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AGE OF NEMESIS: Interview mit Zoltan Fabian

10.03.2007 | 19:03

Progressive Sounds und abgefahrene Geschichten in Kombination als Konzeptalben sind ja bei Gott nicht mehr wirklich als innovativ in diesem Genre zu bezeichnen. Den Ungarn AGE OF NEMESIS ist zuletzt mit "Terra Incognita" aber ein wahres Meisterstück diesbezüglich gelungen, das nicht nur in diesem Genre Freunde finden sollte. Zwar ist das Album bereits vor längerer Zeit in ungarischer Sprache erschienen und so gesehen nicht mehr wirklich neu, doch da die internationale Version erst jetzt veröffentlicht wurde, werden wohl nur ganz wenige Fanatiker zuvor schon etwas davon mitbekommen haben. Weshalb man sich erst gute fünf Jahre später mit der englischsprachigen Version von "Terra Incognita" auf internationales Parkett wagte und vieles mehr zum Thema AGE OF NEMESIS, erzählte uns Gitarrist Zoltan Fabian.

Walter:
Hierzulande führen AGE OF NEMESIS trotz hochwertiger Alben leider immer noch ein Schattendasein, exakt daran gilt es nun, etwas zu ändern. Erzähl den Lesern also erst einmal etwas über AGE OF NEMESIS.

Zoltan:
Wir haben die Band im Jahre 1997 gegründet, damals jedoch noch unter dem Namen NEMESIS. Mittlerweile haben wir drei Alben in ungarischer Sprache aufgenommen und ebenso viele in Englisch. Zusätzlich basteln wir auch noch an einem Instrumentalalbum, das demnächst fertig sein wird. Die bisherigen Highlights in der Karriere der Band waren folgende: 2001 wurden AGE OF NEMESIS von den Lesern des ROCK HARD unter 26 Bewerbern zur besten "Unsigned Band" gekürt; unser Debüt "Eden?" erschien am 3. September 2002 in mehr als sechzehn Ländern; wir durften als Support von Bands wie KING'S X, THE FLOWER KINGS, URIAH HEEP, QUEENSRYCHE, JUDAS PRIEST und DEAD SOUL TRIBE spielen; wir haben einen Plattenvertrag bei Magna Carta unterzeichnet, der die Veröffentlichung aller unserer Alben in englischer Sprache beinhaltet. Als erstes haben Magna Carta "Psychogeist" veröffentlicht. "Terra Incognita", unser drittes Album, ist vor kurzer Zeit in der englischen Version weltweit über Magna Carta erschienen, und genau dafür gilt es nun, Werbung zu machen.

Das war nun quasi eine Art Kurzfassung der Highlights der bisherigen Karriere von AGE OF NEMESIS. Das Line-up besteht im Moment aus Zoltan Kiss (V), Gyorgy Nagy (K), Gabor Krecsmarik (B), Laszlo Nagy (D) und mir an der Gitarre. Und hier stehen wir nun, bereit zu weiteren Taten.

Walter:
Zunächst sollten wir aber noch einige Angelegenheiten aus der Vergangenheit klären. Weshalb denn die Umbenennung von NEMESIS in AGE OF NEMESIS?

Zoltan:
Wir hatten den Bandnamen NEMESIS zwar bereits seit dem Sommer 2005 benutzt und auch nie Probleme deswegen, allerdings musste ich bei einer Recherche im Internet feststellen, dass es insgesamt bereits dreizehn Bands mit diesem Namen gibt bzw. gegeben hat, und da wollten wir nicht unbedingt mit dabei sein. Zudem bin ich der Meinung, dass der Name einer Band ohnehin nicht so wichtig ist wie die Musik an sich. Auch Peter Morticelli von Magna Carta war nicht begeistert von dem Namen NEMESIS, und er war es im Endeffekt auch, der uns AGE OF NEMESIS vorgeschlagen hat. Eine gute Wahl, denn AGE OF NEMESIS klingt nicht nur gut, unser ursprünglicher Name wurde ja trotzdem beibehalten und somit auch unsere musikalische Herkunft. Allerdings stellt der Begriff AGE OF NEMESIS in der Zwischenzeit leider auch einen Bezug zur Gegenwart und Realität dar.

Walter:
Eure Musik beherbergt Unmengen unterschiedlicher Anleihen, was wohl auch von sehr unterschiedlich aufspielenden Vorbildern geprägt worden sein wird. Welche Bands haben denn NEMESIS oder später eben AGE OF NEMESIS am meisten beeinflusst? Bei eurem sehr umfangreichen musikalischen Angebot stelle ich mir vor, dass da einiges zu berichten ist.

Zoltan:
Wir sind alle um 1970 herum geboren worden und haben dadurch noch sehr viel von der Musik dieser Epoche mitbekommen. Als Kinder waren es wohl in erster Linie ungarische Bands, aber auch bereits die BEATLES, die wir verehrt haben. Als ich ein Teenager war, verehrte ich IRON MAIDEN und habe wegen dieser Herrschaften auch damit begonnen, Gitarre zu spielen. Dann kamen als Einfluss für alle Mitglieder von AGE OF NEMESIS die goldenen Jahre des Heavy Metal. Allerdings haben wir in jenen Jahren auch bereits unsere Liebe zu progressiven Klängen entdeckt.

Somit ergibt sich eine breite Palette an Einflüssen, egal ob Bands oder Solo-Künstler: QUEEN, WHITESNAKE, DEEP PURPLE, STYX, JOURNEY, TOTO, KANSAS, YES, MARILLION und RUSH. Als Musiker müssen vor allem folgende Künstler genannt werden: Ian Gillan, Bruce Dickinson, Geoff Tate, Glenn Hughes, Steve Morse, Gary Moore, Al Di Meola, Joe Satriani, Frank Gambale, Steve Lukather, Neal Schon, Steve Vai, Allan Holdsworth, Steve Harris, Geddy Lee, Randy Coven, John Myung, Billy Sheehan, Steve Smith, Simon Philips, Gregg Bisonette, Omar Hakim, Akira Jimbound und noch viele mehr.

Wichtig war mir persönlich immer die Tatsache, dass es Bands gelingen konnte, mich in der Seele zu berühren, und genau das möchte ich auch mit meiner Musik erreichen.

Walter:
Genau das ist euch zumindest bei mir gelungen. Wie würdest du denn die musikalische Entwicklung von AGE OF NEMESIS im Rückblick betrachten?

Zoltan:
Als wir begannen, gemeinsam Musik zu machen, starteten wir nicht wirklich mit einer Intention. Wir ließen es eher auf uns zukommen und warteten erst einmal ab, was dabei herauskommen würde. Allerdings hatten wir recht schnell gemeinsame Ansatzpunkte und Ideen entdeckt, so dass eben die Klänge von NEMESIS geradezu "gewachsen" sind. Dass das Ganze im Endeffekt als Progressive Metal enden würde, war zu Beginn überhaupt nicht abzusehen. Aber wir waren mit dem Ergebnis zufrieden. Um noch näher auf die Frage einzugehen, schließe ich mich wohl vielen Musikerkollegen an, wenn ich sage, dass unsere Alben zwar in sich geschlossen sind, aber es dennoch keinen wirklichen Abschluss gibt. Es gibt immer wieder Nuancen, die einem Musiker im Nachhinein an einer Veröffentlichung auffallen, die er ändern würde. Perfektion ist eben doch eine Krankheit, haha.

Ich denke man kann uns die Weiterentwicklung von Album zu Album anhören. Auch "Terra Incognita" ist nun bereits eine Zeit lang fertiggestellt, die Aufnahmen zur Urversion davon stammen ja bereits aus dem Jahre 2002. Denkt ihr nun, dass ich rundum damit zufrieden sein kann? Wohl eher nicht, oder? Ich bin aber sehr wohl der Meinung, dass es ein sehr gutes Album geworden ist, und es zeigt ganz genau, wo wir im Jahre 2002 standen. Wir haben versucht AGE OF NEMESIS als einzigartig klingende Band zu etablieren, und ich als Songwriter hatte exakte Vorstellungen, wie ich mir die weitere Entwicklung der Band vorstellte. Unter anderem wollte ich vermehrt ungarische Folklore in unsere Klänge einarbeiten, schließlich darf man unsere Herkunft durchaus kennen. Allerdings habe ich es vermieden, diese Anleihen zu offensichtlich zur Schau zu stellen. Sämtliche Elemente, die man auf "Terra Incognita" erkennen kann, sollten sich dem Hörer erst im Laufe der Zeit erschließen. Genau darum geht es uns bei der Band. Wir sind stolz darauf, was wir sind und wo wir sind.

Walter:
"Terra Incognita" als Album existiert nun also bereits seit fünf Jahren, wenn auch in der ungarischen Version. Gab es einen Plan, wann das Album nun in der englischsprachigen Version erscheinen sollte?

Zoltan:
Als die ungarische Version erschien, waren wir gerade bei Sensory Records unter Vertrag. Allerdings waren sie böse auf uns, weil wir das Album in unserer Heimat dennoch über ein ungarisches Label veröffentlicht haben. Sie waren der Meinung, dass wir dadurch die Fans verwirren würden, deshalb wurde der Vertrag auch in beiderseitigem Einverständnis aufgelöst. Vor der Veröffentlichung von "Psychogeist" hatten wir uns zunächst um ein anderes Label zu kümmern. Wenn wir es früher geschafft hätten, einen Partner wie Magna Carta zu finden, wäre die englische Ausgabe von "Terra Incognita" bereits viel früher veröffentlicht worden, theoretisch hätte es auch schon im Jahre 2003 sein können, zumindest war die Version damals bereits so weit fertig, dass man das Album hätte veröffentlichen können.

Walter:
Im Endeffekt aber auch gar nicht so schlimm, denn viel zeitloser kann Musik kaum klingen. Das Interessante an der Scheibe ist für mich in erster Linie, dass ich Elemente der letzten zwanzig Jahre jenes Genres entdecken kann, das man als Progressive Rock bezeichnet. Gab es irgendeine Intention diesbezüglich, als ihr damals mit dem Schreiben der Songs begonnen habt?

Zoltan:
Nein, keineswegs. Wir mussten lediglich Songs schreiben, die perfekt mit der Geschichte und den Texten harmonieren. Wie das Ergebnis ausfallen würde, war zu Beginn keineswegs absehbar. Allerdings muss ich zugeben, dass es mich glücklich stimmt, dass du all diese unterschiedlichen Elemente erkennen kannst. Du hast damit natürlich Recht, haha!

Walter:
Die Geschichte an sich ist ja ohnehin eine sehr interessante. Könntest du die Geschichte in Kürze wiedergeben, damit alle wissen, worum es im Detail geht?

Zoltan:
Die Geschichte handelt davon, dass wir im Tagebuch eines toten Mädchens lesen. Dieses Mädchen hat keinen Namen; sie könnte jedermann sein oder auch niemand von uns allen. Ich habe Realität und meine Phantasie in dieser merkwürdigen Geschichte gemischt und versucht, die Zuhörer zum Mitdenken zu animieren. Ich stellte mir vor, was geschehen würde, wenn jemand die Fähigkeit besitzen würde, das Leben nach dem Tod vorauszusehen.

Das Mädchen wurde von einem Engel besucht, der sie ins "Land der Lichter" mitnimmt, dorthin, wo die Seelen nach ihrem irdischen Ableben hinwandern. Sie ging dabei einen Pakt mit einem Engel ein und musste versprechen, alle Geheimnisse und alles, was sie dort zu sehen bekam und an Emotionen fühlte, für sich zu behalten. Als sie wieder zurück in ihrem Bett war, schaffte sie es aber nicht, sich daran zu halten, und flüsterte ihre Eindrücke ihrem schlafenden Freund zu. Das Mädchen dachte, sie verletze dadurch ihren Eid nicht, weil ihr Freund dabei ja nicht aufwachte. Damit lag sie aber völlig falsch. Morgens, als die beiden aufwachten, erzählte er ihr von seinem merkwürdigen Traum, in dem sie ihm von einem Engel erzählt hatte und von den wundervollen Erlebnissen im Leben im Jenseits.

Er war sich sicher, dass es nun seine Mission wäre, die Menschheit über das "Land der Lichter" zu informieren. Er wurde dadurch zu einem selbsternannten Propheten, der über ewiges Leben zu berichten hatte. Er war nun davon überzeugt, dass das Leben für jeden Menschen auf dieselbe Art und Weise endet und dass danach ein Zustand erreicht werden würde, der den Menschen in eine mystische Welt führt, in der die Seelen weiterexistieren können. Doch im Endeffekt kommt es auch in jener Welt zu massiven Problemen zwischen den dort residierenden Seelen, die abermals in Menschengestalt auftreten. Auch dort gibt es welche, die sich vor Autos werfen, Gift essen oder sich ihre Pulsadern zerschneiden, um das Leben zu beenden. Doch dort ist das eben nicht mehr möglich. Zudem werden "Propheten" von Behörden gesucht, weil sie das Geheimnis gelüftet haben. Dadurch wandten sich alle anderen vom Propheten ab, der nun völlig auf sich allein gestellt war und in Erwartung seines weiteren Schicksals dahinvegetierte. Dabei müsste er sich definitiv nicht verstecken, weil er an sich ja nicht schuldig ist, aber es muss schließlich immer einen "Sünder" geben, der für alle Menschen leidet, wäre ja auch nicht das erste Mal.

Mehr möchte ich aber nicht mehr über die Geschichte erzählen, denn jeder sollte sich selbst in dieser Geschichte zurechtfinden und sich sein eigenes Bild darüber machen. An Themen beinhaltet das Album also menschlichen Egoismus, blinden Glauben, den Schmerz der Hilflosigkeit und das Gewissen, aber auch den Schmerz, wenn man jemanden verliert. Das klingt nicht wirklich positiv, das ist mir auch bewusst, aber ich wollte einige Störungen der Menschheit in dieser Geschichte aufzeigen.

Walter:
Was inspiriert einen Musiker immer wieder zu derart abgefahrenen Geschichten, denn auch "Psychogeist" war ja nicht unbedingt leicht verdauliche Kost?

Zoltan:
Ich versuche mit geöffneten Augen und einer Seele zu leben. Aber tief im Inneren bin ich wohl ein Kind geblieben, deshalb verwende ich meine Phantasie dermaßen oft.

Walter:
Also kommen die Inspirationen tief aus deinem Inneren. Wie kann man das auf die Band umlegen?

Zoltan:
Als Band können wir versuchen, dem Alltag durch unsere Musik zu entfliehen. Damit sind wir ja ohnehin nicht die Einzigen, denn egal, ob man Musik macht oder diese nur hört, man kann damit in eine andere Welt eintauchen. Eben deshalb wollen wir uns auch keinesfalls stilistisch festnageln lassen, sondern versuchen, alles, was inspirativ zur Musik passt, zu verarbeiten. Dasselbe gilt auch für die Texte. Bei AGE OF NEMESIS soll es keinerlei Regulierungen geben. Was passt, wird umgesetzt! Dadurch können wir uns den Zuhörern auch besser verständlich machen. Egal, wie abstrus das Thema auch klingen mag, ein Fünkchen Wahrheit und eigene Erfahrung ist immer dabei.

Walter:
Deine Geschichten - sowohl jene für "Terra Incognita", aber auch schon das Konzept, auf dem "Psychogeist" basiert - wären doch geradezu prädestiniert dafür, als Drehbücher Verwendung zu finden, um infolge auch verfilmt zu werden. Gibt es bereits derlei Ideen?

Zoltan:
Gute Idee! Als ich die Geschichte von "Psychogeist" schrieb, wurde ich durch einen bereits existierenden Roman beeinflusst, also kann ich nicht wirklich an die Umsetzung irgendeines Films zu "Psychogeist" herangehen. Aber das Konzept von "Terra Incognita" stammt von mir, und deshalb wäre es zumindest denkbar. Ich hatte zwar bislang keinerlei Plan für so etwas, aber jetzt, wo du es erwähnst, kann man zumindest einmal darüber nachdenken. Danke dafür! Aber du solltest mir auch noch erklären, wo ich um das nötige Kleingeld bitten kann, um diese Idee zu realisieren, haha. In der Vergangenheit hatte unser Produzent Lajos Gulyas die Idee, "Terra Incognita" mit einem Orchester umzusetzen, auch das wäre eine gute Idee, aber leider auch nicht billig.

Walter:
Geld, ein leidiges Thema. Offenbar hat euer Budget aber zumindest ein perfektes Artwork zugelassen. Wer hat es denn entworfen?

Zoltan:
Gyula "Hjules" Havancsak. Er hat ein wahrlich gutes Händchen für die Umsetzung von Musik in Bilder und hat ja auch schon mit diversen anderen Bands zusammengearbeitet. DESTRUCTION, GRAVE DIGGER oder auch ANNIHILATOR stehen auf seiner Liste, aber auch noch viele andere mehr. Wer mehr über diesen Künstler erfahren will, sollte am besten einmal seine Website anchecken: http://www.hjules.com/ .

Walter:
Du hast bereits kurz erwähnt, dass euer Vertrag mit Sensory aufgelöst wurde und ihr relativ lange gebraucht habt, bis ein neuer Businesspartner gefunden werden konnte. Wie seid ihr mit Magna Carta Records in Kontakt gekommen?

Zoltan:
Wir sind im Nachhinein dankbar dafür, was Sensory für uns getan haben, aber dennoch war die Zusammenarbeit nicht unbedingt einfach, und wir mussten dadurch quasi von vorne beginnen. Auch unser Management hatte den Kontrakt mit Sensory aufgelöst und begann, eine neuerliche Promo-Kampagne für uns zu starten. Wir stellten ein üppiges Promo-Package zusammen, in dem unter anderem eine DVD-ROM mit jeder Menge Informationen über die Band enthalten war. Zusätzlich haben wir einige unveröffentlichte Songs darauf verewigt und auch noch einige Videos. Damit haben wir uns dann in die Hände von VENETOWEST, einer amerikanischen Promo-Agentur begeben, und diese Damen und Herren haben dann auf der MIDEM in Frankreich ungefähr 50 Labels damit bemustert. Das Ergebnis davon war, dass wir insgesamt fünf konkrete Angebote erhielten! Unser Management hat sich im Endeffekt für Magna Carta entschieden, wo wir einen Deal für sämtliche englischsprachigen Alben unterzeichnen durften.

Walter:
Und Magna Carta legen sich ja auch schwer für euch ins Zeug, was die Promotion für euer aktuelles Album angeht. Wo denkst du denn sollten AGE OF NEMESIS richtig gute Verkaufszahlen einfahren können?

Zoltan:
Ich weiß leider nicht wirklich über genaue Details hinsichtlich etwaiger Verkaufszahlen Bescheid, aber ich kenne die Länder, aus denen viele Leute unsere Website besichtigen. Diesen Monat wurde unsere Website von Fans aus insgesamt 79 unterschiedlichen Ländern besucht, und ich kann auch sagen, dass dabei Regionen aller Kontinente vertreten waren. Der Großteil allerdings stammte offenbar aus Holland, Schweden, Norwegen, der Schweiz, Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich und Russland. Von der anderen Seite der Welt kommen unsere Fans aus den USA, Mexiko, Brasilien, Peru und Argentinien, aber auch im Osten scheinen AGE OF NEMESIS viele Fans zu haben. In China, Taiwan, Japan und Südkorea haben wir ebenso Interessenten für unsere Musik gefunden wie auch in Kasachstan. Ich weiß, dass unsere Alben in manchen Regionen nicht offiziell erhältlich sind und viele Fans illegale Downloads benötigen, um unsere Musik hören zu können, aber daran können wir als Band wohl kaum etwas ändern.

Walter:
Interessant, wo man sich überall für die Band interessiert. Mit Sicherheit schon sehr bekannt seid ihr in eurer Heimat. Wie ist es denn um die Szene in Ungarn generell bestellt? Leider bekommt man hierzulande kaum etwas davon mit.

Zoltan:
Es gibt jede Menge Bands hier in Ungarn, die auch in allen erdenklichen Genres unterwegs sind. Zudem ist auch gerade eine Art Revival der großen Namen des Heavy Metal zu erkennen. Das ist zwar gut, aber andererseits nimmt es jüngeren Bands die Möglichkeit gut besuchter Konzerte, da sich die Fans ihr Geld für ihre "alten Helden" aufsparen. Das gilt im Übrigen auch für ungarische Bands, wo einige der ehemals großen Namen abermals unterwegs sind. Mit ungarischen Lyrics bist du als Musiker allerdings regional sehr stark eingeschränkt, deswegen haben wir uns auch dafür entschieden, uns nunmehr in einer internationalen Sprache mitzuteilen. Ich will den Bands hier nicht unterstellen, dass sie schlechte Musiker sind, aber irgendwie macht es auf mich den Eindruck, dass sich diese erst gar nicht weiterentwickeln wollen, sondern schlichtweg exakt das tun, was man von einer ungarischen Band auch erwartet. Zudem habe ich es noch immer nicht verstanden, weshalb sich manche dieser "alten Helden" unbedingt abermals zusammenfinden müssen, um eine Reunion-Tour durchzuführen. Aber dieses Phänomen ist ja ein weltweites.

Hier in Ungarn kommt für alle Bands noch erschwerend hinzu, dass es kaum Medien gibt, die über Heavy Metal berichten. Deshalb sind die Bands fast alle auf sich selbst angewiesen, und obendrein gibt es auch nur zwei Labels, die sich mit derlei Klängen beschäftigen. Deshalb besteht auch nicht unbedingt große Nachfrage an individuell klingenden ungarischen Metal-Bands. Wenn dann ein international renommierter Act bei uns zu Gast ist, sieht die Sache allerdings ganz anders aus. Trotz der Tatsache, dass wohl zahlreiche Fans die Texte dieser Formationen nicht wirklich verstehen können, werden diese Bands auch bei uns in allen Medien präsentiert, damit die Konzerte möglichst ausverkauft sind. Für den heimischen Nachwuchs wird jedoch kaum etwas gemacht, es sei denn, eine Company riecht den Profit. Dementsprechend wird dieses Thema dann auch ausgeschlachtet. Die jeweilige Band wird dabei aber ihrer Individualität beraubt und hat sich den zuständigen Herrschaften regelrecht zu unterwerfen. Ich denke, das ist aber auch nicht nur bei uns so. Das größte Problem ist an und für sich, dass aufgrund der Ignoranz der Medien hierzulande der Großteil der Menschen, die sich sehr für unterschiedliche Metal-Klänge interessieren würden, nicht einmal die Möglichkeit hat, sich damit zu beschäftigen. Dadurch kann sich zwar manche Band sehr gut entwickeln, weil man dadurch auch kaum Einflüsse von außen mitbekommt, allerdings fehlt dann eine Plattform, um seine Musik auch dementsprechend präsentieren zu können. AGE OF NEMESIS sind in der glücklichen Lage über die Entscheidungen hinsichtlich ihrer Musik keinerlei Kompromisse eingehen zu müssen und dennoch international agieren zu können.

Walter:
Das klingt ja nun doch recht gut und lässt auf weitere Taten hoffen. Was ist es denn, das wir in Zukunft von AGE OF NEMESIS erwarten dürfen?

Zoltan:
Da "Terra Incognita" ja im Prinzip schon wieder ein Teil unserer Vergangenheit ist, kann man beruhigt über die Zukunft der Band sprechen. Zuletzt waren wir mit den Arbeiten zu THE GODDESS NEMESIS PROJECT beschäftigt. Dabei handelt es sich um eine Art Nebenprojekt der gesamten Band. Wir haben ein Instrumentalalbum aufgenommen, an dem zusätzlich noch acht Gastmusiker beteiligt waren. Allerdings sind wir noch nicht ganz fertig damit. Da uns der erste Mix nicht wirklich gefallen hat, haben wir diesen wieder verworfen und sind im Moment dabei, das gesamte Werk neu und nochmals abzumischen. Zudem arbeiten wir auch bereits wieder an neuen AGE OF NEMESIS-Songs. Wenn die Ideen nach wie vor geradezu aus uns heraussprudeln, wie es im Moment der Fall ist, könnte es durchaus sein, dass eine Doppel-CD dabei entsteht. Allerdings wollen wir unseren eigenen Stil in Sachen Klangbild dermaßen festigen, dass zahlreiche Ideen sogar schon wieder verworfen wurden, da sie unserem perfektionistischen Anspruch nicht gerecht werden konnten. Es gibt also eine Menge zu tun in den nächsten Monaten. Außerdem wäre es wohl auch an der Zeit, unsere Songs europaweit auf den Bühnen zu präsentieren. Das wäre noch dazu unser großer Traum, aber leider ist diesbezüglich noch nichts geplant. Außerdem möchten wir uns für die Möglichkeit dieses Interviews bedanken und hoffen, irgendwann einmal auch bei euch live spielen zu können!

Redakteur:
Walter Scheurer

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