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THE UNITY und NEOPHYTE - Nordenham

11.06.2017 | 19:57

27.05.2017, Jahnhalle

Kleine Überraschungen an einem rundum gelungenen Abend.

THE UNITY lud zur Veröffentlichung des ersten Albums gleichen Namens zur Release-Show in die beschauliche niedersächsische Kleinstadt Nordenham und natürlich ist dies für einen GAMMA RAY-Jünger und Henjo-Richter-Fan wie mich ein Pflichttermin. Das Album konnte in unserem April-Soundcheck einen respektablen 13. Platz erreichen und gefällt mir inzwischen auch immer besser. Die kleine Supergroup aus GAMMA RAY- und ex-LOVE.MIGHT.KILL-Mitgliedern vermengt nämlich sehr gekonnt europäischen Melodic Metal mit gutlaunigem Hard Rock und hat sich dafür zudem noch die beste Jahreszeit ausgesucht.

Doch bevor die erfahrenen Recken die Bühne der gemütlichen Jahnhalle betreten, ist erst einmal der Nachwuchs an der Reihe. Der kommt heute aus Hamburg und heißt NEOPHYTE. Und die Hansestädter legen trotz des jungen Alters (im Schnitt dürften die Musiker um die 18 Jahre alt sein) sehr professionell los. Nach einem opulenten Intro kommen keine eingeschüchterten Neulinge auf die Bretter, sondern bestens eingespielte und gelaunte Musiker, die heute nur den Auftrag kennen, ihre Musik bekannter zu machen.

Die Jungs spielen Melodic Metal mit Metalcore-Einflüssen, die aber zum Glück nur partiell durchscheinen und passend eingesetzt werden. Sehr souverän und dennoch mit viel Spaß wird das Songmaterial dargeboten, das sich irgendwo zwischen STRATOVARIUS und GAMMA RAY ansiedeln lässt. Es wird also melodiert, dass es nur so eine Freude ist! Mit Mel Pickhard steht dem Sechser (drei Gitarristen!) zudem ein absolut fantastischer Sänger vor, der vor allem in den hohen Lagen wirklich überzeugt. Klar, die Ansagen zwischen den Songs sind noch etwas wackelig, aber dafür, dass die Band noch nicht mal ein Jahr existiert, ist das absolut in Ordnung. Als wäre dieser Sahne-Gig nicht schon Überraschung genug, entdecken wir irgendwann Meister Kai Hansen im Publikum, der mit stolzem Blick den Auftritt mitzeichnet. Nach kurzer Recherche stellt sich einer der Gitarristen als sein Sohn heraus. Mit einem solchen offenbar vererbten Talent steht NEOPHYTE hoffentlich jede Tür weit offen. Die Einstellung stimmt, die Songs sind super und über die musikalischen Qualitäten kann es keine zwei Meinungen geben. Ich hoffe, dass da bald was für meine heimische Anlage erscheint!

Doch bevor das passiert, erklingen erst einmal die Klänge Eduard Anatoljewitsch Chils aus den Boxen, dem Internet eher als "Trololo-Mann" bekannt. Der russische Sänger musste seinen Song über einen zu seiner Frau zurückkehrenden Cowboy 1976 zensieren, da der Text zu amerikanisch war, und entschied sich dafür, das Stück als Vokalise darzubringen. Und zu dieser Kultaufnahme betritt nun die neue norddeutsche Hoffnung THE UNITY die Bretter. Die Band ist aus ex-LOVE.MIGHT.KILL- und GAMMA RAY-Mitgliedern zusammengesetzt und vereint auf dem ersten selbstbetitelten Album, dessen Veröffentlichung heute gefeiert wird, schönen Hard Rock mit schnellen Metalklängen.

Es steht also jahrelange Bühnenerfahrung vor dem Nordenhamer Publikum, das die neue Band mit viel Beifall willkommen heißt. Mit viel Freude in den Backen macht sich die Band ans Werk. Da für diesen ersten Headliner-Auftritt bisher nur ein einziges Album als Songmaterial vorhanden wird, der Set aber selbstverständlich wenigstens 90 Minuten lang werden soll, wird nicht nur das gesamte Werk gespielt, sondern auch noch einige Überrschungen eingebaut.

Zunächst aber machen die Stücke von "The Unity" live eine wirklich gute Figur. Während ich das Album zwar wirklich mag, der Schwerpunkt für mich aber etwas zu sehr auf dem Hard Rock liegt und ich noch ein paar schnellere Metal-Attacken geliebt hätte, wirken die Stücke heute ungleich härter und spritziger. Selbst 'Close To Crazy' verwandelt sich heute in einen absoluten Stimmungsmacher. Die Gitarrenfraktion aus Stefan Ellerhorst (ex-LOVE.MIGHT.KILL, ex-CROSSROADS) und dem mir immer wieder mit seiner luftig-leichten Spielweise imponierenden GAMMA RAY-Plektrumschwinger Henjo Richter sorgt für geballte Riffkraft, der der sich wie immer vollkommen verausgabende Schlagzeuger Michael Ehré den nötigen Punch gibt.

Und auch Goldstimmchen Jan Manenti bietet einen wunderbaren Auftritt. Auf die Dauer ist sein ständiges Anfordern von Applaus, Mitgeklatsche und -gesinge etwas anstrengend, doch das tut der prächtigen Stimmung, die die Musik verbreitet hat, natürlich keinen Abbruch. Zumal der Sound in der Jahnhalle, die sicher nicht oft Metalkonzerte beheimatet, einwandfrei und druckvoll aus den Boxen kommt.

Aber ich habe Überraschungen versprochen. Da die Songs des Debüts allein nicht ausreichen, eine komplette Headliner-Setlist zu füllen und auch das längste Drumsolo einmal zuende gehen muss, gibt es heute nicht nur ein LOVE.MIGHT.KILL-Stück auf die Ohren, sondern auch eines von GAMMA RAY. Und da Mister Hansen eh in der Halle ist, kommt er für 'Send Me A Sign' kurzerhand auf die Bühne und sorgt bei mir und meinem Kompagnon, der für die Fotos hier verantwortlich ist, für Gefühle zwischen Gänsehaut und Feierlaune. Eine willkommene Abwechslung in einem sehr spaßigen Auftritt. THE UNITY präsentiert sich heute von der besten Seite, sodass ich mich schon auf den nächsten Auftritt, der hoffentlich nicht allzu lang auf sich warten lassen wird, freue. Bis dahin führe ich mir "The Unity" nochmal im Wohnzimmer zugute. Das muss fürs Erste wohl reichen.

Fotos: Daniel Lindhorst

Redakteur:
Marius Luehring

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