Gruppentherapie: VREID - "The Skies Turn Black"
19.04.2026 | 16:08Black Metal für Samtohren oder Prog für Schwarzwurzeln?
Die letzte Gruppentherapie zum März-Soundcheck widmet sich dem Sieger. Hier ist nun nach MAYHEMs Platz 2 im Februar eine weitere norwegische Black-Metal-Band oben, ja diesmal ganz oben. Werden wir jetzt alle garstig? Hat Kollege Stehle uns endlich zum Guten bekehrt? Oder ist das gar kein echter Black Metal, wenn sogar Frank das mag? Dass es bei VREID mehr als nur Grimm zu hören gibt, deutet ja schon Stendahls Hauptreview an. Und so wagen sogar ein paar Therapeuten eine Erstbeohrung von "The Skies Turn Black". Mal sehen, wie überzeugend die Mucke außerhalb des Checkerteams ist.
Bislang hatte ich überhaupt keine Berührungspunkte mit VREID. Die Norweger fanden in meinem musikalischen Universum bis dato gar nicht statt. Das ändert sich schlagartig, als der Opener 'From These Woods' aus den Boxen schallt. Massiv und wuchtig einerseits, zerbrechlich und feinfühlig andererseits, reißt mich der Titel sofort mit.
Und ich kann sagen, dass es bei dieser anfänglichen Begeisterung bleibt. Der Titeltrack könnte aus der Feder eines NWoBHM-Komponisten stammen und das achtminütige 'Loving The Dead' nimmt den Hörer mit auf die Reise in die Gothic-Welt, was auch an den spannend inszenierten Vocals von DJERV-Sängerin Agnete liegt.
Mit 'Flammen' befindet sich zwar auch ein weniger hochklassiger Track auf "The Skies Turn Black", was aber durch das mit einem Killer-Riff unterlegten 'Smile Of Hate' und den feinen Abschluss 'The Earth Rumbles' mehr als wettgemacht wird. Insgesamt ein Album, das nie langweilig wird und das vor allem mit einem absolut sauberen Sound punktet. Das ist exakt die Art Black Metal, mit der man dem Fränky eine Freude machen kann. Für mich der verdiente Soundchecksieger des Monats März.
Note: 9,0/10
[Frank Wilkens]
Black Metal als Soundchecksieger? Und von mir eine gute Note? Wie kann das sein? Ganz einfach: VREID arbeitet nicht nur mit Stereotypen, sondern vor allem auch mit saucoolem Riffing, teilweise Klargesang und ganz großer Abwechslung. Black Metal ja, aber auch Goth und Folk und Heavy Metal und überhaupt.
Fränky hat Recht, der Opener 'From These Woods' ist eine Wucht, die dafür sorgt, dass in der Stilbeschreibung neben "Black Metal" auch "episch" und "progressiv" auftauchen sollte. Ähnlich geht mein zweitliebster Song 'Loving The Dead' vor, der sich mit weiblichem Klargesang abhebt. Ist das überhaupt noch Black Metal? Egal, toll ist es.
Das schafft VREID zwar nicht auf die gesamte Albumdistanz, aber das liegt jetzt wieder an meiner schwarzmetallischen Inkompatibilität, dass mich ein paar Stücke weniger mitreißen. Trotzdem kann ich mit "The Skies Turn Black" als Soundchecksieger erstaunlich gut mitgehen.
Note: 7,5/10
[Frank Jaeger]
Ich gebe zu: "The Skies Turn Black" ist tatsächlich mein Erstkontakt mit VREID. Der Name geistert mir, nicht zuletzt dank unserem Rüdiger, seit Jahren im Kopf herum, ich habe auch ein paar coole Artworks vor Augen, konnte mir aber nicht wirklich vorstellen, wie das klingen wird.
Geboten wird dann erstaunlich hymnischer Metal, der mich an Truppen wie HAVUKRUUNU, WINTERSUN oder EREB ALTOR erinnert. Das sind ja alles gute Vergleiche! Mir gefällt, dass das Klangbild trotzdem nicht zu soft ist. Insgesamt haben wir es mit teils leicht rockigem, meist eher episch-traditionalistischem Black Metal zu tun, der stark in Richtung Heavy Metal schielt. Das gefällt mir.
Die Songs gehen ins Ohr, da bleibt was hängen, und das Artwork ist stark. Das wird wohl nicht meine letzte VREID-Begegnung gewesen sein. Wenn dann 'Loving The Dead' läuft, klingt das aber völlig nach einer anders erwarteten Geschichte. Und trotzdem ist es cool.
Note: 8,0/10
[Jonathan Walzer]
Boahhh...ich tue mich echt schwer mit "The Skies Turn Black". Ich kenne die Band schon seit ein paar Tagen, habe sie aber nie wirklich aktiv verfolgt, da spannende Konzepte bei den Vorgängeralben immer wieder auf eine nicht sooo tolle Umsetzung getroffen sind. Bei diesem Album gibt es aber an der Umsetzung grundsätzlich nichts zu bemängeln und ich kann die Lobeshymnen meiner Vorschreiber auch alle nachvollziehen, ich komme aber nicht darüber hinweg, dass mich das Album schlichtweg einfach langweilt.
Das wäre jetzt per se nichts Schlimmes. Wenn wir ehrlich sind, sind die meisten Alben eher langweilig oder holen uns nicht ab. Nur kann ich es dort in der Regel deutlich besser begründen als hier. Denn es gibt unbestritten gute Songs auf der Platte und auch davon ab immer wieder Schmankerl, aber ich werde einfach nicht warm damit. Schade.
Note: 5,5/10 (ich hätte gerne mehr gegeben)
[Chris Schantzen]
Dass VREID im März als verdienter Soundcheck-Sieger hervorgeht, steht außer Frage. Was für ein fantastisches Brett die Jungs hier abgeliefert haben! Das Album besitzt absolute Jahresendlisten-Qualität und treibt einem Fan von progressivem Black Metal wie mir beinahe Freudentränen in die Augen.
Bisher war ich dem Irrtum erlegen, dass Bands wie BORKNAGAR oder ENSLAVED in einer ganz anderen Liga spielen, doch an der Spitze wird es nun plötzlich eng. Dabei ist VREID sogar noch progressiver im ursprünglichen Sinne des Begriffes unterwegs und weniger am Rezitieren der Proggiganten der 1970er interessiert.
Auch Vergleiche mit IOTUNN oder DØDHEIMSGARD greifen letztlich zu kurz. Sie bieten höchstens eine grobe Orientierung, denn das Material wirkt hörbar eigenständig und pflügt noch wilder durch verschiedene Genres als viele Mitstreiter im progressiven Schwarzmetall-Kosmos. Insofern kann ich die im Zusammenhang mit "The Skies Turn Black" geäußerte Kritik am teilweise inhomogenen Klangbild und dem daraus resultierenden Sampler-Charakter durchaus nachvollziehen. Die vier genannten Bands agieren insgesamt kompakter und geschlossener. Aber hey, wir reden doch hier von Prog, oder? Ich möchte gar nicht, dass sich der rote Faden sofort anbiedert. Er darf sich ruhig verstecken und erst nach und nach offenbaren.
An großartigen Ankerpunkten mangelt es schließlich nicht. Ob epische, folkige Passagen, bei denen sich so manche Viking-Band die Finger lecken würde oder herausragende Melodien, die sowohl zum Träumen als auch zum Mitsingen einladen und nicht zuletzt die vielleicht stärksten Riffs seit "Now, Diabolical" von SATYRICON – hier findet alles seinen angemessenen Raum, ohne den Bogen zu überspannen. Und wenn diese anfangs noch sperrige Mixtur plötzlich Sinn ergibt, wenn sich der rote Faden nicht nur zeigt, sondern sich wie eine Schlingpflanze oder besser, wie ein 'Kraken'-Tentakel um einen legt und unaufhaltsam in dieses Highlight hineinzieht, dann möchte man einfach nur noch eins mit der Repeat-Taste werden.
Note: 9,5/10
[Stefan Rosenthal]
Meine persönliche Beziehung zu VREID ist fast schon eine tragische. Kennt ihr das, wenn man eine Band eigentlich so gerne lieben würde, weil man die musikalische Grundidee, den künstlerischen Ansatz und die Ästhetik so schön und faszinierend findet? Und dann folgt mit jedem Album nach kurzer Zeit doch eine gewisse Ernüchterung. Irgendwas passt da nicht ganz, die Konstruktionen der Songs wollen einfach nicht ins Ohr und nicht ins Hirn, man ertappt sich immer wieder bei dem Gedanken: "Boah, nee... das hätte ich jetzt aber anders gelöst!".
So geht es mir leider auch wieder mit "The Skies Turn Black". Das Klangbild und die Atmosphäre sprechen mich sehr an, aber mein künstlerisches Empfinden blockiert an der einen oder anderen Stelle. Mich stören die teils unterkomplexen Riffs und Leads, dieses "PRIMORDIAL-in-einfacher-Sprache"-Element, das vermischt mit eher puristischem und dadurch etwas statisch wirkendem Black Metal nicht immer so wirklich harmonieren will.
Tatsächlich gefällt mir die gefühlte B-Seite eine Ecke besser, weil die Kompositionen dort einfach kompakter und flüssiger klingen. Man lausche dem vielschichtig aufbrausenden 'Chaos' oder dem kleinen Hit 'Flammen' und freue sich mit mir über 'Smile Of Hate', das süßliche Klaviermelodien in warme melancholische Gewänder verpackt. Das weckt bei mir konzeptionelle Erinnerungen an TIAMAT zu "Clouds"-Zeiten. Somit zolle ich VREID auch für "The Skies Turn Black" erneut meinen größten Respekt, aber zu vorbehaltloser Liebe und Verehrung wird es wohl nicht mehr reichen.
Note: 7,5/10
[Martin van der Laan]
Ich kenne Martins Gefühl bei VREID nur allzu gut, gibt es doch so einige Bands, die ich eigentlich mögen sollte, die aber mit meiner Wahrnehmung über Kreuz liegen. Nicht aber bei VREID, einer Band, die ich bislang nur vom Hörensagen kannte, denn diese Art von Black Metal mit viel Melodie und allerlei stilistischen Ausschweifungen drumherum macht mir Spaß. Zudem erkenne ich trotz Seelenverwandschaft nicht allzu viele Parallelen zu anderen hier genannten Vergleichsbands.
Mich freut ganz besonders, ein Lebenszeichen von DJERVs Agnete Kjølsrud zu hören, einer Sängerin, von der ich eigentlich viel mehr Musik aufs Ohr bekommen möchte. So ist das Epos 'Loving The Dead' mein absolutes Highlight des Albums. Klasse, wie Agnete hier von elfenzart bis teufelsgarstig alle Facetten ihrer Stimme aufzeigen darf.
Aber auch andere Songs dieses im positiven Sinne höchst wechselhaften Albums überzeugen, und auch wenn ich manchmal die eine oder andere unnötige Länge ausmache, überrascht mich der Soundchecksieg für die norwegische Truppe gar nicht.
Note: 8,5/10
[Thomas Becker]
- Redakteur:
- Thomas Becker





