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Wacken Winter Nights - Wacken

02.03.2017 | 10:07

10.02.2017,

"Wie ein Familientreffen!"

Am Sonntag herrscht schon beinahe Fahnenflucht, als wir auf dem Festivalgelände ankommen: Viele Camper und Fahrzeuge treten bereits die Heimreise an. Schade eigentlich, denn auch wenn das Line-Up sich mit wesentlich mehr Puffer zwischen den Slots als das gemütlichste der Veranstaltung erweist, warten die WACKEN WINTER NIGHTS musikalisch auch am letzten Tag noch einmal mit einer bunten Mischung auf...

So höre ich schon von Weitem, dass ERIC FISH sich von seinem eiskalten Auftritt mit SUBWAY TO SALLY erholt hat und nun im THEATER OF GRACE die Stücke von seiner neuen Platte "Mahlstrom" zum Besten gibt. Zarte Akustik-Klänge statt donnerndem Gitarren-Gebretter, filigrane Pickings statt brachialen Riffs - da wird es mir auch trotz beißendem Wind ganz warm ums Herz. Lange Zeit zum Verweilen bleibt jedoch nicht, heißt das eigentliche Ziel doch: Hauptbühne!

Denn der erste Gast im EISPALAST an diesem Tag ist das französische Metal-Projekt MELTED SPACE. Initiator und Herr der Tasten Pierre Le Pape zählt neben AVANTASIA auch den Komponisten HANS ZIMMER zu seinen großen Inspirationen für seine symphonische Metal-Opera. Dementsprechend fällt auch sein Aufgebot auf den WACKEN WINTER NIGHTS auf. Nach einem ausschweifenden Instrumental, welches fast schon Prog-Einflüsse hat, entern die vier Sänger nacheinander die Bühne. Angesichts der Größe der Truppe wirkt dies gerade zum großen Finale der Franzosen ziemlich unübersichtlich und auch das Klangbild bleibt hinter der opulenten Optik bisweilen zurück. Nichtsdestotrotz: Für einen Opener am Sonntagvormittag schlägt sich MELTED SPACE vor verminderter Publikumsstärke durchaus tapfer. Umso beachtlicher ist die Leistung der Gruppe, wenn man bedenkt, dass der Main-Amp des Gitarristen bis kurz vor dem Auftritt die Fahnen vor der Kälte niedergestreckt hatte...

Dass die nachfolgende Gruppe sich in Windeseile eine treue Fan-Base erarbeitet hat, zeigen die tapfer ausharrenden Musketier-Liebhaber dARTAGNAN, die sich schon lange vor ihrem Auftritt einen Platz in der vordersten Reihe gesichert haben. Dabei gibt es anfangs erst einmal nicht sonderlich viel zu sehen. Passend zum Opener 'Nebelmeer' hüllen die drei Musketiere und ihre Live-Band sich erst einmal in künstlichen Dunst. Lange hält der jedoch nicht - Ben, Felix und Tim legen ein derart enthusiastisches und energiegeladenes Programm auf die Bühne, dass der Schlager-Vergleich, den sich dARTGANAN in der Szene gefallen lassen muss, auf einmal ganz weit hergeholt wirkt. Darauf weist auch Ben die feiernde Meute hin, die sich bis an die Essensstände um die Hauptbühne versammelt hat: "Lasst eure Schubladen da, wo sie hingehören. Nämlich zu Hause am Schreibtisch!" Der frenetische Applaus und der Jubel geben ihm Recht. Musikalisch spielen sich die drei Herren einmal durch die Best-Ofs ihres Albums "Seit an Seit" und schiffen dabei durch heroisch-hymnische Songs wie dem titelgebenden 'Seit an Seit' bis hin zum Spielmanns-Oldie 'Rabenballade', über den ich mich besonders freute.

Von den Musketieren geht es für einen kurzen Ausflug in die Mystic Woods zu den Piraten: Die Schweden von YE BANISHED PRIVATEERS, die vor allem Besuchern der Mittelalter Phantasie Spectaculi bekannt sein dürften, bewegen sich irgendwo zwischen Piratenfolk und rotzfrechem Punk. Den bringen sie auch in ihren fast schon komödiantischen Darbietungen zum Ausdruck, etwa wenn alle Crew-Mitglieder nach dem besungenen Sterben tatsächlich bewegungslos am Boden liegen oder arglose Personen mit der siebenschwänzigen Katze den blanken Rücken ausgepeitscht bekommen. Auf derartige Maßnahmen verzichtete YE BANISHED PRIVATEERS bei den Temperaturen gnädigerweise. Die authentischen Piratenkostüme im Zwiebel-Look, in denen die Musiker sogar anreisen, sind jedoch auch auf den WACKEN WINTER NIGHTS eine echte Augenweide. Dazu die gemütlichen Shanties ebenso wie aufgeweckte, kämpferische Stücke - bei den Piraten passt echt alles!

ORDEN OGAN beendet schließlich die erste Ausgabe der WACKEN WINTER NIGHTS mit einem gewohnt kraftvollen Auftritt. Als der letzte Ton schließlich verklungen ist, sehne ich mich nach drei Tagen Kälte, Wind und Schneefall nur nach einer heißen Dusche. 
So scheint es auch den anderen Festival-Besuchern zu gehen, denn nach ORDEN OGAN herrscht an den Umtauschstationen für das "Cashless Payment"-System auf einmal reger Andrang.

Summa summarum bleibt für mich von diesem Wochenende ein Festival, das definitiv Potenzial hat. Wenn die Verantwortlichen die auftretenden Probleme mit dem Bezahlsystems beheben und auf der nächsten Aufgabe für mehr Wärme bei den frostigen Temperaturen sorgen, stehen den WACKEN WINTER NIGHTS mit dem breit gestreuten Line-Up für Vertreter sämtlicher Spielarten der Schwarzen Szene ein kometenhafter Aufstieg bevor.

Ach, übrigens: Auch für das kommende Jahr haben sich mit SCHANDMAUL, KRAYENZEIT, SKYCLAD und ELVELLON bereits erste Bands für das Wochenende vom 23. bis zum 25. Februar angekündigt.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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