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WACKEN OPEN AIR 14 - Wacken

03.09.2003 | 03:48

31.07.2003,

_Einleitung_

Es steht außer Frage, das letzte Wacken Open Air war ein mittelschweres Desaster, das bei vielen Fans zu wütenden Protesten führte. Dazu kam dann noch der beileibe nicht wirklich souveräne Umgang mit Kritik von Seiten der Veranstalter und schon waren die Fronten verhärtet. Es gab eigentlich nur eine Frage im Vorfeld: Haben die Veranstalter aus ihren Fehlern gelernt oder nicht? Die Antwort ist klar: Ja, sie haben! 30.000 Metalheads waren in Wacken am Start und nur die wenigsten äußerten wirklich Kritik. Die oben schon erwähnte Videowand war ein echter Gewinn, zumal das Gelände vor den beiden Hauptbühnen eher mittelmäßig war, da es nach hinten abfiel, was doch so manchem die Sicht erschwerte. Die sanitäre Situation war endlich mal richtig gut gelöst und auch die Zeltflächen waren in Ordnung. Die Essens- und Getränkepreise blieben erfreulicherweise stabil, wobei vor allem beim Essen doch wieder viel Schrott dabei war, die guten Stände waren jedenfalls eher in der Minderzahl. Der Einlass war problemlos, obwohl die Security komischerweise nicht immer kontrollierte. Aber damit wären die Hauptkritikpunkte auch schon abgehandelt und ich möchte die Veranstalter an dieser Stelle mal loben: Nicht nur, dass das Wacken Open Air sehr gut organisiert war, auch die im Vorfeld gemachten Versprechungen wurden eingehalten. Zum eigentlichen Bericht nur soviel: Wir waren aufgrund äußerer Umstände und blöder Zufälle nur zu dritt, deshalb werdet ihr zwangsläufig die eine oder andere Band vermissen. Das tut uns Leid und wird hoffentlich eine einmalige Ausnahme bleiben. So, und jetzt viel Spaß beim Lesen! [Herbert Chwalek] DONNERSTAG TRUE METAL STAGE CIRCLE II CIRCLE Den Mannen um Zachary Stevens wurde die Ehre zuteil, das diesjährige Wacken Open Air eröffnen zu dürfen - und die Voraussetzungen dafür hätten besser nicht sein können: Strahlender Sonnenschein (gerade am Donnerstag war es im Vergleich zum restlichen Wochenende noch recht angenehm), ein glasklarer, ordentlich drückender Sound und ein zahlreich erschienenes Publikum. Zwar hatte der Kreis bereits auf dem Rock Hard-Festival seine livehaftige Feuertaufe bestanden, jedoch spricht die Tatsache, dass sich vor den beiden großen Bühnen eine riesige Fan-Schar versammelt hatte, aber deutlich für den großen Popularitätsgrad des ehemaligen SAVA-Fronters. Und dennoch, eine derart beeindruckend große Menge hatte ich nicht erwartet. Die Setlist glich größtenteils der aus Gelsenkirchen, so gab es unter anderem 'Out Of Reach', 'Forgiven', 'Into The Wind' und natürlich 'Watching In Silence' in absoluter musikalischer Perfektion auf die Lauscher. Auch wenn die Saitenfraktion eher durch ihr Eishockeytrikot-Outfit auffiel - dass hier absolut versierte Profis am Werk waren, das war recht schnell allen Anwesenden klar. Insbesondere die mehrstimmigen Chorpassagen oder die Satzgesang-Parts waren eine Klasse für sich, bei denen bedrohlich am Gänstehaut-Faktor von SAVATAGE gekratzt wurde. Respekt! Zum krönenden Abschluss intonierte man noch die beiden SAVA-Evergreens 'Taunting Cobras' und 'Edge Of Thorns', als endgültigen Rausschmeißer gab's dann noch METALLICAs 'Welcome Home (Sanitarium)' auf die Lauscher - und zumindest für meine Wenigkeit stand fest, dass Zak auf der Bühne mindestens ebenso groß ist wie auf Platte. Auch wenn - oder gerade weil - CIRCLE II CIRCLE sich sehr nah an seine Ex-Band anlehnen: Eine Klasse für sich sind sie allemal. [Rouven Dorn] ANNIHILATOR Nach dem Ausstieg von Joe Comeau war ich natürlich schon gespannt auf den neuen Sänger Dave Padden, zumal Berichte vom BYH doch sehr uneinheitlich klangen. Aber andererseits sind ANNIHILATOR alleine schon wegen Riffgott Jeff Waters immer wieder sehenswert. Und auch in Wacken war Jeff wieder gut drauf. Seine Grimassen, sein Herumgerenne und seine perfekte Gitarrenbeherrschung waren wieder eine Show für sich. Und der neue Sänger? Nun, der Gute verschwand zwar während der Instrumentalparts hinter der Bühne (mag ich nicht so), bot aber eine sehr ordentliche Gesangsleistung und offenbarte so manches Mal sein doch immenses Potenzial. Und man kann sagen, was man will, kaum ein Sänger kann Klassesongs wie 'Ultra-Motion', 'King Of The Kill', Set The World On Fire', 'Welcome To Your Death', das düstere 'Never, Neverland', 'Phantasmagoria', Shallow Grave' oder die Bandhymne 'Alison Hell' wirklich zerstören. So gab es fast folgerichtig Zugaberufe für diese klasse Leistung, war auch vollkommen verdient. Und egal wer bei ANNIHILATOR singt, diese Band ist und bleibt geil! [Herbert Chwalek] VICTORY Wenn ich sagen würde, dass ich mich auf den Auftritt von VICTORY mit Abstand am meisten gefreut habe, dann wäre das sicherlich übertrieben, aber sehr gespannt war ich natürlich schon auf diesen Reunion-Gig. Schließlich gehörten VICTORY in den Achtziger und frühen Neunziger Jahren, zusammen mit ihren Hannoveraner Kollegen SCORPIONS, zu den wichtigsten Rock-Exporten aus Deutschland. Seit 1988, als Sänger Charlie Huhn nach Amerika zurückgekehrt ist und VICTORY einige Besetzungswechsel mitgemacht haben, wurden immer wieder Stimmen nach einer Reunion im Original-Line-up laut, und nun war es tatsächlich soweit: VICTORY mit Charlie Huhn, den beiden Gitarristen Herman Frank und Tommy Newton, Bassist Fargo-Peter Knorn und Schlagzeuger Fritz Randow (SAXON). VICTORY stiegen mit 'Hungry Hearts' in ihr Set ein, und nach einer kurzen Ansprache des hawaii-hemdigen Charlie ("We're back!") ging es sogleich mit 'The Bigger They Are (The Harder They Fall)' weiter. Überhaupt boten die Recken einen recht guten Querschnitt durch ihren Back-Katalog, wobei auch die Post-Charlie-Huhn-Phase berücksichtigt wurde. So gab es natürlich Songs wie 'Checks In The Mail', 'Feel The Fire' und 'Are You Ready', aber auch 'Temples Of Gold' zu hören. Doch nicht nur die Songauswahl ging in Ordnung - auch der Auftritt an sich war nicht wirklich schlecht. Richtig überzeugen konnten VICTORY mich zwar auch nicht, dass diese Reunion längst überfällig war, aber Spaß gemacht hat dieser Gig allemal. Das fanden aber leider nicht alle Leute vor der Bühne, denn irgendwie konnten VICTORY ihre gute Laune, die man ihnen sehr wohl anmerkte, nicht auf das Publikum übertragen - schade eigentlich. Oder lag es vielleicht daran, dass die jüngere Metal-Generation VICTORY einfach nicht mehr kennt?!? [Martin Schaich] SAXON Eigentlich hätten VICTORY laut Running Order 75 Minuten Spielzeit gehabt, doch schon nach einer Stunde verließen die Recken aus Hannover die Bühne. Für die verbleibenden 15 Minuten sollte eine Präsentation der neuen SAXON-DVD, "The SAXON Chronicles" folgen, doch diese sah ganz anders aus, als sich die meisten das wohl gedacht haben. Völlig überraschend stürmten Biff & Co. die Bühne - okay, Fritz Randow konnte auf seinem Hockerchen sitzen bleiben -, um mit 'Motorcycle Man' loszurocken. Die Leute vor der Bühne, die sich eigentlich schon auf eine längere Umbaupause eingestellt hatten, waren natürlich völlig aus dem Häuschen und gingen sehr viel begeisterter mit als noch zuvor bei VICTORY. Es folgte anschließend 'Denim & Leather' und nach der sicherlich rein rhetorischen Frage "Ein more?" auch noch der SAXON-Klassiker schlechthin, 'Princess Of The Night'. Danach war zwar auch schon Schluss, aber diese kleine Überraschung ist SAXON und den W:O:A-Organisatoren auf jeden Fall vollauf gelungen! [Martin Schaich] RUNNING WILD Nach einer relativ kurzen Umbaupause stand auch schon der Headliner auf dem Programm, und der hieß an diesem Abend RUNNING WILD. Ehrlich gesagt war ich schon etwas skeptisch, denn als ich diese Band das letzte Mal als Festival-Headliner erlebt hatte (BYH 2000), da haben mich Rock'n'Rolf & Co. ziemlich enttäuscht. Doch dieses Mal sollte es anders und vor allem besser werden... RUNNING WILD legten ein wenig überraschend mit 'Genghis Khan' vom Debüt-Album los, und mit 'Little Big Horn' ließen sie direkt im Anschluss einen weiteren Klassiker folgen. Das klang schon sehr vielversprechend, und auch im weiteren Verlauf des Auftritts ließ die Setlist kaum Wünsche offen. So hatten RUNNING WILD beispielsweise auch die beiden bisher unveröffentlichten Songs 'Prowling Werewolf' und 'Apocalyptic Horsemen' im Gepäck, die auf der im September erscheinenden "20 Years In History"-2-CD enthalten sein werden und auf die Rolf selbstverständlich mehrmals hinwies. Ansonsten gab es jede Menge RUNNING WILD-Klassiker zu hören, wobei die wichtigsten Band-Phasen abgedeckt wurden - von 'Branded & Exiled' und 'Conquistadores' über 'Riding The Storm' und 'Bad To The Bone' bis hin zu 'Welcome To Hell' und 'The Brotherhood' war eigentlich alles vertreten, was das metallische Piratenherz begehrte. Sogar auf das recht längliche 'Treasure Island' mussten die Fans nicht verzichten, wobei sich Rolf hierfür extra in Schale geworfen hatte. Ansonsten hielten sich die Kasparekschen Umziehpausen dieses Mal in Grenzen, denn nur noch für das abschließende 'Victory' musste noch einmal ein neuer Satz Klamotten her. Die Stimmung war eigentlich vom ersten bis zum letzten Ton hervorragend, und immer wieder wurden die meist allseits bekannten Texte (u.a. 'Prisoner Of Our Time') lautstark mitgesungen. Dass die Songs von Zeit zu Zeit auch durch entsprechende Pyro-Effekte untermalt wurden, kam beim Publikum natürlich ebenfalls gut an, und dementsprechend wollten die Fans noch die eine oder andere Zugabe hören. Diese wurde ihnen schließlich auch gewährt, und zwar in Form des RUNNING WILD-Songs schlechthin, 'Under Jolly Roger', und 'Chains & Leather'. Eigentlich wollten Rock'n'Rolf & Co. auch noch 'Purgatory' und 'The Privateer' spielen, aber aus Zeitgründen mussten sie diese beiden Songs aus der Setlist streichen. Doch auch so dürften die meisten Leute mit diesem Auftritt mehr als zufrieden gewesen sein, und auch ich habe meine Meinung bezüglich RUNNING WILD als Festival-Headliner inzwischen korrigiert... [Martin Schaich] Setlist: Genghis Khan Little Big Horn Prowling Werewolf Riding The Storm Branded & Exiled Welcome To Hell Apocalyptic Horsemen The Brotherhood Drumsolo Bad To The Bone Treasure Island Conquistadores Prisoner Of Our Time Victory --- Under Jolly Roger Chains & Leather

Redakteur:
Herbert Chwalek

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