Interview mit Tom Gerhardt und Sven Unterwaldt
Mittwoch, 27.04.2005: Der Tag, an dem die Vorabpremiere von "Siegfried" stattfindet! Trotz des schönen Wetters ist die Stimmung ein bisschen getrübt, denn der Film ist noch in Arbeit und so werden uns leider nur die ersten 22 Minuten vorgeführt. Die anwesende Journaille wird zunächst von Regisseur Sven Unterwaldt und Tom Gerhardt, der in "Siegfried" die Hauptrolle spielt, über den Film informiert. Was die Nachbearbeitung angeht, so sind davon in erster Linie die Ton- und Computersequenzen betroffen, die ja mittlerweile bei den meisten Filmen üblich sind. Gedreht wurde "Siegfried" letzten Sommer in der Slowakei. Das war's dann aber auch schon. Der langen Rede wurde kurzer Sinn gemacht und daraufhin die Projektoren angeworfen.
Beim Film handelt es sich um eine liebevolle und voll auf Tom Gerhardt zugeschnittene Verballhornung der Nibelungensage. In den 22 Minuten, die auf der Vorabpremiere gezeigt werden, wird auf sehr lustige Weise das Aufwachsen Siegfrieds (Tom Gerhardt)
im Dorf erzählt. Zu Beginn wird Siegfried von Mime (Michael Brandner) gefunden, und als Dank dafür kotzt Siegfried Mime an und verabreicht ihm zur Krönung eine "Champagnerdusche", was nicht nur bei den im Kinosaal anwesenden Kindern für Erheiterung sorgt. Mime nimmt sich seiner an, doch da Siegfried seine gewaltigen Körperkräfte nicht unter Kontrolle hat, richtet er mehr Unheil an als seinem Ziehvater lieb sein kann. Bei den Dorfkindern ist er nicht unbedingt beliebt, da er mit seinen Bärenkräften nicht als Mitspieler taugt, sondern den Jungen allenfalls die Knochen bricht. Doch das alles hat ein Ende, als Siggi als erwachsener Mann im Wald Kriemhild (Dorkas Kiefer) erblickt. Sie ist von ihm nicht unbedingt angetan und versucht zu flüchten, zerreißt sich dabei jedoch das Kleid. Das Einzige, was Siggi als Erinnerungsstück übrig bleibt, ist ein Stückchen Stoff und der Anblick Kriemhilds. Die frisch entfachte Liebe treibt ihn dazu, das Dorf zu verlassen, worüber die Dorfbewohner nicht gerade unglücklich sind. An seiner Seite ist auch ein Schwein, das zu ihm hält, welches er aber nicht als Partner akzeptiert. Das wiederum hindert das Schwein nicht daran, ihn zu verfolgen. Die Ankunft am Schloss bildet leider die letzte Szene.
Gedreht wurde in den Wäldern Bratislavas, wobei das Schloss auch schon für "Dragonheart" als Drehort herhalten musste. Was die Wahl des Drehorts angeht, so waren die Baukosten und die Komparsen billiger als in Deutschland. Die Filmmusik stammt von Karim Sebastian Elias, der mit einem 75 Mann großen Orchester den Soundtrack in fünf Tagen in Frankfurt/Oder eingespielt hat. Die Open Air-Premiere geht aller Voraussicht nach am 14. Juli in Köln über die Bühne. Das Ganze wird auf dem Platz vor dem Cinedom stattfinden. Kinostart ist dann eine Woche später, und zwar am 21. Juli.
Ich persönlich hätte mir am liebsten den Film ganz angesehen. Wer die "7 Zwerge" und die Bully-Filme geliebt hat, dürfte von "Siegfried" nicht enttäuscht werden. In meinem nachfolgenden Gespräch mit Tom Gerhardt und Regisseur Sven Unterwaldt wurde natürlich in erster Linie über den Film gesprochen, doch ihr erfahrt auch, wieso Michael "Bully" Herbig an dem Comedyboom nicht gerade unschuldig ist, was es mit Toms Rolle in "Resident Evil: Apocalypse" auf sich hat und zu guter letzt, warum "Siegfried" voll "Metal" ist.
Tolga:
Sven, wie siehst du das Potenzial für "Siegfried" in Deutschland? Setzt man bei Constantin große Hoffnungen in den Film und wie groß wird die Werbekampagne? Wird sie an die Dimensionen von "7 Zwerge" oder der der Bully-Filme heranreichen?
Sven:
Von der Werbekampagne auf jeden Fall, aber man sollte da niemals irgendwelche Erwartungshaltungen in Zahlen ausdrücken. Das bestimmt letztlich der Zuschauer
selber! Natürlich setzt man Erwartungen von der Constantin in den Film, schließlich wurden ja auch acht Millionen da reininvestiert. Man hat natürlich schon die Hoffnung, dass da viele Leute reingehen, aber jetzt in Dimensionen wie "7 Zwerge" mit sieben Millionen, das kann man auch nicht planen. Wir hatten uns damals mit den "Zwergen" gesagt, wenn wir anderthalb Millionen schaffen oder 1,8 wie "Der Wixxer", dann hätten wir schon gejubelt. Dass das auf einmal dann von Kiddies zum Kult erhoben wird, da steckt man nicht drin. Das ist einfach so, das passiert. Es ist natürlich superschön, aber darauf zu spekulieren, dass wir jetzt in ähnliche Regionen gehen, das wäre vermessen. Natürlich wäre es schön, wenn wir 'ne Million schaffen, es ist immer die magische Million. Und alles, was dann mehr wird, ist superschön. Wir freuen uns natürlich über jeden Zuschauer, der reingeht und die Werbetrommel wird kräftig gerührt dafür.
Wir mögen den Film sehr. Wir glauben dran und die Constantin auch. Aber man weiß nie, wie es anderen Leuten geht, wie der Sommer wird. Da steckt man nicht drin. Da gibt's so viele Faktoren: Konkurrenzfilme, schönes Wetter, "Madagaskar" kommt zwei Wochen vorher... Weiß man nie! Wir machen den Film so, dass wir Spaß dran haben. Wir hoffen, dass er gute Laune verbreitet und sind uns ziemlich sicher. Wir hoffen, dass man mit dem Film sehr gut ins Wochenende starten kann und 'ne dufte Zeit hat.
Tolga:
Tom, du hast ja eine Rolle übernommen, wie man sie normalerweise von "Voll Normaal" oder "Ballermann 6" her kennt. Eine Rolle, die bei "Hausmeister Krause" kurzzeitig komplett ad acta gelegt und von Axel Stein übernommen wurde. Wieso hast du denn für "Siegfried" diese Rolle wieder rausgekramt?
Tom:
Siegfried ist natürlich nicht so wie früher der Tommy mit der Pudelmütze, auch wenn manche Sachen daran erinnern, weil er so einfältig ist. Aber er ist ja kein Proll! Siegfried ist einfach der Kopf eines fünfjährigen Jungen im Körper eines erwachsenen Mannes, der noch dazu mit Bärenkräften ausgestattet ist. Es gibt da Parallelen zu Tommi, aber Siegfried ist ganz anders drauf. Er ist weltumarmend, er liebt alles, er ist total naiv und die Liebe schlägt ihm nicht so entgegen, weil er ja einige Zerstörungen anrichtet, ohne dass er es will. Er ist so gesehen natürlich auch ein bisschen eine Loserfigur, die eigentlich immer dankbar zu spielen ist als Komiker. Da hat er auch eine Parallele zu den anderen Figuren. Wenn ich den Siggi jetzt so auf der Leinwand sehe, dann muss ich sagen, ist doch ganz anders als früher der Tommy.
Tolga:
Klar, aber es hat schon ein bisschen daran erinnert, auch von der Sprache her...
Tom:
Das soll's ja auch! Ich denk mal 50% von dem, was man in "Siegfried" so sieht, da denkt man: "Ah ja, so kenn ich ihn!" Aber 50% ist neu. Und auch die Geschichte in der es angesiedelt ist. Wir haben die Nibelungensage erst mal richtig gestellt. Wir haben klar gemacht, was dort alles übergangen wurde. Wir haben richtig zwischen den Zeilen gelesen. Das Ganze war ja Betrug, so wie das vor uns steht. Zu edel! Es gibt ja auch ein Schwein in der Geschichte, weil, das war doch ganz klar, denn nur wer "Schwein" gehabt hat, konnte überhaupt diese ganzen Gefahren überstehen. Nur hat man das natürlich nicht geschrieben, weil das zu "unfein" war. Wir haben hemmungslos die Wahrheit geschildert.
Tolga:
Haben die guten Einspielergebnisse von "7 Zwerge" etwas damit zu tun, dass jetzt schon die nächste "historische" Verfilmung...
Sven:
(Intervenierend) Nein, das hat ja damit aber nichts zu tun. Als die "7 Zwerge" in die Kinos kamen, war ja "Siegfried" schon abgedreht. Das war keine Folge daraus, sondern schon im letzten Sommer gedreht und da hat noch niemand an die "Zwerge" geglaubt. Insofern war das Zufall!
Tolga:
Was erwartet uns da in naher Zukunft? Werden demnächst sämtliche Grimm-Märchen verballhornt?
Sven:
Keine Ahnung! Wir drehen gerade "7 Zwerge 2", aber was da noch aus den Grimms
rauszuholen ist, weiß ich nicht. Ach, jeder stürzt sich auf ein Genre im Moment. Ob es nun Edgar Wallace ist, die Enterprise, oder ob es Winnetou-Filme sind: Eine Genreparodie macht im Moment halt Spaß und man grast die Genres ab. Es macht ja auch vor allen Dingen Spaß, sich noch ein bisschen an den Sachen zu rächen, die jahrelang so ernst genommen wurden in Deutschland. Und gerade die Nibelungen zum Beispiel gehören ja dazu, dass man sagt: "Es wird höchste Zeit, dass man diesen Stoff auch mal als positiven, lebensbejahenden Stoff erzählt und nicht immer so eintönig und langweilig wie in der Schule."
Tolga:
Zum Thema Nibelungensage gab es ja auch letztens eine Sat.1-Verfilmung.
Sven:
Ein edler Zweiteiler mit Benno Führmann. Der lief ja im Dezember, was uns ja natürlich ganz recht ist (Gelächter).
Tom:
Das kam uns gerade recht. Damit sich die Leute mal wieder dran erinnern! Da war doch noch was...
Tolga:
Ich möchte mal auf Bully zu sprechen kommen. Kann man sagen, dass er den deutschen Comedy-Film wiedererweckt hat? So eine Art zweiter Frühling?
Sven:
Er hat auf jeden Fall sehr, sehr stark dazu beigetragen. Wir in der Branche können Bully, glaube ich, alle dankbar sein, weil er auch wirklich eine Qualität da reingebracht hat. Ich glaube auch, dass es sehr viele von den "Zwergen", über "Siegfried" und "Der Wixxer" leichter hatten, weil es Bully gab. Das glaub ich ganz, ganz sicher! Er hat eine neue Marke gesetzt und man glaubt wieder an deutsche Komödien. Und vor allem auch an hochwertige deutsche Komödien. Das ist ja auch ganz wichtig, dass ein Film auch wirklich einen guten Look hat, gut gemacht ist und nicht aussieht wie ein TV-Film.
Tolga:
Vielleicht noch 'ne Frage an Tom. Ich hab das irgendwo mal aufgeschnappt: Hast du Germanistik studiert?
Tom:
Ich hab Germanistik studiert, war aber kein besonders guter Student. Germanistik und Philosophie, und da bin ich natürlich auch auf den Stoff der Nibelungensage gestoßen, weil ich Mittelhochdeutsch als Fach gewählt hatte. Das hat mir wirklich Spaß gemacht! Das hab ich gerne mitverfolgt: Walter von der Vogelweide, dann das Nibelungenlied. Wenn es zwischendurch in der echten Vorlage mal langweilig wird, haben wir das natürlich bei unserem Film rausgestrichen. Außerdem war ja alles gelogen, so wie es da stand. Wir haben die wundervolle Botschaft dieses Films gelesen: "Du kannst das unendlich Böse besiegen, wenn du unendlich gut drauf bist!" Wir setzen in diesen pessimistischen Zeiten ein großes, optimistisches Signal!
Tolga:
Muss man überdurchschnittlich klug sein, um Comedy zu machen?
Tom:
Oh ja, man muss eigentlich einen Intelligenzquotienten nicht unter 150 haben. Darum hat es mich automatisch zur Comedy (äfft einen Blöden nach - d. Verf.) öh, öh, öh gezerrt!
Tolga:
Wie viel Arbeit macht es und wie viel intensive Vorbereitung bedarf es, ein Komiker zu sein? Um solche Sketche zu machen oder um sich auf solche Filme vorzubereiten? Wie tief muss man da in die Materie hineingehen, um das wirklich auf den Punkt genau zu spielen?
Tom:
Das kann man schwer generell sagen! Es hat ganz viel damit zu tun, ob du eine kreative Zeit hast, gut drauf bist, die Dinge dir gerade mal zufliegen oder ob du wirklich dran werkelst und werkelst und nach einer Woche auf das schaust, was du gemacht hast und sagst: "Ach das ist doch alles nix, das fliegt alles in den Mülleimer!" Inspiration kann man sehr schwer in messbare Arbeitseinheiten umsetzen. Aber insgesamt ein Drehbuch überhaupt zu schreiben, ist schon erstmal eine mühselige Aufgabe. Gerade wenn es sich nachher leicht und locker erzählen soll, muss man doch auf viele Dinge achten! Man muss darauf achten, ob es die Chance hat, während des Drehs vernünftig umsetzbar zu sein.
Man kann sich viele Dinge einfallen lassen, das heißt noch lange nicht, dass der Sven als Regisseur dann die Möglichkeit hat, das auch wirklich so umzusetzen. Er
braucht das Geld dafür, er braucht die Einrichtung dafür, er braucht die Zeit dafür, er braucht die Schauspieler dafür. An all das muss man beim Schreiben ein bisschen denken: Wie könnte man das gut umsetzen. Auch bei diesem Film standen am Anfang noch eine Menge Dinge drin und dann hat der Produzent sich das angeguckt und hat gesagt: "Liest sich gut, aber das liest sich auch nach 20 Millionen!" Und in vielen Punkten musste man nachher noch mal hingehen und sagen: "OK, das ist eigentlich schön gedacht, aber kann man das Ganze vielleicht anders erzählen, ohne dass es so wahnsinnig aufwändig ist und ohne etwas zu verlieren. Dass man das vielleicht mit Charme ausgleicht. Charme ist überhaupt die Sache, auf die wir in dem Film sehr stark gesetzt haben. Im Gegensatz zu den letzten Filmen, die ich gemacht habe, die auch sehr brachial und sehr wild waren, setzt "Siegfried" mehr auf Charme. Er ist eine Charme-Attacke und ich hoffe, dass diese Attacke erfolgreich ist!
Tolga:
Ich habe gelesen, dass du einen Zombie in "Resident Evil: Apocalypse" gespielt hast.
Tom:
Eine sehr bedeutende Rolle als Zombie. Das war eine kurze Rolle, man muss da schon ganz genau gucken, um mich zu erkennen. Ich hab mich in einen Zombie verwandelt, hab relativ rasch zugebissen und wurde tragischerweise danach auch schon wieder erschossen.
Tolga:
Wie bist du an die Rolle rangekommen?
Tom:
Das war einfach Spaß! Ich kannte den Produzenten, der ist von der Constantin Film, aber lebt jetzt in Amerika. Und einer meiner ersten Sketche, das war von Tommy mit der Pudelmütze, der hat die Geschichte erzählt (mimt die Tommy-Rolle): "Haste gesehen ey, ein Zombie hing am Glockenseil..." Auch unser Tommy bei "Hausmeister Krause" spricht gern über Zombies und Zombies sind sowieso immer die Kultfiguren. Das fand ich auch total witzig. Ich hatte "Resident Evil 1" gesehen, und das hat mich auch zum Teil sehr amüsiert. Und dann hab ich gesagt: "Du, wenn ihr demnächst 'nen Zombie-Film macht, muss ich einen Zombie machen!" Natürlich hätte ich gerne einen Zombie mit einem längeren Auftritt gespielt. Einer, der ein paar Mal zugebissen hätte und vielleicht ein bisschen linker gewesen wäre, aber ich bin auch so damit zufrieden. Mein Gott, ich war ein Zombie!
Tolga:
Gibt schlimmere Schicksale! Dann eine letzte Frage: Wird es eine Fortsetzung von "Ballermann 6" geben?
Tom:
Das kann ich jetzt schwer beantworten. Wir wollen nicht noch mal "Tommy und Mario" machen, weil ich denke, dass man so etwas nicht zu sehr auslutschen sollte. Aber ich möchte nicht ausschließen, dass die Beiden irgendwann mal wieder um die Ecke kommen. Kommt natürlich auch drauf an, ob wir Spaß dran hätten. Es muss nicht sein, aber man kann sich's schon vorstellen. Aber dann muss wirklich ein ganz neuer Ansatz da sein, so dass die Leute wirklich was Neues sehen.
Tolga:
Das wär's von meiner Seite. Habt ihr noch ein paar Worte an unsere Leser?
Tom:
Alle Leser dieses Magazins werden zwangsverpflichtet diesen Film zu sehen. Den Metalfans rufe ich zu: Wenn ihr Metal liebt, wir haben viel Metal im Film: Rüstungen, Speere...
(Tolga Karabagli)
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Beim Film handelt es sich um eine liebevolle und voll auf Tom Gerhardt zugeschnittene Verballhornung der Nibelungensage. In den 22 Minuten, die auf der Vorabpremiere gezeigt werden, wird auf sehr lustige Weise das Aufwachsen Siegfrieds (Tom Gerhardt)
im Dorf erzählt. Zu Beginn wird Siegfried von Mime (Michael Brandner) gefunden, und als Dank dafür kotzt Siegfried Mime an und verabreicht ihm zur Krönung eine "Champagnerdusche", was nicht nur bei den im Kinosaal anwesenden Kindern für Erheiterung sorgt. Mime nimmt sich seiner an, doch da Siegfried seine gewaltigen Körperkräfte nicht unter Kontrolle hat, richtet er mehr Unheil an als seinem Ziehvater lieb sein kann. Bei den Dorfkindern ist er nicht unbedingt beliebt, da er mit seinen Bärenkräften nicht als Mitspieler taugt, sondern den Jungen allenfalls die Knochen bricht. Doch das alles hat ein Ende, als Siggi als erwachsener Mann im Wald Kriemhild (Dorkas Kiefer) erblickt. Sie ist von ihm nicht unbedingt angetan und versucht zu flüchten, zerreißt sich dabei jedoch das Kleid. Das Einzige, was Siggi als Erinnerungsstück übrig bleibt, ist ein Stückchen Stoff und der Anblick Kriemhilds. Die frisch entfachte Liebe treibt ihn dazu, das Dorf zu verlassen, worüber die Dorfbewohner nicht gerade unglücklich sind. An seiner Seite ist auch ein Schwein, das zu ihm hält, welches er aber nicht als Partner akzeptiert. Das wiederum hindert das Schwein nicht daran, ihn zu verfolgen. Die Ankunft am Schloss bildet leider die letzte Szene.Gedreht wurde in den Wäldern Bratislavas, wobei das Schloss auch schon für "Dragonheart" als Drehort herhalten musste. Was die Wahl des Drehorts angeht, so waren die Baukosten und die Komparsen billiger als in Deutschland. Die Filmmusik stammt von Karim Sebastian Elias, der mit einem 75 Mann großen Orchester den Soundtrack in fünf Tagen in Frankfurt/Oder eingespielt hat. Die Open Air-Premiere geht aller Voraussicht nach am 14. Juli in Köln über die Bühne. Das Ganze wird auf dem Platz vor dem Cinedom stattfinden. Kinostart ist dann eine Woche später, und zwar am 21. Juli.
Ich persönlich hätte mir am liebsten den Film ganz angesehen. Wer die "7 Zwerge" und die Bully-Filme geliebt hat, dürfte von "Siegfried" nicht enttäuscht werden. In meinem nachfolgenden Gespräch mit Tom Gerhardt und Regisseur Sven Unterwaldt wurde natürlich in erster Linie über den Film gesprochen, doch ihr erfahrt auch, wieso Michael "Bully" Herbig an dem Comedyboom nicht gerade unschuldig ist, was es mit Toms Rolle in "Resident Evil: Apocalypse" auf sich hat und zu guter letzt, warum "Siegfried" voll "Metal" ist.
Tolga:
Sven, wie siehst du das Potenzial für "Siegfried" in Deutschland? Setzt man bei Constantin große Hoffnungen in den Film und wie groß wird die Werbekampagne? Wird sie an die Dimensionen von "7 Zwerge" oder der der Bully-Filme heranreichen?
Sven:
Von der Werbekampagne auf jeden Fall, aber man sollte da niemals irgendwelche Erwartungshaltungen in Zahlen ausdrücken. Das bestimmt letztlich der Zuschauer
selber! Natürlich setzt man Erwartungen von der Constantin in den Film, schließlich wurden ja auch acht Millionen da reininvestiert. Man hat natürlich schon die Hoffnung, dass da viele Leute reingehen, aber jetzt in Dimensionen wie "7 Zwerge" mit sieben Millionen, das kann man auch nicht planen. Wir hatten uns damals mit den "Zwergen" gesagt, wenn wir anderthalb Millionen schaffen oder 1,8 wie "Der Wixxer", dann hätten wir schon gejubelt. Dass das auf einmal dann von Kiddies zum Kult erhoben wird, da steckt man nicht drin. Das ist einfach so, das passiert. Es ist natürlich superschön, aber darauf zu spekulieren, dass wir jetzt in ähnliche Regionen gehen, das wäre vermessen. Natürlich wäre es schön, wenn wir 'ne Million schaffen, es ist immer die magische Million. Und alles, was dann mehr wird, ist superschön. Wir freuen uns natürlich über jeden Zuschauer, der reingeht und die Werbetrommel wird kräftig gerührt dafür. Wir mögen den Film sehr. Wir glauben dran und die Constantin auch. Aber man weiß nie, wie es anderen Leuten geht, wie der Sommer wird. Da steckt man nicht drin. Da gibt's so viele Faktoren: Konkurrenzfilme, schönes Wetter, "Madagaskar" kommt zwei Wochen vorher... Weiß man nie! Wir machen den Film so, dass wir Spaß dran haben. Wir hoffen, dass er gute Laune verbreitet und sind uns ziemlich sicher. Wir hoffen, dass man mit dem Film sehr gut ins Wochenende starten kann und 'ne dufte Zeit hat.
Tolga:
Tom, du hast ja eine Rolle übernommen, wie man sie normalerweise von "Voll Normaal" oder "Ballermann 6" her kennt. Eine Rolle, die bei "Hausmeister Krause" kurzzeitig komplett ad acta gelegt und von Axel Stein übernommen wurde. Wieso hast du denn für "Siegfried" diese Rolle wieder rausgekramt?
Tom:
Siegfried ist natürlich nicht so wie früher der Tommy mit der Pudelmütze, auch wenn manche Sachen daran erinnern, weil er so einfältig ist. Aber er ist ja kein Proll! Siegfried ist einfach der Kopf eines fünfjährigen Jungen im Körper eines erwachsenen Mannes, der noch dazu mit Bärenkräften ausgestattet ist. Es gibt da Parallelen zu Tommi, aber Siegfried ist ganz anders drauf. Er ist weltumarmend, er liebt alles, er ist total naiv und die Liebe schlägt ihm nicht so entgegen, weil er ja einige Zerstörungen anrichtet, ohne dass er es will. Er ist so gesehen natürlich auch ein bisschen eine Loserfigur, die eigentlich immer dankbar zu spielen ist als Komiker. Da hat er auch eine Parallele zu den anderen Figuren. Wenn ich den Siggi jetzt so auf der Leinwand sehe, dann muss ich sagen, ist doch ganz anders als früher der Tommy.
Tolga:
Klar, aber es hat schon ein bisschen daran erinnert, auch von der Sprache her...
Tom:
Das soll's ja auch! Ich denk mal 50% von dem, was man in "Siegfried" so sieht, da denkt man: "Ah ja, so kenn ich ihn!" Aber 50% ist neu. Und auch die Geschichte in der es angesiedelt ist. Wir haben die Nibelungensage erst mal richtig gestellt. Wir haben klar gemacht, was dort alles übergangen wurde. Wir haben richtig zwischen den Zeilen gelesen. Das Ganze war ja Betrug, so wie das vor uns steht. Zu edel! Es gibt ja auch ein Schwein in der Geschichte, weil, das war doch ganz klar, denn nur wer "Schwein" gehabt hat, konnte überhaupt diese ganzen Gefahren überstehen. Nur hat man das natürlich nicht geschrieben, weil das zu "unfein" war. Wir haben hemmungslos die Wahrheit geschildert. Tolga:
Haben die guten Einspielergebnisse von "7 Zwerge" etwas damit zu tun, dass jetzt schon die nächste "historische" Verfilmung...
Sven:
(Intervenierend) Nein, das hat ja damit aber nichts zu tun. Als die "7 Zwerge" in die Kinos kamen, war ja "Siegfried" schon abgedreht. Das war keine Folge daraus, sondern schon im letzten Sommer gedreht und da hat noch niemand an die "Zwerge" geglaubt. Insofern war das Zufall!
Tolga:
Was erwartet uns da in naher Zukunft? Werden demnächst sämtliche Grimm-Märchen verballhornt?
Sven:
Keine Ahnung! Wir drehen gerade "7 Zwerge 2", aber was da noch aus den Grimms
rauszuholen ist, weiß ich nicht. Ach, jeder stürzt sich auf ein Genre im Moment. Ob es nun Edgar Wallace ist, die Enterprise, oder ob es Winnetou-Filme sind: Eine Genreparodie macht im Moment halt Spaß und man grast die Genres ab. Es macht ja auch vor allen Dingen Spaß, sich noch ein bisschen an den Sachen zu rächen, die jahrelang so ernst genommen wurden in Deutschland. Und gerade die Nibelungen zum Beispiel gehören ja dazu, dass man sagt: "Es wird höchste Zeit, dass man diesen Stoff auch mal als positiven, lebensbejahenden Stoff erzählt und nicht immer so eintönig und langweilig wie in der Schule."Tolga:
Zum Thema Nibelungensage gab es ja auch letztens eine Sat.1-Verfilmung.
Sven:
Ein edler Zweiteiler mit Benno Führmann. Der lief ja im Dezember, was uns ja natürlich ganz recht ist (Gelächter).
Tom:
Das kam uns gerade recht. Damit sich die Leute mal wieder dran erinnern! Da war doch noch was...
Tolga:
Ich möchte mal auf Bully zu sprechen kommen. Kann man sagen, dass er den deutschen Comedy-Film wiedererweckt hat? So eine Art zweiter Frühling?
Sven:
Er hat auf jeden Fall sehr, sehr stark dazu beigetragen. Wir in der Branche können Bully, glaube ich, alle dankbar sein, weil er auch wirklich eine Qualität da reingebracht hat. Ich glaube auch, dass es sehr viele von den "Zwergen", über "Siegfried" und "Der Wixxer" leichter hatten, weil es Bully gab. Das glaub ich ganz, ganz sicher! Er hat eine neue Marke gesetzt und man glaubt wieder an deutsche Komödien. Und vor allem auch an hochwertige deutsche Komödien. Das ist ja auch ganz wichtig, dass ein Film auch wirklich einen guten Look hat, gut gemacht ist und nicht aussieht wie ein TV-Film.
Tolga:
Vielleicht noch 'ne Frage an Tom. Ich hab das irgendwo mal aufgeschnappt: Hast du Germanistik studiert?
Tom:
Ich hab Germanistik studiert, war aber kein besonders guter Student. Germanistik und Philosophie, und da bin ich natürlich auch auf den Stoff der Nibelungensage gestoßen, weil ich Mittelhochdeutsch als Fach gewählt hatte. Das hat mir wirklich Spaß gemacht! Das hab ich gerne mitverfolgt: Walter von der Vogelweide, dann das Nibelungenlied. Wenn es zwischendurch in der echten Vorlage mal langweilig wird, haben wir das natürlich bei unserem Film rausgestrichen. Außerdem war ja alles gelogen, so wie es da stand. Wir haben die wundervolle Botschaft dieses Films gelesen: "Du kannst das unendlich Böse besiegen, wenn du unendlich gut drauf bist!" Wir setzen in diesen pessimistischen Zeiten ein großes, optimistisches Signal!
Tolga:
Muss man überdurchschnittlich klug sein, um Comedy zu machen?
Tom:
Oh ja, man muss eigentlich einen Intelligenzquotienten nicht unter 150 haben. Darum hat es mich automatisch zur Comedy (äfft einen Blöden nach - d. Verf.) öh, öh, öh gezerrt!
Tolga:
Wie viel Arbeit macht es und wie viel intensive Vorbereitung bedarf es, ein Komiker zu sein? Um solche Sketche zu machen oder um sich auf solche Filme vorzubereiten? Wie tief muss man da in die Materie hineingehen, um das wirklich auf den Punkt genau zu spielen?
Tom:
Das kann man schwer generell sagen! Es hat ganz viel damit zu tun, ob du eine kreative Zeit hast, gut drauf bist, die Dinge dir gerade mal zufliegen oder ob du wirklich dran werkelst und werkelst und nach einer Woche auf das schaust, was du gemacht hast und sagst: "Ach das ist doch alles nix, das fliegt alles in den Mülleimer!" Inspiration kann man sehr schwer in messbare Arbeitseinheiten umsetzen. Aber insgesamt ein Drehbuch überhaupt zu schreiben, ist schon erstmal eine mühselige Aufgabe. Gerade wenn es sich nachher leicht und locker erzählen soll, muss man doch auf viele Dinge achten! Man muss darauf achten, ob es die Chance hat, während des Drehs vernünftig umsetzbar zu sein.
Man kann sich viele Dinge einfallen lassen, das heißt noch lange nicht, dass der Sven als Regisseur dann die Möglichkeit hat, das auch wirklich so umzusetzen. Er
braucht das Geld dafür, er braucht die Einrichtung dafür, er braucht die Zeit dafür, er braucht die Schauspieler dafür. An all das muss man beim Schreiben ein bisschen denken: Wie könnte man das gut umsetzen. Auch bei diesem Film standen am Anfang noch eine Menge Dinge drin und dann hat der Produzent sich das angeguckt und hat gesagt: "Liest sich gut, aber das liest sich auch nach 20 Millionen!" Und in vielen Punkten musste man nachher noch mal hingehen und sagen: "OK, das ist eigentlich schön gedacht, aber kann man das Ganze vielleicht anders erzählen, ohne dass es so wahnsinnig aufwändig ist und ohne etwas zu verlieren. Dass man das vielleicht mit Charme ausgleicht. Charme ist überhaupt die Sache, auf die wir in dem Film sehr stark gesetzt haben. Im Gegensatz zu den letzten Filmen, die ich gemacht habe, die auch sehr brachial und sehr wild waren, setzt "Siegfried" mehr auf Charme. Er ist eine Charme-Attacke und ich hoffe, dass diese Attacke erfolgreich ist! Tolga:
Ich habe gelesen, dass du einen Zombie in "Resident Evil: Apocalypse" gespielt hast.
Tom:
Eine sehr bedeutende Rolle als Zombie. Das war eine kurze Rolle, man muss da schon ganz genau gucken, um mich zu erkennen. Ich hab mich in einen Zombie verwandelt, hab relativ rasch zugebissen und wurde tragischerweise danach auch schon wieder erschossen.
Tolga:
Wie bist du an die Rolle rangekommen?
Tom:
Das war einfach Spaß! Ich kannte den Produzenten, der ist von der Constantin Film, aber lebt jetzt in Amerika. Und einer meiner ersten Sketche, das war von Tommy mit der Pudelmütze, der hat die Geschichte erzählt (mimt die Tommy-Rolle): "Haste gesehen ey, ein Zombie hing am Glockenseil..." Auch unser Tommy bei "Hausmeister Krause" spricht gern über Zombies und Zombies sind sowieso immer die Kultfiguren. Das fand ich auch total witzig. Ich hatte "Resident Evil 1" gesehen, und das hat mich auch zum Teil sehr amüsiert. Und dann hab ich gesagt: "Du, wenn ihr demnächst 'nen Zombie-Film macht, muss ich einen Zombie machen!" Natürlich hätte ich gerne einen Zombie mit einem längeren Auftritt gespielt. Einer, der ein paar Mal zugebissen hätte und vielleicht ein bisschen linker gewesen wäre, aber ich bin auch so damit zufrieden. Mein Gott, ich war ein Zombie!
Tolga:
Gibt schlimmere Schicksale! Dann eine letzte Frage: Wird es eine Fortsetzung von "Ballermann 6" geben?
Tom:
Das kann ich jetzt schwer beantworten. Wir wollen nicht noch mal "Tommy und Mario" machen, weil ich denke, dass man so etwas nicht zu sehr auslutschen sollte. Aber ich möchte nicht ausschließen, dass die Beiden irgendwann mal wieder um die Ecke kommen. Kommt natürlich auch drauf an, ob wir Spaß dran hätten. Es muss nicht sein, aber man kann sich's schon vorstellen. Aber dann muss wirklich ein ganz neuer Ansatz da sein, so dass die Leute wirklich was Neues sehen.
Tolga:
Das wär's von meiner Seite. Habt ihr noch ein paar Worte an unsere Leser?
Tom:
Alle Leser dieses Magazins werden zwangsverpflichtet diesen Film zu sehen. Den Metalfans rufe ich zu: Wenn ihr Metal liebt, wir haben viel Metal im Film: Rüstungen, Speere...
(Tolga Karabagli)
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