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THE INTERSPHERE, LIKE LOVERS - München

08.01.2019 | 19:57

05.01.2019, Backstage Club

Lautstärke, Energie und Filigranität!

Es ist schon eine Weile her, es war 2010, da habe ich THE INTERSPHERE zum ersten Mal im Vorprogramm von KARNIVOOL gesehen. Aber ich erinnere mich noch gut, ein kleiner, verschwitzter Club war das, und ich habe mich gewundert, daß KARNIVOOL diesen proppenvoll bekommen hat. Viel Zeit ist vergangen, und auch THE INTERSPHERE hat sich musikalisch entwickelt. Deshalb war die Neugierde auf die Mannheimer Proggies groß, und ich schlendere mit Fotografin Nives frohen Mutes ins Backstage.

Zunächst aber muss man LIKE LOVERS über sich ergehen lassen. Das ist das Projekt von einem Multi-Instrumentalisten (Laptoprocker? Alleinunterhalter?) namens Jan Kerscher, der uns aber erklärt, dass sein musikalisches Werk in Zukunft auch mit richtiger Band dargeboten werden soll. Heute allerdings kommen alle Sounds aus der Konserve, beziehungsweise werden mit dem Looper eingespielt. So erklingt hier allerlei Sphärisches, Experimentelles und, tja, Loopiges, und das Gebräu quirlt hierbei aus mächtig überfordert wirkenden Boxen. Vor allem die Bässe quälen das Ohr und auch der ätherische Gesang, der irgendwas zwischen JEFF BUCKLEY, RADIOHEAD und BJÖRK sein will, ist ein Tick mehr als gewöhnungsbedürftig. Unterm Kopfhörer könnte LIKE LOVERS' Art-Pop durchaus interessant sein, doch live funktioniert das nicht, und wir sind froh, als es endlich vorbei ist.

Der Sound bleibt auch bei THE INTERSPHERE - vor allem für Backstage-Verhältnisse - extrem laut und bassig und viele müssen sich schon an die Ohren fassen. Vor allem das Schlagzeug fährt vehement in die Magengrube. Manche gewöhnen sich daran und können den Gig in der Folge durchaus genießen, für andere aber wird das Konzert leider zu Tortur. Keine Ahnung, warum eine so feinfühlige Band wie THE INTERSPHERE hier eine gefühlt doppelte Lautstärke auffahren muß, als die viel metallischeren NIGHT DEMON oder ANNIHILATOR an gleicher Stelle.



Wie dem auch sei, wer nicht halb stirbt, merkt schnell, wie unglaublich präzise und tight die Mannheimer Vollprofis arbeiten. Die Breaks sitzen bis auf die Hundertstelsekunde, die Stage-Performance ist dabei agil und hochenergetisch. Live kommt die Band weitaus brachialer rüber als auf Konserve, wobei mir erst jetzt erst so richtig klar wird, wie hochkomplex die Musik ist. Vor allem Moritz Müller vollbringt am Schlagzeug schier Übermenschliches. Auffällig ist zudem, daß viele Songs nach brachialem Beginn eher melancholisch ausklingen. Für Abwechslung ist also gesorgt, und meine Begeisterung wächst somit von Song zu Song, zumal die Mannheimer bei aller Verspieltheit auch ein paar veritable Hits in petto haben. Und bei 'Prodigy Composers', meinem persönlichen INTERSPHERE-Highlight, gehe ich sogar ganz nach vorne in den entstehendem Mini-Circle Pit. Insgesamt ist die Freude aber doch ein wenig getrübt, denn die Ohren klingeln nach dem Gig gewaltig, der INTERSPHERE-Hit 'Joker' fehlt in der Setliste, und Fotos durften wir auch nicht machen, da uns die Kamera am Einlass weggenommen wurde. Angeblich gab es keine Fotopässe. Lust auf ein Wiedersehen habe ich persönlich aber trotzdem.

Setliste: Think Twice; Mind Over Matter; Interspheres >< Atmospheres; Antitype, Relations In The Unseen; Man On The Moon; Secret Place, Panic Waves; I Have A Place For You On Google Earth; Capitall; Trans-Late; Out Of Phase; Smoke Screen; The Grand Delusion; Parallel Lines; Zugaben: Prodigy Composers; Linger

Redakteur:
Thomas Becker

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