, H.K.)
(Carsten Praeg)

MÖRK GRYNING sind kaum auf der Bühne, schon hört die Nässe von oben auf - ob der Gott des Regens mit Satan einen Deal geschlossen hat?! Wie auch immer, die Nordmänner entern als Sixpack die Bühne, im Hintergrund hängt wie bei fast allen Gruppen auf dem Summer Breeze ein großes Logo. Als Kontrast dazu sind alle Musiker von MÖRK GRYNING in schwarz gekleidet, Bandshirts gibt es bei dieser Truppe nicht zu bewundern. Die Musik der einstigen Schwarzwurzel-Verehrer klingt kaum noch nach Black Metal, sondern vereinigt in sich inzwischen auch viele rockige Elemente. Das entstehende Gemisch lässt sich dabei am ehesten als extreme Musik ohne Grenzen bezeichnen. Das dabei auf der Bühne herumlungernde Keyboard ist kaum zu hören, wahrscheinlich fällt es auch keinem der Fans auf. Der Sound fordert nämlich an sich schon den denkenden Metal-Head, leider ist nicht alles ganz klar zu verstehen. Dafür sind die Jungs aus Schweden ordentlich heiß auf ihren Auftritt, besonders der blonde Sänger Draakh Kimera wirkt sehr motiviert. Oder liegt das an seinem sichtlich vorhandenen Alkoholspiegel, den er mit einer Wasserflasche in seiner Hand zu kaschieren sucht? So oft, wie sich der Kerl die Hosen hochzieht, könnte es natürlich auch chronischer Blasendruck sein?! Who knows... Dafür kommt des Krächzbardens Stimme sehr kratzig-heiser aus den Boxen gezischt, zusätzlich ist das Organ mit ordentlich viel Hall künstlich verstärkt. Einen neuen Song gibt es auch, dazu noch 'Journey' vom "Tusen år har gått"-Album. Insgesamt reichen diese Attribute für eine ziemlich nette MÖRK GRYNING-Show, aber insgesamt ist der Auftritt noch nicht ganz der absolute Oberhammer.
(Henri Kramer)

Als nächstes treten auf der Pain Stage VOMITORY an um auf handwerklich hohem Niveau zu knüppeln. Bei den ersten beiden Songs wirken die Gustafsson-Brüder und Co. allerdings noch etwas hüftsteif, was daran liegen kann, dass sie schon abends zuvor bei der Warm-Up-Show in Aalen spielten. Dann kommen sie langsam in Schwung und lassen zu den Songs vom neuen "Primal Massacre"-Album die Haare fliegen. Dennoch erreichen die vier Schweden nicht ansatzweise das Niveau, das sie auf der No-Mercy-Tour im Frühjahr zeigten. Auch das Publikum ist müde, erst gegen Ende häufen sich die Teufelsgrüße in den ersten Reihen. Der Sound und die Spielfertigkeit der Band gehen aber wie immer voll in Ordnung. Dabei stelle ich fest, dass der Bass noch mehr ballert, wenn man sich kurz auf ein Dixi neben der Bühne begibt. (Durchfall allein reicht auch schon oft zum Wegschießen - Mega-Sinnlos-Kommentar von Senfgeber H.K.) (Manchmal bin ich doch über Henris großen Hang zur Verliebtheit in eigene Kommentare bei jeder Gelegenheit überrascht - augenzwinkernd, C.P.) Mit einem knappen "Thank you, Summer Breeze" verschwinden VOMITORY dann von der Bühne. Unterm Strich gutes Geknüppel zum Wachwerden, aber nicht der erwartete Hammer-Gig.
(Carsten Praeg)

Mit SONATA ARCTICA geht es dann anschließend in eine weitaus melodischere Richtung, denn die Finnen um Sänger Tony Kakko haben sich bekanntlich dem Power Metal der STRATOVARIUS'schen Prägung verschrieben. Entgegen der Gewohnheit geht es dieses Mal nicht mit einem Intro los, sondern mit einer kurzen Ansage durch Tony und mit 'Victoria's Secret' vom noch aktuellen Album "Winterheart's Guild" steigen SONATA ARCTICA dann in das Set ein. Wie auch schon die vorhergehenden Bands auf der Main Stage, so haben auch die Finnen keinen guten Sound erwischt, doch dadurch lassen sie sich nicht beirren und ziehen ganz professionell ihr Ding durch. Insbesondere Tony ist sehr beweglich auf der Bühne und das überträgt sich auch auf das Publikum, das die Songs vom Debüt-Album "Ecliptica" (u.a. '8th Commandment', 'Kingdom For A Heart') ebenso begeistert aufnimmt wie 'Black Sheep' vom Zweitlingswerk "Silence". Da im Oktober das neue Album von SONATA ARCTICA erscheint, haben sie natürlich auch schon einen Song von diesem Output im Programm, nämlich die Uptempo-Nummer 'Don't Say A Word'. Den Schlusspunkt setzen sie dann aber mit einem Song vom noch aktuellen Silberling ('The Cage'), bevor sie sich mit dem traditionellen 'We need some vodka...' endgültig verabschieden. Insgesamt ein unterhaltsamer Auftritt! (Wie schade, dass wir von der Keyboard-Liebhaber-Fraktion den Gig verpasst haben, jetzt werden wir total dumm und ignorant sterben... - böse feixende Anmerkung von H.K.)
(Martin Schaich)

Zu Beginn des Konzerts von FLESHCRAWL sichte ich Oma und Opa mitsamt Enkel, die sich das Treiben der Death Metaller anschauen wollen, jedoch nach knapp eineinhalb Songs die Flucht ergreifen, im Gegensatz zum Publikum (ein klassischer Delling). Titel wie 'As Blood Rains From The Sky' und 'Flesh Bloody Flesh' lassen schon anklingen, dass es sich um simplen in-die-Fresse-Death handelt, den die Jungs gutgelaunt rüberbringen. Mit der Ansage: "Ihr werdet langsam müde, dann spielen wir schneller" wird 'Damned In Fire' angekündigt, womit die Jungs einige Lebensgeister wieder in der Menge wecken. Des Weiteren wird mit 'Made Of Flesh' (O-Ton: "Der beste Titel, der uns eingefallen ist!") und 'Demons Of The Dead' weiter gutes Geboller aus den Boxen gehauen. Der Tribute-Song am Ende des Sets ähnelt leicht ENTOMBED zu ihrer "Left Hand Path"-Phase.
(Tolga Karabagli)

Was wurde im Vorfeld über die umstrittenen und wiedervereinten Gothic-Metaller diskutiert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass während dem Keyboard-Intro vereinzelt "Auflösen!"-Rufe aus dem Publikum zu hören sind. CREMATORY stört's wenig, als sie mit 'Fly' und 'Greed', der Single des neuen "Revolution"-Albums, loslegen. "Alles okay bei euch?" fragt Sänger Felix, ehe er die Fans zu 'Tears Of Time' in die Hände klatschen lässt. Der gewichtige Frontmann gibt sich sehr fannah und lässt bei 'Revolution' sogar den Propeller kreisen. Da sag einer noch mal, CREMATORY seien kein Metal, auch wenn einigen meiner Redaktionskollegen das Bier schal wird und ich sogar eine "Hilfe"-SMS geschickt bekomme. Trotzdem bietet der deutsche Gothic-Fünfer einen guten Gig mit Songs wie 'The Fallen' oder 'Tick Tack'. "Feiert noch schön und haltet untereinander zusammen", sagt Felix, ehe sich seine Band mit dem unverzichtbaren THE SISTERS OF MERCY-Klassiker 'Temple Of Love' verabschiedet. (Unverzichtbar ist bei dieser "Band" nur ein dicht schließender Gehörschutz oder eine geräumige Kotztüte - Anmerkung von H.K., der dieser Truppe nur sagen will: "Husch, husch, werft eure Instrumente ins Krematorium...!")

Flammen lodern vor der Painstage, als SALTATIO MORTIS auf der selbigen loslegen. Die Mannheimer Troubadoure laden mit ihrem Electro-angehauchten Mittelalterrock zum Todestanz (was "Saltatio Mortis" übersetzt heißt) ein, und unter den Zuschauern herrscht sofort gute Stimmung. Ein weiteres Markenzeichen sind die langen, mittelalterlich-intonierten Ansagen von Schlagzeuger Lasterbalk: "Bush hat immer noch nicht begriffen, dass die Zeit der Kreuzzüge vorbei ist. Für sie, Mr. President: Der 'Heuchler'." Nach dem politischen Statement wird's aber gleich wieder lustiger. 'Mea Culpa' wird allen gewidmet, die "heute noch saufen und ficken wollen". Und auch zu diesem Thema hat "Lasterbalk, der Lästerliche" noch eine kleine Geschichte auf Lager: "Letzte Nacht hörten wir animalische Laute aus der Koje unseres Mümmelsteins. Wir fragten uns, was dies wohl für ein Weibe sei, und wir fanden heraus, dass es die Busfahrerin war." Mit dem 'Palästinalied', 'Eine Insel' und 'God Gave Rock 'n' Roll To You' von KISS folgt die Zeit der Coverversionen. Dann verabschieden sich die "immer potenten und gut aussehenden" Spielleute, in dem sie die Männer im Publikum noch mal "Schweinskram" rufen und die Frauen kreischen lassen. Als Zugabe gibt's dann noch 'Junges Blut'. Für mich das beste Konzert am ersten Tag, abgesehen natürlich vom nun folgenden Oberhammer-Gig von HYPOCRISY!
(Carsten Praeg)

Keine Ahnung, zum wievielten Male ich Peterle und seine Truppe jetzt sehe. Spaß macht das sowieso immer, insbesondere zusammen mit zwei durchgeknallten Redaktionskollegen. Der amtlich abgehende Glatzkopf vor uns amüsiert sich zumindest köstlich über den vom Triumvirat des Schreckens dargebotenen Schwachsinn. Metal gibt's auch noch, unter anderem kramen HYPOCRISY wie schon beim Wacken olle Kamellen wie 'Inferior Devoties' oder 'God Is A Lie' (Blast-Chef Staiger gewidmet, an seiner Stelle würd' ich mich ärgern, damals waren die Jungs ja noch richtig schrottig...) raus. Die beste Stimmung kommt aber wie gehabt bei den majestätischen Midtempo-Hymnen wie 'Eraser', 'Fire In The Sky', 'Deathrow (No Regrets)', 'Turn The Page' oder 'Slave To The Parasites' auf. (Und endlich mal wieder 'Fractured Millennium'! - C.P.) Schön zu sehen, dass sich die neuen Songs nahtlos ins Set und Qualitätsniveau einfügen, während 'Turn The Page' vom etwas komischen "Catch 22" immer noch ein bisschen wie ein Fremdkörper wirkt. Egal. Der Sound walzt in seiner glasklaren Vehemenz alles platt, Peterchen und seine drei Freunde scheinen mächtig Spaß zu haben und das Publikum dankt ihnen eine Stunde feinste Unterhaltung mit der üblichen Hingabe. Jederzeit wieder! Bienen, Ameisen, Bienen... (gähn, jedes Jahr das selbe, lasst euch doch mal was Neues einfallen - Anm. d. Lektors) (immer diese Kiffköppe - mit dem Zeigefinger drohend, H.K.)
(Rouven Dorn)

Nach dem recht späten Konzert von LAKE OF TEARS auf dem diesjährigen With Full Force war ich gespannt, wie sich die Jungs als drittletzte Band des ersten Tages auf dem Summer Breeze schlagen. Nach den beiden "A Crimson Glory"-Klassikern 'Boogie Bubble' und 'Cosmic Weed' hat das Quartett (wie auf dem WFF ist ein zweiter Gitarrist am Start und die Keys kommen auch wieder vom Band) beim Publikum einen Stein im Brett. Nach dem zweiten Song hat sich Bandleader Daniel Brennare seiner komischen Pilzmütze entledigt. Der dritte Song wird vom Publikum bejubelt und spätestens beim bärenstarken 'The Greymen' vom aktuellen Album "Black Brick Road" gibt´s kein Halten mehr. Trotz einem zu sehr in den Vordergrund gemischten Bass und einer zu sehr in den Hintergrund verdrängten Leadgitarre ist die Stimmung gut. Ab dem fünften Song ist die Leadgitarre wieder zu hören, jedoch hat das Intro nicht geklappt, was Daniel mit einem auf deutsch gesprochenen "Was für eine Scheiße" quittiert. Die traumhafte Ballade 'The Organ' lässt einen wohligen Schauer nach dem anderen über meinen Rücken laufen. Weshalb Mikael und der Gastgitarrist sich beim letzten Song 'Crazyman' ausgefranste Badezimmerteppiche umhängen, bleibt mir ein Rätsel. Auf jeden Fall sind die Jungs besser drauf als auf dem WFF, was das Publikum zurecht zu Zugabe-Rufen animiert.
(Tolga Karabagli)

Dafür liebe ich das diesjährige Summer Breeze-Billing: Es ist verdammt viel Musik für's Herz und für den Kopf dabei. Alleine schon LAKE OF TEARS: Die Truppe hat seit ihrem "Headstones"-Meisterwerk bei mir einen riesigen Stein im Brett, ließ sich aber nie zu Zeiten live sehen, in denen ich sie hätte bewundern können. Umso erfreulicher dann das grandiose "Black Brick Road"-Comeback, welches vom Quartett (ein Session-Klampfer verstärkt die Mannen um Daniel Brennare) auch gleich in Form von 'The Greymen' präsentiert wird. Schön blöd, wenn man sich einen Platz ganz rechts vorne vor den Bass-Boxen aussucht, die tief tönenden Frequenzen überlagern den Gesamtsound doch ein bisschen. Drauf geschissen und weiter der zauberhaften Musik gelauscht: Schwedische Minimalisten, allesamt keine Musik-Götter vorm Herrn, verzaubern ein kleines schwäbisches Dorf. Augen schließen und abheben, mit oder ohne Starthilfen. Brennare hat mit seinem Fliegenpilz-Hut die Marschrichtung auf jeden Fall schon vorgezeichnet... 'Cosmic Weed' schlägt in dieselbe Kerbe, schweben, träumen, genießen... 'The Shadowshires' betört die Sinne ebenso wie 'The Organ' oder 'Pagan Wish', bei dem sich Brennare sogar ordentlich verzockt. Muss sogar sein - was anderes hätte ich gar nicht erwartet. Oder akzeptiert. Die Federkostüme zu 'Crazymen' stehen der Saitenfraktion im Übrigen ausgezeichnet, auch wenn ich mit diesem Erscheinungsbild den Übersong 'Headstones' nicht mehr so ganz ernst nehmen kann. Insgesamt eine Stunde vertonte Magie pur, so minimalistisch kann ganz große Kunst aufgemacht sein. Langweilig? Banausen!
(Rouven Dorn)

SENTENCED: Je voller, desto doller. Mit einer Flasche Rotwein ist diese Band Gott. Der Rest ist Melancholie, in eine Flasche voller alkoholischen Traubensaft gepresst. Bei dieser Band sind Selbstzweifel erwünscht. Entschuldigt, ich muss jetzt erstmal suiziden...
(Henri Kramer)

Gähn. Die ersten zwanzig Minuten sind irgendwie richtig langweilig, alles schon mal gesehen, alles schon mal da gewesen. Das Medley aus 'The Suicider' und 'Excuse Me While I Kill Myself' gibt's dieses Mal zu Beginn, damit knüpfen SENTENCED direkt an ihren Gig beim Breeze vor zwei Jahren an. Toll. Trotzdem nicht wirklich berauschend, auch 'Neverlasting' und das eigentlich grandiose 'Sun Won't Shine' können da nix mehr retten. Ville wirkt, wie immer, besoffen und auch ein bisschen bocklos-arrogant. Aber dann: Ein mächtig Arsch tretender, neuer Song namens ... naja, wenn ich meine Schrift noch lesen könnte: 'Evergrown'? Die neue Scheibe wird Klarheit bringen und auf diese freut sich nach solch einer Demonstration wohl jeder vor der Bühne Anwesende. Selbst das Wetter hätte passender nicht sein können: Ab der Mitte des Gigs beginnt es langsam, sanft und sachte, aber stetig zu gießen. Die ideale Untermalung zu einem SENTENCED-Gig. Oder zu Schmachtfetzen und Selbsthassklumpen wie 'Bleed' oder 'No One There'. Wenn man sich ein bisschen umschaut, dann fällt in der Zuschauermenge gleich die enorm große Menge an schmusenden, kuschelnden Pärchen auf. Frechheit. Aber wo, wenn nicht hier und jetzt? Das Goten-Mädel links von mir redet auf ihren Freund ein, bei 'Brief Is The Light' sind die beiden heftig am Knutschen. So soll das sein. Aber Ville hat noch nicht genug, glänzt mit assigen Ansagen wie "We don't give a fuck about the other bands playing here" oder "And now ... we're gonna play ... with our penises. No, that's after the show." Vielleicht ein bisschen weniger Wodka in Zukunft? Egal, mit 'Noose' und 'Nephente' wird's dann richtig nostalgisch, und zu guter Letzt kann ich behaupten, dass auch dieser SENTENCED-Gig wieder ein voller Erfolg war. Und auch der andere neue Song ('Make The Day, Become The Day'?) macht mächtigst Bock auf eine neue Langrille. Feine Sache.
(Rouven Dorn)

Den Schlusspunkt setzen am ersten Festivaltag dann GODDESS OF DESIRE mit ihrer ganz eigenen Bühnenshow. Die Holländer sind ja bekannt dafür, dass sie nicht nur auf die musikalische Komponente Wert legen, sondern auch mit Show-Elementen nicht geizen. Zunächst steigen sie mit 'Rites Of War' in ihren Set ein um anschließend mit der VENOM-Coverversion 'Teacher's Pet' fortzufahren. Hier treten dann auch zum ersten Mal die beiden leichtbekleideten Mädels in Erscheinung, die bei einem GODDESS OF DESIRE-Auftritt natürlich nicht fehlen dürfen. Weiter geht's mit dem Titelsong des aktuellen Albums, 'Conqueror's Divine', ehe das MOTÖRHEAD-mäßige 'Ride' - Grevs Gesang hört sich auch live wie Lemmy höchstpersönlich an - zum Besten gegeben wird. Obwohl es in Strömen regnet, tut das der Stimmung im Publikum keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Die zahlreichen Fans vor der Bühne feiern GODDESS OF DESIRE begeistert ab und eine Hymne wie 'Metal Forever', von zahlreichen Pyro-Effekten begleitet, leistet da selbstverständlich auch ihren Beitrag. Bei 'The Battleground' dürfen Delilah und Medusa ihre Feuerspuck-Künste unter Beweis stellen, bevor es auch schon auf den Endspurt zugeht, und zwar in Form von 'Symbol Of Triumph' und dem neuen Stück 'Scream For Metal True'. Das Publikum hat danach zwar noch lange nicht genug, aber aus zeitlichen Gründen gibt es leider keine Zugabe. So müssen sich die Fans wohl oder übel auf den "Heim"-Weg machen, doch die "Goddess Of Desire, oh, oh, oh, oh, oh"-Chöre hört man noch lange auf dem gesamten Gelände. Live sind GODDESS OF DESIRE einfach unschlagbar und das ist auch auf dem Summer Breeze nicht anders!
(Martin Schaich)

Recht so. GODDESS OF DESIRE schenken den Fans eine eskalierende Thrash-Show ohne Punkt und Komma. Geil. Ganz anders eskaliert es da auf dem Zeltplatz, und das, obwohl der Weg zwischen Bühne und Camping-Lager wie jedes Jahr nicht unbedingt ein Katzensprung ist. Doch was man so alles von um 10 Euro Zeltgebühr ärmeren Fans hört: Nazis, die dort die ganze Nacht ihre Mugge hören, ohne dass ein Security-Heinz solche Typen anpackt und vom Festival schmeißt. Oder irgendwelche Kunden, die besoffen mit Feuerwerkskörpern vor fremden Zelten rumhantieren. Und von zerbrochenen Glasflaschen wollen wir hier nicht reden. Alles Phänomene, die schon Festivals wie dem Party.San in Bad Berka fast den Nacken gebrochen haben, die inzwischen gerade dort der Vergangenheit angehören, weil die Securities entsprechend geschult sind. Das scheint in diesem Jahr beim Summer Breeze nicht unbedingt der Fall zu sein, vielmehr wirken viele Aktionen der Sicherheitsleute unbeholfen und willkürlich. Die vielen kritischen Einträge im Gästebuch des Summer Breeze sprechen da Bände... Anyway, ansonsten ist der erste Tag ein voller Erfolg, das Wetter spielt noch halbwegs mit. Guten Tag, Herr Vollrausch - das sagt auch Cheffe Schorsch im VIP-Zelt.
(Henri Kramer)

Ja, ja, im Vollrausch befanden sich auch einige Herrschaften im VIP-Zelt. Und was man sich dann so an Obszönitäten vom eigenen Chefredakteur anhören muss... Wir sind alle froh, dass Rouven wirklich nicht schwul ist und Tolgas türkische Nippel nicht missbraucht wurden.
(Carsten Praeg)

O-Töne...
Georg (hackestramm): "Tolga, darf ich mal an deinen Nippeln lecken?" *lall*
Tolga: "!!!!!"
Rouven: *bepiss*
(Henri Kramer)

Redakteur:
Henri Kramer

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