Gruppentherapie: ANGUS MCSIX - "Angus McSix And The Sword Of Power"

24.04.2023 | 00:39

Der ehemalige GLORYHAMMER-Fronter macht sich auf zu seinem ersten Solo-Abenteuer und das ist kunterbunt, catchy und fantasievoll. Dass bei allem Kraftstahl, Epos und der Hymnenanzahl "Angus McSix And The Sword Of Power" auch nicht immer auf Gegenliebe stößt, ist genauso sicher wie die Tatsache, dass wir uns für euch auf die Gruppentherapiereise in fremde Galaxien begeben.

Welche Erwartungen unser Mario an ANGUS McSIX hatte, erfahrt ihr hier. Und was sagt der Rest?

Ja, bei einem Blick auf Songliste und Artwork kann einem angst und bange werden, denn hier wird die Superheldenthematik groß geschrieben. Mit von der Partie: Dinosaurier, Glühwürmchen, Amazonen, Bombast und der Geist GLORYHAMMERs. Ganz so schlimm wie befürchtet wird es allerdings nicht, im Gegenteil. Denn auf "Angus McSix And The Sword Of Power" wird die Stereotypen-Schublade zwar weit auf- und es werden keinerlei Gefangene gemacht, doch dafür sitzen die Refrains wie angegossen, das Hymnenpotential ist immens hoch, die Produktion ist sauber, ohne vor Kitsch nur so zu triefen und bei allem Augenrollen hat das neue Prozedere um ANGUS MCSIX wirklich Hand und Fuß. 'Master Of The Universe', 'Sixcalibur' und 'Eternal Warrior' gehen direkt ins Ohr. Hier und da wird die Geschwindigkeit angezogen, ab und an wird das theatralische Pedal bis zum Anschlag durchgetreten, die Abwechslung ist vorhanden und Fans, die sich dem GLORYHAMMER-Universum, der ganzen Marvel- und Superheldenthematik und dem Hang zum leicht Pompösen ohnehin nie entziehen konnten, werden ihren Gefallen am akustischen "Sword Of Power" haben.

Note: 8,0/10
[Marcel Rapp]

Marcel hat vollkommen Recht. So schlimm ist es nicht geworden. Trotzdem ist diese Musik natürlich immer noch herrlich bekloppt und irgendwie auch in vollem Bewusstsein dämlich. Die metallische Variante des Malle-Schlagers sozusagen. Nur halt tatsächlich eher auf MICKIE KRAUSE-Niveau, statt der dutzenden Epigonen, die kaum auszuhalten sind oder mal einen oder zwei "Hits" rausgebracht haben. Hier gibt’s nämlich schon auf Album Nummer eins Party-Material bis zum Abwinken. Voraussetzung ist halt eine nicht versteckbare Affinität zum Euro-Dance der 1990er, C64/Amiga-Sounddesign oder zu o.g. Suff-Kaspern. Auch ich kann mich dem Gaga-Charme von zum Beispiel 'Laser-Shooting Dinosaur' nicht entziehen und hüpfe fremdgesteuert durch die Gegend. Produktionsziel "Guilty Pleasure" mit Ansage erfüllt. Und von diesen Songs und Momenten gibt es einige auf dem Langdreher zu finden. Auf Albumlänge nutzt sich das Konzept zwar brutal ab, aber zwei bis drei Songs werden in meine Playlist wandern.
Übrigens sollten echte Fans sich unbedingt die Special-Edition gönnen. Der Bonustrack 'Just A Fool Will Play Tricks On Angus McSix' ist einer der größten Knaller der Scheibe und unverständlicherweise kein regulärer Track.

Note: 7,0/10
[Stefan Rosenthal]

Freunde... ich habe da gerade mal genauer reingehört in diese ANGUS MCSIX-Scheibe, aber das kann doch nicht Euer Ernst sein, oder... das ist ein April-Scherz, nicht wahr?? Dieser feucht-fröhliche Fantasy-Schlager-Metal mit ELECTRIC irgendwas-Dorfdisco-Schlagseite...? Da war ja die NANOWAR of Dingens-Parodie vor kurzem noch um einige Längen besser. Also, noch mal bitte: Das hier kann doch nicht wirklich ernst gemeint sein!? Gut, dass meine Tochter mit 16 inzwischen SABATON- und ALESTORM-Songs kennt, hätte mich nachdenklich werden lassen sollen, aber so wirklich habe ich diese Bedrohung der abendländischen Rest-Zivilisation durch eine unheilige Schrott-Allianz offenbar noch nicht auf dem Schirm gehabt. Was machen jetzt all diejenigen, die RHAPSODY und Co. schon albern fanden? Deren Hohn-und-Spott-Feuerpfeile sind doch schon längst verschossen. Ich weiß nach zwei Durchläufen dieser produktionstechnisch aufgeblasenen Teletubbie-Blubber-Metal-Grütze gar nicht mehr, ob ich zuerst lachen, weinen oder mich übergeben soll. Bitte, bitte, liebe Götter der Musik, ich brauche jetzt mindestens zwei Stunden lang entweder NAPALM DEATH, RACHMANINOV oder MEKONG DELTA um meine Ohren wieder halbwegs sauber zu bekommen von diesem verquasten Kleister. So ein Kasperle-Theater zum Grand Prix zu schicken mag ja noch irgendwo Sinn machen. Aber wenn das mein Hirn jetzt im Albumformat penetrieren will, sehe ich es nahezu als meine Pflicht an als "Defender of Metal" diesen skurrilen Auswuchs aktueller Event-Kultur der Generationen Z und Alpha mit dunkelroter Karte des Feldes zu verweisen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch mal in einen Text schreiben würde, aber: "Whimps and posers, leave the hall!!" Aber ich bin ja im Grunde ziemlich sicher, dass das hier nur ein April-Scherz ist... und zwar ein ganz gemeiner, hinterhältiger und geschmackloser!

Note: 1,5/10
[Dr. Thunderlaan]

Gibt es bereits eine Band, die einen Endorsement-Deal mit einem Hersteller für Kopfschmerztabletten hat? Wenn nicht, wäre ANGUS MCSIX meine erste Wahl, denn eine Special-Edition mit beiligender Tablette gegen den unvermeindlichen Kopfschmerz, den der "Genuss" von "Angus McSix And The Sword Of Power" verursacht, wäre wirklich handlich gewesen. Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich diese neue Karnevals-Metal-Kapelle oder doch NANOWAR OF STEEL unerträglicher finde. Gemein haben beide Bands aber, dass sie all das, was Metal und Musik im Allgemeinen für mich ausmacht, mit Füßen treten. Anstatt nämlich als Vehikel für rohe und ungeschliffene Emotionen zu dienen, die mir mit Nachdruck um die Ohren gehauen werden, möchte ANGUS MCSIX nur den Soundtrack für die nächste, von Bierkonsum angefeuerte Party liefern und suhlt sich dabei in Klischees, nervigen Melodien und überflüssigen und wenig unterhaltsamen Wortwitzen. Falls das euer Fall ist, hört gerne einmal hinein, für mich ist die Platte aber reine Zeitverschwendung. Warum gibt's dann doch 6,5 Punkte von mir? Nun, so sehr mir auch die Musik in jeder Faser missfällt, muss ich eben auch anerkennen, dass in so einer Platte unheimlich viel Arbeit steckt. Und wenn ich mir von der Produktion bis hin zur handwerklichen Umsetzung diese Seite der Platte anschaue, muss ich auch anerkennen, dass hier tolle Musiker am Werk sind, die an ihren Instrumenten oder den Reglern im Studio echte Virtuosen sind. Nerven tut mich das Endergebnis trotzdem.

Note: 6,5/10
[Tobias Dahs]

Ich war ziemlich neugierig auf das Debütalbum von ANGUS MCSIX, besonders natürlich nach den Auskopplungen von 'Master of the Universe' und 'Sixcalibur'. Wobei ich mich besonders über letzteres Video so richtig beömmelt habe. Spätestens da war mir klar, was auf uns zukommen wird: Party-Metal im Stile von NANOWAR OF STEEL, mit dem einen oder anderen Seitenhieb auf seine frühere Band GLORYHAMMER ("Glory left my Hammer, now I wield the sword"). Ich sag mal so: Wer schon mit GLORYHAMMER nichts anfangen konnte, der wird sicher auch mit ANGUS MCSIX seine Probleme haben, wobei bei Angus noch einen Ticken mehr auf Disco und Party gesetzt wird. Die Titel gehen ins Ohr, und wenn 'Ride To Hell' mit SCOOTER-mäßigem "döpp döpp döpp" anfängt, kann ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, ebenso wenig wie bei 'Starlord of the Sixtus Stellar System', das richtig schön fetzig den "Angus!" raushaut. 'Thunderstruck' lässt grüßen. Wie Stefan schreibt, warum 'Just A Fool Will Play Tricks On Angus McSix' nur als Bonustrack auf der Special Edition enthalten ist, kann ich auch nicht so richtig nachvollziehen. Der Titel hat in meinen Augen leichte MANOWAR-Vibes und geht mit seinem Refrain aber mal so richtig ins Ohr. Um es auf den Punkt zu bringen: "Angus McSix And The Sword Of Power" ist ein Debütalbum, das mir durch die Bank weg gefällt und live sicher richtig knallt. Sind wir doch einmal ehrlich, so ein bisschen Fantasy, Dämonen und eine "göttliche" Amazone, die immer rechtzeitig zur Stelle ist, wenn es für den Superhelden brenzlig wird, ist doch erfrischend. Dass noch dazu hervorragende Musiker am Werk sind, steht sowieso außer Frage. Sebastian "Seeb" Levermann (ORDEN OGAN) spielt ja nicht nur Gitarre und hat zusammen mit Thomas Winkler die Stücke geschrieben, sondern auch alles gemixed und gemastert, sodass es auch an der Produktion nicht das Geringste zu meckern gibt. Also lasst uns einfach den Spaß haben, den die Band ja offensichtlich auch hatte, und Angus! döpp-döpp-mäßig abfeiern!

Note: 8,5/10
[Hanne Hämmer]

Genau das ist mein Problem, liebe Hanne. Hier sind talentierte Musiker am Werk, neben dem von mir sehr geschätzten Seeb Levermann etwa auch die offensichtlich begabte Gitarristin Thalìa Bellazecca, und heraus kommt trotzdem so ein Quatsch. Ich hatte tatsächlich Erwartungen an dieses Album. Nach dem Rauswurf von Thomas Winkler, also Angus McFife, bei GLORYHAMMER und den vielen lustigen Seitenhieben auf diesen ehemaligen Arbeitgeber fühlte ich mich wirklich mitgenommen. GLORYHAMMER hat sich nach einem schönen ersten Album für mich zu einer unausstehlichen und seelenlosen Meme-Band entwickelt und die Profi-Besetzung bei ANGUS MCSIX zeigt uns allen jetzt mal, wie man diese Musik richtig spielt. Tja, denkste. Offenbar will man genau die Fans ansprechen, die sich weiterhin mit Aufblashämmern und "Hoots"-Rufen vor den Bühnen versammeln. Wir werden sehen, ob sich dieses Kalkül rechnet. Mich jedenfalls verliert das neue Album sehr schnell, hier ist gar nichts "one better", sondern es ist die gleiche Soße, die uns schon GLORYHAMMER, ALESTORM oder auch VICTORIUS als augenzwinkernde Eigenständigkeit verkaufen wollten. Trotz aller textlichen Bemühungen finde ich das leider gar nicht lustig. Und viel mehr als leidlichen Humor bietet das Werk ja nicht an, wenn man nicht gerade auf Electro-Schlager steht. Ich kann mich nun nicht so sehr daran reiben, wie es Martin tut, dafür ist diese Form des symphonischen Metals einfach schon zu oft gehört und zu etabliert, dafür finde ich es aber ausreichend langweilig und ermüdend.

Note: 5,0/10
[Marius Lühring]

 

Redakteur:
Marcel Rapp

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