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Thrash 'em All - Ludwigshafen

12.02.2005 | 02:07

15.01.2005, DasHaus

Das METAL MEETING ist in Ludwigshafen ja inzwischen schon zu einer Traditionsveranstaltung geworden, und so dachte sich der Metal-Club "Warriors Of Steel" wohl, dass es an der Zeit wäre, eine neue Veranstaltung ins Leben zu rufen. Diese sollte ganz im Zeichen des Thrash Metal stehen, und dementsprechend wurde dieses Event THRASH 'EM ALL getauft. Am 15. Januar 2005 fand die Premiere schließlich statt, und mit UNSCARED, REPENT, CONTRADICTION, ABANDONED, VERDICT und GUERRILLA hatten die Warriors Of Steel ein ganz interessantes Billing zusammengestellt. Leider haben das aber nicht allzu viele Leute so gesehen, denn wirklich gut besucht war das 1. THRASH 'EM ALL FESTIVAL nicht. Aber diejenigen, die da waren, sind wohl schon auf ihre Kosten gekommen:

Den Anfang machten UNSCARED aus Heppenheim, und schlagartig war der Raum vor der Bühne gefüllt. Die vier Jungs aus dem Südhessischen haben sich mit ihrem old-schooligen Thrash Metal in den letzten Jahren eine ordentliche Fangemeinde erspielt, und diese war selbstverständlich auch an diesem Abend weitgehend anwesend. Entsprechend wurden Zottel & Co. lautstark unterstützt, sodass UNSCARED relativ leichtes Spiel hatten. Schon die ersten Songs ('Endless Times', 'Brainshake', 'Dance Of The Mad') wurden hervorragend aufgenommen, doch als es beim Titelsong des aktuellen Albums, 'Mosh Attack', auch noch eine wirklich sehenswerte Showeinlage - ein 'Hiphopper' wurde von der Moshsau, dem UNSCARED-Maskottchen, blutig zur Strecke gebracht - gab, kannte das Publikum kein Halten mehr. Doch nicht nur die Leute vor der Bühne waren sichtlich zufrieden, nein, auch UNSCARED hatten ihren Spaß. Zottel ist auf der Bühne ja sowieso immer ein Energiebündel, aber sogar die beiden eher ruhigeren Zeitgenossen Dirk und Kai gingen aus sich heraus. Als Opener hatten UNSCARED nur eine gute halbe Stunde Spielzeit, und so musste es Schlag auf Schlag gehen, damit sie möglichst viele Songs ihrer beiden bisherigen Alben (u.a. 'Proud To Be Your Enemy', 'Dying In The Discotheque', 'Zombie Beer') unterbringen konnten. Mit der Bandhymne 'Unscared' sollte dann der Schlusspunkt gesetzt werden, doch technische Probleme sorgten dafür, dass der Song mittendrin abgebrochen werden musste. Als Trost für die Fans gab es dann direkt das METALLICA-Cover 'Hit The Lights', und dann war's das auch schon für UNSCARED. Sehr guter Auftritt, den die Südhessen durchaus als Erfolg verbuchen können!

Weiter ging es anschließend mit geballter Franken-Power, und zwar in Form von REPENT. Ich hatte die Jungs bereits im November beim KEEP IT TRUE III gesehen, wo sie zwar mit enormen Sound-Problemen zu kämpfen hatten, aber ansonsten einen recht ordentlichen Auftritt boten, und deshalb war ich gespannt, ob sie diese Leistung nicht sogar noch überbieten könnten. Und sie konnten - obwohl der Sound wieder nicht perfekt war und auch der Publikumszuspruch zu wünschen übrig ließ. Im Vergleich zum vorhergegangenen UNSCARED-Auftritt waren deutlich weniger Leute vor der Bühne, und dementsprechend mäßig war auch die Stimmung. Die fünf Franken ließen sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen und spielten ihr Set solide durch. Dabei stand natürlich der aktuelle Output "Disciple Of Decline" im Mittelpunkt, der unter anderem mit dem Titelsong 'Disciple Of Decline', 'Thrash Attack' und 'Anarchy' zum Zuge kam. Doch auch das 2000er-Album "Escape From Reality" wurde nicht vernachlässigt (u.a. 'Black Path', 'Endless War' und 'Moshpit'), und sogar ein nagelneuer Song - 'Living For Vengeance' - hatte es ins Programm geschafft. Die Zeit verflog auch bei REPENT fast wie im Flug, und so mussten sie auch schon bald zum Ende kommen. Den Schlusspunkt setzten sie mit 'Course Of Power', und insgesamt können die Franken mit ihrer Leistung zufrieden sein. Guter Auftritt, der durchaus etwas mehr Zuspruch verdient gehabt hätte!

Anschließend standen CONTRADICTION auf dem Programm, doch da das Hungergefühl immer unerträglicher wurde, zog ich es vor eine Essenspause einzulegen. Als ich frisch gestärkt wieder in der Halle zurück war, kamen die Wuppertaler aber auch schon zum vorletzten Song, 'Falling Down', sodass ich kein umfassendes Urteil über den Auftritt von CONTRADICTION abgeben kann. Die vier Jungs boten allem Anschein nach eine recht solide Performance, die von den Anwesenden auch entsprechend honoriert wurde. Wie schon zuvor bei REPENT, so hätten sich ruhig auch jetzt mehr Leute in die Halle begeben dürfen, aber da ich ja selbst mit schlechtem Beispiel voranging, will ich das einfach mal so stehen lassen. Zum Abschluss gab es noch 'Pretender' zu hören, sodass es mir den Anschein machte, dass CONTRADICTION sehr viele neue Songs gespielt haben. Ob da wohl in naher Zukunft eine neue Scheibe auf uns zukommt?

Die vierte Band des Abends waren dann ABANDONED (oder: "A Band o(h)ne D"), und man merkte sofort, dass die Jungs aus Darmstadt einen deutlich kürzeren Weg nach Ludwigshafen hatten und dadurch - wie auch schon UNSCARED - einen Quasi-Heimvorteil ausspielen konnten. So wollten nun sehr viel mehr Leute diese Band sehen, und ABANDONED dankten es ihnen mit einem fulminanten Auftritt. Sie stiegen mit 'Meat' in das Set ein, und von Beginn an gaben sie alles. Besonders fiel hier im Unterschied zu den vorherigen Bands auf, dass deutlich mehr Bewegung auf der Bühne war, und diese Energie übertrug sich auch auf das Publikum, das begeistert mitging. Aber auch die sympathische und lockere Art, mit der ABANDONED auftraten, trug hierzu natürlich bei. Musikalisch boten die Darmstädter fast ihren gesamten Back-Katalog auf, und so gab es zum einen sämtliche Songs des ersten Demos "Forcefed" (u.a. 'Demonic Invocation' und 'Haunted House') und auch die meisten Stücke des zweiten Demos "Misanthrope" (u.a. 'Private Little Hell' und 'Misanthrope') zu hören. Einen ganz neuen Song hatten ABANDONED mit 'Return To One' auch schon im Programm (O-Ton: "Mal ausprobieren, ob das auch live klappt!"), und selbst dieser wurde begeistert aufgenommen. Der Auftritt der Hessen war äußerst kurzweilig, und so ging die Zeit viel zu schnell vorbei, sodass sie schon bald zum Ende kommen mussten. Dieses läuteten sie schließlich mit 'Forcefed' ein, gefolgt von einem kurzen 'Balls To The Wall'-Intermezzo, das dann in 'At The Gates Of Hell' überging. Danach sollte ja eigentlich Schluss sein, doch da das Publikum noch nicht wirklich genug hatte, legten ABANDONED mit 'I Am The Sun' noch einen Song drauf. - Insgesamt ein großartiger Auftritt, bei dem eigentlich alles gestimmt hat - für mich die beste Band des Abends!

Nach dem fulminanten Auftritt von ABANDONED hatten es VERDICT natürlich nicht ganz einfach, aber die Franken sind ja in der deutschen Thrash-Metal-Szene auch kein unbeschriebenes Blatt mehr, und so konnten auch sie genügend Leute vor die Bühne ziehen. Sie legten mit 'Sick Society' vom immer noch aktuellen 2002er-Album "Reflections Of Pain" los, und vor allem Sänger Daniel verstand es durchaus das Publikum zu animieren. Musikalisch wird man bei VERDICT zwar zwangsläufig an KREATOR erinnert, und auch Daniels Gesang ist dem von Mille nicht ganz unähnlich, aber wenn man sieht, mit welcher Hingabe die Miltenberger bei der Sache sind, dann drückt man da gerne ein Auge zu. Da das Debütalbum - wie angedeutet - bereits drei Jahre auf dem Buckel hat, VERDICT aber natürlich zwischenzeitlich nicht untätig waren, gab es auch einige neue Songs zu hören, wie zum Beispiel 'On The Run', 'Trail Of Terror' und 'Killing Spree'. Ganz ohne weitere "Reflections Of Pain"-Songs ging es aber auch im weiteren Verlauf nicht, sodass das zufriedene Publikum unter anderem auch noch in den Genuss von 'New War' und 'Reflections Of Pain' kam. Die Stimmung war zwar nicht ganz so überragend wie zuvor bei ABANDONED, aber die Leute vor der Bühne gingen auch bei VERDICT sehr gut mit. Mit dem Titeltrack des neuen Albums, das "irgendwann 2005" (O-Ton Daniel) erscheinen soll, 'Generation Genocide', kamen die Franken dann aber auch schon zum Schluss, doch ohne Zugabe wollte das Publikum VERDICT nicht entkommen lassen. So forderten sie lautstark noch einen weiteren Song, und so gab es schließlich noch etwas "alten Scheiß" (O-Ton Daniel), nämlich 'Conflict' zu hören. Vielleicht nicht unbedingt der beste Auftritt von VERDICT, aber immer noch ziemlich gut!

Als letzte Band und somit als Headliner durften dann schließlich GUERRILLA auf die Bühne, die immerhin schon auf eine über zehnjährige Bandgeschichte zurückblicken können. Die fünf Kölner stiegen mit 'Speed' vom 1998er-Demo "Breed Us, Feed Us, Weed Us" in ihr Set ein und ließen von Anfang an keine Zweifel aufkommen, dass sie alles geben würden, um dem Headliner-Status gerecht zu werden. Sehr engagiert gingen GUERRILLA zu Werke, und das übertrug sich auch auf das Publikum, das noch keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigte. Den Schwerpunkt bei der Songauswahl bildete natürlich das aktuelle Album "No Inch Back", sodass in der Folge erstmal Stücke von dieser Scheibe zu hören waren: 'Speed', 'Guardian Demon', 'Temptress' und 'Dead Man Walking'. Auch das 2000er-Album "On Target" blieb natürlich nicht unberücksichtigt und dementsprechend wurden auch Stücke wie 'City Of Sorrow' oder 'This Time It's War' gespielt. Dem Publikum war es eigentlich egal, wie alt die Songs waren - abgefeiert wurden sowieso alle. Und wenn es dann Sänger Marc und/oder Bassist Westi nicht mehr auf der Bühne hielt und sie sich unters gemeine Volk mischten, dann kannte die Begeisterung kaum ein Halten mehr. Dieses Miteinander auf der einen Seite und der äußerst groovebetonte Thrash Metal auf der anderen Seite sorgten für eine Party-Stimmung, die sich auch noch nach dem Auftritt zur After-Show-Party hielt. Doch bevor es soweit war, gab es noch ein paar GUERRILLA-Stücke auf die Ohren, wie 'Dead By Jealousy', 'Clemency' und 'Infected'. Mit 'Feeding The Scum' kamen die fünf Kölner schließlich zum Ende, und dass bei diesem letzten Song die Bühne von begeisterten Fans gestürmt wurde, ist auch ein Zeichen, dass der Auftritt den Leuten gefallen hat. Großartiger Auftritt einer äußerst sympathischen Band!

Redakteur:
Martin Schaich

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