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With Full Force IX - Roitzschorja/Leipzig

16.07.2002 | 10:46

05.07.2002,

Freitag, 05.07.2002

[Prolog]

Frohen Herzens und guten Mutes machten wir uns auf die lange und beschwerliche Reise nach Roitzschorja, um dass neunte With Full Force mit...lassen wir das mal beiseite und kommen zur Sache: zuerst einmal möchte ich mich für die Verzögerung beim Erstellen des Berichtes entschuldigen, aber meine Grippe, die ich mir auf dem WFF eingefangen hatte, beanspruchte mich doch stärker, als ich dachte. Ganz besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei unserem ehemaligen Redaktionsmitglied Rainer Raithel und seiner Freundin Tatjana Wiessner bedanken, ohne die der Bericht in dieser Form ganz sicher nicht zustande gekommen wäre. Natürlich gilt mein Dank auch unserem Fotografen Alexander Schücke, dessen Fotos ihr höchstwahrscheinlich im Laufe dieser Woche bestaunen dürft. Jetzt schon mal viel Spass beim Lesen, zum gesamtem Drumherum erfahrt ihr am Ende des Berichts mehr. Ach ja, ihr werdet merken, dass wir über die eine oder andere Band keinen Bericht haben, aber wir haben mit drei Leuten getan, was wir konnten, mehr war leider nicht drin.
[Herbert]



[Hardbowl...SIDEKICK]

Freitag 5.7.2002: ein kleiner Ort in der Nähe von Leipzig probt den Ausnahmezustand! Was? Das ist eine ganz billige Einleitung?
Mag sein, aber SIDE KICK als erste Band des Tages waren alles, nur nicht billig! In feinster New York City Hardcore-Manier prügelten sich die 5 Recken aus Stuttgart durch ihren Set.
Wie sich im nachhinein herausstellen sollte, erwies sich die Band als geradezu symptomatisch für das gesamte Programm in der Tentstage. Während in den letzten Jahren auch die eine oder andere MelodyCore Band im Programm war, so wurde dieses Jahr doch deutlich in Richtung Old School tendiert.
Zurück zu SIDE KICK, sauber gespielte Up Tempo Nummern, die kräftig für Stimmung sorgten und den ersten Pit des Tages hervorzauberten.
Stimmlich und auch gesangstechnisch erinnerte der gute Mann am Mikro doch an so manchen Sänger aus der Gegend in und um New York ;-)
Fazit: Hingehen und ansehen! Sprich, sollte dieser sympathische Fünfer mal in Eurer Nähe gastieren und Ihr auf `nen Tritt in den Allerwertesten stehen, dann nix wie hin und `nen vergnüglichen Abend verbringen!
[Tatjana]

[Mainstage...SUBSTYLE]

Der Mainstage-Opener SUBSTYLE durfte sich über einen gemessen an der nachtschlafenen Uhrzeit von 14:15 respektablen Zuschauerandrang freuen; bereits hier wurde ansatzweise deutlich, wie gut die diesjährige Auflage des WFF besucht war. Leider aber versäumte es die Band, die ihr gebotene Chance wirklich zu nutzen. Klar, die erste Band hat es immer schwer, blablabla... aber zum Einen kam die Truppe auf Dauer leider entschieden zu lasch durch die PA gerauscht, woran der der noch etwas unrunde Sound nicht ursächlich beteiligt war; zum Anderen konnte das gezwungen wirkende Stageacting des Quintetts nicht wirklich überzeugen. Ein bisschen mehr Begeisterung hättet Ihr schon zeigen dürfen, Jungs.
Wäre aber Alles zu verschmerzen gewesen, wenn das Songmaterial gestimmt hat. Ungeschickterweise allerdings verlegte sich die Truppe darauf, hauptsächlich sperriges und / oder noch unveröffentlichtes Material wie "I´m God And This Is My Day", "It", Swallowed Sorrow" und "Still Living" zu präsentieren, anstatt die phasenweise mitreissenden, vor allem aber deutlich eingängigeren Highlights ihres Full Length-Debüts "On The Rocks" zu kredenzen, für welches sie vielerorts als deutsche Antwort auf bzw. potentieller Nachfolger der glorreichen FAITH NO MORE gehandelt wird.
Diesen insgesamt eher durchwachsenen Eindruck konnte auch die gute Gesangsleistung des unterkühlt wirkenden Frontmannes Guido nicht mehr entscheidend verbessern. Unterm Strich also keine wirklich gute Visitenkarte einer der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsbands im Alternative Rock- bzw. Crossover-Bereich.
[Rainer]

[Mainstage...DEW-SCENTED]

Die unmittelbar darauf folgenden DEW-SCENTED waren da schon von ganz anderem Kaliber und belegten eindrucksvoll, daß die ihnen vor allem für ihr aktuelles "Inwards"-Album zugedachten ausgezeichneten Kritiken absolut berechtigt sind. Nach einem stimmigen "Spiel mir das Lied vom Tod"-Intro pustete die Band für alle SLAYER-Freunde den Restalkohol aus den Anwesenden und konnte mit ihrem Death Metal-lastigen Thrash sehr ordentliche Reaktionen unter den inzwischen sehr zahlreichen Anwesenden hervorrufen. Dank eines guten Sounds kamen sowohl spielerisch sauber und mit jeder Menge Spielfreude intonierte Kracher von der aktuellen CD ("Reprisal", "Inwards", "Life Ending Path") als auch ältere Nackenbrecher wie "Idolized" oder "This Grace" bestens an, was sich in ersten Staubwolken vor der Bühne äusserte. Ach, WFF, Deine Traditionen...
Müssig zu erwähnen, daß die Truppe aus NRW (seit wann liegt Walsrode in NRW?? Jaja, Bayern und Geographie... – Herbert) heftigst die Matten kreisen ließ und der sympathische Frontgurgler Leif mit mächtigem und doch spielerisch leicht intoniertem Gebrüll glänzte. Klasse Auftritt einer starken Truppe, welche die Zuschauer in nullkommanix auf Betriebstemperatur brachte und dabei reichlich neue Freunde gewonnen haben dürfte.
[Rainer]

[Mainstage...ARCH ENEMY]

ARCH ENEMY, was hab ich mich auf diese Band gefreut. Ihr letzter Output "Wages Of Sin" hat nicht nur mich im Sturm erobert und so stand ich sehr gespannt und mit einer großen Erwartungshaltung vor der Bühne und harrte der Dinge die da kommen würden.
Und ich muß sagen...WOW! Was da auf den geneigten Zuschauer nieder ging, darf man getrost als Death Metal Gewitter der feineren Sorte betrachten. Und nicht nur das, da wird geröchelt, gegrunzt, geschrieen und gemosht, daß die Fetzen fliegen!
Selten eine so agile und aktive Frontfrau gesehen und auch die Band selbst war eine wahre Augen und Ohrenweide. Tight wie die Hölle und spielfreudig wie keine zweite!
Nicht nur daß die Dame ein wirklich sehr hübsches Menschenkind ist, das ist für mich als Frau sowieso eher von untergeordneter Bedeutung *g*, nein, sie kann singen wie der liebe Gott!
Wer von Euch da draußen auch Bedenken hat, daß die Dame ihr Material live nicht so rüberbringt wie auf Platte, dem sei eins gesagt: die Frau killt!
Neben 5 neuen Songs, wie zum Beispiel „Enemy Within“ , „Heart Of Darkness“ und „Burning Angel “, um nur 3 davon zu nennen , gaben ARCH ENEMY mit „ The Immortal" und "Bury Me An Angel " zwei alte Stücke zum Besten, die an und für sich nicht auf die neue Sängerin zugeschnitten waren. Aber auch hier keine Probleme und ich kann nur sagen, daß mich und auch den Rest der schon zahlreich erschienenen Anwesenden die Band auf ganzer Linie überzeugt hat.
PS: Und es war einfach mal schön, eine Frau im Metal zu haben, die nicht nur quietschen, säuseln und Arien zum besten geben kann!
PSS: *Singmodus an * Siehst Du Tarja so wird das gemacht!! *Singmodus aus*
;-)))) (Welch wahres Wort! – Herbert)
[Tatjana]

[Mainstage...CANNIBAL CORPSE]

Ach ja, der Freitag erwies sich als wahres Bonbon für die Freunde härterer Klänge: erst schredderten DEW-SCENTED und ARCH ENEMY Alles in Grund und Boden und dann standen auch noch the mighty CANNIBAL CORPSE und HYPOCRISY Gewehr bei Fuß, um dem deathmetallischen Nachmittag die Krone aufzusetzen.
Sicher, CC haben bei ihren Festival-Auftritten der Vergangenheit nicht unbedingt glänzen können, an diesem Tag allerdings präsentierten sich die Amis in erstklassiger Verfassung. Die Truppe wirkte weniger steril als zuletzt und entfachte mit gewohnt perfekt inszeniertem, edelstem Todesbleifutter von "Savage Butchery", "Devoured By Vermin" und "Disposal Of The Body" über "Pounded Into Dust" und "Pit Of Zombies" bis hin zu "Unleashing The Bloodthirsty" und "The Pick-Axe Murders" einen wahren Orkan, ohne sich dabei lange mit Midtempo-Nummern aufzuhalten. Dazu brillierte Corpsegrinders Schorsch (argh, was soll dieser bayrische Slang hier, hmm? – Herbert) einmal mehr als außergewöhnlich charismatischer Frontmann und unangefochten bester GrunzKreischer des DM-Business, der seine dezent an einen Schiffsdiesel erinnernden Urlaute einmal mehr mit beeindruckender Lockerheit abhustete.
Die beachtlichen Zuschauermassen taten das ihrige, um die Bühne in fette Staubwolken zu hüllen und somit konnten CANNIBAL CORPSE ein für alle mal klarmachen, daß sie auch am hellichten Tag und auf einer Hauptbühne rundum zu überzeugen wissen. Insofern will es auch nicht als Kritik verstanden sein, daß ich mir die letzten 10, 12 Minuten des Schlachtfestes verkniff, um mir in der Tentstage eine Prise D.R.I. zu genehmigen.
[Rainer]

[Hardbowl...D.R.I.]

Was ist zwanzig Jahre alt und bringt Punks, Metaller und HardCoreler dazu, vollkommen verpeilt durch die Gegend zu tanzen? Richtig! D.R.I.!
Die Crossover Urväter kamen sahen und siegten!
Frenetisch abgefeiert lieferten sie einen Set ab, der vom Feinsten war; nicht nur, daß sie einen Knaller nach dem anderen präsentierten, was bei der Menge an Material ja nicht wirklich schwer ist *g*, nein, sie zeigten, daß sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören!
Auch wenn man ihren Auftritt nicht als wirklich routiniert und professionell betrachten kann, lange Pausen zwischen den Songs, mal nen falschen Song angesagt und Ähnliches. Aber das war nicht wirklich wichtig, wichtig war, daß hier Musiker auf der Bühne stehen, die für das einstehen, was ihnen wichtig ist und war. Ihr eigenes Ding unbeirrt durchziehen, egal welcher Trend nun gerade durch MTV Land weht.
Respekt für 20 Jahre Qualität und einen Auftritt, der einen Zeitgeschichte spüren ließ.
[Tatjana]

[Mainstage...HYPOCRISY]

Bisschen D.R.I. miterlebt -die sieht man ja nun auch nicht gerade alle Tage- und -schwupps- wieder zurück zur Mainstage, wo es nach den exzellenten und in der bpm-Zahl kontinuierlich ansteigenden Darbietungen von DEW-SCENTED, ARCH ENEMY und CANNIBAL CORPSE nun an den glorreichen HYPOCRISY lag, den anwesenden DM-Freunden mit hmynischen Midtempo-Nummern und diversen mehr oder weniger fiesen Fetzern die letzten Reste der Begeisterungsfährigkeit aus dem Kadaver zu quetschen. Und auch die Schweden bewiesen eindrucksvoll, daß sie nicht nur in einem Club zu überzeugen wissen, mischten mit Bedacht altes und neues, schnelles und langsames Material. Nach dem unumgänglichen Auftakt mit "Fractured Millenium" liessen Peter & Co mit "Pleasures Of Molestation" und "Obsculum Obscenum" ordentlich die Keule kreisen, bevor man sich über "Fire In The Sky", "Don´t Judge Me" und "A Public Puppet" (welches live deutlich besser zu gefallen wußte als auf CD) zum abschließenden Trio "Buried", "Destroyed" und "The Final Chapter" vorarbeitete. Meister Tägtgren präsentierte sich in bestechender stimmlicher wie körperlicher Form, zeigte sich wie seine Mitmusiker äusserst engagiert und ließ sich auch vom etwas ausgepowerten Publikum und dem arg höhenlastigen Sound in keinster Weise irritieren.
Klasse Darbietung einer Truppe, die ihre Setlist mit einigen Überraschungen spickte und sie sich, da ihr Trommelknecht Lars Szöke im Freien auch das Tempo zu halten vermochte, definitiv auch auf großen Bühnen behaupten kann.
[Rainer]

[Hardbowl...THE DICKIES]

Vielleicht kennt das ja der eine oder andere von Euch, da gibt es Bands, die kennt man nur von den Shirts anderer Leute und man fragt sich immer, was da nun genau dahinter steckt; so ging es mir immer mit "THE DICKIES": nette Shirts aber irgendwie nie geschafft, was von der Band zu hören.
Was für ein Verlust, kann ich da nur sagen, obwohl Vinyl oder besser gesagt eine CD DAS nicht wiedergeben kann.
Was genau? Wechselnde Verkleidungen, Handpuppen ( besonders schön war das Modell Phallus samt Gehänge), Schwimmübungen mit einer Gummipuppe und Ähnliches.
Tränen hab ich gelacht! Besonders bei der GENIALEN Coverversion von "Paranoid"; genau.. DEM Song von BLACK SABBATH!
Jetzt aber schön der Reihe nach: THE DICKIES sind eine Punkband aus LA, die ihren Nonsens schon eine ganze Weile auf dem Erdball vertreibt.
Wenn man nicht weiß, was da auf einen zukommt, wundert man sich als erstes über den Sänger; nanu... was macht denn der alternde Germanistikstudent auf der Bühne? Ich denke, die machen Punk?
Machen sie auch, aber die Sorte von Punk, für die schon die RAMONES gelebt haben. Spaß, Witz und Ironie stehen hier an erster Stelle. Und im Gegensatz zu vielen anderen Punk Bands beherrschen die DICKIES auch noch ihre Instrumente.
Songs wie „Poodle Party„, "My Pop, The Cop" seien hier nur als kleine Beispiele genannt.
Ich und viele andere in dem gut gefüllten Zelt hatten jedenfalls sichtlich ihren Spaß.
Und gleich nächste Woche werde ich mich zum CD Händler meines Vertrauens begeben und da doch mal in die ein oder andere Scheibe reinhören....die Texte...*weglach*
[Tatjana]



[Mainstage...ROB HALFORD]

Ich war ziemlich gespannt auf den „Metal God“ und das hatte gleich mehrere Gründe: zum einen die fast durchgängig negativen Berichte aus Balingen vom BYH Open Air, zum anderen sein neues, ziemlich modern ausgefalles Album „Crucible“, das mir persönlich besser gefällt als das viel zu schnell langweilig werdende „Resurrection“. Am Anfang kam Rob auf die Bühne und...zog erstmal ein paar Mitsingspielchen mit dem Publikum durch, um dann mit „Painkiller“ einzusteigen, dass er fast komplett mit seiner hohen Kopfstimme sang, auch wenn die ersten beiden Refrains vom Publikum übernommen wurden.
Weiter gings dann mit „Jawbreaker“, bevor dann mit „Resurrection“ und „Made In Hell“ die ersten eigenen Songs kamen. Allgemein zeigte sich Rob gut gelaunt, machte mehrere Ansagen, stellte seine Backing Band vor, die tight spielte und ein aggressives Metal Stageacting hinlegte und auch Halford selber bewegte sich viel und klebte nicht nur sklavisch am Teleprompter fest. Das Highlight des Sets waren für mich die beiden neuen Nummern „Betrayal“ und Golgotha“, die einfach am besten zu Robs jetzigem Stimmenumfang passen. Das Publikum flippte aber eher bei den JUDAS PRIEST Klassikern „Exciter“ und dem Abschlusstrack „The Hellion/Electric Eye“ aus, bei denen aber, wie bei allen alten Songs, deutlich wurde, dass der „Metal God“ einfach nicht mehr das Stimmvolumen von früher hat, auch wenn er sich bemühte. So bleibt als Fazit eine gute Show, bei der auch der Sound stimmte, aber nicht mehr.
[Herbert]

[Mainstage...DEAD KENNEDYS]

Jetzt mal Butter bei die Fische: die Auseinandersetzungen zwischen der Band und Jello Biafra bleiben außen vor. Die vorsichtig formuliert etwas gespaltenen Zuschauerreaktionen und diversen Unmutsbekundungen auch. Was bleibt an harten Fakten zu berichten? Nun, daß man mit unsterblichen Punk-Klassikern wie z.B. "Let´s Lynch The Landlord", "Kill The Poor" oder "Too Drunk To Fuck", "Nazi Punks Fuck Off" (genau, verdammt!), "Kalifornia Uber Alles" und "Holiday In Cambodia" sowie einer ziemlich prollig intonierten Version des ELVIS-Klassikers "Viva Las Vegas" nicht viel verkehrt machen kann; insbesondere, wenn diese vor einer beachtlichen Zuschauermenge spielerisch relativ sauber (für Punk-Verhältnisse, wohlgemerkt), gesanglich authentisch und mit einem einwandfreien Sound vorgetragen werden.
Trotzdem, und das dürften sich auch die zahlreichen Musiker anderer Bands im Hintergrund der Bühne gedacht haben, wirkten die Kalifornier trotz ihres Bemühens, sich in jeder Hinsicht so punkig wie möglich zu geben, nicht besonders glaubwürdig, woran nicht zuletzt auch das Spätberufener-Intellektueller-Outfit der beiden intelligenzunterstützungsbebrillten Axtschwinger beteiligt war.
Unterhaltsam ja, echter Knaller keiner, und auf der Punk Credibility Skala von 0 bis 10 bei minus 3.
[Rainer]

[Mainstage...BIOHAZARD]

Was soll man zu BIOHAZARD noch groß schreiben? Jeder, der die Entwicklung der Band über die Jahre verfolgt hat, wird wissen, dass die New Yorker eine echt gute Liveband sind, deren Studioalben man aber mittlerweile im Regal stehen lassen kann oder für drei Euro beim Second-Hand Dealer mitnimmt, wenn überhaupt.
Genauso unwichtig ist eigentlich die Tatsache, dass BIOHZARD ihren zweiten Gitarristen ausgetauscht haben. BIOHAZARD sind in erster Linie Evan Seinfeld, der auch beim With Full Force gewohnt prollig über die Bühne stampfte und immer wieder versuchte, einen Circle Pit in Gang zu bringen und Billy Graziadei, der wie immer wild über die Bühne sprang und auch vor einem Bad im Publikum nicht zurückschreckte. Auch die Songauswahl machte klar, dass BIOHAZARD wissen, welches Album ihr bestes ist. Neben „Down For Life“ und „Hate, Fuck, Fight, Kill“ wurden sieben Tracks von „Urban Discipline“ gespielt, darunter auch der Hidden Bonus Track „Hold My Own“ und das BAD RELIGION Cover „We`re Only Gonna Die (From Our Own Arrogance)“.
Am coolsten kamen aber „Wrong Side Of The Tracks“, „Shades Of Grey“ und der BIOHAZARD Track schlechthin: „Punishment“! Also, alles wie immer, BIOHAZARD konzentrieren sich auf ihre Klassiker und boten, auch unterstützt vom guten Sound, eine verdammt coole Show. Das einzig merkwürdige waren nur die Reaktionen des Publikums. Bei den ersten Song bildete sich ein fetter Moshpit, der fast bis zum Mischpult reichte, bevor die Stimmung immer mehr abflaute, dabei wurden BIOHAZARD im Verlauf des Sets immer besser. Sehr merkwürdig, trotzdem beide Daumen hoch für BIOHAZARD!
[Herbert]

[Mainstage...SLAYER]

Schon vor dem Set hallten „SLAYER, SLAYER“ Chöre durch den Abendhimmel über Roitzschorja und kein Bandname wurde wohl so häufig gebrüllt wie der von SLAYER. Dabei war das durchaus eine besondere Show, denn zumindest ich war gespannt auf die Reunion des Original SLAYER Achtziger Line-Ups mit Dave Lombardo am Schlagzeug.
Und ich wurde nicht enttäuscht, denn es gibt einige Konstanten bei einer SLAYER Show, die auch diesmal wieder vorhanden waren. Bewegung auf der Bühne gab es kaum, dafür war die Lightshow genau wie der Sound mal wieder verdammt gut und Tom Araya glänzte mal wieder durch ruhige, sehr angenehme Ansagen. Die einzige kleinere Überraschung war, dass die neuen Songs fast alle, bis auf „Stain Of Mind“, von „God Hates Us All“ stammten.
Als Opener fungierte dabei „Disciple“, nachdem als Intro „Darkness Of Christ“ von Band kam, daneben spielten SLAYER noch „Threshold“, „God Send Death“ und das famose „Bloodline“. Ansonsten jagte aber ein Klassiker den anderen: „Chemical Warfare“, „Dead Skin Mask“, „War Ensemble“, „Postmortem“, das ohne Pause in eine gnadenlose Version von „Raining Blood“ überging, „Mandatory Suicide“, „Hell Awaits“ und eine verkürzte Version von „Seasons In The Abyss“.
Natürlich durften da die Zugaben nicht fehlen und so spielten SLAYER noch „South Of Heaven“ und das unvermeidliche „Angel Of Death“, die ich leider nur noch hören konnte (siehe dazu den BEHEMOTH Bericht). Alles in allem eine gewohnt coole Show von SLAYER, auch wenn mir es so vorkam, als würde das Publikum zwar gut mitgehen, aber vor Begeisterung nicht ausflippen. Trotzdem macht es immer wieder Spaß, eine so mitreißende Band wie SLAYER live zu sehen!
[Herbert]

[Knüppelnacht...BEHEMOTH]

Tja, BEHEMOTH. Ich hatte mich wirklich auf den Gig gefreut, nur leider tauchte kurz vor Schluss des SLAYER Gigs ein Kumpel bei mir auf, dem schwarz vor Augen wurde. Also gings erstmal zurück zum Zelt, dann gönnte ich den schmerzenden Füßen noch etwas Ruhe und stand danach dann am Eingang. Lange Rede, kurzer Sinn: leider konnte ich nur den letzten Song von BEHEMOTH miterleben, der war allerdings klasse, genauso wie das Auftreten der Band. BEHEMOTH sind mittlerweile zu einem richtig guten Act im Death/ Black Metal Spannungsfeld geworden. Beim nächsten Mal kann ich sie dann hoffentlich vollständig sehen...
[Herbert]

[Knüppelnacht...GRAVE]

Death Metal ist wieder im Kommen, da wollten sich auch GRAVE nicht lumpen lassen und haben sich reformiert. Gut, ich hätte auf diese Reunion gut und gerne verzichten können, aber man lässt sich ja gerne eines Besseren belehren. Nur leider dachte ich nach dem Auftritt nicht anders.
Fairerweise muss man dazu aber sagen, dass der Sound wirklich unter aller Sau war, das Schlagzeug und der Bass waren teilweise lauter als die Gitarren...klar, dass dann Songs wie „Obscure Infinity“, „You’ll Never See“ oder „No Regrets“ nicht ihre gewohnte Durchschlagskraft entfalteten. Auch das Stageacting war eher mal kaum vorhanden, so dass die coolen deutschen Ansagen von Gitarrist/ Sänger Ola Lindgren noch das Bemerkenswerteste beim Auftritt der Band waren. Ansonsten spielten GRAVE neben „Soulless“ auch noch eine neuen Track, der allerdings aufgrund des Sounds nicht viel Aufschluss gab über die neue CD.
Naja, ein Gig der Sorte ganz nett, mehr nicht, dass zeigten auch die spärlichen Reaktionen im Publikum. Und selbst wenn der Sound besser gewesen wäre, hätte das wohl nicht viel geändert, da GRAVE einfach zu unspektakulär wirkten. Da höre ich doch lieber weiter DISMEMBER.
[Herbert]

[Knüppelnacht...LOCK UP]

Für meinen unmaßgeblichen Geschmack ging die Knüppelnacht nach der netten, aber unspektakulären Darbietung von BEHEMOTH und dem ewiggestrigen Standard-Elchtod-Gerumpel von GRAVE mit LOCK UP erst so richtig los. Und wie sie los ging, hallo! Das englisch-amerikanisch-schwedische Quartett nagelte in einer guten Dreiviertelstunde handgestoppte 14 Songs ins das etwa halb volle -und damit gemessen an der Uhrzeit prächtig gefüllte- Auditorium und erntete dafür zurecht begeisterte Reaktionen. Mit beeindruckender Präzision wurden dem ehrfürchtig staunenden Publikum zeitgenössische Grindcore-Perlen von "Pleasures Pave Sewers" (z.B. ""After Life In Purgatory", "Triple Six Suck Angels", "Submission") und "Hate Breeds Suffering" (u.A. "Violent Reprisal", "Slaughterous Ways", Titelsong, "The Jesus Virus" und "Cascade Leviathan") um die Ohren geblasen, wobei sich vor allem die schier unfaßbare Schlagzeugarbeit von Monstertrommler Nick Barker jedem Augen- und Ohrenzeugen unauslöschlich in die Trommelfelle gebrannt haben dürfte.
Zudem hatte die nicht wie ein Projekt, sondern sehr homogen wirkende Truppe ja noch Ex-AT THE GATES-Kreischer Thomas Lindberg zu bieten, dessen Vocals derart heavy (as shit) rüberkamen, daß man sogar über seine merkwürdige Vollalkoholiker-Kopfbedeckung im besten schwedischen Waldschrat-Stil hinwegsehen konnte.
Feinste, ultrapräzise inszenierte Grindcore-Kost, die mit dem schneller (!) als im Original gespielten TERRORIZER-Cover "The Dead Shall Rise" ihren krönenden Abschluß fand. Wumms!
[Rainer]

[Knüppelnacht...MARDUK]

Ja, jetzt kam die Knüppelnacht richtig in Fahrt. Zunächst der LOCK UP´sche Grindcore-Orkan und unmittelbar danach die zweifellos stärkste Live-Band des BM-Bereichs. Müssig, sich über die Qualitäten der Band noch groß auszulassen, denn die Schweden sind nun wahrlich oft genug live zu bewundern, so daß jeder BM-Freund mit ein bisschen Selbstwertgefühl das Quartett schon mehrfach erlebt haben dürfte.
So kam es denn auch, wie es kommen musste bzw. bei MARDUK glücklicherweise immer kommt: souveräne Darbietung, gewohnt faszinierender und bösartig röchelnder Frontcharismatiker Legion, gutklassiger, wenn auch etwas DM-lastig trommelnder neuer Schlagzeuger und ein zurecht ergriffenes Publikum. Dazu eine in alter MARDUK-Tradition einmal mehr variable Setlist, welche diesmal u.A. Perlen wie "Panzer Division Marduk" und "Beyond The Grace Of Gods", "On Darkened Wings" und das als "Wiegenlied" angekündigte "Jesus Christ... Sodomized" enthielt. Man kann der Truppe wahrhaft nicht genug dafür danken, daß sie den Konzertgänger mit ihrer Songauswahl stets aufs Neue zu überraschen weiss, Heil dir O Satan.
Zum krönenden Abschluß ballerten die Herren Hakansson & Co. dann mit einer höllisch schnellen Version von "Baptism By Fire" nochmals aus allen Rohren, um danach ein nach einer Dreiviertelstunde konkurrenzlosem Black Metal-Fegefeuers restlos zufriedenes Publikum zurück zu lassen. Diese Truppe büsst auch beim x-ten Gig nichts von ihrer Faszination ein und versteht es, zu jeder Tages- und Nachtzeit zu brillieren, basta.
[Rainer]

[Knüppelnacht...KATAKLYSM]

Nach einem langen Tag voller cooler Bands gehen die Gedanken um halb fünf schon mal in Richtung Zelt. Viele hatten diesen Gedanken wohl schon in die Tat umgesetzt, denn allzu voll war es bei KATAKLYSM nicht mehr, es taten sich schon deutliche Lücken auf. Nichtsdestotrotz boten KATAKLYSM den Anwesenden das volle Death Metal Brett, auch begünstigt durch die Tatsache, dass im Gegensatz zu MARDUK, wo das Schlagzeug alles niederknüppelte, der Sound verdammt gut war und alle Instrumente gut zur Geltung brachte.
Interessant war auch, dass KATKLYSM, die Erfinder des „Northern Hyperblast“ tatsächlich eine eigene Art haben, Blastbeats zu spielen, was dem Sound eine originelle Note verleiht. Dazu stimmte auch das Stageacting und auch die Songs, wie z.B. „Gateway To Extinction“ oder der Titeltrack der demnächst erscheinenden Scheibe. KATAKLYSM bretterten ein cooles Riff nach dem anderen in die gut abgehenden Menge und fanden geschickt die Balance zwischen Blasts und Midtempo Parts. Mit dem Hammer „Manipulator Of Souls“ beendeten KATAKLYSM ihre Show, die mich endgültig zum Fan der Band gemacht hat. Ich freue mich schon auf das neue Album!
[Herbert]

[Knüppelnacht...IMPALED NAZARENE

Normalerweise sollte hier ein IMPALED NAZARENE Bericht stehen, allerdings waren alle drei Rezensenten um fünf Uhr morgens am Ende ihrer Kräfte...sorry!!
[Herbert]




Redakteur:
Herbert Chwalek

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