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Gruppentherapie: FATES WARNING - "Theories Of Flight"

16.07.2016 | 00:43

Elegant in den Lüften gleitend oder doch zu abgehoben?

Viel Lob gibt es allüberall für Jim Matheos' Prog-Dino. Auch hier wird der Soundcheck souverän eingenommen und der Cheffe freut sich seit Wochen einen Ast (zum Review). Doch was sagen seine Kindlein dazu?



Mit der Flugtheorie kehren die Jungs von FATES WARNING drei Jahre nach "Darkness In A Different Light" zurück. Der Vorgänger hatte mich ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht - kaum mitreißende Songs, dazu Gesangslinien, die definitiv nicht im Ohr bleiben wollten. Vor allem da sowohl "FWX" als auch "Sympathetic Resonance" (die ARCH/MATHEOS-Scheibe) ziemlich großes Kino waren, konnte ich mir kaum erklären, wie man so ein langweiliges Lichtlein in der Dunkelheit hatte zünden können. Etwas Linderung gab es dafür beim diesjährigen KEEP IT TRUE-Festival. Dort konnte die Band überzeugen, was aber natürlich auch an einem der besten Metal-Sänger aller Zeiten (John Arch) lag - und am famosen Songmaterial, mit dem die Band danach nicht mehr ganz mithalten konnte.

Bei "Theories Of Flight" ist natürlich Ray Alder am Mikro, der sein Handwerk gut versteht, auch wenn er beileibe kein John Arch ist. Die neue Scheibe erinnert mich stark an die letzten Werke von RUSH. Ein warmer, moderner Sound, eher weniger vertrackte Songs, dafür große Melodien. Prog Metal, der wenig überraschend auch an REDEMPTION erinnert, wohingegen es kaum vorstellbar ist, dass die gleiche Band mal "The Spectre Within" veröffentlicht hat. "Theories Of Flight" schlägt den Vorgänger tatsächlich um Längen. Das Album ist wesentlich kurzweiliger, denn die Songs kommen besser auf den Punkt und gehen schneller ins Ohr. Ganz anders als auf dem Vorgänger gibt es diesmal richtige Hits wie 'The Light And Shade Of Things' oder 'Like Stars Our Eyes Have Seen'. Da bleibt was hängen, das lädt zum Wieder-Anhören ein, während ich beim Vorgängeralbum meist bange Blicke auf die Uhr warf, wie lange das wohl noch gehen würde.

Note: 8,5/10
[Jonathan Walzer]



Erstmal muss festgehalten werden, das FATES WARNING in Vergleich zum letzten, in meinen Ohren sehr durchwachsenen, Output mit "Theories Of Flight" wieder vieles richtig macht. Die Songs fließen trotz aller Vertracktheit ineinander über, über allem thront das verbindende Organ Ray Alders. Doch, "Theories Of Flight" ist schon ein tolles Prog-Album geworden, das (Genre-)Fans gewiss einpacken können. Insbesondere das Drumming Bobby Jarzombeks lässt mich, wie fast immer, mit der Zunge schnalzen. Warum also ziehe ich "nur" 7,5 Punkte? Ich bin nicht vollends aus dem Häuschen, wie meine Kollegen, da mir der große Wurf fehlt, um es gemäß unserer Richtlinien "regelmäßig auflegen" zu wollen. Dafür ist mir FATES WARNINGs Sound zu wenig wahrhaftig progressiv, wurde so oder so ähnlich bereits oft gespielt, überrascht mich nicht. So sehe ich also eine 7,5 mit Tendenz zur 8 gerechtfertigt.

Note: 7,5/10
[Jakob Ehmke]


Die Qualität und Bedeutung von FATES WARNING ist natürlich auch mir ein Begriff, sodass meine Vorfreude für Prog-Verhältnisse doch enorm hoch ist. Und ich werde nicht enttäuscht, im Gegenteil. "Theories Of Flight" ist ein fabelhaftes Album zum Davonfliegen, Träumen und Nachdenken. Wie Jakob es schon angedeutet hat, ist das FATES WARNING-Zwölftwerk ein äußerst homogenes und in sich stimmiges Album, das aus meiner Sicht an alte Glanztaten und -tage erinnert, und einen Matheos in beeindruckender Form zeigt. Viel habe ich meinen Vorrednern nicht hinzuzufügen und selbst Herrn "wahrhaft progressiv" Ehmkes Meinung kann ich nachvollziehen. Das Album gefällt mir jedoch speziell im direkten Vergleich mit "Darkness In A Different Light" von Durchgang zu Durchgang immer besser, sodass meine abschließende Note langfristig und außerhalb des allseits beliebten Schubladendenkens gesehen die Klasse und den tollen Effekt von "Theories Of Flight" sehr gut widerspiegelt.

Note: 9,0/10
[Marcel Rapp]



Ich mag FATES WARNING nicht. Das dachte ich zumindest bis vor ein paar Wochen. Vor über zehn Jahren versuchte mir ein Kumpel "A Pleasant Shade Of Gray" mit jedem Lob, das er kannte, gefällig zu machen. Ich hingegen war geradezu schockiert, dass es wirklich so langweiligen Metal geben soll. Gut, damals war ich noch pubertär, aber die Abneigung hat sich bis heute nicht gelegt. Vor etwa einem Jahr probierte ich dann endlich "Awaken The Guardian" - ein Album, das mir eigentlich gefallen müsste. Doch auch nach fünfzehn Anläufen frage ich mich noch, warum das Ding überall als Klassiker abgefeiert wird, ich kann mich aus dem Stehgreif an keinen einzigen Song erinnern! Nun also "Theories Of Flight"? Ich bin wirklich höchst griesgrämig an den neuen Output der Matheos-Jungs herangetreten - und bin doch sehr angetan. Ganz untypisch für mich, war der Ohrenöffner zum Gefallen Schlagzeuger Bobby Jarzombek. Seit den ersten gekloppten Fellen beim Opener 'From The Rooftops' fasziniert mich jeder einzelne Ton des Texaners. Das führte unweigerlich dazu, dass ich ganz genau hingehört habe, und ich muss sagen, FATES WARNING macht hier echt kaum was falsch. Alders Stimme passt perfekt zu der leicht bekömmlichen und abwechslungsreichen Prog-Kost, die zu meiner Zufriedenheit mit viel, viel Melodie ausgestattet ist und sorgt so für die nötigen Widerhaken. Wirklich progressiv ist das - wie Kollege Ehmke schon angesprochen hat - natürlich nicht. Das hätte mir vermutlich aber auch weit weniger gut gemundet. Es sei hiermit auch allen Zweiflern empfohlen, "Theories Of Flight" trotz des (typisch für die Combo) potthässlichen Covers auszuprobieren. Es könnte sich lohnen!

Note: 8,5/10
[Marius Luehring]

Oje, wie die Zeit doch an einem nagt. Vor ein paar Jahren wäre ich allein schon bei der Ankündigung eines neuen FATES WARNING-Albums jubelnd um die Häuser gesprungen. Doch die ganze "back to the roots"-Strategie rund um die Kollaboration mit dem besten Sänger der Welt, der in meinem Ohr nur rumpiepst, vor allem aber der enttäuschende Vorgänger hat die Band aus meiner Sichtweise katapultiert. Inert gegen alle Jubelorgien außer meinen eigenen ignoriere ich "Theories Of Flight" nun fast zwei Monate lang ohne großes Interesse. Doch beim Zusammenbauen dieser Gruppentherapie hat's mich dann doch gejuckt. Vor allem die verblüffende Übereinstimmung aller Autoren in der Einschätzung, dass der Vorgänger ein eher schwaches Lichtlein sei (ich hatte damals den Eindruck, ich wäre der einzige, der nicht jubelt) und das folgende Versprechen einer Besserung machen Hoffung.

Yepp, das tönt in der Tat viel besser. Aber das Album klingt definitiv nicht nach "Parallels", was einige behaupten. Auch nicht nach "Pleasant Shade Of Gray". Und solche Hightech-Leads gab es bei FATES WARNING noch nie. Das sind tatsächlich Matheos und Aresti? Wow! Der Sound ist glasklar und vor allem die Drums lassen die Musik wieder atmen. Das ist gut. Alder muss gegen keine Soundwand mehr ansingen (was auch mein Grundproblem bei REDEMPTION ist), und trotzdem ist die Musik hart. Und modern. Und vertrackt. Eine gute Kombination aus Härtnerei, Melodei und Knobelei also. Und was ist mit "progressiv"? In der Genre-Definition definitiv, und wer das Andere will, soll sich "Say So" von BENT KNEE holen oder die neue MERCURY TREE. Bei FATES WARNING hatte ich immer und habe immer noch die Erwartung, dass die Band musikalische Grenzen sprengt wie bei "Disconnected" oder "FWX". Das wird sie wohl nie mehr tun. Aber wenn sie so musiziert wie ich das gerade höre, muss sie das auch nicht. Ich bin wieder im Boot! Und das Cover ist schön, öffne er seine Augen, Marius.

Note: 8,0/10
[Thomas Becker]

Redakteur:
Thomas Becker

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