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Gruppentherapie: SATAN'S HOST-"Virgin Sails"

27.12.2013 | 14:21

Der letzte Soundchecksieger im Jahr gehört wohl unter jeden stählernen Weinachtsbaum, oder? Hier die Gruppentherapie.

Für alle, denen das bislang nicht wirklich klar ist: SATAN'S HOST war schon Mitte der Achtziger ein wichtiges Betätigungsfeld von Harry Conklin, hochgeschätzer Sänger von JAG PANZER und TITAN FORCE, der die Band 1988 aber verlies. Anno 2010 stieß er nun wieder zur Band und 2011 gab es ein gefeiertes Album "By The Hands Of The Devil", das dem Kollegen Stehle die Höchstnote entlockte (zum Review). Klar, denn die Musik vereinigt zwei seiner großen metallischen Streckenpferde Black Metal und US-Power-Metal, verbunden durch einen genialen Sänger, der hier unter dem Pseudonym Leviathan Thisiren unterwegs ist. Nun gewinnt "Virgin Sails" souverän den Soundcheck, Kollege Stehle ist mittlerweile auch so begeistert, dass er seine 9,5 Punkte (zum Review) "stäflich unterbewertet" findet. Doch was sagen die anderen? Sollte man sich "Virgin Sails" unter den stählernen Weihnachtsbaum legen?   






Dass mich der Tyrant immer lockt, ist sicher kein Geheimnis. Dass ich mit SATAN'S HOST bislang jedoch so gar nichts anfangen konnte aber wohl auch nicht. Nicht einmal der KIT-Auftritt konnte mich überzeugen, trotz der humoristischen Ansagen, da die schwarzmetallische Ausrichtung bei mir auf wenig Gegenliebe stieß. So habe ich mich auch eher vorsichtig an die jungfräulichen Segel gemacht, aber die Überraschung war umso größer. Das hier hat mit Black Metal kaum mehr am Rande zu tun. Drummer, die zwischendurch mal Gas geben, sind cool und kein BM. Riffs, die mehr sind als das Geräusch einer Singer-Nähmaschine sind eben auch kein BM. Nein, das hier ist eine durchgehend brillante Heavy-Metal-Scheibe mit einem kleinen, schwarzen Streifen am Horizont, aber meiner Meinung nach deutlich mehr in der Tradition von "Ample Destruction" bis "The Scourge Of The Light" als "Metal From Hell". Und obendrein ohne Ausfall und damit besser als alles, was ich von Harry Conklin in den letzten 15 Jahren gehört habe. Das i-Tüpfelchen ist sein variabler Gesang, der sich in mehr ergeht als ungeahnte Höhen zu erklimmen. Danke, Harry, aber jetzt bin ich nicht mehr sicher, ob ich mich noch genauso auf den KIT Headliner-Gig nächstes Jahr freue wie bis dato, denn momentan würde ich viel lieber diese neuen Songs live erleben!

Note:9,0/10
[Frank Jaeger]

Dass traditionell veranlagerter Metal bei mir mehr als ein Schulterzucken veranlasst, ist höchst selten. Dieses Jahr ist das jedoch mit SATAN, ASGARD und nun SATAN'S HOST gleich drei Mal passiert. SATAN'S HOST schafft es, angeschwärzten Heavy Metal nicht wie vorgestern klingen zu lassen. Dafür sorgen zu einem die Flitzefinger Patrick Evils, die treibenden Beats Anthony Lopez' und das omnipräsente Organ Leviathan Thisirens, welches ungeahnte Höhen erkundet. Das Schöne: Der Nerv-Faktor hält sich stark in Grenzen, da Thisiren die Tonhöhen wirklich gut beherrscht. Auch das abwechslungsreiche Songwriting lässt sich hören. Jungfräulich ist "Virgin Sails", auch wenn ich mich oft an eine bösere Version IRON MAIDENS erinnere, zwar nicht, aber ich muss gestehen, dass mir die Scheibe Spaß macht. Und im Vergleich zu den wirklich öden anderen Releases dieses Monats, hat SATAN'S HOST klar die Nase vorn. Mit zunehmender Länge wiederholen sich aber leider die Zutaten und das Album bekommt einen faden Beigeschmack. Was bleibt, ist eine durchaus solide, teils sogar überraschende Metalscheibe.

Note: 7,5/10
[Jakob Ehmke]





Machen wir es kurz: "Virgin Sails" ist ein saucooles Album geworden. Die Burschen von SATAN’S HOST umhüllen uns in den letzten Atemzügen des Jahres erneut mit einem satanisch magischen Schleier, der einen feinen Spagat zwischen Black Metal und glorreichem US Metal auf die Kette bekommt. Eine Disziplin, die durch SATAN’S HOST ausgefochten und von Harry Conklin perfektioniert wird. Dieser gehört nun einmal zu den besten Sängern im Genre und zeigt dies auf dem vorliegenden Rundling am laufenden Band. Nun muss ich jedoch gestehen, dass ich mit dem Zehnteiler anfangs meine lieben Probleme hatte, die Eingewöhnungszeit ist nicht unbeträchtlich. Legt man seine anfängliche Skepsis jedoch ad acta und gibt "Virgin Sails" die eine oder andere zusätzliche Chance, macht der Rundling unheimlichen Spaß. Ob wir es nun mit dem Mammutopener 'Cor Malifecus - Heart Of Evil', 'Vaporous Of The Blood' oder dem flotten 'Infinite Impossibilities' zu tun haben, das großartige Niveau flacht zu keiner Sekunde ab und hievt "Virgin Sails" vollkommen zu recht an die Spitze unseres Soundchecks.

Note: 8/10
[Marcel Rapp]

Als SATAN'S HOST vor ein paar Jahren unerwartet die Rückkehr von Original-Sänger Harry Conklin mit den vielen Pseudonymen ankündigte, war die Erwartung groß. Der Auftritt auf dem Keep It True bot dann toll gesungene Stücke vom Debüt, heftiges Geprügel aus der Zwischenzeit und eigenwillige Coversongs und noch eigenwilligere, ziemlich dämliche Ansagen von Meister Conklin. Doch all das konnte niemanden darauf vorbereiten, was mit "By The Hands Of The Devil" über die Hörer hereinbrach. Die Mischung aus US-Metal und Black Metal, die seither in jedem Review erwähnt wird, war völlig neu und einzigartig, zusammen mit dem überragenden Gesang und den langen, komplexen und kompromisslosen Liedern war das ein musikalisches Ausrufezeichen. Und es sollte nicht dabei bleiben, die Band arbeitete weiter an neuem Material, nahm zwischendurch eine CD mit Neueinspielungen und ähnlichem auf und legt nun mit "Virgin Sails" das nächste vollwertige Album vor. Und im Prinzip hat sich nichts geändert. Fantastischer Gesang trifft auf die bekannte Mischung aus norwegischem und amerikanischem Riffing, die Songs sind lang und scheren sich weder um Tod und Teufel, noch um konventionelle Schemata. So weit, so gut, doch nachdem man mit dem Erstschlag noch für offene Münder sorgen konnte, reicht es dieses Mal nur für die leicht hochgezogene Augenbraue. Das Überraschungsmoment ist weg und die Lieder müssen nun für sich stehen. Und hier offenbaren sich dann doch ein paar Schwächen. Denn "Virgin Sails" enthält Ideen, Riffs und Gesangslinien für mindestens drei Alben, schafft es aber nicht immer, daraus wirklich kohärente Songs zu formen. Da hilft es dann eben auch nicht, dass Leviathan Conklin einmal mehr die Grenzen des gesanglich Machbaren auslotet und der böse Patrick an der Klampfe wirklich tolle, eigenständige Ideen am Fließband produziert, es bleiben immer nur einzelne Momente hängen, die ich danach keinem Lied zuordnen kann. Ausnahme ist der wirklich starke Opener 'Cor Malifecus - Heart Of Evil', bei dem wirklich alles zusammenpasst. Vielleicht macht der Rest ja auch irgendwann klick, vielleicht verliere ich bis dahin aber auch einfach die Geduld und schalte nach dem ersten Lied ab.

Note:7,5/10
[Raphael Päbst]





Auch wenn Franks eigenwillige Definition von Black Metal förmlich nach einem hämischen Kommentar schreit, will ich hier mal auf Schubladenbegriffe ganz und gar verzichten. Was SATAN'S HOST sowohl auf "By The Hands Of The Devil" als auch aktuell auf "Virgin Sails" so einzigartig macht, ist die absolut perfekte Verschmelzung von düsterer Räudigkeit und epischer Eleganz. Diese beiden Interpretationsformen von Heavy Metal habe ich bisher immer für einander weitestgehend ausschließend gehalten - Currywurst oder Charolais Entrecote, VENOM oder JAG PANZER. Sehr gerne lasse ich mich eines Besseren belehren und genieße diese herrliche Melange aus düster-bösen Riffgewittern, trocken-humorloser Rhythmusgruppe und wunderbar majestätischen und eigenwilligen Melodielinien. In dieser Form und Klasse schaffen das höchstens noch Musiker aus dem SLOUGH FEG- und HAMMERS OF MISFORTUNE-Umfeld. Zugegeben, es hilft schon sehr, wenn man den vielleicht besten lebenden Metal-Sänger in den eigenen Reihen hat. Wer aber so begnadete Songs wie 'Island Of The Giant Ants' oder 'Reanimated Anomalies' schreibt, muss sich nicht allein auf magische Einzelleistungen verlassen. Dieses kauzig angeschwärzte Meisterwerk sollte kein Sympathisant von MERCYFUL FATE oder einer der bereits genannten Bands verpassen. Und es ist viel besser als das etwa zeitgleich erschienene zweite Album der manchmal als (mäßig zutreffender) Vergleich herangezogenen Briten HELL. "Virgin Sails" hat sich sogar noch in meine Metal-Top-10 des Jahres 2013 geschoben. Thumbs Up!

Note: 9,0/10
[Martin van der Laan]

Redakteur:
Thomas Becker
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