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GAMMA RAY: Interview mit Kai Hansen

09.04.2014 | 07:46

Wie Phönix aus der Asche, leider im wahrsten Sinne des Wortes, beehren uns die Hamburger Lausbuben von GAMMA RAY nach dem verheerenden Studiobrand mit einem neuen Album. "Empire Of The Undead" ist einmal mehr ein Paukenschlag in Sachen Heavy Metal aus der Feder Kai Hansens. Selbiger stand uns Rede und Antwort und berichtete über die vergangenen Ereignisse in Hamburg, das aktuelle Schaffenswerk und die im April startende Tour. Doch lest einfach selbst, was der Sympathikus und wie immer gut gelaunte Nordkopp zu erzählen hatte, warum er sich explizit von DJ BOBO abgrenzt und was es mit den sieben Todsünden auf sich hat.

Kai, vielen Dank für deine Zeit. Die obligatorisch erste Frage: Wie geht’s dir?

Ja, kein Thema. Nun, zwischen gut und böse. Also eigentlich geht es mir gut, ich war jetzt vor kurzem erst im Urlaub, aber davor gab es noch einen riesigen Berg von Sachen, die noch zu tun waren, bei dem ich gar nicht wusste, wo ich da anfangen sollte. Als ich dann aus dem Urlaub zurück war, ging es gleich an die Proben für die kommende Tour und zwischenzeitlich musste ich auch noch die UNISONIC-Gitarren einspielen, ich konnte mich also nicht über einen Mangel an Beschäftigung beklagen.

Bevor ich auf euer neues Album "Empire Of The Undead" zu sprechen komme, möchte ich gerne die letzten Monate einmal Revue passieren lassen. Zum einen wurde Ende letzten Jahres die Hamburger Musikwelt durch den Brand in den Hammer-Studios überschattet, von dem ja auch ihr betroffen wart. Nun sind einige Wochen vergangen, hast du einen Überblick über den Verlust?

Ja, den habe ich. Der gesamte Komplex hat ja gebrannt und auch andere waren von dem Brand betroffen. Wir hatten tatsächlich das Glück, dass unser Kram ganz am Ende von dem großen Komplex nah am Wasser lag und das Feuer nicht mehr zu uns ins Studio kam. Unter uns ist alles mit einer Hitze, sodass unser Studiofußboden Wellen geschlagen hat, ausgebrannt. Ein direktes Feuer hat aber nicht stattgefunden. Die Fenster sind aber herausgesprungen, sodass auch Wasser von der Feuerwehr hineinkam. Dazu noch der Rauch, alles ist nass und verrußt. Das gesamte Gebäude kannst du vergessen, es wird abgerissen. Auf der anderen Seite steht von dem anderen Gebäude nur noch das Stahlgerüst, da ist wirklich alles abgefackelt. Wir haben also 90% unserer Sachen herausholen können, die sind jetzt im Lager, kamen auch schon in die Reinigung. Doch was jetzt wirklich alles im Arsch ist, welchen Schaden vor allem die Gitarren und restlichen Instrumente genommen haben, das wird sich noch herausstellen, weil wir in der letzten Zeit gar nicht die Gelegenheit hatten, uns darum zu kümmern.

Die Aufnahmen zum neuen Album waren von dem Brand aber nicht betroffen, oder?

Nene, die konnten gerettet werden. Zum Glück ist es ja heute so, dass du beinah alles digital aufnimmst. Wenn du heutzutage irgendetwas gemacht hast, machst du automatisch ein Backup auf einer externen Festplatte und die nimmt man dann auch mit. Sie bleibt nicht im Studio, da es ja immer mal wieder sein kann, dass eingebrochen wird oder, wie in diesem Fall, ein Feuer ausbricht. In unserer Hinsicht war das sogar doppelt gut, da unser Studio-Kumpane Eike, der das Album gemischt hat, zu Zeit des Brandes vor Ort und mit dem Album beschäftigt war. Als er merkte, dass es brannte, hat er sich die gesamten Hard-Discs geschnappt und ist herausgerannt. Glück im Unglück also.

Immerhin. Zum anderen hattet ihr einen personalen Wechsel am Schlagzeug. Daniel Zimmermann hat den Stuhl verlassen und der Michael Ehré (Ex-METALIUM) hat seinen Platz eingenommen. Wie hat er sich denn in das Songwriting des neuen Albums integriert?

Hervorragend. Das war echt eine Freude mit ihm Songs zu schreiben. Er hat zwar jetzt nur einen auf dem Album, hatte aber vielmehr Ideen. Aber der eine, 'Pale Rider', hat sich jetzt herausgearbeitet. Wir hatten auch keine Demos in dem Sinne, sondern sind einfach mit Ideen in den Proberaum gegangen und haben gejamt. Das war eine wichtige Sache und da war der Michael auch grandios. Also es hat Spaß gemacht und er hatte auch keine Schwierigkeiten, sich da einzufügen oder auch Sachen beizusteuern.

Daniel wird also musikalisch zumindest nicht vermisst?

Naja, es hat lange gedauert, bis wir dazu bereit waren, uns in dieser Richtung umzuschauen. Wir haben es auch vermieden, irgendwelche Auditions zu machen. Michael ist da einfach reingerutscht. Er hat Daniel auch zweimal vertreten, als Gigs spontan hereinkamen und er zu dieser Zeit im Urlaub war. Daher kannten wir ihn. Nach seinem Ausstieg hatten wir noch sechs Shows mit GAMMA RAY und haben Michael dann gefragt, ob er die übernehmen könnte. Und es hat sich dann so gut angefühlt, dass wir ihn dann einfach fragten, ob er nicht fest zu uns stoßen wolle. Also Daniel haben wir schon vermisst, gerade am Anfang hatten wir die Hoffnung, dass er sich eventuell noch einmal umentscheiden könnte. Er war ja nicht nur ein geiler Trommler, sondern auch ein super Kumpel und Songwriter. Aber Michael hat die Klasse und das Potential, in seine Fußstapfen zu treten und auch etwas Neues mit einzubringen bei GAMMA RAY. Er hat unseren Stil auf dem neuen Album, so wie es nun ist, schon mitgeprägt.

Dann kommen wir doch direkt zum neuen Album. Mir persönlich gefällt der leicht thrashige Anschein sehr gut…

Dann hattest du bestimmt die Rough-Version. Der thrashige Anstrich ist aber nicht verloren gegangen. Es wurden nur noch ein paar Sachen feiner abgestimmt, Stimmen etwas lauter gedreht etc.

Mit 'Avalon' habt ihr gleich zu Beginn einen richtigen Mammut im Repertoire, der bei den ersten zwei, drei Anläufen eventuell etwas sperrig erscheinen könnte. Warum habt ihr euch für solch einen Beginn entschieden?

Wir fanden den alle geil und haben überlegt, welcher Song Opener vom neuen Album wird. Eine Option wäre einerseits 'Hellbent' gewesen, erst einmal schön auf die Fresse, der Klassiker. Andererseits haben wir hin und her überlegt, ob nicht 'Avalon' die bessere Wahl wäre. Ich habe sogar eines nachts davon geträumt und dachte mir, dass es doch 'Avalon' schaffen sollte. Ich habe dann noch an "Land Of The Free" zurückgedacht, wo ein ähnlich langer Song den Anfang machte. Bei 'Hellbent' denkt jeder "Ja klar, typisch GAMMA RAY", aber bei 'Avalon' muss man erst einmal zuhören, was vielleicht auch nicht schlecht ist.

Aber sowohl das eine, als auch das andere hat sich in den letzten Jahren bekanntlich bestätigt. Eine Sachen ist mir aber aufgefallen: Der Beginn von 'I Will Return' doch etwas an 'March Of Time' von HELLOWEEN. Zufall oder Absicht?

Da musst du Henjo fragen. Ich glaube, der hat das nicht von 'March Of Time' geklaut, sondern woanders, haha. Nee, das ist einfach nur Zufall, Henjo war weit davon entfernt, den Song noch einmal aufleben zu lassen.

Hat der Song denn eine persönliche Bedeutung für dich?

Nee, auch der Text ist gänzlich von Henjo. Wir haben ihn zwar zusammen im Übungsraum arrangiert und bei den Lyrics hab ich mir erlaubt, hier und da etwas zu verändern, was mir angenehmer erschien, aber sonst stammt alles von ihm. Henjo gab mir dann beim Einsingen einige Richtlinien und dabei ist mir aufgefallen, dass es einer Jesusstory gleicht. "Ich komme wieder, um über die Lebenden und Toten zu richten", das steckt für mich da drin.

Wieviele Songs stammen denn auf dem Album von dir?

So ca. 2/3 stammen von mir. Im Grunde haben wir alle Songs gemeinsam im Proberaum arrangiert und fertig gemacht. Wir haben so eine Tradition, dass wenn einer einen Song oder eine Grundidee anschleppt und auch schon viel von dem Song da ist, bleibt das auch sein Song. Wir gehen jetzt nicht hin und sagen "die drei Akkorde sind von mir, also will ich 0,6% von den Songwriting-Credits haben".

Der Titel 'Seven' stammt auch von dir, oder?

Ja, richtig. Im weitesten Sinne handelt er von den sieben Todsünden. Ich mach mir über Texte im Vorfeld keine großartigen Gedanken und überlege, was ich jetzt eigentlich loswerden will. Im Prinzip ist ja auch schon alles gesagt worden. Wenn ich Texte entwerfe, hab ich vorher ein paar Worte im Raum stehen. Wenn ich dann anfange, Gitarre zu spielen, kommen Sätze und Aussagen hinzu, ich fange dann an zu singen und mein Englisch ist immerhin so gut, dass 80% sinnvolles Zeug herauskommt. So fange ich auch mit dem Verstehen und Analysieren eines Textes erst an, wenn er quasi schon fertig ist. Manchmal ist das eine Art Reflektion der eigenen, inneren Seele, was einen bewegt und beschäftigt. Der Text von 'Seven' ist bildlich zu sehen. Da geht es nun um die Leute im Hintergrund, die in ihren dunklen Kammern das Böse hinaufbeschwören, und dafür sorgen, dass alle schön bei der Stange bleiben.

Nach dem Blick in die Vergangenheit und Gegenwart noch ein rascher Blick in die Zukunft. Dort steht die baldige Tour mit RHAPSODY (OF FIRE) und STORMWARRIOR an. Für dich eine normale, zweimonatige Tour oder habt ihr etwas Besonderes geplant?

Wir planten, ein möglichst gigantisches Bühnenbild zu haben, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Wir sind eben nicht RAMMSTEIN oder DJ BOBO, sodass wir uns einen riesigen Drachen auf die Bühne basteln können. Also wir wollen schon etwas machen, was auffällig und möglichst anders ist und das ist ein wichtiger Faktor. Natürlich wollen wir dann ein Set auf die Beine stellen, was sich vom dem, was wir in der letzten Zeit gespielt haben, doch unterscheidet. Dazu kommen einige Überraschungen und natürlich viele Songs vom neuen Album, weil wir super happy mit dem Teil sind und das auch ziemlich geil finden. Ich kann auch erst im Nachhinein sagen, ob es eine besondere Tour ist/war, da mache ich mir momentan keine Gedanken drüber. Ich freue mich, dass STORMWARRIOR mitkommt, das finde ich total klasse. RHAPSODY (OF FIRE) hingegen ist ja eine etwas andere Abteilung. Da war ich anfangs etwas skeptisch, weil wir keine Melodic-Power-Metal-Band sind (RHAPSODY doch auch nicht - PK), waren wir eigentlich auch noch nie, aber uns wurde das irgendwie so aufgezwungen. Wir sind eigentlich nur eine Heavy-Metal-Band, ganz klassisch. Wir bewegen uns da aber in weiten Bereichen, was Innovationen betrifft. Aber ich freue mich auf die Tour und warte ab, was da so kommt und arbeite im Moment daran, was auch wirklich alles gut läuft.

Na, da darf man sich doch auf die Tour freuen. Eine Frage, die mir noch im Kopf rumschwirrt, betrifft das Artwork des neuen Albums. Es ist äußerst hell, äußerst grell ausgefallen. Wie kam es dazu?

Nun, daneben gibt es noch ein schwarzes mit leichtem Gold-Stich. Aber das weiße ist das eigentliche Cover. Wir diskutierten natürlich zusammen und hatten vorher auch Entwürfe, die auf das klassisch bunte Bildchen hinausgelaufen werden. Und ich hab mittlerweile die Nase voll davon. Du guckst ins CD-Regal und siehst bei all den Farben vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Wir haben uns mal die Freiheit genommen, etwas Einfaches und Plakatives zu nehmen. Ich fand auch, dass das einfach diesmal passt und es tausendmal  geiler aussieht als das Klassische, was man von uns jetzt auch erwarten würde.

Zumal es sich auch positiv hervorhebt.

Eben, zumal im Metal-Genre weiß eine sehr provokante Farbe ist. Der Vorschlag mit weiß kam zu Beginn von seiten der Plattenfirma. Da musste ich zunächst an "Chameleon" (1993 von HELLOWEEN – Anm. d. Red.) denken, das war ja auch weiß und ich war zu Beginn nicht gerade begeistert. Doch später hab ich mich umentschieden und bin mit dem Cover jetzt auch sehr zufrieden.

Und sicherlich auch mit dem Rest des Albums. Lieber Kai, dann wäre ich mit meinen Fragen auch am Ende und möchte mich noch einmal vielmals für das Interview bedanken. Viel Spaß auf der Tour und Erfolg mit "Empire Of The Undead". Die obligatorischen letzten Worte gebühren selbstverständlich dir.

Natürlich die ganz klassischen "Ich hoffe, das Album gefällt euch" und "Ich hoffe, wir sehen uns auf der Tour". Kommt recht zahlreich, testet das neue Album und spielt es auch anderen vor. Kauft das Album, wenn es geht und ihr es möchtet, ihr könnt es euch auch von Freunden geben, das ist auch okay. Nur ladet es nirgendwo illegal runter, das ist doof. Und ich hoffe einfach, dass ihr Freude daran habt.

 

 

Redakteur:
Marcel Rapp

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