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GROOVENICS: Interview mit Jim Austin oder Matt Swig

01.01.1970 | 01:00

"Ich möchte gerne, daß die Leute nach dem Hören der Scheibe das Gefühl haben, auf eine Reise unterschiedlichster Sounds gegangen zu sein, bei der sie neue Stile und Konsistenzen entdecken konnten. Ich hoffe, daß die Vielschichtigkeit ihnen die Augen öffnet. Ich möchte, daß die Leute das Gefühl haben, etwas Neues für ihr Leben gewonnen zu haben." … genau jenes Anliegen hat GROOVENICS Frontmann K*rl Michaels (kein Fehler, den Typen schreibt man echt mit "Stern") mit deren selbstbetitelter Debüt-Scheibe. Tja und wenn ich ehrlich bin, so glaube ich fest daran, daß die sechs Jungs aus dem Süden Floridas, exakt dies schaffen werden. Schlicht weil die Scheibe einfach nur knallt, verdammt abwechslungsreich ist und nur so von guten, eingängigen Songs strotzt. Aber genau dieser Abwechslungsreichtum könnte vielen Leuten auch quer im Magen liegen … (das Interview wurde von einem der beiden Gitarristen Jim Austin & Matt Swig beantwortet … nur von welchem weiß ich leider nicht, daher steht bei den Antworten als Interviewpartner ganz allgemein nur "GROOVENICS").

Oliver: Habt ihr keine Angst, daß euch deswegen einige Leute angreifen werden und euch vorwerfen, keiner klaren, eindeutigen Linie zu folgen?

GROOVENICS: Ganz im Gegenteil, wir haben keine Angst davor, wir begrüßen das sogar. Die Kids die auf unsere Shows kommen sind so unterschiedlich … wir lieben es einfach … Kids verschiedenster Hautfarben, Männlein und Weiblein, alt und jung … und jeder liebt die Band aus einem anderen Grund. Wir sind einfach glücklich sämtlich Facetten der Rockmusik zu erforschen. Ich glaube allerdings, daß unsere Scheiben in der Zukunft etwas kompakter sein werden, ohne dabei an Experimentierfreudigkeit zu verlieren.

Oliver: Wie sind denn die Reaktionen bis dato auf die Scheiblette so ausgefallen?

GROOVENICS: Soweit so gut. Unsere Fans sind einfach großartig ... von überall her bekommen wir Feedback von ihnen. Die Zahl der Fans hat sich wie ein Waldbrand vergrößert, obwohl die Scheibe eigentlich noch immer brandneu ist … wir sind deshalb natürlich verdammt aufgeregt und harren der Dinge die da kommen. Die Kritiken selber sind soweit mehr als in Ordnung, was uns ehrlich gesagt überrascht hat, da wir die Scheibe hauptsächlich nur für uns und die Kids die auf unsere Shows kommen geschrieben haben.

Oliver: Und noch eine Standartfrage. Da euch hier in Europa kaum ein Schw…. kennen dürfte, wäre es vielleicht ganz nett den ein oder anderen Satz über eure bisherige Vergangenheit zu hören.

GROOVENICS: Wir sind eine Band, die immer sehr stark daran festgehalten hat ihr eigenes Ding durchzuziehen, ihren musikalischen Wurzeln treu zu bleiben und die Musik zu machen die wir schlichtweg lieben. Wir haben mehr oder minder über die letzten 3 - 4 Jahre zusammengefunden, um zum heutigen Line-Up zu werden. Als Kids haben wir alle sehr unterschiedliche Musik gehört und jeder bringt somit einen anderen Background mit, was die ganze Angelegenheit so aufregend macht … bei uns wird nicht versucht seine eigene Meinung durchzusetzen und die des anderen zu übergehen, um einen Song in eine Richtung zu drängen … nein, wir verwenden die Ideen jedes einzelnen, um damit unsere ureigenen Stücke entstehen zu lassen.

Oliver: Welches Ziel verfolgt ihr mit euren Texten bzw. worum geht es in euren lyrischen Ergüssen?

GROOVENICS: Unsere Texte behandeln Lebenserfahrungen und persönliche Dämonen, die wir ans Tageslicht bringen wollen … die meisten davon sind wohl ziemlich depressiv, aber sie haben immer das Ziel den Leuten Positives aufzuzeigen. Unser Hauptanliegen wenn es ums Texteschreiben geht ist es, den Leute Dinge näher zu bringen mit denen sie sich identifizieren können … das ist es doch, worum es schließlich bei der Musik geht!

Oliver: Wie muß ich mir die Entstehung eines typischen GROOVENICS Songs vorstellen? Kann mir gut vorstellen, daß es manchmal nicht unbedingt leicht ist, alle Ideen sämtlicher Mitglieder unter einen Hut zu bringen?

GROOVENICS: Das ist mittlerweile eigentlich zu einer wirklichen grundlegenden Wissenschaft bei uns geworden. Wir kennen uns was das musikalische angeht untereinander sehr genau und so ist es ziemlich leicht zu wissen was der andere denkt, wenn wir beginnen an etwas Neuem zu arbeiten. Nach einer Weile kommt es einem fast so vor als ob wir irgendwie ein gemeinsames Gehirn teilen. Mittlerweile haben wir auch schon wieder einige neue Songs geschrieben seit das Album veröffentlicht wurde. Wir sind diesbezüglich sehr gespannt und können es kaum erwarten die Songs unseren Fans vorzustellen.

Oliver: Seht ihr euch wirklich als typische Metal Band, wie es im Bandinfo eures Labels zu lesen ist? Der Grund warum ich dies frage ist, viele der Bands die in eure Kerbe schlagen, scheuen das "Stigma" ‚Metal' mittlerweile wie der Teufel das Weihwasser.

GROOVENICS: Gute Frage. In der Tat, haben sehr viele Leute noch viel mehr Meinungen bzw. Vorschläge in welche Kategorie man uns stecken müßte. Wenn ich ehrlich bin, dann gehen die größten musikalischen Einflüsse der Band auf den Punk Rock Ende der 70'er bis Ende der 80'er, sowie den Metal Mitte der 80'er bis Anfang der 90'er zurück. Soweit es also uns angeht, ist Metal durchaus nicht das "schlechte Wort", wie für viele andere Bands. Alle in der Band sind große Verehrer von Bands wie GUNS'N'ROSES, MÖTLEY CRUE und FAITH NO MORE, aber genauso stehen wir auch auf Combos wie FUGAZI, AT THE DRIVE-IN und REFUSED …es ist einfach nur Musik für uns!

Oliver: Viele Leute die euch zum ersten Mal hören würden euch ohne mit der Wimper zu zucken in die Neo Metal Schublade stecken. Wie stehst du zu diesem Schubladendenken und was glaubst du unterscheidet euch von all den anderen Bands in diesem Genre?

GROOVENICS: Wir halten absolut überhaupt nichts von diesem stereotypen Kategorisieren … wie ich vorher schon sagte, viele unserer Roots liegen im Punk, Metal und Rock'n'Roll Sektor. Deshalb gehen wir die Sache auch nicht an und sagen " … laßt uns einen Metal- oder Neo-Metal oder was auch immer für einen Song schreiben …". Wir legen uns in dieser Hinsicht keine Fesseln an … das hält uns und unsere Fans am denken. Die meisten solcher Bezeichnungen sind doch einfach Werkzeuge des Marketings, geschaffen von der Industrie, der Presse und den Plattenfirmen … nicht von den Bands.

Oliver: In euren Songs passiert ziemlich viel, dennoch sind die Stücke immer eingängig und bleiben dem Hörer im Ohr. Worauf legt ihr besonderen Wert bei euren Songs?

GROOVENICS: Unser Augenmerk liegt immer auf der Melodie. Die Klampfen müssen fett im Raum stehen, Bass und Schlagzeug bilden das stählernes Rückrad und der Gesang füllt die restlichen Lücken auf.

Oliver: Michael Wagner hat die Scheibe produziert. Hattet ihr keine Bedenken, daß Michael euren ureigenen Sound umkrempelt und euch seinen Stempel aufdrücken würde? Wie war es mit ihm zu arbeiten?

GROOVENICS: Michael ist ein unglaublicher Produzent. Er hat mir enorm viel über das Spielen und auch das Aufnehmen von Gitarren beigebracht. Das war mit Sicherheit die größte musikalische Erfahrung meines Lebens! Was den ureigenen Sound angeht, so hat er uns einfach geholfen die beiden losen Enden zusammenzuführen … das war einfach unglaublich! Er hat einfach ein phantastisches Gespür für Rockmusik, daß es einfach Spaß gemacht hat mit ihm zu arbeiten. Er bleibt in jedem Fall ein guter Freund der Band und er ist zudem einer der wenigen Leute in dem Biz die nicht "full of shit" sind! Hahaha!

Oliver: Ihr habt auch schon in grauer Vorzeit eine CD in Eigenregie namens "Wedgie Fever" an den Start gebracht. Worin unterscheidet sich diese Scheibe von eurem offiziellen Debüt und ist das Teil noch irgendwo erhältlich?

GROOVENICS: Erst kürzlich hat man die Produktion der Scheibe eingestellt. Wir haben ungefähr 4000 CD's bei unseren Shows in den ganzen USA an den Mann bringen können. Es ist einfach eine nette kleine Scheibe, die wir aber sicher nicht wiederveröffentlichen werden.

Oliver: Ihr habt euer aktuelles Album in Nashville, Tennessee aufgenommen und nicht in Florida, wo ihr eigentlich herkommt. Viele Bands bevorzugen es allerdings direkt vor ihrer Haustür aufzunehmen. Wie ist das mit euch, warum habt ihr den Staat verlassen um die Scheibe aufzunehmen?

GROOVENICS: Ganz einfach, weil wir alle Schwerenöter sind und die Frauen uns hier einfach zu sehr ablenken … nein ernsthaft, wir haben einfach einen klaren Kopf gebraucht, um sicher zu gehen, das bestmögliche aus uns herauszuholen.

Oliver: Gibt es Pläne für 'ne Europa Tour mit dem neuen Album?

GROOVENICS: Hell yes!!! Am 14. Sept brechen wir zum ersten Part unserer US-Tour auf und hoffentlich schaffen wir es anschließend nach Europa zu kommen. Es war schon immer ein Traum von uns nach Europa zu kommen … das wäre definitiv eine ganz besondere Erfahrung für uns. Wenn's dir also möglich ist, mach so viele Leute wie möglich auf uns und unser Album aufmerksam (Dein Wunsch ist mir Befehl - Anm. d. Red.)!

O.k. dann noch zu meinen üblichen Standartfragen (hoffentlich wird's dem ein oder anderen nicht schon langweilig!? Über Feedback / Meinungen diesbezüglich (egal welcher Art) würde ich mich freuen … - Anm. d. Red.).

Oliver: Wie stehst du zum Thema Mp3-Tauschbörsen und das Internet im allgemeinen?

GROOVENICS: Die ganze "Free-Radio"-Sache ist 'ne tolle Angelegenheit was Promotion angeht. Ich kenne 'ne Menge Leute, die sich Zeugs aus dem Netz runterziehen und das ist auch o.k. so. Ich persönlich habe lieber das Original mit Cover und Booklet usw. vor mir, um so auch den betroffenen Musikern zu helfen mehr Alben zu verticken … also Leute, zieht euch ruhig ein paar unserer Songs für 'ne individuelle Mix-CD runter, aber dann nix wie los in den Laden und die komplette Scheibe gekauft … das ermöglicht uns noch sehr sehr lange weitere Alben aufzunehmen.

Oliver: Welche 3 Dinge würdest du nicht mit auf eine einsame Insel mitnehmen?

GROOVENICS: Sheesh (Was auch immer das sein mag? Wer hat mir 'nen Tip? - Anm. d. Red.), Insekten, eingewachsene Zehnägel und unseren Sänger … hahahaha!

Oliver: Hättest du die Möglichkeit für einen Tag eine andere Person zu sein, auf wen würde die Wahl fallen und warum?

GROOVENICS: Vielleicht Jim Adkins, den Sänger und Gitarrist der Rock Band JIMMY EAT WORLD, da es mich echt interessieren würde was in der Birne des Typen vorgeht. Meiner Meinung nach hat er mitunter die großartigste Musik der letzten Jahrzehnte geschrieben und ich glaube er hatte in seinem ganzen Leben noch nie eine Idee für einen schlechten Song.

Oliver: Wie gehst du mit Kritik um und hattet ihr diesbezüglich schon jemals Streß mit der Presse?

GROOVENICS: Bis dato sind wir immer gut mit der Presse klargekommen, auch was Reviews angeht. Ich würde niemals wegen einer schlechten Kritik ins schwitzen kommen ... das gehört einfach dazu, das ist Rock'n'Roll …du kannst nicht immer jeden zufrieden stellen, das ist auch gar nicht unser Ziel, wir wollen lediglich die Fans glücklich machen. Nimm z.B. MÖTLEY CRUE ... die Jungs waren nie mit guten Reviews gesegnet, genauso GUNS'N'ROSES, aber beide Bands haben sie Millionen von Fans weltweit. Ich persönlich rede sehr gern mit Pressevertretern. Ich finde es interessant herauszufinden, was sie von uns halten und wie sie unsere Zukunft sehen.

Oliver: Das Interview, das du gerade beantwortest ist ja für ein Online-Metal-Mag. Welchen Stellenwert nehmen für dich persönlich Online-Mags verglichen zu "herkömmlichen" gedruckten Magazinen ein?

GROOVENICS: Beide Formen rücken immer näher zusammen in ihren Unterschieden. Der Computer ist zu einer solch enorm vitalen Angelegenheit in der Presselandschaft geworden, daß es zu ziemlich hohen Wellen im Meer der gedruckten Presse gekommen ist. Wir haben bis dato mit beiden Vertretern eine Menge zu tun gehabt und es gab nie irgendwelche Probleme … deshalb stehen wir definitiv auf Online- und auch herkömmlich gedruckte Mags. Wir jedenfalls lesen und abonnieren beide Formen.

Oliver: Wo siehst du die GROOVENICS in 10 Jahren?

GROOVENICS: Wir werden Alben machen, die uns als Musiker an unsere Grenzen führen. Des weiteren werden wir beim Wiederaufbau des Fundaments des amerikanischen R'n'R helfen. Wir werden ohne Ende touren, damit wir sicherstellen, daß jeder der ein GROOVENICS Album gekauft hat uns auch live zu Gesicht bekommen wird.

Oliver: O.k., hiermit wären wir auch schon am Ende angelangt. Danke für Gespräch … du hast die letzten Worte.

GROOVENICS: Tausend Dank an eure Leser und wenn ihr könnt, besorgt euch unsere Scheibe … wir lieben euch für immer … und ich verspreche, irgendwann im nächsten Jahr werden wir in Europa sein.





Redakteur:
Oliver Kast

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