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Wave-Gotik-Treffen 2001 - Leipzig

25.06.2001 | 12:53

03.06.2001, Haus Auensee

Allgemeines zum WGT

Ein von sintflutlichen Regenfällen fast hinfort gespültes 10. Wave-Gotik-Treffen (http://www.wave-gotik-treffen.de) in Leipzig ist zu Ende. Obwohl der tagelange Aufenthalt im schwärzesten Feuchtbiotop Europas Knochen wie Gemüter der etwa 17.000 Pilger zu dieser Wallfahrtsstätte der Gothic-Sub-Kultur (http://www.gothics-culture.de) reichlich aufgeweicht hat, ist es ein Erlebnis für sich gewesen.

Die Katastrophe im Jahr davor
Unser Team fuhr mit etwas gemischten Erwartungen nach Leipzig: Das letzte WGT war ein einziges Desaster gewesen, da die Veranstalter noch während der Festivaltage pleite gingen und weder Organisation noch Bands bezahlen konnte. Die meisten Veranstaltungen fielen daher ab Samstag ins Wasser - im letzten Jahr bildlich gesehen, da brüllende Hitze die schwarz gekleideten Besucher umwogte.

Doch die neuen Veranstalter \"In Move\" und die \"Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH\" schafften es diesmal, ein relativ reibungslos verlaufendes WGT zu organisieren.

Positiv war auch neben dem größtenteils reibungslosen Ablauf das friedliche und freundschaftliche Beisammensein Gleichgesinnter. Hier spielte es keine Rolle, ob man sich kannte, woher man kam, welche Eigenarten man besaß oder wie verrückt und exzentrisch man durch die schlammgefluteten Gefilde stakste.

Ganz ohne Kritikpunkte verlief allerdings auch dieses WGT nicht. Durch eigene Eindrücke und Befragungen von Besuchern sammelten sich einige Dinge an, die ich hier zur Sprache bringen möchte.

Weniger ist mehr
Viele waren vom - wirklich sehr guten - Programmüberangebot einfach überfordert und fanden, dass weniger oft auch mehr sein kann. Bei den 167 Bands fiel die Wahl oft schwer. Das liegt aber im Prinzip der Veranstalter begründet, die möglichst vielen, auch unbekannteren Bands die Chance geben wollen, sich einem breiten Publikum präsentieren zu können.

Oftmals zu voll
Auch die Wahl einiger Veranstaltungsorte war eher unglücklich gewählt. denn auch wenn zum Beispiel das Haus Auensee durch eine grandiose Kulisse im klassischen Stil glänzte, so war gemessen an der Zahl der künstlerischen Größen, die dort auftraten, einfach zu wenig Platz für die begeisterten Massen, so dass sehr viele enttäuscht wieder davonziehen durften. Auch die Weltreise durch halb Leipzig bis zum Haus Auensee war nicht wirklich günstig, wenn man am gleichen Tage noch anderen Aktivitäten frönen wollte.

Mittelaltermarkt unangemessen klein
Der Mittelaltermarkt war zwar ganz nett, aber gemessen an der Größe des WGT und der Zahl der zu erwartenden Besucher zu klein. Auch das Ambiente fehlte mitten in der Innenstadt etwas. Auch das gemütliche \"Heidnische Dorf\" war etwas klein, aber allemal einen Besuch abseits vom Trubel des Festivals wert - um sich zum Beispiel einigen Darbietungen wie Kämpfen und Spielmannsmusik hinzugeben.

Zunehmender Kommerz?
Den Hauptkritikpunkt sah man wohl allseits im stetig durchschimmernden Kommerzcharakter, von dem man sich dieses Jahr eigentlich wieder entfernen wollte. So musste man drei Mark pro Dusche berappen, die zudem meist so warm waren wie Nacktbaden in einem Himalaja-Bergsee - zuvor waren die Duschen kostenfrei. Auch das seit Samstag gültige Verbot, Getränke aufs Gelände zu bringen, nervte. Auf dem Schwarzen Markt wurde viel zuviel kitschiger Tand verkauft: nachgemachter Schmuckkitsch, Esoterikbücher fragwürdigen Inhaltes oder Klamotten, die eher an die Love Parade als an Gothic Culture erinnerten.

Positiv fielen hier günstige CD-Anbieter auf, sowie die Stände der Szene-Magazine Zillo und Sonic Seducer, wobei wir uns an dieser Stelle für die sehr freundliche Resonanz der Leute vom Zillo bedanken möchten, die uns eine umfangreiche Kollektion von bisher erschienenen Samplern sowie andre Merchandising-Produkte überließen.

Versteht mich nicht falsch - ich möchte Bands wie Veranstaltern nicht das Recht nehmen, ihre Unkosten auszugleichen und zudem das nötige Geld überdies zu erarbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt und ihre Produktionen zu finanzieren. Aber einige unnötige Dinge am WGT stießen mir in dieser Sache leider etwas sauer auf.

So hart die Strapazen einer solchen Großveranstaltung auch sein mögen, die hervorragende Auswahl an Bands und Aktivitäten und das tolerante \"Get togehther\" der Szene machten einige Ungereimtheiten des Zusammentreffens wieder wett. Man kann also wieder einer Fortsetzung der Geschichte des WGT im nächsten Jahr zu Pfingsten mit freudiger Erwartung entgegensehen.

Mehr über das Wesen der Gothic-Szene findet ihr unter http://www.shadowsphere-mailorder.de/gothic/index.htm

Dunkle Grüße an alle dort draußen - Man sieht sich nächstes Jahr in Leipzig,

Andreas alias LordSinister

Redakteur:
Andreas Jur

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