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GAMMA RAY: Listening Session "To The Metal"

20.12.2009 | 23:37

GAMMA RAY feiern 20-jähriges Jubiläum und haben ein Album im Gepäck, dessen Statement nicht klarer sein könnte: "To The Metal"!

Ins tiefste Industriegebiet Hamburgs zieht einen eigentlich gar nichts. Es sei denn, man möchte 'ne schnelle (und teure) Nummer schieben oder dem neusten Werk von GAMMA RAY lauschen. Letzteres war bei mir der Fall. So fand ich mich gegen 13 Uhr im bandeigenen Studio ein, welches ich erst um 20 Uhr wieder verlassen sollte. Was alles während dieser Zeit passierte, würde den Rahmen des Berichts von der Listening Session sprengen, darum komme ich nun ohne weitere Vorreden auf die ersten Eindrücke, die ich von "To The Metal" eingefangen habe.

Es passiert in den Songs so dermaßen viel auf einmal, dass es nicht die leichteste Aufgabe war, jedem Song die Rezension zu geben, die er verdient hätte. Hinzu kommt, dass sich alle Tracks nach eigenen Aussagen noch im Rough-Mix-Level befinden, man könne sich aber trotzdem ein gutes Bild machen. Die nun folgende Tracklist entspricht nicht der endgültigen.

1. All You Need To Know

Aggressivität und Melodie geben sich die Klinke in die Hand, der Refrain ist GAMMA RAY-typisch gehalten. Im Mittelpart sehe ich schon vor meinem geistigen Auge die Meute ihre Köpfe schütteln, als ob es keinen Morgen gäbe. Mit dem Refrain steht Kai (Gitarre und Gesang) allerdings auf Kriegsfuß und möchte ihn vom Rock/Popper Michael Kiske einsingen lassen. Man darf gespannt sein. Auf jeden Fall macht sich bei allen Anwesenden ein wohlgesinntes Grinsen breit.

2. Rise

Der alternative Titelsong kommt sehr hymnenhaft daher und mausert sich zu einem großartigem Double-Bass-Opus. Samt bombastischem Refrain und Soli-Marathon von Kai und Henjo bleiben hier keine Wünsche übrig. Immer wieder gern gehört, super! Kais melodische und ausdrucksstarke Stimme fällt hier wieder besonders ins Augenmerk, die zu keiner Zeit GAMMA RAY zu einer typischen Power-Metal-Band verkommen lässt.

3. Dead Lands

Der Track ballert mit ordentlich Drive aus den lauten Boxen und hat einen irren Unisono-Part zwischen den Gitarren zu bieten. Ich muss leider sagen, dass die Melodiebögen und Strukturen vergleichsweise nicht so spannend ausfallen. Ein eher durchschnittlicher GAMMA RAY-Song.

4. To The Metal

Der Titeltrack. Und was für einer! GAMMA RAY haben mal eben eine Metalhymne geschnitzt, die ihresgleichen sucht. Der Song entstand nach Bandaussagen aus einem Riff und soll als "einfaches Metalkracher-Teil", GAMMA RAYs 20-jähriges Bestehen repräsentieren. Im Intro erklingt, was erklingen muss: Metall, das bearbeitet wird. Dann geht es im Daktylus-Rhythmus sehr oldschoolig weiter, bis sich der Refrain wie in einer Explosion entlädt: "Hail to the Metal, Heeee-Heavy Metal". Zum Schluss wird ordentlich an den Vocals rumgeschraubt, nach meinem Gusto etwas zu lang. Von der Attitüde und der Botschaft erinnert mich der Track an 'Heavy Metal Universe' vom 99er Release "Power Plant". Nur ist er um einiges grooviger komponiert und kommt schneller zum Punkt. Dass der Song live zündet wie Hölle, wurde uns später in einer Live-Präsentation bewiesen...

 

 

5. Empathy

Für mich definitiv der stärkste Track der Platte. 'Empathy' entfernt sich vom Speed Metal, bietet einen starken Groove, ist intelligent strukturiert und komponiert und hat eine ausdrucksstarke Melodie. 'Empathy' passt auch super auf Kais Gesangsstil: Selten habe ich ihn so gefühlvoll (was nicht schmalzig heißt) singen gehört.

6. Shine Forever (Arbeitstitel)

Ganz Power-Metal-untypisch gibt uns Dirk im Intro einen netten Eindruck wie ein Slap Bass richtig gespielt werden muss. Auch hier donnert die Double Bass erbarmungslos auf den Hörer ein, der Song wartet mit guten Soli-Parts und schnellem Riffing auf. Leider aber wirkt der Track beim ersten Hören etwas belanglos.

7. Mother Angel

Ein weiterer Midtempo-Track, der sofort Gefallen findet und sich samt Soli-Orgasmen und einem balladesk-getragenem Refrain auf Platz zwei meiner persönlichen Favoriten-Liste einnistet.

8. One Life

Der evtl. Japan Bonus, geht nach dem tanzbaren Bass- und Schlagzeugintro ordentlich ans Eingemachte. Der Mittelpart ist sehr Speed-metalig gestaltet. Der Schunkelfeuerzeugrefrain setzt positive Statements: "One life to live, on heart to give. Now it's time to live".

9. No Need To Cry

Das ist sie endlich: die obligatorische Metalballade! Textlich verarbeitet Dirk den Tod seiner Mutter. Wasserrauschen, Wind, leise Pianoklänge. Mit Kais Stimme setzt auch ein Orchester ein, langsam kommen cleane Gitarren und Drums hinzu, die in den Refrain überleiten. Einfach super gelungen dieser Aufbau. Wie ein toller Passwechsel im Fußball, der zum Tor leitet. Nach einem untypischen Gitarrengeschrammel-Gesangspart werden wir alle in einem herrlich schreienden Solo erlöst. Amen! Sehr kitschig, aber nett.

10. Time To Live

In 'Time To Live' setzt sich Kai mit dem Thema der zunehmenden Digitalisierung auseinander, die das wirkliche Leben vergessen lässt. Erinnert mich von der Atmosphäre und her teilweise an IRON MAIDEN, nur, dass Nicko McBrain keine Double Bass spielen kann. Ein Song mit Klassikerstatus.

11. Irgendwas wie Break Out/ Break Up/ Breaking Away (steht noch nicht fest)

Der voletzte Track ist erneut sehr Double-Bass-lastig, weist aber dabei einen Haufen bester Riffs und sehr rhythmische Parts auf. Nach Dirks Aussagen fehlt hier noch sehr viel.

12. Wannabees

Der Bounstrack ist "mehr ein Spaßding, ein Gimmick". "Dafür sind wir immer gerne zu haben", verteidigt Dirk den Track. Müsste er gar nicht: "Save me from the wannabees" könnten wohl alle im Laufe des Songs mitsingen, der perkussive C-Teil ist mal wieder Oberklasse. 'Wannabees' geht gut nach vorne und holt nochmal alles aus dem Zuhörer raus. Hut ab!


"To The Metal" wurde wieder komplett in Eigenregie produziert, auch alle Chöre sind von den Herren selbst. Meine Ehrfurcht haben sie!

Fazit:


Das Jubiläumsalbum bekommt genau den Spagat hin, den ein solches Album hinbekommen sollte: das Beste von allem bieten und Platz für neue Regungen lassen. Vor allem die Tracks mit weniger Bpm fallen positiv auf. Auch wenn nicht alle Songs hundertprozentig überzeugen können: GAMMA RAY ziehen mit "To The Metal" locker an ihrem letzten, etwas belanglosen Album "Land Of The Free 2" vorbei und knüpfen an ihren 2001er Release "No World Order" an. Alle Fans können blind am 29.01.2010 zugreifen und sich an einer starken GAMMA RAY-Veröffentlichung erfreuen. Sämtliche True- und Powermetaller sollten ebenfalls unbedingt reinhören!

Redakteur:
Jakob Ehmke

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