50 Jahre MOTÖRHEAD: Wir feiern!

25.02.2025 | 23:02

50 Jahre MOTÖRHEAD! Ein halbes Jahrhundert Lemmy und Co. and they play Rock'n'Roll. Es gibt nicht viele andere Künstler, die ein ähnliches Vermächtnis vorweisen können wie Ian Fraser Kilmister, dessen Todestag sich in diesem Jahr schon zum zehnten Mal nähert. Unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht. Doch sein Geist und seine Musik bleiben für ewig, Alben wie "Ace Of Spades", "Overkill" oder "Bomber" sind über alle Maße erhaben und von unzähligen Bands, die es ohne MOTÖRHEAD womöglich kaum gegeben hätte, mit der Muttermilch aufgesogen worden. 50 Jahre MOTÖRHEAD bedeuten auch, dass 2025 allerlei Besonderheiten stattfinden werden. Den Auftakt der Feierlichkeiten bilden die Vinyl-Sondereditionen der bereits genannten MOTÖRHEAD-Alben aus dem Hause BMG, auf die wir heute unser Hauptaugenmerk legen.

Es versteht sich von selbst, dass ich in Anbetracht des Klassiker-Status die Songs nicht im Detail beschreibe, sondern eher auf das Lebensgefühl und die Wirkung dieses Trios Infernale eingehe – was man jetzt sowohl auf die Band selbst oder eben auf die Alben beziehen kann. Denn auch und vor allem wegen des 50. Jubiläums: MOTÖRHEAD is for life und Lemmy is forever. So sind die limitierten Platten nicht bloße Re-Releases, sondern alle als Half-Speed-Master geschnitten und als spezielle Farbkonfigurationen gepresst, ein Augenschmaus für Vinyl- und MOTÖRHEAD-Liebhaber, ohne Frage. Und veredelt mit einem exklusiven Poster dürfte der Nostalgie-Faktor zusätzlich in die Höhe schnellen.

Wir reisen zunächst zurück ins Jahr 1979, genauer gesagt in dessen Frühling, und blicken auf MOTÖRHEAD-Scheibe Nummer zwei, die gleichzeitig auch den kommerziellen Durchbruch des Trios Kilmister, Clarke und Taylor darstellte. Wenige Monate zuvor zerlegten sie das Londoner Roundhouse Studio mit ihrem so bahnbrechenden Sound, mit ihrem lauten, mächtigen Wumms, mit ihrer so einzigartigen, dreckigen Attitüde. Nein, einen Schönheitswettbewerb hätte "Overkill" niemals gewonnen, dafür roch die Platte zu sehr nach Schweiß, Bier und Feuer – Songs wie das so revolutionäre Titelstück, dank dem sich Taylor seinen "Philthy Animal"-Spitznamen redlich hinzuverdiente, oder 'Stay Clean' und 'Damage Case' haben auch 46 Jahre später nichts an Vehemenz und Ausdrucksstärke verloren und auch jene Songs, die unter dem Radar flogen, waren Rock'n'Roll, wie er schmutziger, härter und arschtretender nicht hätte ausfallen können: 'No Class' lässt gewisses Südstaaten-Feeling aufblitzen, 'Capricorn' macht genauso wie 'Metropolis' deutlich, wie genial Spontanität doch sein kann, und '(I Won't) Pay Your Price' rollt bei entsprechender Lautstärke unaufhaltsam über uns drüber – eine in ihrer Gesamt- und Kompaktheit so geniale Platte, die sich vor allem mit seiner grün-blauen Farbgebung extrem gut inszeniert, heben doch die schleimgrünen Segmente den "Overkill"-Dreck nochmals positiv hervor. Einfach herrlich! Sicherlich sind die drei Fotos auf dem beigefügten Artwork nicht die schärfsten, doch ein Aufhänger – im wahrsten Sinne des Wortes – ist das Teil dennoch im heimischen Wohnzimmer. MOTÖRHEAD, wie die Band leibt und lebt.

Weiter im Text geht es mit "Bomber", das wiederum nur wenige Monate nach "Overkill" seinen Weg in die Plattenläden fand. Richtig, der MOTÖRHEAD-Motor lief wie geschmiert, sodass Lemmy, Eddie und Phil den Schwung gleich nutzten und vier Wochen nach dem Ende der "Overkill"-Tournee wieder nach London gingen, um den Nachfolger einzutüten. Zugegeben, ein paar Negativüberraschungen, wie die Heroinsucht des Produzenten Jimmy Millers oder Rohrkrepierer wie 'Talking Head', waren schon dabei, doch bei genauerer Betrachtung bildet "Bomber" mit "Overkill" und "Ace Of Spades" die erste Speerspitze des MOTÖRHEAD-Höllenritts und kommt viereinhalb Dekaden später auch mit spezieller Farbgebung daher. Und alle Achtung, von den drei Re-Releases gefällt mir die blau-schwarze-Splatter-"Bomber"-Version optisch am allerbesten. Gemeinsam mit dem Comic-Bomber von Adrian Chesterman auf dem Artwork und nimmermüden Klassikern wie 'Stone Dead Forever', 'All The Aces' und natürlich 'Bomber' selbst ist das Album trotz kleiner B-Noten-Abzüge eine absolute Wonne. Silber-Status für 60.000 verkaufte Einheiten sprechen eine eindeutige, louder than everything else-Sprache. Zudem ein leicht verschwommenes Live-Bild über den Abbildungen unserer drei Protagonisten Infernale und Uralt-Perlen der zweiten Reihe wie das schnörkellose 'Sharpshooter' und 'Dead Men Tell No Tales' gleich zu Beginn und "Bomber" kann dennoch in einem Atemzug mit seinem überragenden Vorgänger genannt werden. Hört euch zudem mal 'Step Down' an, bei dem Flitzefinger Eddie zum Mikro greift – alles andere als schlecht, wenn ihr mich fragt.

Kommen wir allerdings nun zur – für viele Fans – absoluten Sternstunde, die am 8. November 1980 auf die Menschheit geschossen wurde. Dürfte das Titellied wohl den Dosenöffner auf jeder Party geben und als repräsentativster Track der Briten sprechen, sorgen auch das Cover, Evergreens wie 'Love Me Like A Reptile' oder das so hundeschnauzenkalte 'The Chase Is Better Than The Catch' und der Titel dieses bahnbrechenden Albums für Ehrfurcht: "Ace Of Spades" - nicht umsonst habe ich das Motiv auf meinen linken Unterarm tätowieren lassen. Doch hier geht es weniger um Körperkunst, sondern mehr um das schmucke Re-Release mit weiß-blauem Farbmuster auf der Platte und diesem so legendären Artwork als sehr cooles Poster. Für das vierte Scheibchen ging es im September 1980 in die Jackson's Studios nach Rickmansworth, westlich von Watford, und man schnappte sich mit Vic Maile einen Produzenten, den unser Lemmy noch aus HAWKWIND-Zeiten kannte. Herausgekommen ist ein so rohes und schweinegeiles Album, eine Sternstunde des Heavy Metals, ein so dreckiges, schmutziges, wie bahnbrechendes und mit Brechern bespicktes Werk: Durchgedrücktes Tempo, doch auch mal smoothere Töne ergeben einen ganz besonderen Groove, der Kult wird auf "Ace Of Spades" ganz groß geschrieben, dieser in Blues getränkte Schwermetall hat durch MOTÖRHEADs 1980er Freudenfest ganz neue Dimensionen erreicht. Ob 'Shoot You In The Back', die Roadie-Hommage 'We Are The Road Crew' oder der Abschluss 'The Hammer' sorgen für zuckende Nackenmuskeln und ein inneres Gänseblümchenpflücken, hat dieses Album doch in fast 45 Jahren überhaupt nichts an Durchschlagskraft verloren.

Hach Lemmy, wie sehr wir dich doch vermissen. Doch mit Alben wie "Overkill", "Bomber" oder eben – natürlich – "Ace Of Spades" bleibt er ähnlich unvergessen wie durch seine so typische Art, seinen Hang zum einarmigen Banditen und Whiskey-Cola, mit seiner auch nach 1980 so wegweisenden Vision der härteren Musik. Es darf vermutet werden, dass zum 50. Geburtstag MOTÖRHEADs weitere Besonderheiten auf uns zukommen – wir bleiben für euch am Ball! Prost!

Redakteur:
Marcel Rapp

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