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Wacken Open Air 2006 - Wacken

31.08.2006 | 12:46

03.08.2006, Festivalgelände

Nebelschwaden von Silvesterböllern, der durchdringende Geruch einer Schlamm-Mischung aus Alkohol, Erde und Pisse, auf Autodächern feiernde Typen, die wild toben, flächendeckender Wahnsinn, zehntausendfach potenziert: Der Zeltplatz des diesjährigen Wacken Open Airs gleicht einem Ork-Heerlager. Und ist der Ausgangspunkt für ein Festival, das durch die Klasse der eingeladenen Bands einen Platz in den Chroniken der Metal-Geschichte verdient hat. Ein Fest aber auch, das trotz mangelhafter Organisation und allerlei unsympathischer Randerscheinungen immer noch faszinieren, ja sogar begeistern kann – der zahllosen durchgeknallten Fans wegen. 60000 bis 80000 sollen es etwa gewesen sein, so genau hat aber keiner mitgezählt. Klar in der Überzahl scheinen in diesem Jahr dabei wohl die Leute, welche eher Thrash, Death, Black und sonstige extreme Metalklänge lieben - bei unserem Team unter anderem ein finnischer Gast-Extremler.

Diese Sorte Krach-Fans werden zwar auch überdurchschnittlich gut bedient und müssen sich nur mit wenig Abfall der Sorte LEAVES' EYES oder CREAMTORY herumschlagen: Doch der Donnerstag ist hart. Mit FASTER INFERNO, VICTORY, der MICHAEL SCHENKER GROUP und den SCORPIONS spielen gleich vier Bands, die zeigen (dürfen), dass deutscher Hard Rock und True Metal für Fans von brutalen Sounds mindestens das Prädikat "gewöhnungsbedürftig" verdient. Besonders die Show von Michael Schenker samt seiner Truppe fällt eher durch Monotonie statt glänzender Geistesblitze auf: Der Mann bleibt ein durchaus kunstfertiger Gitarrenvirtuose, aber größere kompositorische Begabung klingt anders. Trotzdem: Seine Fans feiern ihn und seine Band und die alten Hits aus UFO-Zeiten - und die sehr hell erschallende Stimme des Sängers Jari Tiura prägt diesen frühen Abschnitt des ersten Wacken-Abends. Die Fans freuen sich natürlich, klar. Doch da etwa eben die altmodisch anmutende Musik der MICHAEL SCHENKER GROUP in keiner Weise dazu taugt, für alle Metal-Massen konsumierbar zu sein, muss sich der Rest des Publikums eben mit den Bands beschäftigen, die im "Headbangers Ballroom" auf der W.E.T. Stage spielen...
[Henri Kramer]

Wodka macht frei! Das ist das Credo des Zusammenschlusses aufrechter Bauern aus Rumänien, die für mich das diesjährige W:O:A auf allerbeste Weise eröffnen. Mit den absolut feierbaren Liedern ihres Debütalbums begeistern TRANSILVANIAN BEAT CLUB nicht nur mich, sondern auch all die zahlreichen anderen, die sich vor der W.E.T. Stage zusammengefunden haben, um von diesem merkwürdigen Gemisch aus Wodka und Knoblauch, welches fleißig durch die Reihen gereicht wird, zu kosten und ordentlich Wodka-Polka zu tanzen. Auch noch lange nach dem Konzert lautet der O-Ton des Publikums: "Dieser Auftritt war der Hammer!" Yantit spricht kurz von gehobener Aufregung im Vorfeld des Auftritts "Weil ihr so viele seid.", doch kein Zweifel bleibt bestehen: Publikum und Band haben sichtlich ihren Spaß! Es folgen Lieder wie 'Sex, Schnaps und Rock'n'Roll' und 'Wodka-Vampir', und mein Herz, welches zugegebenermaßen schon lange für EWIGHEIM schlägt, macht einen Freudensprung, als sie eine Coverversion von 'Der Bauer im Ruin' zum Besten geben, welches im Original auf der Bonus-CD von EWIGHEIMs Album "Heimwege" zu finden ist. Viele, die sich nun wahrlich 'Willkommen im Club' fühlen, würden weiter Wodka-Polka tanzen, bis der Tag anbricht, um dann zu Staub zu zerfallen, doch wenn man bedenkt, dass für jedes Häuflein Asche eine Flasche Wodka zur Wiederauferstehung nötig ist (niemand kann so viel Wodka teilen!), dann ist es nur zu verständlich: Nach der geforderten Zugabe 'Spelunke zur verlorenen Seele' ist der als viel zu kurz empfundene Auftritt vorbei. Meine private Inventur nach dem Konzert: einen CARNIVORE-Pullover beim Polka tanzen verloren, aber ein geniales Konzerterlebnis gewonnen!
[Andrea Knauer]

Anderswo wird der Thrash-Hammer ausgepackt. Wumm. Wumm. Wumm.
[Henri Kramer]

It's a sin! - nicht über MORTAL SIN zu schreiben. Denn die alten Thrasher der späten Achtziger sind zurück; mit echten Kultsongs und ihrem neuen Album "Out Of The Darkness" im Gepäck straight ahead from "Down Under" nach Wacken gereist, um ihren Fans nun endlich wieder die volle Dröhnung zu verabreichen! Definitiv das Highlight des ersten Abends!
[Stefanie Rudolph]

Gleichzeitig zu solchen Brachialereien kommt die Band, für die das Wacken-Veranstalterteam wohl Unsummen bezahlt hat. Die Meinungen nach dem Gig gehen stark auseinander: Von totaler SCORPIONS-Poser-Scheiße ist die Rede, von Klaus Meine als dem Inbegriff der Furchtbarkeit deutscher Hard-Rock-Sänger. Andere dagegen sind begeistert, für sie ist es eine Nacht der Erinnerung und eine Nacht zum Erinnern... So für unseren neuen Mitarbeiter Lars Strutz, der fast umkippt vor Freude...
[Henri Kramer]

Wer hätte gedacht, dass dieses zweieinhalbstündige Konzert so dermaßen anstrengend werden könnte? Denkt man anfangs noch "Ach, der Meine wird die Zeit über voll labern", schaffen es die Skorpione dann doch, eine Spitzenbühnenshow aufrechtzuerhalten, alles mit genialen Songs aus ihrer gesamten Schaffensphase einzudecken und immer wieder eine Überraschung aus dem Hut zu zaubern. Allein die Tatsache, dass der Megahit 'The Zoo' schon als viertes in der Playlist kommt, zeigt, dass ein dicker Brocken nach dem nächsten abgefeuert wird. Als Einmarschmusik gibt es das Klassikintro von 'Rock You Like A Hurricane' von "Moment Of Glory", bevor das Publikum mit 'Coming Home' und 'Bad Boys Running Wild' genau richtig auf den Abend eingestimmt wird. Meine persönliche Lieblingsplatte "Lovedrive" wird angespielt: Also gibt es 'Loving You Sunday Morning', bevor man sich schon an den ersten Stargast des Abends heranwagt. ULI JON ROTH darf sein Können im klassischen Althippiekostüm unter anderem bei 'Speedy's Coming', 'Tease Me, Please Me' und 'We Burn The Sky' beweisen. Dass auch Promotion den Jungs heute Abend total egal ist, zeigt die Tatsache, dass das neue Album "Unbreakable" zunächst tüchtig ignoriert wird. Erst später gibt es ein Lebenszeichen der neuen Platte, nämlich 'Love 'Em Or Leave 'Em'. Ein kurzes Mitsingspiel bildet dann eine Überleitung zu 'Don't Believe Her'. Und da schon lange kein Gast mehr angekündigt wurde, hat nun Michael Schenker die Gelegenheit, sich beim Instrumental 'Coast To Coast' total auszutoben. Da der Abend langsam etwas später wird, ist nun Gänsehaut-Zeit plus Entspannung angesagt: 'Holiday' mit Mitsingspielchen, was mir persönlich massige Wellen eben jener gefiederten Haut verschafft. Überhaupt hat jetzt erst mal "Lovedrive" Vorfahrt, denn mit dem Titelstück und 'Another Peace Of Meat' folgen gleich zwei weitere Kracher meiner Lieblingsplatte. Da man ja noch irgendwie an den Herren an der Schießbude erinnern möchte, gibt es vor und nach dem übergenialen 'Blackout' eine Menge Drummereien. Und Mr. Meine erinnert bei der Gelegenheit gleich daran, dass man zusammen mit Hermann "The German" Rarebell die internationalen Bühnen schon seit über 20 Jahren zum Einsturz bringt. 'No One Like You' lässt wieder Erinnerungen wach werden, und ein längeres, schweres Gitarrensolo lässt schon fast auf 'Hurricane' hoffen. Aber es kommt (fast) noch besser, denn bei 'Big City Nights' und 'Can't Get Enough' entweicht die Energie endgültig aus meinen Körper. Zum Glück entschließen sich die Jungs, die Bühne zu verlassen. Gott sei Dank, denn ich persönlich bin nach der dauerhaften Berieselung mit Hits in der kurzen Zeit schon kurz davor, komplett aus den Latschen zu fallen. Ganz ehrlich, für alte Säcke oder harmlose Poprocker oder welch andere Klischees man sonst noch für diese Jungs übrig hat: Bis zu diesem Zeitpunkt ist es einfach nur heftig.

Nun steht der Zugaben- und Pflichtteil an. Der schon die ganze Zeit sichtbare Teil des Sternenhimmels leuchtet auf - und man weiß, nun kommt eine Ballade. Natürlich 'Still Loving You'. Aber wollen uns die Jungs Ruhe gönnen? Nein, wozu auch! Also weiter mit 'In Trance', 'He's A Woman, She's A Man', und da es sich um eine zweifellos legendäre Best-of-Show handelt, gibt es auch was vom 1972er Debüt "Lonesome Crow": 'In Search Of The Peace Of Mind'. Was danach folgt, wäre eigentlich eine perfekte Pause: Gitarrensoli. Aber auch hier ist nix mit Ruhe. Denn nun treten die ganzen Gitarrengötter (samt Klein-Tyson-Schenker) der SCORPIONS-Welt gegeneinander an: eine Gitarrenbattle der Extraklasse. Die Welt fängt an, sich zu drehen, alles wird schwarz, aber nein, jetzt wird zu 'Dynamite' mit Spitzenlightshow abgegangen. Als dann endlich der Skorpion auftritt, spüre ich, das entweder mein Leben oder das Konzert zu Ende geht. Und ja, jaaaaa, endlich: 'Hurricane'!!! Letzte Reserven werden gepumpt, gerockt, gebrüllt und gefreut und gefetzt. Oh ja, auch wenn die Herren jetzt gehen müssen, das Auspumpen hat sich gelohnt.

Abschließende Worte: Klar, 'Wind of Change' war durch das Wacken-Voting - Platz 50 von 50 - und durch die SCOPRIONS selber von vornherein ausgeschlossen worden. Stattdessen wurden ausnahmslos nicht für die Charts taugliches und hammergeiles Rock-Material durch die Boxen geknallt - außer vielleicht 'Still Loving You' und 'Hurricane'. Und jeder, der sich nun denkt: Ja gut, der Typ, der das schreibt, ist ein SCOPRIONS-Fan, dem muss das ja gefallen. Nein. Viele, die sich das Konzert spontan gegeben haben, waren danach völlig begeistert. Eine Hammershow mit purem Rock, gitarrentechnisch die absolute Wahnsinnsfinesse inklusive vor Geschwindigkeit verschwimmender Finger: Die SCORPIONS haben ein paar Leuten gezeigt, dass die Jungs mehr sind als eine legendäre Nummer zur Wende 1989. Kauft euch "Lovedrive" oder "Unbreakable" und sagt mir dann noch mal ins Gesicht, dass ihr nichts verpasst habt. Punkt.
[Lars Strutz]

Und selbst altgediente Hörsturz-Veteranen mit einem Faible für Metalcore und härtere Klänge sind begeistert...
[Henri Kramer]

Nach drei Songs, nämlich 'Coming Home', dem fulminanten 'Bad Boys Running Wild' und 'The Zoo' ist klar: Heute wird gerockt, gerockt und nochmals gerockt. Vergessen sind die Zeiten des zahnlosen Hausfrauenrocks und der Experimente, in Wacken demonstrieren die SCORPIONS noch einmal all das, was sie zu Weltstars gemacht hat: eine perfekt aufeinander eingespielte Band, großartige Hardrocksongs und dazu eine wirklich gute Performance. Das erste Highlight ist der Auftritt von ULI JON ROTH. Der Mann beharrt zwar konsequent auf seinem Späthippielook, aber Gitarre spielen kann er wie kein Zweiter. Sein gefühlvolles Spiel inklusive einiger Soli, die Gänsehaut erzeugen, veredelt unter anderem 'We'll Burn The Sky' oder 'Dark Lady' und erzeugt nicht zum letzten Mal das Gefühl, hier bei etwas Einzigartigem dabei zu sein. Den nächsten Gastauftritt hat Michael Schenker, und da packen die SCORPIONS echte Raritäten aus: 'Holiday'. Neben der erwarteten 'Coast To Coast'-Abfahrt und dem Knaller 'Lovedrive' ein echtes Highlight im Set! Als letzter Gast darf dann Hermann Rarebell mitspielen, der fügt sich aber nur in die zu diesem Zeitpunkt auf Hochtouren laufende Hardrockmaschine ein und setzt kaum Akzente. Die Zugaben 'In Trance' und 'He's A Woman, She's A Man' werden dann mit massiver Gitarrenpower bestritten. Sowohl ULI JON ROTH als auch Michael Schenker dürfen mitspielen und lassen das Wacken-Publikum, das die Band abfeiert, Zeuge eines historischen Momentes werden. Mit den letzten beiden Zugaben 'Dynamite' und 'Rock You Like A Hurricane' endet ein grandioser Gig der SCORPIONS, die damit eindrucksvoll gezeigt haben, dass mit ihnen immer noch zu rechnen ist. Die positiven Stimmen sind in den nächsten Tagen jedenfalls klar in der Mehrheit. Nur drei Dinge muss man zum Ende hin noch erwähnen: 1. Klaus Meines Ansagen sind beliebig und eigentlich komplett verzichtbar. 2. Es gibt kein 'Wind Of Change', Danke dafür und 3. Die Einlage mit dem Skorpion, der doch fatal an japanische Godzilla-B-Movies erinnert, ist eher mal "na ja". Aber das sind nur kleine Schönheitsfehler, die den positiven Gesamteindruck nicht trüben können.
[Herbert Chwalek]

Aha. In meiner Umgebung dominierte der Negativismus. Klaus Meine ist einfach ein Außerirdischer, den wir nicht wollen. Aber das sind wohl unterschiedliche Sozialisationsmuster. Anyway: Anderswo kommt inzwischen eine Drehorgel statt Gitarren zum Einsatz. Und ein ebenso älterer Mann. Punkt.
[Henri Kramer]

"Das ganze Festival wird beherrscht von den SCORPIONS" - aber nicht für die nächste Stunde. Der Heimorgelgott MAMBO KURT, den man noch aus Viva-2-Tagen kennt, haut in die Tasten und lässt das Metalvolk zu energetischen Polkamelodien auf und nieder hüpfen. Zum Auftakt zeigt uns der Meister höchstpersönlich, wie man VAN HALENs 'Jump' in den schönsten Tango der Welt verwandeln kann. Danach werden längst vergessene Klassiker wie der 'Sunshine Reggae', 'La Paloma Blanca' oder 'Sun Of Jamaica' wieder salonfähig gemacht, und spätestens als die Masse STEVIE WONDERs Schmachtfetzen 'I Just Called To Say I Love You' inbrünstig mitgrölt, hat auch der Letzte verstanden, dass MAMBO KURT seinen Platz auf diesem Festival zu Recht verdient hat. Eigentlich sollte der Alleinunterhalter auf der Tour zu seinem Album "Sun Of A Beach" von seiner Orgelpraktikantin Jessica tatkräftig unterstützt werden. In Wacken ist diese jedoch aus gesundheitlichen Gründen entschuldigt. Als Ersatz holt man sich einfach eine nette Dame aus dem Publikum auf die Bühne, die dem Rest vormachen soll, wie man zu Walzer und Polka die Hüften schwingt. Nicht umsonst heißt das selbst aufgestellte Ziel von MAMBO KURT, den Menschen das partnerschaftliche Tanzen beizubringen, denn es gibt keine bessere Möglichkeit abzuchecken, ob da sexuell was geht oder nicht. Die W.E.T. Stage macht ihrem Namen bereits alle Ehre, als auf dem meist verkannten Instrument der Welt die Töne von SLAYER und ihrem 'Raining Blood' anklingen. Eingehüllt in eine Nebelwand gehen die Hände in die Höhe, und die Haare werden in alter Headbanger-Manier durch die Lüfte geschüttelt. Der AC/DC-Klassiker 'Highway To Hell' wirkt eher wie ein großer Gospel, mit MAMBO KURT als Vorsänger, der die Massen zum Mitsingen animiert. Neben 'The Number Of The Beast' von IRON MAIDEN darf natürlich das Highlight eines MAMBO KURT-Konzerts nicht fehlen - seine eigenwillige Interpretation von RAMMSTEINs 'Engel', die zuvor als "biggest Bossanovaband" überhaupt angekündigt werden. Ein überaus gelungenes Konzert klingt mit JUSTIN TIMBERLAKEs 'Rock Your Body' aus und hinterlässt ein zufriedenes Grinsen auf dem Gesicht - sowie das Erstaunen über ein sehr wandelbares Metal-Publikum.
[Cordula Cordts]

Eine andere Möglichkeit der Abendbeschäftigung - außer den SCORPIONS und ihrem peinlichen Sänger Klaus Meine mit seiner ständigen T-Shirt-Wechselei - ist der Metalmarkt. Darin findet sich eine der vielen unschönen Nebenerscheinungen des Festivals: Der Nordahl-Versand-Stand. Dieser unsympathische Shop verkauft "Thorshammer"-Accessoires, "Odin statt Jesus"-Kram und andere mythologisch untersetzte Germanenware. Viele der T-Shirts sind dabei bewusst in schwarz-weiß-rot gehalten, damit gleich jeder sehen kann, dass ein Träger dieses Shirts ein Geschichtsbild nahe der NPD und allerlei anderer rechtsextremer Gesinnungsvereine vertritt. Nichts davon ist verfassungsfeindlich, keine Frage, doch spielt dieser Versandshop bewusst mit Assoziationen an die Zeiten, als Germanien noch die Weltherrschaft wollte. Eine Distanzierung zu möglichen Nazikäufern wird vermieden. Stattdessen gibt es Motive wie "Germanischer Gotteskrieger". Oder aufgedruckte Triskelen, also nordische Sonnenrad-Zeichen, die auch als Erkennungssymbol des deutschen "Blood&Honour"-Skinheadnetzwerks verwendet wurden und in diesem Zusammenhang strafbar sind. Keine Frage: Eine "tolle" Einstellung (Vorsicht: Sarkasmus), solche Händler überhaupt auf das Gelände zu lassen und ihre Standgebühren zu kassieren. Da wirken auch an sich lobenswerte Aktionen wie die in diesem Jahr auf vielen Bierbechern zu findenden "Metaller gegen Rassismus"-Sprüche nur wie Lippenbekenntnisse ohne Hintergrund...

Und der Ärger geht gleich weiter, vor der Lobhudelei über das Billing: Denn auch unsere Neu-Mitarbeiterin Erika Becker hat inzwischen das Festival erreicht - trotz einiger Widrigkeiten...
[Henri Kramer]

Das 17. Wacken Open Air Festival beginnt für Herrn K. aus M. und mich wie jedes Jahr in Schlittenrieders Hotel in B., wo sich auch diesmal um den morgendlichen Frühstückstisch die gleichen Metalköppe versammeln wie immer. Schlittenrieder daselbst empfängt uns mit einer apokalyptischen Wettervorhersage. Einen Tornado soll es geben am Wochenende. Die Voraussetzungen dafür liegen an der deutschen Nordseeküste vor. Sagt einer, den er kennt... Doch zunächst gibt es schon auf dem Gelände selbst manch Unbill zu überwinden. So sieht sich Herr K. aus M. unerfreulichen Verkaufstricks an der Bändchenausgabe ausgesetzt. Es gilt, ein so genanntes "Full Metal Bag" zu erwerben, ein Plastikbeutelchen, das neben einer großen Mülltüte für die Camper noch allerhand anderen Plunder enthält, der laut Aussage des Programm-Magazins, Seite 78, hochwertig ist und als Serviceleistung gilt. Leider wird jeder gezwungen, den Sack für 15 Euro zu kaufen, ob Camper oder nicht. Wer nicht kauft, bekommt kein Bändchen. Das ärgert Herrn K. aus M. und tausend andere auch. Da muss der Wacken-Holger für das nächste Jahr noch mal nachdenken.
[Erika Becker]

Doch jenseits solcher Ärgernisse verläuft der erste Abend im üblichen Wahnsinnsrahmen, den Mega-Festivals wie das Wacken so bieten. Das 0,4-Liter-Bier für drei Euro fließt in Strömen, das Gelände ist schon unglaublich voll, die Stimmung trotz der zwiespältig-posigen Leistung der SCORPIONS durchweg locker und gelöst, vor allem bei der Metal-Disko danach. Die Vorfreude auf den ersten "echten" Festival-Tag wächst...
[Henri Kramer]

Redakteur:
Henri Kramer

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