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Therion/Grave Digger - Langen

20.02.2007 | 10:33

08.02.2007, Stadthalle

Auf diesen Abend habe ich lange gewartet. Die schwedischen Bombast-Symphoniker THERION im Doppelpack mit den bodenständigen GRAVE DIGGERn, dazu als Schmankerl SABATON – das klingt für Herrn K. aus M. und mich nach einem viel versprechenden Abend. Umso erstaunter sind wir bei der Ankunft an der Langener Stadthalle, entgegen unserer Erwartungen findet sich diesmal eine halbe Stunde vor Konzertbeginn keine Menschentraube vor den Türen der Konzertstätte ein, im Gegenteil, in der Halle ist es für meinen Geschmack erdrückend leer.

Scheinbar erwarten die Veranstalter auch keinen großen Publikumszuwachs mehr, denn SABATON werden bereits um viertel vor acht auf die Bühne geschickt, um mit ihrem Programm zu beginnen. Erfreulicherweise lassen sich die jungen Schweden, die im vergangenen Jahr als Support von EDGUY bereits in Langen zu sehen waren, von dem noch verhaltenen Häufchen vor der Bühne nicht beeindrucken. Sänger Joakim Brodén verbreitet muntere Stimmung und animiert die Anwesenden zum Mitklatschen. Aufgrund der bisher überschaubaren Veröffentlichungen SABATONs erweist sich das Programm als bunte Mischung aus Stücken der beiden CDs "Primo Victoria" und "Attero Dominatus", von denen natürlich auch die Titelsongs gespielt werden. Leider haben SABATON heute Abend nur knapp eine halbe Stunde Zeit, sich zu präsentieren, innerhalb welcher es ihnen aber immerhin gelingt, die Stimmung in der Halle schon mal ein bisschen zu steigern. Fortsetzung folgt - im Mai kommen SABATON erneut, diesmal ins benachbarte Frankfurt. Der heutige kleine Gig ist dazu geeignet, diesen Termin schon mal im Kalender einzutragen.

In der Umbaupause ist Zeit für ein deliziöses Mahl aus Pommes mit Ketchup. Die Spannung steigt und zum Glück auch die Publikumszahl. Tatsächlich ist der Eindruck zu gewinnen, als hätten sich noch eine Anzahl Kuttenträger aus der Altmetallerfraktion eingefunden, um GRAVE DIGGER heute Abend zu genießen. Und sie werden nicht enttäuscht.

Kurz nach halb neun geht's los mit 'Liberty Or Death', dem Titelstück des aktuellen Albums der Totengräber, dessen Coverartwork als riesiges Banner die Bühne schmückt. GRAVE DIGGER starten hier gleich mit ein paar Feuerspielereien, um die Darbietung zu beleben. Ansonsten ist Chris Boltendahl bei guter Laune und animiert die Fans mit den üblichen Verhaltenscodes wie Mitgrölen, Mitklatschen und Gemeinsam-die-Songs-ansagen. Anders als bei vorangegangenen Gigs versteckt sich übrigens Keyboarder Hans Peter Katzenburg nicht unter seiner schwarzen Kapuze, sondern lediglich hinter einer schwarzen Sonnenbrille, ist ansonsten aber auch mal unverkleidet zu erkennen.

In den kommenden fast zwei Stunden bieten GRAVE DIGGER eine erfreuliche umfassende Songauswahl nicht nur vom aktuellen Album, sondern auch aus früheren Höhepunkten. So werden aus der "Middle Ages Trilogy"-Songs wie 'Morgane Le Fay', 'Lionheart' oder 'Knights Of The Cross' geboten und auch "Tunes Of War"-Fans kommen mit 'The Dark Of The Sun' und natürlich 'Rebellion' nicht zu kurz. Ein Song reiht sich an den anderen, mit überflüssig ausschweifenden Ansagen hält Chris sich zurück. Und so ist in der inzwischen doch ganz gut gefüllten Stadthalle noch mitreißende Stimmung aufgekommen. Hierzu trägt sicher auch bei, dass die Soundqualität bei der Show stimmt, was sich im weiteren Verlauf des Abends leider ändern wird. GRAVE DIGGER zeigen sich unermüdlich: Zwei Zugaben lassen sie sich entlocken, an deren Ende nach 'The Last Supper' natürlich das von den Fans herbeigerufene 'Heavy Metal Breakdown' steht.

Resümee: Große Überraschungen haben GRAVE DIGGER heute Abend ebenso wenig geboten wie auf ihrer neusten CD, sie konnten jedoch mit beständiger Qualität und der Befriedigung aller Erwartungen überzeugen. Ein von der Spielfreude der sympathischen Jungs geprägte Show, in der mit einem großen Rundumschlag Songs aus wichtigen Alben der Band geboten wurden. Und davon reichlich - mehr ist nicht zu wollen.

Als die Band gegen halb elf von der Bühne verschwindet, verdrückt sich leider auch wieder ein beträchtlicher Teil des anwesenden Publikums. Zwei derart gegensätzliche Bands wie GRAVE DIGGER und THERION zu einer Headliner-Tour zusammen zu packen, erweist sich zumindest heute Abend nicht als die glücklichste Wahl. Wie sich im weiteren Verlauf des Abends zeigen wird, sind die THERION-Fans doch erheblich in der Minderheit. Für das sich anschließende Programm der Schweden finde ich das doch mehr als bedauerlich. Aber vielleicht schwächeln einfach auch einige Fans, denen klar wird, dass dies heute eine ziemlich späte Nachtveranstaltung wird. So ist denn auch zunächst eine gut halbstündige Umbaupause zu überbrücken, bevor es endlich losgeht.

Aber das Warten hat sich gelohnt. Denn THERION haben sich verändert. In den kommenden anderthalb Stunden bieten sie eine beeindruckende Show mit völlig neuer Performance vor ansprechender Kulisse. Den Hintergrund ziert eine in weiß gehaltene Imitation gotischer Kirchenfenster, aus deren Mitte das Publikum eine kleine Totenkopffratze angrinst. Davor prangen jeweils rechts und links des Schlagzeuges zwei große Kerzenständer neben schmiedeeisernen Gittern, hinter denen sich Mikrophone befinden. Nun hätte man wohl erwartet, dass sich hier wie auf den vorangegangenen Touren auch stoisch einige Herren mit klassisch ausgebildeten Gesangsstimmen einfinden, um dem Gesamtwerk den opernhaften Charakter zu verleihen. Diesmal kommt es aber anders: Alle Stücke wurden derart arrangiert, dass die Gesangsparts auf vier Stimmen verteilt werden. So wird Mats Levén als bisheriger Leadsänger von Snowy Shaw und den beiden weiblichen Gesangsstimmen von Katarina Lilja und Lori Lewis von AESMA DAEVA unterstützt, die auf der gesamten Tour den Gesangspart von Hannah Holgersson (die auf der aktuellen Scheibe der Band, "Gothic Kabbalah", zu hören ist) übernimmt.

Los geht es mit 'Der Mitternachtslöwe', bevor sodann weitere neue Songs gut durchmischt mit älterem Material vorgetragen werden. Leider lässt die Soundqualität insgesamt etwas zu wünschen übrig. Für meine Begriffe klingt das Gesamtarrangement etwas übersteuert, was insbesondere den beiden Sängerinnen zum Nachteil gereicht. Während Loris heller Sopran sich gegen die Kraft der Instrumentalisten noch gut durchzusetzen vermag, geht Katarinas warme dunkle Stimme im Geschmetter der Musik des Öfteren unter. Als Ausgleich dafür lenkt sie allerdings die Aufmerksamkeit mit einer ausgeprägten Mimik auf sich, die manchmal ebenso diabolisch wirkt wie Snowys schwarz geschminkte Augen zu seinem wasserstoffblonden Haar. Absolut überzeugen können THERION dann mit ihrer ausgefeilten Choreographie. Ganz im Gegensatz zu den eher statischen Darbietungen vergangener Tage ist diesmal auf der Bühne viel Bewegung zu sehen. Immer wieder positionieren sich die Sänger und Sängerinnen neu, finden sich zusammen zum Chor oder zu Duetten und beleben die Show dadurch ungemein. Geradezu ans Herz geht 'The Perennial Sophia', bei dem sich Mats Levén und Katarina Lilja, die hier stimmlich gut herauskommt, tief in die Augen sehen.

Selten ist mir auch so deutlich die Beleuchtung aufgefallen, die die Bühne stimmungsvoll abwechselnd in violettes, grünes oder rotes Licht taucht. Vor dem Zugabenteil endet die Show mit dem 'Grand Finale' der 1996er-Scheibe "Theli". Die Künstler zelebrieren hier wirklich ein großes Finale, indem sich die vier Vokalisten ausgestattet mit großen schwarzen Flaggen dekorativ auf der Bühne positionieren, bevor diese mit dem Ende der Musik im dunkelblauen Licht versinkt. Eine bezaubernde Show geht hiermit zu Ende, für die es unglaublich bedauerlich ist, dass sich das Publikum um kurz nach Mitternacht noch weiter reduziert hat als zur Halbzeit der Veranstaltung. THERION hätten etwas anderes verdient, und so ist es umso erfreulicher, dass sich diese professionellen Künstler trotzdem noch zu einer Zugabe bewegen lassen, die auch hier mit dem traditionellen 'To Mega Therion' endet.

So verlassen wir die Stadthalle um halb eins in der Nacht erschöpft, aber beeindruckt. Zwar bemängelt Herr K. aus M. das Fehlen der klassischen Sängerriege, welche nach seiner Einschätzung den Songs von Christofer Johnsson das Fundament verliehen haben. Nach meiner Auffassung hingegen ist das neue Arrangement jedoch insbesondere im Hinblick auf die ausgefeilte Choreographie mindestens genauso gewinnbringend.

Redakteur:
Erika Becker

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