Capricorns - Ruder Forms Survive
- 1977: Blood For Papa
- 1969: A Predator Among Us
- The First Broken Promise
- 1440: Exit Wargasmatron
- 1066: Born On The Bayeux
- 1946: The Last Renaissance Man
- 793AD: The Harrying Of The Heathen
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Review
Review von Rüdiger Stehle
Ha! Erwischt! Das hat gesessen, was? Ist wohl eine britische Eigenart, bei der Kunst bewusst auf das zu verzichten, was der Rest der Welt für ach so wesentlich hält. Monty Python schufen Humor ohne Pointe und CAPRICORNS schaffen Rockmusik ohne Gesang. Funktioniert das? Es gab ja schon diverse Instrumentalplatten von Gitarrenhexern und dergleichen, klar, aber funktioniert echter, ehrlicher und erdiger Rock ohne Gesang? Schaffen es die Londoner wirklich, eingängige Stücke zu schreiben, die sich im Hirn verankern und die Wiedererkennungswert haben? Nun, ich würde ohne Einschränkung sagen: Ja, sie schaffen es! Dass sie dabei ganz gelegentlich doch mal schwach werden und ein paar Vocals oder ähnliche Stimmgeräusche einstreuen, lässt sie dabei nicht inkonsequent erscheinen, sondern verdeutlicht ihren Ansatz noch viel mehr. So merkt man beim Hören des programmatisch betitelten 'The First Broken Promise' zwar, was bei den anderen Songs objektiv fehlt, aber man merkt genauso, dass es eigentlich nicht unbedingt vermisst wird. Das Stück ist das einzige, das komplett mit Gesang versehen ist, und die abgedreht-hysterischen Sprachfetzen und markerschütternden Screams, für die kein Geringerer als OXBOW-Sänger Eugene Robinson verantwortlich zeichnet, sind sogar wirklich klasse. Dennoch fehlt den restlichen Songs nichts Wesentliches. Glaubt es, oder lasst es ...
Was den Engländern bei ihrem Unterfangen hilft, ist die Kraft des Sounds, der wirklich kaum besser und durchdringender hätte sein können. Stücke wie der doomige Opener '1977: Blood For Papa', oder das psychedelische '1969: A Predator Among Us' mit seinen herrlichen PINK FLOYD-Vibes in ihrer Heavy-Variante fesseln dafür auch gänzlich ohne Gesang und haben viele Momente, an denen sich der Hörer orientieren und festhalten kann. Schöne Laut-Leise-Dynamik und tolles Spiel mit Stimmungswechseln und Atmosphäre. Richtig schön krachend und dynamisch brettert das kurze '1440: Exit Wargasmatron' durch die Botanik, während '1066: Born On The Bayeux' mit seinen zwölfeinhalb Minuten zäher, sich langsam entfaltender und sich ebenso langsam steigernder Klanglandschaften das volle Kontrastprogramm liefert. Unglaublich, was für eine Weite und Offenheit des Sounderlebnisses sich hier im letzten Drittel offenbart. '1946: The Last Renaissance Man' verkörpert dann einen Mix aus apokalyptischem Punk und Doom, der so ähnlich auch auf dem Mist von DEBRIS INC. gewachsen sein könnte, dabei aber etwas epischer und weniger dreckig bleibt ... Die eine geshoutete Textzeile ist im Übrigen herrlich effektiv platziert und ausgewählt. Beschlossen wird das Album vom insgesamt sehr doomig ausgerichteten '793AD: The Harrying Of The Heathen', das aber im Mittelstück auch kräftig anzieht und leicht alternative Vibes einbringt, um später richtig ruhig und verträumt zu werden.
Wer auf Riffmagier, Lärmkünstler und Psychedeliker in der Schnittmenge aus PELICAN, NEUROSIS, KHANATE, MELVINS, PINK FLOYD und vielen mehr steht, dabei seinen Sound bedingungslos heavy mag und Gesang nicht für das wesentlichste Element der Rockmusik an sich hält, der dürfte an diesem mächtig produzierten und sehr homogen aber dennoch abwechslungsreich klingenden Werk sicher seine helle Freude haben. Auch Doomköpfe und Stoner, die ansonsten gerne viel Gesang haben, sollten mal ein Ohr riskieren. Die Jungs schaffen es nämlich wirklich, mit den von ihnen genutzten grundlegenden Elementen zu fesseln und keine Langweile aufkommen zu lassen. Jedenfalls empfinde ich das so.
Anspieltipps: 1977 - Blood For Papa, 1969 - A Predator Among Us, The First Broken Promise, 1066 - Born On The Bayeux
Note: -
Rüdiger Stehle, 14.11.2005




















