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GRAVEYARD (Es): Interview mit Javi

08.10.2013 | 21:17

Die Jungs von GRAVEYARD haben einen anstrengenden Festivalsommer hinter sich. Deswegen haben sich auch unsere Wege gekreuzt. Auf dem Party San konnten sie mich jedenfalls endgültig überzeugen. Hard as hell! Grund genug für mich, bei den Spaniern einmal nachzuhaken.

Hi Javi und GRAVEYARD! Zunächst ein herzliches Danke dafür, dass du dir für mein kleines "Frage und Antwort"-Spiel Zeit genommen hast. Ich möchte dir auch ein großes Kompliment zu "One With The Dead" und "The Sea Grave" vorab machen! Die Scheiben sind der Hammer!

Hi Michi! Zunächst einmal Danke für die Blumen.  Mein Pseudonym stammt aus den späten 90ern.  Ich  war ein ziemlicher MOTÖRHEAD-Fan und hatte  ein T-Shirt vom "Bastard"-Album. Ich trug das Teil jeden gottverdammten Tag. Es war fast wie eine  zweite Haut für mich. Ich spielte damals in einer Black-Metal-Combo und meine Kollegen haben mir  damals den Spitznamen "Bastard" verliehen. Ich  hab mich anfangs dafür sogar ein bisschen  geschämt, aber ich kriegte ihn einfach nicht mehr  los. Obwohl ich ihn heute eigentlich nur noch sehr  selten benutze, kennen mich die Leute nur als Javi der Bastard. Das MOTÖRHEAD-Shirt hab ich übrigens immer noch. Es ist zwar inzwischen grau und vergilbt, aber ich trage es ab und an zu besonderen Anlässen...


Coole Story!
Doch kommen wir zum Hauptanliegen des Interviews, GRAVEYARD! Seit wann gibt es die Band überhaupt und wer von auch kam auf die Idee, den Sound der alten Helden wieder hochleben zu lassen?

GRAVEYARD gibt es seit 2007. Wir haben damals unser erstes Demo aufgenommen. Trotzdem existieren die Idee, das Logo und letztendlich auch der Name der Band schon fünf, vielleicht auch sechs Jahre länger. Julkarn und ich haben GRAVEYARD eigentlich bereits 2002 ins Leben gerufen. Ich erinnere mich noch an eine Nacht, in der ich ziemlich angetrunken war – das war bei uns so üblich. Wir saßen in unserer Stammkneipe und warfen uns angestochen zu: Hey, lass uns doch eine Band gründen. Ein bisschen später hat dann Katu Marus, ein guter Kumpel von uns, das Logo gezeichnet. Wir saßen also in den Startlöchern. Das Einzige, das uns fehlte, war ein geeigneter Drummer. Der stieß erst 2007 hinzu. Gusi hieß er und er sitzt auch heute noch hinter den Kesseln.


Fünf Jahre auf der Suche nach einem Drummer?! Ich kenne total viele Bands, die keine fünf Jahre überhaupt überlebt haben. Aber sag doch mal, wer kam denn auf die Idee, Stockholmtod zu machen? Seit ihr hier von Bands der zweiten Generation wie DEATH BREATH oder ENTRAILS angeregt worden?

Hm, ich glaube nicht, dass wir in den Anfangstagen nach Schweden klingen wollten. Zu dieser Zeit haben Julkarn und ich in vielen verschiedenen Projekten gearbeitet und eine Menge Zeugs ausprobiert. Wir versuchten es mit Black Metal, Doom Metal, ja sogar mit Thrash. Das Einzige, von dem wir damals die Finger ließen, war Death Metal. Dann kam plötzlich GRAVEYARD und viele Stileinflüsse prallten aufeinander. Wenn du beispielsweise in das "Into The Mausoleum"-Demo reinhörst, fällt dir natürlich sofort der Schwedensound auf. Trotzdem findet man dort auch ein bisschen etwas von DEATH, PESTILENCE, OBITUARY, MORBID ANGEL, POSSESSED. Dass unsere erste LP "One With The Dead" sich vor allem soundtechnisch mehr an Schweden orientierte, war Genre-abhängig. Die Riffs haben uns den Sound quasi in den Mund gelegt. Zudem gab es 2007 nur wenige Bands der zweiten Generation. Außer DEATH BREATH, REPUGNANT, KAAMOS, VERMINOUS fallen mir da keine weiteren ein. Ich bin ganz ehrlich: Wir haben als eine Band begonnen, die eine Hommage an den Death Metal sein und kein Klischee auslassen wollte. Mit der Zeit wurden wir aber musikalisch reifer und GRAVEYARD bekam Persönlichkeit und Charakter. Vor allem auf den letzten beiden Outputs, der "The Altar Of Sculpted Skulls"-EP und auf "The Sea Grave", erkennt man unsere eigenständigen Stilakzente klar und deutlich.


Da stimme ich dir voll und ganz zu. Eine Entwicklung ist bei euch definitiv zu spüren. Lass uns aber ein bisschen länger über Einflüsse quatschen. Ich schätze du bist ein totaler Old-School-Death-Metal-Fan. Was sind deine Faves? Gib uns doch ein paar Einblicke in deinen Musikgeschmack.

Also wenn ich ehrlich bin, bin ich ziemlich aufgeschlossen. Ich habe als Journalist für die verschiedensten Fanzines gearbeitet. Fast 15 Jahre hab ich den Job gemacht. Nun habe ich mein eigenes Studio und nehme hauptsächlich Metalbands auf. Ich könnte das nicht tun, wenn ich nur Death Metal hören würde. Ich stehe auf jede Form von authentischem Metal. Das fängt beim Hardrock der 70er an und hört beim Black Metal auf. Der klassische Death Metal ist nur einer von vielen Stilen, die mir gefallen. Ich zieh da ehrlich gesagt keine Grenzen, sondern behandle die Stile alle gleichwertig. Zudem bin ich 33 Jahre alt und wuchs in den 90ern auf. Für mich gibt es also keine "Old School"-Bands, zumal die neue Schule des modernen Death Metal einfach zu weit weg von dem ist, was ich unter Death Metal verstehe. Julkarn ist davon sogar noch mehr betroffen. Er hört die meiste Zeit PINK FLOYD, SCORPIONS, ZZ TOP, KING DIAMOND oder JUDAS PRIEST. Wenn es aber dann doch um Death Metal gehen sollte, greifen ich und er liebend gern auf EDGE OF SANITY, NECROPHOBIC und MORBID ANGEL zurück. Auch CARCASS steht bei uns ganz weit oben. Komischerweise hätte ich dir vor 15 oder gar 20 Jahren die gleichen Bands genannt. Außerhalb des Genres mag ich einfach ehrliche Musik. Sachen wie CANDLEMASS, MOTÖRHEAD, SODOM, MAIDEN oder DARK ANGEL ...halt einfach ein bisschen was von allem!


GRAVEYARD musste sich mit ein paar Line Up-Problemen rumschlagen. Einige von euch haben sogar die Instrumente getauscht. Wie kam es dazu? Stimmt es eigentlich, dass ihr sogar einen speziellen Sänger für Liveshows habt?

Wir sind alle multiinstrumental. Vor allem Julkarn und ich haben alles einmal ausprobiert. Bass, Gitarre, Gesang, ja sogar Keyboards. Trotzdem verlief die Verteilung der Instrumente relativ fix und wir konnten uns recht bald auf ein offizielles Line Up einigen. Ich spiele Gitarre, Julkarn zupft den Bass und singt im Studio. Gusi sitzt hinter der Schießbude und Mark hat die zweite Klampfe in der Hand. Im Studio sieht die Sache wieder etwas anders aus. Julkarn kann bei Bedarf die Gitarren übernehmen und ich spiele die Bassspur ein. Das ist für mich völlig irrelevant, solange die Sachen gut auf Band gebracht werden. Für die Promoshows zu "The Sea Grave" haben wir Fiar von FOSCOR gefragt, ober er uns bei Liveshows unterstützen möchte. Vorher hat Julkarn diesen Part auch on stage übernommen. Weil aber die Musik der neuen Scheibe doch etwas komplexer ist und er damit Probleme hatte, den Bass zu zupfen und gleichzeitig zu singen, mussten wir uns etwas überlegen.


Ich kenne das Thema nur zu gut. Ich habe auch Probleme damit, zu growlen und dabei gleichzeitig zu spielen. Lass uns aber noch ein bisschen über die Produktion der letzten LP reden. Kurz vor der ersten Aufnahmesession zu "The Sea Grave" hat euch SBE, der frühere Gitarrist verlassen. Hat das das Recording verkompliziert

Ich war stinksauer auf Llorenç (SBE), da er uns einen Tag vor der Aufnahme sitzen hat lassen. Zwar waren wir beide Gitarristen, aber im Studio hab ich die Produktionsleitung übernommen und er hat sich um die Instrumente gekümmert. Er kannte also alle Songstrukturen, Harmonien, die ganzen Breaks und Fills, ja letztendlich die gesamten Arrangements wesentlich besser als ich. Als er ausstieg, hat er mir also einen großen Berg an Arbeit hinterlassen. Ich musste jeden einzelnen Song rekonstruieren. Da er mir nicht einmal dabei geholfen hat, war ich ziemlich angepisst. Es war keine wirklich schöne Trennung. Später haben wir aber einiges klären können, so dass es heute kein Problem zwischen uns mehr gibt. Ich möchte ihn sogar fragen, ob er uns bei der nächsten Platte als Gastmusiker unterstützen möchte.


Mark Wild schloss sich der Band während der Sessions an. Konnte er sich noch kreativ einbringen oder standen die Songs schon?

Mark ist ein alter Freund von uns und hing mit uns schon einige Zeit ab. Ein halbes Jahr vor SBEs Ausstieg hat er uns mal bei einem Gig ausgeholfen. Er lernte unser Set in nur drei Wochen und brauchte dafür auch nur drei Proben. Er war also definitiv die einzige Option, die wir hatten. Ein anderer wäre für mich nicht in Frage gekommen. Leider waren die Gitarren schon im Kasten als Mark endgültig zur Band stieß. Julkarn und ich haben es im Alleingang gemacht. Er konnte also nichts mehr beisteuern. Vielleicht beim nächsten Mal!


Reden wir doch ein bisschen über das Business. Du hast mit ein paar verschiedenen Labels zusammengearbeitet und auch sogar schon öfters die Plattenfirma gewechselt. Schließlich bist du bei War Anthem Records gelandet. Bist du mit ihnen zufrieden?

Absolut! Wir sind mit ihnen total zufrieden. Ich weiß, das klingt jetzt wie ein Klischee, aber es ist die Wahrheit. Sie haben sich vollständig an unseren Deal gehalten, was in den heutigen Tagen ja nicht selbstverständlich ist. Zudem sind sie unseren Anregungen und Wünschen gegenüber offen und unterstützen uns auch finanziell ziemlich gut. Wir müssten schon sehr dumm sein, bei der nächsten Scheibe wechseln zu wollen.


Wo liegt dann der Unterschied zwischen War Anthem Records und BlackSeed Productions?

BlackSeed hat eine Menge für uns getan und wir sind ihnen immer noch dankbar dafür. Trotzdem haben sie nur begrenzte Möglichkeiten. Vor allem hinsichtlich ihrer Kontakte ins Ausland und auch Promotion betreffend, konnten sie uns nicht mehr weiterhelfen. Wir brauchten also unbedingt ein ausländisches Label, ein Deutsches wenn möglich. Einfach um auch jenseits von Spanien spielen zu können, auf größere Festivals rauf- und in größere Magazine reinzukommen. Wir wollten als Death-Metal-Band einfach etwas reifen und trotz Undergroundstatus ein bisschen größer werden.

So, kommen wir zu dem, was einzig und allein zählen sollte, die Musik. Manche Leute werfen euch vor, nur ENTOMBED zu kopieren. Ich stimme denen definitiv nicht zu. Sicherlich lassen sich Einflüsse aus Stockholm nicht leugnen, aber trotzdem ist GRAVEYARD ein bunter Stilmix. Das Besondere an der Musik ist doch gerade die Mischung der verschiedenen Einflüsse. Eure Alben erinnern mich nicht nur an den Elchtod, sondern eigentlich an viele europäische Bands. Manchmal höre ich MORGOTH, ASPHYX, ja sogar BOLT THROWER zwischen den Zeilen. Selbst Doom-Einflüsse sind vorhanden. Was ist deiner Meinung nach das gewisse Etwas von GRAVEYARD?

99% aller Bands, die in den letzten Jahren erschienen sind, sind nur "copycats". Das ist Fakt. Die Leute machen immer einen riesen Hehl daraus. Ich mein, manche Bands denken zwar, sie hätten ihren eigenen Stil gefunden, kopieren aber im Endeffekt nur alte Nummern. Ich lach mir ehrlich gesagt jedes Mal den Arsch ab, sobald ich in einem Interview mit selbsternannten „Extreme Metal“-Bands  les, sie würden die Szene verurteilen, weil es nur Nachahmer gäbe. Lass uns die Sache mal realistisch betrachten. Es wurde einfach schon vieles gesagt und nur eine von 1000 Bands ist so innovativ, dass sie sich ein bisschen von der breiten Masse abhebt. Die Leute verbringen einfach zu viel Zeit damit, über solch hirnlose Sachen zu diskutieren. Leute, bewertet einfach die Musik! Mögt sie oder lasst es, that's it. Nimm ATTIC als ein Beispiel. Ich liebe diese Band. Sie haben tolle Songs und sorgen mit geilen Riffs für eine gute Atmosphäre. Zudem ist die Produktion ihrer Scheiben verdammt gelungen. Ich gebe einen Scheiß darauf, ob sie wie KING DIAMOND klingen. Who cares? Falls du mich fragst, hat GRAVEYARD keinen stark definierten Stil. Sicher machen wir unsere eigenen Sachen hier und da, aber wir haben uns einfach dem Stil der alten Klassiker verschrieben. Von diesem Genre kommt auch unsere Inspiration. Ich verstehe es total, wenn wir mit ENTOMBED verglichen werden. Ich bin mir aber auch sicher, dass diese Vergleiche nicht existieren würden, wenn wir etwas an unserer Produktion und unserem Gitarrensound ändern würden.


Wenn ich nun behaupte, dass 'Necrology' ein bisschen nach den alten AMORPHIS und der Titeltrack der "One With The Dead" nach frühen BOLT THROWER klingt, würdest du mir da zustimmen?

Hm, das könnte schön sein... Ich liebe nämlich beide Bands. Das würde von daher schon passen. Wir wollten einfach so viele Einflüsse wie möglich in die beiden Platten packen. Ich finde es einfach langweilig, wenn eine Band nur eine spezifische Band abkupfert. Die Musik wird lebendiger und attraktiver, sobald man viele verschiedene Inspirationsquellen in einem Song zusammenkommen lässt.


Hauptsache Old School! Die Sache sehe ich genau so. Musik muss einfach lebendig sein oder mit anderen Worten: so wie "The Sea Grave"! Könntest du den Lesern von POWERMETAL.de das letzte Album etwas erklären?

"The Sea Grave" ist ein Konzeptalbum. Es baut auf dem Lovecraft-Universum auf. Ich glaube, Julkarn könnte dir darüber mehr erzählen, da er dafür verantwortlich war. Musikalisch ist die Scheibe etwas komplexer als "One With The Dead". Diese Platte ist zwar auch super, aber in meinen Augen doch ein bisschen "too basic". Manche Songs wurden erst im Studio geschrieben. Dementsprechend simpel war auch ihre Struktur. "The Sea Grave" ist hingegen viel gereifter. Unsere Fähigkeiten als Musiker sind aber die gleichen. Wir sind nämlich nicht die Sorte von Band, die fünf oder sechs Stunden pro Tag irgendwelche Solos probt.


Songs im Studio schreiben? Das ist ja interessant! Bleiben wir beim Thema Studio. Du hast
"One With The Dead" und "The Sea Grave" komplett alleine in deinem Recordingtempel, den du Moontower nennst, aufgenommen und produziert. Warst du auch alleine für die gesamte Produktion verantwortlich?

Für GRAVEYARD arbeite ich hauptsächlich als Engineer, während die gesamte Band die Produktion händelt. Auf der ersten LP war Dan Swanö für das Mastering verantwortlich, aber ansonsten haben wir alles zusammen als Band erledigt.

Könntest du etwas über eure Arbeitsweise sagen? Ist es nicht schwer, die eigene Band zu produzieren? Sollte ein Producer nicht das Material von einem objektiven Punkt aus betrachten? Das stelle ich mir schwer vor, wenn man Teil der Band selbst ist.

Oh, du sprichst eine schwierige Sache an. Um ehrlich zu sein, weiß ich keine Antwort darauf, da ich jedes Album, an dem ich als Musiker beteiligt war, selbst produziert und aufgenommen habe. Wenn wir Hard Rock oder Heavy Metal spielen würden, würde ich vielleicht etwas anders vorgehen. Unsere Definition von Death Metal ist hingegen so fest, dass ein Außenstehender überflüssig ist.


Warum habt ihr euch beim Mastering
von "One With The Dead" für Dan Swanö entschieden? Was zeichnet seine Arbeit aus? Wieso war er auf der letzten Scheibe nicht mehr mit an Board?

Wir wollten für die Scheibe einfach einen "in your face"-Sound, der typisch für Dan ist. "The Sea Grave" hat ein anderes Flair. Sie ist dunkler und hat mehr Atmosphäre. Das hätte mit ihm nicht funktioniert. Deshalb haben wir diesen Job hier lieber selbst gemacht. Jetzt bereue ich es ein bisschen. Wir waren alle nach den Aufnahmen ein wenig erschöpft. Ein frischer Typ hätte die Platte wahrscheinlich besser mastern können! Naja, wer weiß... Beim nächsten Mal machen wir es anders. Ich hab auch schon ein paar Leute im Kopf, die ich bei unserer nächsten 7"-Split antesten möchte.


Jetzt reden wir schon eine ganze Zeit über Recording. Was verbirgt sich denn nun hinter dem Moontower? Ist es ein Homestudio oder arbeitest du hier hauptberuflich?

Das Moontower ist ein professioneller Studiokomplex in Barcelona. Das ist mein täglich Brot. Ich arbeite hier meistens mit spanischen Metalbands. Z.B. BETWEEN THE FROST, MORBID FLESH, NOMINON, TEITANBLOOD, DECAPITATED CHRIST, WOLFHEAD, WARCHETYPE, ATARAXY, LORDS OF BUKAKKE, INSULTERS, CRISIX, KORGULL THE EXTERMINATOR, ONIRICOUS, PRIMIGENIUM, OUIJA, TORT, LUX DIVINA, NAKKIGA, IRON CURTAIN, ONIROPHAGUS, DOMAINS, EMPTY, AVULSED und viele andere. Fast die ganze spanische Szene war schon bei mir zu Gast, Hahaha. Ich hab früher auch Soundtracks und Overdubs für die Filmindustrie gemacht, aber seit sechs Jahren konzentriere ich mich ausschließlich auf Metal.


Anscheinend hat sich die Qualität deiner Arbeit schnell rumgesprochen. Ganz im Ernst, ich mag den Sound eurer Alben. Er ist total roh. Meiner Meinung nach macht das den kleinen Unterschied aus. Ihr klingt fast wie ein echtes Sunlight-Produkt.

Ich weiß, was du meinst. Dabei waren wir aber nicht unbedingt auf der Suche nach dem Thomas Skogsberg-Spirit. Wir wollten einfach die alten Tage anklingen lassen. Ich kenne viele sogenannte neuere "Old School"-Bands, die zwar musikalisch in die Richtung der frühen 90er gehen, Sound-mäßig jedoch absolut modern und transparent sind. Das passt einfach nicht. Unser Drum soll wie ein Drum klingen. Kein Trigger, kein Rumgeschnippel, sondern einfach lebendig und dynamisch. Ich habe nichts gegen moderne Techniken. Ich benutze sie ständig, halt nur nicht für GRAVEYARD.


Equipment! Nur ein paar Stichworte zu dem Thema. Benutzt ihr ausschließlich den Boss HM-2 oder mischt ihr ihn mit dem DS-1?

Wir haben viele Verzerrer durchprobiert, aber der HM-2 ist einfach der Beste für diesen Sound. Digitech Death Metal klang ebenso geil. Wir mischen den HM-2 aber mit der Zerre des Amps. Dabei muss man aber Fingerspitzengefühl haben, sonst matscht es. Von Album zu Album haben wir die Pedale Schritt für Schritt zurückgefahren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir uns als Band einfach weiterentwickeln. Ich kann keine komplexen Arrangements oder Solos einbauen, wenn der Verzerrer unkontrolliert alles nierderbruzzelt.


Verstärker? Transistor wie auf der "Left Hand Path" oder doch die klassiche Röhre?

Natürlich die Röhre, keine Frage. ENTOMBED hatte dafür einfach kein Geld, weswegen sie zum Transistor griffen.


Was hältst du von Coversongs? Auf dem Vinylrelease der ersten EP musste BOLT THROWERs 'Cenotaph' ran. Die "One With The Dead" enthält 'A Tale Of Creation' von CANDLEMASS. Sogar das brillante 'Eternal' von PARADISE LOST habt ihr in einer speziellen GARVEYARD-Version aufgenommen. Warum habt ihr euch für diese Songs
entschieden?

Wir haben auch noch 'The Usurper' von CELTIC FROST, 'Zombie Ritual' und MOTÖRHEADs 'Deaf Forever' gecovert. Einen Song von DISMEMBER oder ENTOMBED zu interpretieren, wäre für uns sinnlos. Ich meine, wir klingen dafür einfach zu ähnlich. Eigentlich wünsche ich mir, nie BOLT THROWER oder DEATH gecovert zu haben. Die Versionen klingen wie die Orginale. Das war nicht das, was wir beabsichtigten. Trotzdem spiele ich sie gerne live. Wir werden zukünftig nur noch Songs covern, denen wir einen eigenen GRAVEYARD-Touch verleihen können.



Ihr seid ein Ass Kicking-Liveact.
Das habt ihr heuer auf dem Party San eindrucksvoll demonstriert! Ihr habt schon viele größere Acts supporten dürfen. Welchen Gig habt ihr am meisten genossen?

Mich freut's total, dass dir unsere Show gefallen hat. Ich dachte, sie sei nicht so gelungen gewesen, da der Monitorsound auf der Bühne ein totales Durcheinander war. Es war unser erster Gig auf einer solch großen Bühne. Aber trotzdem war es geil. Mein Kumpel Götz vom Rock Hard hat mir gesagt, dass wir eine gute Show gemacht hätten, aber die Bühne noch ein bisschen zu groß für uns sei [Das ist nicht die Meinung des Verfassers]. Ich kann seine Meinung schon irgendwie verstehen. Wenn du auf so einer riesen Stage stehst, spielt es keine Rolle, dass du in hunderten von kleinen Clubs gespielt hast. Das fühlt sich einfach anders an. Ich war ehrlich gesagt auch ein bisschen nervös, da wir erst 20 Minuten vor dem Auftritt angekommen sind. Ich konnte mich von daher nicht aufwärmen, Es war keine Zeit für ein paar Bierchen. Ich konnte auch die obligatorischen Nervosität-Kippen nicht mehr rauchen und mir zur Beruhigung ein paar Bands ankucken. Da war das Obscene Extreme schon wesentlich entspannter. Aber was war die Frage nochmal? Ah, die besten Gigs. Hm, wir haben wirklich viel gespielt. Ich erinnere mich vor allem an unseren Auftritt in Berlin mit NECROS CHRISTOS und KAAMOS, unsere Tour durch Schweden mit NOMINON, Barcelona mit TORMENTED und ASPHYX oder war es doch mit HAIL OF BULLETS. Daneben gab es noch einen total geilen Gig in Castellón. Da haben wir mit LIE IN RUINS gespielt. Das war genial. Doch auch die Shows mit DESTROYER 666 und die Gastbesuche in Deutschland mit HOODED MENACE waren cool. Es gibt einfach so viele...


Ich stimme Götz hier sicher nicht zu! Das war doch eine Killershow auf dem Party San. Man hat gemerkt, dass ihr viel live gezockt habt. Ist dabei eigentlich etwas passiert, das du in 15 oder 20 Jahren noch erzählen wirst?


Möglich, aber wir waren zu voll, um uns daran zu erinnern. Mark könnte hier vielleicht ein paar Geschichten erzählen.


Danke schon mal für das Interview! Zu guter Letzt, wie geht's mit euch weiter?


Hm, wir werden eine Split mit KORGULL THE EXTERMINATOR über Doomentia Records veröffentlichen. Eine weitere 7" ist auch noch in Planung. Gegen Ende Oktober haben wir noch eine Show mit unseren Kumpels von REVEL IN FLESH in Barcelona. Danach geht es in den Proberaum. Ich möchte Ende nächsten Sommer an ein neues Album denken und natürlich auf so vielen Festivals wie nur möglich spielen! Ansonsten grüße ich die deutsche Szene und bedanke mich bei dir recht herzlich für das Interview!

Redakteur:
Michael Sommer

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