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United Forces Of Rock II - Ludwigsburg

20.10.2006 | 13:12

01.10.2006, Rockfabrik

Wenn ein Rockfan die Entfernung Kiel-Stuttgart per Auto auf sich nimmt und dem zu erwartenden Ereignis auch noch monatelang im Vorfeld entgegenfiebert, dann muss wohl etwas Außergewöhnliches auf dem Speiseplan stehen. Das zweite UNITED FORCES OF ROCK-Festival in der Ludwigsburger Rock Fabrik rief und gut siebenhundert Rockfans sowie eine stattliche Zahl Pressevertreter kamen, um dem Melodic Rock als solchem zu frönen. Wo sonst gibt es derart geballt Bands und Künstler wie beispielsweise KIP WINGER, GARY BARDEN, DANNY VAUGHN oder FAIR WARNING zu bewundern? Auch die bereits lange im Vorfeld getätigte bedauernswerte Absage von TALISMAN, deren Sänger Jeff Scott Soto ja momentan mit dem mächtigen JOURNEY im Schlepptau von DEF LEPPARD durch riesige US-Arenen tingelt, konnte die Vorfreude nur unwesentlich trüben. Denn mit den Dänen PRETTY MAIDS konnten die Veranstalter einen würdigen "Ersatz" aufbieten, so dass die kleine POWERMETAL.de-Gesandtschaft in Person von Chris Staubach, Frank Hameister (Fotos), Frank C. Duennhaupt (Fotos) und mir einen denkwürdigen (und recht langen) Tag erleben durfte:
[Martin Stark]

LOVECHILD
Hardrock aus Liechtenstein (!) versprachen die Newcomer LOVECHILD, deren Sänger Werner Schweizer in den frühen Neunzigern in der Schweiz immerhin bereits Achtungserfolge mit SATROX verbuchen konnte. Leider stand der durchaus solide Auftritt der Truppe von Anfang an unter einem schlechten Stern, denn zum einen kannte quasi niemand das Songmaterial der Liechtensteiner, weil die Debüt-Scheibe erst Ende Oktober erscheint, und auch die Tatsache, dass es das Teil vor Ort zu kaufen gab, konnte da keine wirkliche Abhilfe schaffen - und zum anderen stellte sich nach wenigen Minuten ein Defekt am Drumkit ein, welcher eine mehrminütige Zwangspause einleitete. Sehr solider und treibender Hardrock stand auf dem Speiseplan, und die eher verhaltenen Publikumsreaktionen erkläre ich mir dann auch eher mit der frühen Spielzeit von 14 Uhr, als mit der Qualität der dargebotenen Stücke. Denn die stimmte, wenn auch die Performance noch ein wenig hölzern wirkte.
Das Posten einer Setlist macht wohl wenig Sinn, da aktuell ohnehin keiner die Songs kennt, aber vorgesehen waren acht Stücke von denen mindestens einer der Pause zum Opfer fiel. Dennoch war der Auftritt unter den doch recht ungünstigen Umständen nicht schlecht, und man darf sicherlich auf die Scheibe und weitere Auftritte der Truppe gespannt sein.
[Martin Stark]

BLOODBOUND
Die wohl härteste Band des Festivals waren die schwedischen (Metal-)Newcomer BLOODBOUND, die aber mit ihrer eher im Black Metal üblichen "Kriegsbemalung" schlimmer aussahen als sie letztlich waren. Der zackige Heavy Metal der Schweden kam zu vergleichsweise früher Stunde richtig gut an und schien die teils noch müden Geister der Anwesenden in Wallung zu bringen, auch wenn der Sound anfangs nicht das Gelbe vom Ei war und besonders die beiden Gitarren schwammig und undifferenziert rüberkamen. Das sehr starke Debüt "Nosferatu" stellte selbstverständlich die Songs des Auftritts, wobei besonders das energische 'Metal Monster' und das epische 'On The Battlefield' Erwähnung finden sollten. Neu-Sänger Kristian Andren (ex-MEMENTO MORI), der den kürzlich abgewanderten Urban Breed (ex-TAD MOROSE) ersetzte, ist livetechnisch offensichtlich noch nicht hundertprozentig angekommen, aber Keyboarder Fredrik Bergh (STREET TALK) hat ihn nach Kräften gesanglich unterstützt. Die Setlist ließ - jedenfalls gemessen an der kurzen Spielzeit - keinerlei Wünsche offen, und so kann der Auftritt beim UFOR II (übrigens der erste in Deutschland überhaupt!) als voller Erfolg verbucht werden, was die zahlreichen und lautstarken Zugaberufe am Ende des Sets eindrucksvoll untermauerten. Bitte mehr davon! Und allen Unkenrufen zum trotz passt eine (melodische) Metal-Band sehr wohl auf ein derartiges Festival.
[Martin Stark]

Setlist:
Behind The Moon
Into The Dark
Desdemonamelia
On The Battlefield
Midnight Sun
Metal Monster
Nosferatu

GARY JOHN BARDEN
Nachdem wir die unendlichen Baustellen und ein paar Kilometer Autobahn in Richtung Ludwigsburg inklusive etlicher Staus endlich hinter uns haben, erreichen wir gegen frühen Nachmittag die Rockfabrik und betreten gerade die bereits sehr gut gefüllte Halle, als GARY JOHN BARDEN die Bühne betritt. Der schon etwas betagtere Mann rockt sich durch sein Programm, das fast ausschließlich aus Werken besteht, die während seiner Zeit bei der MICHAEL SCHENKER GROUP entstanden sind. Klassischer Rock mit großer Stimme eben. Im Gegensatz zu Frontmann Barden, der als absolutes Paradebeispiel für einen Rockstar durchgeht und nicht gerade viele Partys in seinem Musikerleben ausgelassen haben dürfte, besteht seine Band nur aus jungen Musikern, die allesamt fett miteinander harmonieren und die Musik tight durch die Boxen jagen. Dies honorieren auch die anwesenden Rockfans mehr als gebührend und feiern Songs wie 'Armed And Ready' oder eben 'Attack Of The Mad Axeman'. Für mich ein sehr gelungener Einstieg in das Festival, was durch den sehr angenehmen Sound auch noch unterstützt wird. So kann es gerne weitergehen.
[Chris Staubach]

KIP WINGER
Kurz ein paar Getränke geschnappt, ein paar Bekannten Hallo gesagt und schon geht es nur noch darum, für den anstehenden Auftritt von KIP WINGER einen guten Platz vor der Bühne zu ergattern. Als Kip dann die Bühne betritt, selbst seinen Soundcheck durchführt und kommentarlos einfach in sein Programm einsteigt, haben viele der Anwesenden noch gar nicht registriert, dass es jetzt losgeht - der Verfasser inklusive. Klar, es war von vornherein eine Akustikshow angekündigt, aber so einsam nur mit seiner Akustikgitarre "bewaffnet" im vollen Umbaulicht und auf leerer Bühne wirkt Mr. Winger zunächst dann doch etwas deplaziert. Auch das Publikum scheint zu Beginn ein wenig unsicher, was es von der Darbietung halten soll. Nachdem sich aber die Lichtverhältnisse und auch der Sound der Show angepasst haben, werden beide Seiten miteinander warm - und wie! Das Publikum feiert den Künstler nach allen Regeln der Kunst ab. Dazu trägt auch die Setlist bei, die sehr viele Klassiker der Band WINGER beinhaltet und weniger mit Songs seiner etwas unbekannteren Soloscheiben daherkommt. So werden 'Rainbow In The Rose', 'Blind Revolution Mad', 'Easy Come, Easy Go', 'Down Incognito' oder 'Seventeen' lautstark mitgesungen. Kip Winger, der sehr sympathisch und auch angesichts der Publikumsreaktionen sehr gerührt wirkt, überzeugt vor allem durch seine phänomenale Stimme, die für die eine oder andere Gänsehaut verantwortlich ist. Zum Schluss fordern die Fans noch eine Zugabe, die sie auch bekommen sollen, was zumindest nicht wirklich geplant wirkt. Als ihm dann auch noch durch einem Zuschauerwunsch auffällt, dass er seinen größten Hit ('Miles Away') vergessen hat, verbucht Kip Winger alle Sympathiepunkte des Tages auf seiner Seite. Noch einmal singen die Menschen lauthals mit und verabschieden den Mann mit der großen Stimme mit Standing Ovations. Natürlich hat der Auftritt auch einige wenige zwiespältige Stimmen hervorgebracht ("Pausenclown"), aber für mich war er die Überraschung und ganz klar der Gewinner des Tages. Daumen hoch!
[Chris Staubach]

Setlist:
Who's The One
Steam
Free
Headed For A Heartbreak
Rainbow In The Rose
Blind Revolution Mad
Daniel
Easy Come, Easy Go
Madalaine
Down Incognito
Seventeen
Miles Away

DANNY VAUGHN
Der ehemalige und scheinbar ewig junge Frontmann der legendären Melodic-Kapelle TYKETTO sieht nicht nur JEFF SCOTT SOTO zum Verwechseln ähnlich, er hat auch beinahe dessen geniale Entertainer-Qualitäten. VAUGHN konnte dank seiner TYKETTO-Vergangenheit (u.a. 'Forever Young'), seiner sehr AOR-lastigen "From The Inside"-Scheibe (u.a. 'Suddenly') und einiger neuer und zumindest live recht harten Stücke des im Februar erscheinenden neuen Solo-Albums "Traveller" ('Miracle Days' und 'Badlands Rain') aus dem Vollen schöpfen und begeisterte schlicht und ergreifend die versammelte Meute. Zum ersten Mal an diesem Tage wurde es auch so richtig amtlich voll, so dass ein späteres Durchkommen nach vorne während des Gigs praktisch unmöglich wurde. Eine extrem spielfreudige und professionelle Band, die mit Steve McKenna (b., TEN) und Lee Morris (dr., PARADISE LOST) zwei alte Bekannte der Szene in ihren Reihen hat, setzte dem gelungenen, jedoch viel zu kurzen Gig das berühmte Sahnehäubchen auf. So muss melodischer Hardrock mit einer Prise Funk, Metal und AOR klingen. Großes Kino, Herr Vaughn! Und bitte etwas öfters in unseren Gefilden spielen.
[Martin Stark]

Redakteur:
Chris Staubach

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