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Brot und Spiele für den Powermetal.de-User: große Projekte der Community und umfassende Forenspiele finden hier ihren Platz
von Eike » Mittwoch 25. August 2010, 18:42
So! Ich hab's getan. In einem Moment geistiger Umnachtung habe ich mich hingesetzt und auch so eine wahnwitzige 100er-Liste erstellt. Das ist natürlich grober Unfug, weil die Liste sich vermutlich beim nächsten kritischen Blick darauf schon in der nächsten Minute wieder geändert hätte, aber ich friere sie jetzt trotzdem einfach so ein bzw. speicher sie ab, und damit ist sie dann fix. Natürlich ist dergleichen dennoch immer nur vorläufig; es wäre ja auch Schwachsinn, so etwas momentanes wie Musikgenuss ein für alle Mal festklopfen zu wollen. Also nicht wundern über das, was da noch kommen wird, es ist bloß ein in die Länge gezogenes Abbild meiner Stimmungslage von jetzt gerade. Und vermutlich schon vor der Vorstellung von #1 wieder hinfällig... Wo möglich, werde ich versuchen, mich auf zwei Links zu beschränken, damit Ihr mit dem Anhören auch nachkommen könnt. Wie gesagt, wo möglich, nicht immer. Ansonsten gilt: Ich habe mich nicht an irgendwelche Regeln gehalten. Eine Regel kommt jetzt: 4 Alben / Tag. 100. PJ HARVEY "Uh Huh Her"Alternative Rock / Songwriter PJ HARVEY gehört zu den eigenwilligen Künstlern, die den Rock zwar bis zum Grunde des Glases in sich aufgesogen haben, ihn aber nicht strunzdoof gleich wieder an den nächsten Baum pissen, nur um ihr Territorium zu markieren. Vom kargen "Dry" und dem elektronisch eingefärbten "Is This Desire?" über das trocken, heiß und manchmal dunkel gehaltene "To Bring You My Love" bis hin zum abwechslungsreichen Sammelsurium "Uh Huh Her" und den, für mich nicht mehr ganz nachvollziehbaren, ätherischen neuen Werken war es ein langer Weg. "Uh Huh Her" hat die rauen Songs wie ' Who The Fuck?', die fast schon leise leidenden wie ' Shame' und mit ' No Child Of Mine'* auch so etwas wie eine Hymne, oder zumindest etwas, das dem nahe kommt. Denn für auch sturzbesoffen noch von tumben Massen mitgrölbare Gassenhauer ist sich PJ zu schade, und das ist gut so. (*Für MARIANNE FAITHFULL gab's im selben Jahr eine weitere Version des Stückes.) 99. DJ SHADOW "The Private Press" Trip Hop / Hip Hop Hip Hoppern sollte DJ SHADOW wegen des Instrumentalwerks "Endtroducing....." bekannt sein, Trip Hoppern wegen seiner kreativen Teilhaberschaft am U.N.K.L.E.-Frühwerk. Auf "The Private Press" gibt es nicht mehr den relativ stimmungshomogenen Fluss von "Endtroducing....." sondern eine Mischung aus treibenden und sehr clever arrangierten Hip-Hop-boast-tracks wie 'Right Thing/GDMFSOB', teils ätherischen, teils aber auch noch deutlich beatlastigen Trip-Hop-Schwelgereien wie dem Doppel 'Mongrel...'/'...Meets His Maker' sowie Stücken von geradezu cineastischer Stimmungsmalerei wie dem jazzig inspirierten ' Mashin´ On The Motorway'. Grund genug, dieses verspielte Meisterwerk hier aufzunehmen! 98. PAATOS "Kallocain" Progressive Rock / Postrock / Trip-Rock  Traditionen eher im Rock, aber aus der Richtung dann auch einen ähnlich eklektizistischen, atmosphärischen, trippigen Ansatz verfolgt PAATOS, eine Band, die man in Auge und Ohr behalten sollte, weil sie sich immer wieder wandelt, ohne dabei allzu wilde Haken zu schlagen oder Schrott abzuliefern. Nun, hier soll es um " Kallocain" gehen, und damit die Rezension auch gelesen wird, verweise ich noch am Rande darauf, dass sie mit PORCUPINE TREE auf Tour waren, was einerseits passt, andererseits aber nicht dazu verleiten sollte, davon auszugehen, dass die Bands irgendwie ähnlich klängen. Aber manchmal treffen sie sich im schwebenden Charakter einiger Songs oder Passagen. "Kallocain" klingt allerdings lebendiger, dynamischer, manchmal auch psychedelischer - dabei aber klar und rein. Ich verlinke hier mal zu ' Gasoline' und ' Won't Be Coming Back'. 97. [b]RASPUTINA "Frustration Plantation"[/u] Alternative Rock / Songwriter / Weird Folk / American Gothic  RASPUTINA verwurstet Exzentrisches, Historisches, Parodistisches, Kabarett, Folk, Rock, Schräges zu von Cello und Gesang geprägter Eigenwilligkeit. Progressiver geht kaum, ohne zu nerven. Anstrengend ist "Frustration Plantation" dennoch, aber auch äußerst charmant. Überzeugen, das zu mögen oder zu hassen oder kopfkratzend bzw. schulterzuckend weiterzumachen wie bisher (aber bitte erst nach dem Anhören!), sollen ' Possum Of The Grotto', ' Wicked Dickie' und ' Saline The Salt Lake Queen'. Das waren meine Vorstellungen für heute. Ich bin gespannt, wie der Kram hier ankommt.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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von Loenz » Mittwoch 25. August 2010, 20:29
Nur mal eben kurz zur Paatos um dich zu unterstützen Eike. Die ist natürlich richtig gut. Freut mich das die bei dir drin ist. Sehr gutes Songwriting, toller Gesang und tolle atmosphäre.
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von firestarter » Mittwoch 25. August 2010, 20:52
PJ HARVEY ist musikalisch klasse und sexxxxxy! Ich hab mich vor einiger Zeit mal mit ihr beschäftigt, weiß aber gar nicht mehr, wie`s dazu kam. Egal, Liebe ist gerade wieder entflammt..! 
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von Eike » Mittwoch 25. August 2010, 20:58
 Das freut mich, dass Dich das freut,Loenz. Mir ist in den letzten Tagen schon aufgefallen, dass es zwischen uns noch Überschneidungen geben könnte. Und firestarter, wenn eine alte Liebe wieder aufflammt, dann ist mir das gleich noch einen Link aus dem Album wert: ' Slow Drug'.
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von firestarter » Mittwoch 25. August 2010, 21:09
Eike hat geschrieben:Und firestarter, wenn eine alte Liebe wieder aufflammt, dann ist mir das gleich noch einen Link aus dem Album wert: ' Slow Drug'.
Sehr schönes Ding! Danke! Zum Dank gibt`s nen Foto.... 
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von frankjaeger » Mittwoch 25. August 2010, 21:29
Eike, cool, neben Jesus' Liste gibt es hier bestimmt am meisten zu entdecken. Aber tu mir einen Gefallen: Nicht 4 pro Tag. Nur eine. Das kann ich sonst nie schaffen, zumal ja gleichzeitig noch 10 weitere Threads da sind. Guck mal, das sind schon zwischen 8 und 10 Alben pro Tag, und Donnerstags kann ich gar nicht schauen. Am Sonntag ist es auch schwer. Ich werde da hoffnungslos hinterherhinken, wenn du so einen Affenzahn an den Tag legst. Und wir haben es ja nicht eilig. Von mir aus kann sich das ein Jahr hinziehen, dann kommt man wenigstens mit dem Kaufen nach. Und anschließend können wir gleich mit den "Top 100 Anwärtern, die sich in der Zwischenzeit aufgetan haben" weitermachen 
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von Eike » Donnerstag 26. August 2010, 00:52
Frank, ich weiß Du gehörst zu den offensten Leuten hier im Forum (außer halt bei manchen Stimmen, aber das geht ja eigtl. allen so...). Aber auch Du wirst da sicher nur mit einem Bruchteil tatsächlich etwas anfangen können. Hör doch einfach erstmal in nur einen Song pro Album rein, wenn die Beschreibung halbwegs interessant klingt. Da fällt sicher dann schon einiges raus. Intensiver stöbern, tiefer bohren, Dir schönhören was irgend geht kannst Du ja später immer noch, der Thread läuft schließlich nicht weg. Ich will bloß nicht ein halbes Jahr lang hier das regelmäßige Besprechen an der Backe haben. Sonst ist da irgendwann die Luft raus, weil's zur leidigen Pflicht wird. Der ein oder andere Vorstellungstag wird wohl auch so bei mir mal ausfallen, aber bis Oktober will ich schon durch sein.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 26. August 2010, 01:15
PJ Harvey kann ich mir gut anhören. Zumindest die ruhigeren Sachen. Das etwas hysterische Singen bei 'Who The Fuck!' geht dann allerdings schon ein bisschen an die Schmerzgrenze.
DJ Shadow klingt für mich als Bandname zu 50% abschrecken und zu 50% anziehend. Beim Hineinhören schreckt mich dann erst einmal der Beat ab. Ätherisch und schwelgend? Ja, durchaus. Aber ich frage mich da immer, warum ich das gerade höre. Das ist Musik, klar. Das klingt auch gut. Aber ich tue mir sehr schwer dabei, darin ein Lied, noch viel weniger einen Song zu sehen. Tut mir überhaupt nicht weh, aber es zieht mich auch nicht an. Auch das Stück mit Gesang ist für mich aus einem anderen Universum. Keine Ahnung... da komm ich nicht ran, auch wenn ich es definitiv nicht schlecht finde.
Paatos kann ich mir indes gut geben. Ich mag die Fiddle und den Gesang. Ich mag auch das Entrückte, auch wenn ich definitiv nicht oft in der Stimmung für diese Art Musik bin. Das ist etwas, das ich mir gut vorstellen könnte - Stimmung und Zeit vorausgesetzt - auch mal intensiver zu erforschen.
Rasputina finde ich von deinen ersten vier Vorstellungen am spannendsten. Ich bin ja im Allgemeinen kein großer Fan von Sängerinnen, aber dieser Gesang ist cool. Auch die Streicher passen mir. Hat in der Tat was Sibirisches oder Kosakisches. Interessant. Und schräg, gell?
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von Eike » Donnerstag 26. August 2010, 01:55
RASPUTINA = Schrägie-Musik, auf jeden Fall. Das neue Album will ich mir demnächst mal besorgen, ist die Tage heraus gekommen und etwas ruhiger, wie ein inzwischen toter Stream mir offenbarte. Die Fiddle gibt's bei PAATOS nicht immer, und - falls ich jetzt nicht etwas ausblende, das für mich im Gesamtklang aufging - auch nur auf "Kallocain" hin und wieder. Die Musik von Shadow ist nicht wirklich songorientiert im traditionellen Sinne, was eben daher rührt, dass er vom HipHop her kommt. Das oben auch erwähnte Album "Endtroducing....." hat mich fasziniert, weil es fast wie live gespielt klingt, obwohl er alles "nur" zusammengesamplet hat; und weil es eben trotz typischer Beatelemente einen Fluss hat wie sonst nur "Songs"; aber dort sind eben alles Instrumentalstücke (' Midnight In A Perfect World' hat einen fast klassischen Aufbau, den ein Profi-Produzent sicher auch in einen Pop- oder Postrock-Song umarrangieren könnte, aber im Original klingt es mehr wie ein Soundtrack). Wen die bei aller Hintergründigkeit doch recht toughen, monoton-stoischen Beats im Hintergrund stören, oder wer bei Musik auf Refrains oder zumindest Hooks mit Gesang wartet, oder gar auf ein Solo, Crescendo oder einen Riff-Ausbruch, wird damit sicher nicht glücklich. Es plätschert halt... Etwas mehr Richtung "Song" gehen die Sachen von U.N.K.L.E., u. a. weil dort eben auch Gastsänger involviert waren. Aber auch das ist noch Trip Hop - wenn auch nicht gar so offensiv hiphopbeatlastig. Am bekanntesten ist da wohl ' Rabbit In Your Headlight' mit RADIOHEADs Thom Yorke am Mikro (und einem Gänsehautvideoclip!) - das ist allerdings todtraurig, als ob in jedem Takt eine kleine Welt stürbe. Falls Du es also doch noch mal probieren magst mit dem Schattenmann, würde ich Dir eher zu "Psyence Fiction" von U.N.K.L.E. raten.
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von Eike » Donnerstag 26. August 2010, 10:51
Und weiter geht's... 96. MOLOKO "Statues" Indie Pop / Dance / Trip Hop  MOLOKO - das sind Briten, die mit ganz exzentrischer Musik begannen und dann immer eingängiger und poppiger wurden - trotzdem aber durchweg eigenständig blieben. "Do You Like My Tight Sweater" klingt noch sehr experimentell, auf "Things To Make And Do" findet sich dann schon klassisches Songwriting neben den herrlich vertrackten Beat- und Vokalspielereien, und auf "Statues" schließlich ist das verschrobene, kauzige Element einer neuen Eleganz gewichen bzw. hat sich die widerborstige Verrücktheit transformiert in eine smarte Cleverness, die mit allem davonkommt, was bei anderen Musikern zur Sperrigkeit geraten würde. 'Familiar Feeling' ist für den Tanzboden fast schon zu edel, funktioniert dort aber trotzdem oder gerade darum prächtig, ' Cannot Contain This' hat eine schmelzende Melodie zum dafür sterben (bei Briten klingt sowas geniales oft scheinbar einfach), und ' Over & Over' mit seinen fast zehn Minuten erweckt den Anschein, als könne sich MOLOKO vom Hörer genauso schwer trennen, wie dieser von MOLOKO. Und die Stimme von Roísín Murphy ist eh top! .
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