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Wave-Gotik-Treffen - Leipzig

17.07.2013 | 13:18

17.05.2013, diverse

Weniger Augenkrebs erzeugende Kostüme und interessante Bands lassen das Wave-Gotik-Treffen wieder zu dem werden, was es einmal war. Ein Familientreffen mit Wohlfühl-Atmosphäre.

Wir schreiben Freitag, den 17. Mai 2013. Zum 22. Mal rollt eine Welle schwarz gekleideter Menschen auf Leipzig zu. Vor dem AGRA-Gelände ist es gegen Mittag verdächtig ruhig. Keine Menschenaufläufe, keine Schlange am Container der Bändchenausgabe. Das WGT wird doch nicht abgesagt sein? Entwarnung gibt es in Form des Veranstaltungsplanes. Scheint wohl dieses Jahr nicht so viel an Besuchern anzuziehen, dieses Gruftie-Treffen? Weiter geht es Richtung Connewitz zur Unterkunft. Auch hier am Werk II ist es fast menschenleer. Komisch. Die werden doch nicht alle in diesem Jahr zu Hause geblieben sein? Mit dem Kollegen Köppe werden diverse Theorien darüber ausdiskutiert und mit seiner Feststellung gegen 15.00 Uhr: "Eigentlich ist das Treffen auch schon wieder vorbei!", ist alles gesagt.

Auf diesen Schreck hin gibt es das erste Festival-Bier am Werk II zur Einstimmung und so nach und nach trudeln auch hier die Besucher ein. Ein Blick auf den Plan erklärt auch das Szenario. Mit Konzerten geht es hier erst gegen 17.00 Uhr los. Klar, dass sich da niemand stundenlang vor die Halle setzt. Also auf zur Parkbühne, wo THE BREATH OF LIFE spielen. Die belgischen Darkwaver gibt es schon seit 1985. Dementsprechend ist auch der Altersdurchschnitt im Publikum. Mit 'Nasty Cloud' erklingt das wohl bekannteste Stück der Band und die Zuschauer freuen sich sehr darüber. Für uns ist dies der erste Gig des Tages und wir sind positiv überrascht.

Danach ist der Besuch im Volkspalast Pflicht. Schließlich gibt es einen Auftritt von CAMERATA MEDIOLANENSE nicht allzu oft. Da ist es umso verwunderlicher, dass die Band schon so zeitig spielt und dann auch nur eine halbe Stunde. Mit Verspätung und konfusem Hin- und Herlaufen der Bandmitglieder geht es dann irgendwann los. Zu Beginn wird leise die Ansage gemacht, dass der Auftritt irgendetwas mit einem neuen Projekt zu tun hat. Gemeint ist wohl das aktuelle Album "Vertute, Honor, Bellezza". Daraus hat man sich scheinbar nur die ruhigen und sehr klassisch gehaltenen Stücke herausgepickt. Wer auf die Klassiker und lauten Trommeln gehofft hat, wird bitter enttäuscht. Auch Daniela Bedeski, die Frontfrau, steht nicht am Mikrofon. Qualitativ kann man der Darbietung Nichts absprechen, doch es ist eben nicht das, was alle hören wollten. 'O Mia Stella' vom besagten neuen Album kann da noch am meisten begeistern. Nach gut 25 Minuten verabschieden sich die Italiener von der Bühne und ernten doch recht viel Applaus. Man gewährt den Fans noch eine Zugabe in Form von 'Salve, Mundi Domine, Caesar Noster, Ave'. Mit den ersten verhaltenen Trommelschlägen geht ein Aufschrei durch das Publikum. Leider bleibt das Trommelinferno aus und diese "Light-Version" eines Konzertes zieht sich hoffentlich nicht durch dieses Festival.

Da wir gerade von Enttäuschungen sprechen, auch die groß angekündigte Eröffnungsveranstaltung am Völkerschlachtdenkmal mit Auszügen aus Wagners "Parsifal" und einer spektakulären Lichtshow findet nicht statt. Oder besser gesagt ist das zu dem Zeitpunkt die Vermutung, da im Programmheft nichts darüber zu finden ist. Und nur auf Verdacht darauf zu warten macht keinen Sinn. So kann man wenigstens weitere Konzerte besuchen. Wie später zu erfahren ist, haben sich die Bauarbeiten am Denkmal verzögert und somit konnte die Veranstaltung nicht stattfinden. Aber die Informationspolitik seitens des Veranstalters ist ziemlich mies. Es wird wohl lieber totgeschwiegen, als mal einen Aushang zu machen. Ein Zettel am Bändchenschalter hätte da schon gereicht, um einen Großteil des Publikums nicht im Ungewissen zu lassen.

Derweil bestreitet DAS ICH in der Agra-Halle einen Auftritt. Sänger Stefan Ackermann ist wieder mit an Bord. Nach schwerer Krankheit und der Frage, ob er überhaupt überlebt, gleicht es fast einem Wunder, dass er zwei Jahre später an gleicher Stelle wieder auf der Bühne steht. Denn kurz vor dem WGT 2010 erlitt er eine Hirnblutung und als Bruno Kramm mit diversen Gästen das Konzert absolvierte, wusste keiner, ob es je wieder ein Konzert von DAS ICH geben wird. Allerdings war kein wild umher springender Stefan zu erwarten. Er steht vielmehr ruhig da und ihm ist seine Krankheitsgeschichte noch stark anzusehen. Musikalisch gibt es allerdings keine Einschnitte und das ist doch das Wichtigste!

"It`s so amazing!", ich hatte diese Worte von THE 69 EYES-Sänger Jyrki schon lange verdrängt. Aber der Herr K. musste mich ja unbedingt wieder an diesen Ausspruch erinnern, mit dem besagter Sänger uns vor Jahren auf einem anderen Festival eine Band schmackhaft machen wollte. Großzügig wie er nun mal ist, versprach er uns das Ticket zu bezahlen, wenn seine Band, die ja so "Amazing" ist, uns nicht gefällt. Na ja, gefallen hat es uns damals nicht und vielleicht sollten wir ihn heute an seine Worte erinnern und unser Geld einfordern? Na, lassen wir die Finnen erst einmal ihr Konzert spielen. Das ist wie gewohnt eher souverän als "amazing". Auf der Bühne wird gepost, was das Zeug hält, und die Damen in den ersten Reihen sind aus dem Häuschen. Ach ja, Musik gibt es auch noch. Eine gewohnt gute Mischung, bei dem weder das 'Gothic Girl' noch die 'Lost Boys' fehlen. Dazwischen wirft man 'Wasting The Dawn' oder 'Feel Berlin' in die volle Halle und alle sind glücklich. Die Zuschauer bedanken sich mit viel Applaus nach einem gelungen Aufritt.

So, und jetzt? Bandtechnisch ist nichts mehr für uns dabei. Also ab ins Bett? Nein, natürlich nicht. Nach einem obligatorischen Besuch der Verkaufsstände geht es zur "When We Were Young"-Party. Obwohl es noch nicht allzu spät ist, sind durchaus schon viele Besucher da. Bei dieser Veranstaltungsreihe ist die musikalische Qualität immer gewährleistet und so geht ein schicker Abend erst sehr spät zu Ende.

Redakteur:
Swen Reuter

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