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Von Hertzen Brothers - Helsinki

19.05.2018 | 08:56

18.05.2018, Tavastia Klubi

Ein Erlebnisreport aus Helsinki!

Es gibt Bands, für die lohnt es sich nicht nur zu Reisen, man hat auch gar keine andere Wahl. Weil viel zu viele von euch die VON HERTZEN BROTHERS hierzulande ignorieren, haben sich im Umkehrschluss die drei Brüder auch noch nicht nach Deutschland verirrt. Wer dennoch Fan ist und die Truppe live sehen möchte, hat also keine andere Wahl als ins Vereinigte Königreich oder nach Finnland zu reisen. In Wolverhampton war ich bereits im letzten November und erlebte eine exzellente Show, doch Sänger Mikko sagte dort auch, dass üblicherweise ihre beste Show immer die im Tavastia Klubi im heimatlichen Helsinki sei und ich dorthin kommen solle. Gesagt, getan. Als die Show bekanntgegeben wurde, wurden Flüge & Hotel gebucht, zumal im Mai auch die Chance auf gutes Wetter besteht und man so die Stadt gleich miterleben kann.

Und tatsächlich geht der Plan auch auf. Als ich gegen Mittag in Helsinki lande, ist es zwar noch bedeckt, doch im Laufe des Tages klart es auf und ab 16 Uhr Ortszeit gibt es strahlenden Sonnenschein bei angenehmen 20 Grad. So macht ein Stadt- und Promenadenspaziergang gleich doppelt Spaß. Dabei lohnt es sich auch die örtlichen Plattenläden anzusteuern, von denen es in Helsinki noch erstaunlich viele gibt. Viele haben einen Schwerpunkt in Rock und Metal, einer hat gar neben seinem ausufernden Black-Metal-Beständen auch noch eine Sektion "nur für Erwachsene". Musik gibt es da aber nicht. Es ist etwas, ähm, bizarr. Erstaunlich dann auch, dass beim "Levykauppa Äx" (einer dieser kleinen, gemütlichen Plattenläden wie es sie früher auch mal in Deutschland gab. Mit Musiknerds hinterm Schalter und viel Idealismus) eine ganze Horde Metaller Schlange steht. Es ist VÖ-Tag der neuen AMORPHIS-Scheibe und die Band wird hier später zu Autogrammstunde vorstellig. Das erklärt einiges.

von hertzen brothers war is over cover

Um 20.00 Uhr nach einem feinen "Naughty Burger" geht es dann zum Tavastia Klubi. Man muss zwar Schlange stehen, aber die Security in Helsinki (Hauptstadt des sichersten Landes der Welt!) ist noch total lax. Entsprechend zügig geht der Einlass. Der Klub selbst ist mit seinem großen Vorraum mitsamt Bar und ausreichend Sitzmöglichkeiten schon sehr nett. Im Konzertsaal gibt es gar ein paar Bänke, Tische, Hocker, so dass man sich bis zum Showbeginn nicht die Beine in den Bauch stehen muss. Die Hardcore-Fans machen es sich natürlich in den ersten Reihen gemütlich, einige gehen auch hoch auf die Empore für einen guten Blick. Der Klub fasst ca. 700 Leute, die heute auch vollzählig anwesend sind. Keine Überraschung, wo die Brüder doch normalerweise in der großen Halle der Stadt vor ca. 4.000 Leuten auftreten. Manchmal an zwei Tagen in Folge. Das Merchandise ist üppig und Shirts für 25,- EUR sind (für finnische Verhältnisse) absolut im Rahmen.

Eine Vorband gibt es heute nicht und so geht es - wie angekündigt - um exakt 22.00 Uhr dann endlich mit den Brüdern los. 'War Is Over' ist auf dieser Tour der obligatorische Einstieg und ich spüre bald, dass dies tatsächlich ein besonderes Konzert ist. Die sonst so wortkargen Finnen jubeln und singen vom ersten Ton an mit. Mittendrin der eine deutsche Fan, der schnell von dieser Euphorie angesteckt wird. Von hier aus geht es dann Schlag auf Schlag: 'The Arsonist', 'Frozen Butterflies', 'Somewhere In The Middle'. Mikko gibt den sympathischen, lockeren Entertainer. Glaube ich zumindest, da ich von den finnischen Ansagen natürlich nix verstehe. Aber die Fans um mich herum jubeln und lachen, scheint also unterhaltsam zu sein. Der Fokus liegt nach wie vor auf dem superben letzten Album "War Is Over" und das ist bei der Qualität auch überhaupt kein Wunder. Doch immer wieder werden Songs von früheren Alben eingestreut. Das bereits erwähnte 'Somewhere In The Middle' habe ich bereits erwähnt, das beinahe ruppige 'You Don't Know My Name' sorgt ebenso für einen strapazierten Nacken wie vorher die zweite Hälfte des völlig großartigen 'Who Are You?".

von hertzen brothers logoEiner der vielen Höhepunkte ist dann 'Voices In Our Heads' vom "Stars Aligned"-Werk. Wie perfekt die drei Brüder den mehrstimmigen Part intonieren, ist schon beeindruckend. Dass das Publikum sie kaum weniger perfekt unterstützt, ist aber durchaus überraschend. Echte Stimmungshochs sind dann auch die beiden vorerst finalen "New Day Rising"-Songs 'Sunday Child' (wie gemalt für die Live-Umsetzung) und 'New Day Rising'. Dann ist nach 90 Minuten erst einmal Schicht im Schacht. Aber natürlich werden Jonne, Mikko und Kie wieder auf die Bühne gerufen. Dass die Brüder sich aber nicht egozentrisch in den Mittelpunkt stellen müssen, zeigen die Zugaben dann sehr deutlich. Beim ausufernden Instrumentalpart in 'Kiss A Wish' ist der Spot auf Tour-Keyboarder Robert Engstrand gerichtet. Der ersetzt mit coolen Sounds die fehlende Langflöte und sorgt so dafür, dass die Nummer auch ohne sie hervorragend funktioniert. Bei 'Gloria' steht dann Schlagwerker Sami Kuoppamäki im Mittelpunkt, indem er ein kleines, feines Drumsolo einbaut. Die beiden sind auch ansonsten eine echte Bereicherung. Sami spielt tight, nuanciert, mit viel Gefühl und Drive. Robert untermalt die Songs wunderbar, mit seinen Keys, singt zudem feine Backingsvocals und ist auch sonst ein Aktivposten.

Als die Jungs nach den beiden Zugaben wieder von der Bühne gehen, ist relativ klar, dass sie noch einmal wiederkehren müssen. Entsprechend bebt die Halle bis Mikko, Jonne & Kie wieder auf den Brettern stehen. 'Beyond The Storm' bildet dann den endgültigen Abschluss. Ich bin nassgeschwitzt, fix und fertig und wirklich glücklich. Auch über die Tatsache, dass das Hotel nur weniger Meter entfernt ist.

Klarer Fall: ich würde jederzeit wieder nach Helsinki fliegen, um die Brüder hier live zu sehen. Ich bin ziemlich sicher, hier und heute mein Konzert des Jahres erlebt zu haben. Danke dafür!

Redakteur:
Peter Kubaschk

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