IFAS_CORE: Interview mit Streamerin und Sängerin Ifa
21.02.2026 | 19:35"Unser Schweigen hat nun mal einfach sehr viel Macht. Und die Kunst war schon immer davon geprägt, dass wir nicht das Maul halten."

Ifa ist unter dem Namen ifas_core eine der bekanntesten deutschsprachigen Streamerinnen auf Twitch. In ihren Livestreams singt sie regelmäßig Metal-Songs und auch Live-Auftritte sind inzwischen kein Fremdwort mehr. Damit wird sie für viele Jugendliche auch zum ersten Berührungspunkt mit Metal. Als ich sie vor ein paar Monaten auf einem Konzert persönlich kennenlernte, war klar, dass wir uns auch mal zu einem ausführlichen Plausch zusammensetzen mussten. Wir reden nicht nur darüber, wie sie zum Metal gefunden hat und wie es sich anfühlt, wenn aus den Bildschirmen am Schreibtisch auf einmal Konzerthallen werden, sondern auch wie ihre iranischen Wurzeln ihr soziales Engagement befeuern.
Hallo Ifa, für unsere Leser, die dich noch nicht kennen, stell dich doch gerne kurz vor. Wenn ich richtig informiert bin, dann warst du bis vor ein paar Jahren noch Flugbetreuerin, dann Friseurin und dann hast du das Streamen für dich entdeckt.
Genau, also ich hab mit 16 eine Friseurausbildung gemacht und mir dann mit 21 meinen Meisterbrief erarbeitet. Dann bin ich nach Berlin gezogen, habe so eineinhalb, zwei Jahre als Friseurmeisterin dort noch gearbeitet, ein paar Azubis ausgebildet, und habe dann dem Chef von Air Berlin die Haare gemacht, der mich dann rekrutiert hat für Air Berlin.
Und dann bin ich nach fünf Jahren Air Berlin nach Abu Dhabi gezogen, um dort nochmal zwei Jahre die ganzen Flüge mitzunehmen und die Destinationen und bin dann nach Deutschland zurückgekommen. Da gab es Air Berlin dann nicht mehr.
So habe ich entschieden, mein Gott, du hast einen Meisterbrief in einem Handwerk, du könntest ja einen Salon eröffnen. Das habe ich dann getan. Habe basically sehr vielen bekannten YouTubern die Haare gemacht, die dann durch Zufälle mitgekriegt haben, dass ich Sängerin bin - also immer schon gesungen habe - und mir dann empfohlen haben, auch mal einen Stream zu starten. Und das war so ganz kurz vor Covid.
Also perfektes Timing sozusagen.
Ja, es ist immer das Gleiche, wenn du verstehst, worauf ich eben hinaus wollte. Ich mache diesen Beruf und dann kommt plötzlich jemand und sagt: "Hey, was hältst du eigentlich davon, das zu sein? Hast du jemals darüber nachgedacht? Flugbegleiterin, du sprichst so viele Sprachen, das wäre doch eigentlich perfekt."
Und dann kommen die YouTuber und Streamer und sagen: "Du kannst doch singen. Warum singst du nicht auf Twitch?" Und dann sage ich: "Keine Ahnung, ich kenne Twitch nicht mal."
Das heißt, die Musik war schon da, bevor das Streaming kam.
Ja, ja, auf jeden Fall.
Seit ich denken kann, habe ich gesungen. Meine Lehrer haben mich extrem darin supportet. Schon mein Grundschullehrer hat mich darin supportet. Also es gab kein Schulfest, ganz egal, ob es ein Weihnachtsfest war, ob es ein Osterfest war, es ein Sommerfest war, ich stand immer gerade auf der Bühne. Weil er das forciert hat und immer und immer wieder das supportet hat. In der weiterführenden Schule habe ich kaum noch gesungen. Und dann habe ich in Abu Dhabi dafür gesorgt, dass ich eine Band habe in Deutschland.
Hab nach einer Band gesucht, weil ich unbedingt eigene Musik machen wollte. Und das hat dann auch geklappt. So dreimal, viermal im Monat habe ich mir Flüge nach Düsseldorf gewünscht und habe dann eine Band aufrechterhalten, obwohl ich nicht mal im selben Land gelebt habe. Aber das hat halt wunderbar funktioniert. Und dann haben sich aber unsere Wege getrennt, wegen der Musikrichtung. Ich wollte mal etwas härtere Musik machen, ich wollte growlen und das fand die Band nicht so appealing. Und dann mussten wir halt getrennte Wege gehen.
Da kommen wir gleich schon zu der nächsten Frage. War es bei dir schon von Anfang an der Metal oder wo kam der Metal her?
Ich habe tatsächlich, als ich knapp 15, 16 war, in einer Hip-Hop-Band gesungen. Das heißt, ich war so die Hauptstimme in den Hip-Hop-Songs und ich war zu jung, um dieses ganze Hip Hop, Girl Hip Hop und was auch immer zu leben. Aber ich war halt die Stimme hinter so ein paar Songs. Zum Metal kam ich tatsächlich durch eine ehemalige Beziehung und AMON AMARTH.
Meine Mutter mochte schon immer METALLICA total gerne. Das waren so die ersten Berührungspunkte.
Ich bin 38 Jahre alt. Ich habe natürlich diese ganzen New-Metal-Bands gefühlt und mitgekriegt. Ich bin dann aus dem Hip-Hop-Bereich natürlich automatisch als Skaterin zu LIMP BIZKIT, LINKIN PARK gekommen, diesen bekannten aufsteigenden Bands damals, wo wir uns ultra cool gefühlt haben.
Und ja, in Skaterparks lief das überall. So kam das halt ein bisschen - das gehört ja irgendwie zusammen. Dadurch hatte ich schon so eine Vorliebe.
Und als ich dann durch eine ehemalige Partnerschaft an Melodic Death Metal kam, war ich erst mal so: "Hold on, was? AMON AMARTH, what the heck?" Und ja, Johan Hegg hat es mir dann tatsächlich angetan und ich war plötzlich total im Melodic Death Metal Rabbit Hole. Und hab dann in Berlin lebend hauptsächlich in Metal Bars und auf Metal Parties Zeit verbracht.
Und dann hast du natürlich die Songs auch im Stream gesungen...
Ja, das kam dann tatsächlich super random, um ganz ehrlich zu sein. Ich habe hin und wieder mal ein paar Metal Songs gesungen, aber ich konnte in meiner Anfangszeit als Sängerin nicht growlen. Ich habe nie gegrowlt das erste Jahr, glaube ich.
Ich habe erst super spät, meines Erachtens, immer wieder - nur on Stream auch - das Growlen geübt. Jeden Samstag wurde halt so ein bisschen gegrowlt und dementsprechend kam ich dann überhaupt zu diesem etwas härteren Gesang.
Was sind denn musikalisch gesehen deine Vorbilder, wenn wir jetzt über das Growlen reden und über das Singen generell?
Da hätte ich auf jeden Fall einige Damen offensichtlich, die schon den Weg für mich jetzt als Frau freigeschaufelt haben.
Ich muss gestehen, ich höre nicht mehr viel Metal, aber als ich growlen lernen wollte, wen habe ich da besonders gewertschätzt, was die Techniken angeht?
Offensichtlich JINJER. Aber das ist dann schon Tatiana. Und an Tatiana heranzukommen, das sollte auch nicht möglich sein, ganz ehrlich.
Ich glaube, die Latte liegt sehr hoch.
Ja, ja, ja, ja, ja. Sie ist auch so unique, sie sollte diese Uniqueness auch auf jeden Fall behalten - she owned it! Dementsprechend waren das immer so vereinzelte Vorbilder.
Also offensichtlich hatte ich eine Riesenvorliebe für AMON AMARTH. Ich habe am Anfang immer so ein bisschen versucht, so ganz tief und ja, so tief wie möglich irgendwie zu grunzen für mich. Ich glaube, ich würde daher in dem Fall Johan Hegg sagen.
Ich finde es schon auch cool, dass du da jetzt keine der potentiell naheliegenden Sängerinen wie Tati oder Alissa nennst, sondern dass du Johan Hegg nimmst.
Ich muss gestehen, ich bin auch nicht so wahnsinnig im Bilde, was die weiblichen Bands angeht - ich meine damit tatsächlich die weiblichen Stimmen in den Bands. Ich möchte nicht mal female fronted sagen, weil ich finde, das macht einen viel zu riesigen Gap in diesem Genre auf. Auch wenn es natürlich diese Trennung gibt, glaube ich, dass das nicht sein muss. Dementsprechend; abgesehen davon, dass die Frauen den Herren in nichts nachstehen, finde ich, kann man das schon in einen Topf werfen.
Ich habe aber tatsächlich gar nicht so viele Bands mit weiblichen Stimmen gehört, ich war sehr viel mehr in den Growls der Herrschaften. Aber ich fand es immer so cool, dass es die Mädels gab, die einem das so vorgelebt haben und einem zumindest gezeigt haben, dass das nicht nur was für Männer ist.
Dementsprechend waren das immer inspirierende Persönlichkeiten, aber ich habe leider, als ich dann mit dem Growlen angefangen habe, mit dem etwas harscheren Gesang, schon sehr wenig Metal nur noch gehört. Dementsprechend hatte ich eine Vorliebe für die Kunst dahinter, diese Stimmfarbe zu kreieren und diese Arten zu lernen, aber mein Musikgeschmack ist zu divers zu dem Zeitpunkt gewesen, als dass ich dann große Vorbilder am Start gehabt hätte, die aus der Szene kamen.
Weißt du denn noch, was dein erstes richtig hartes Lied im Stream war, das du gesungen hast?
Das muss was von AMON AMARTH gewesen sein.
Sehr passend.
Ja, total. Zu der Zeit hatte ich tatsächlich immer noch - zumindest war ich nicht mehr so drin, dass ich alle aktuellen Alben am Start gehabt hätte - aber ich hatte noch das Album "Fate Of Norns", aus welchem ich dann Songs gesungen habe. Da haben die sich das auch immer gewünscht, also die Community. Ich habe die Songs dann auch umgewandelt, weil ich noch nicht growlen konnte. Das heißt, ich habe aus den AMON AMARTH Songs dann Clean Songs gemacht und die Leute haben das ultra gefeiert. Und als ich dann versucht habe, diese Babysteps in Richtung etwas harscher zu gehen, wurde das auch anerkannt und appreciated und dann hat sich das so entwickelt, dass das Sinn machte plötzlich.
Und dann hast du irgendwann deine eigenen Songs geschrieben?
Genau. Also ich hatte in der Band davor schon immer meine Texte selber geschrieben und dadurch, dass das eigentlich nur sehr autobiografische Texte waren, fiel mir das sehr, sehr leicht. Weil ich nicht von Dingen schreiben kann, von denen ich nichts verstehe.
Bis heute habe ich immer wieder Hilfe von Vivian bekommen, weil sie, gerade als meine ehemalige Assistentin, immer dabei sein wollte und dann immer so ein bisschen mit reimt. Die hat dann quasi so ein bisschen: "ach guck mal, das reimt sich aber", "das ist ein unsauberer Reim", "man könnte doch hier noch, hier und da" - aber es geht hauptsächlich um meine Geschichten.
Und die Musik schreibst du auch selbst oder wo kommt die her?
Die kommt bis jetzt von meinem Produzenten Timo Bonner, der selber auch Sänger in zwei Metalbands ist, OUR MIRAGE und ALLEVIATE. Der shoutet und screamt auch und hat in seinem Musikstudio eine riesige Bandbreite, die er bedient. Er macht halt sehr viel Metalcore und hat es geschafft, mich irgendwie dazu zu begeistern, auch da etwas Neues auszuprobieren.
Ich hatte ja vorher nur die Features, die ich mit NEVER BACK DOWN und den Jungs von HOSTAGE hatte. Mit den Jungs von HOSTAGE haben wir 'Enemy' gecovered und mit den Jungs von NEVER BACK DOWN haben wir 'Best Of Me' aufgenommen, bevor ich überhaupt mit Timo zusammengearbeitet habe. Timo kreiert jetzt die Melodien und die Songs und ich verbessere daran rum, was mir gefällt und nicht gefällt. Also ich ändere alles, was ich nicht so fühle.
Apropos ändern, du hast ja auch Songs "vermetalt". Zum Beispiel hast du aus 'Baraye' eine Metal Version gemacht. Wie kam es dazu?
Tatsächlich ist das zu einer Zeit passiert, in der im Iran, meinem Mutterland und Vaterland quasi - ich bin zwar in Deutschland geboren - die Proteste ausgebrochen sind. Im Iran kam es zu dieser unglaublich dramatischen Situation, in der Jina Mahsa Amini von den Revolutionsgarden ultra, also wirklich mies verprügelt wurde, apparently, und durch Hirnblutung dann gestorben ist. Das konnten die iranischen Menschen überhaupt nicht gut haben, auch weil sie zu Gast im Iran war, eine iranische Kurdin war sie und die Iraner sind eigentlich ein sehr, sehr, sehr gastfreundliches Land. Die Menschen sind in der Folge auf die Straße gegangen und haben quasi versucht das Regime zu stürzen und darauf aufmerksam zu machen, dass Frauenrechte dort leider nicht geschützt sind und nicht wertgeschätzt werden.
Und dann ist Shervin Hajipour hingegangen und hat aus Tweets, in denen Demonstranten begründeten, warum man auf die Straße gehen sollte, 'Baraye' geschrieben. Das ist quasi eine Zusammenkunft von Tweets der Menschen, wofür es sich lohnt, das Regime zu verändern, Frauenrechte zu schützen, halt diese Regierung, die Frauen unfassbar unterdrückt, wegzukriegen irgendwie. Und ich habe das genommen - mir ging es unglaublich schlecht zu der Zeit, ich habe sehr darunter gelitten, was im Iran passiert ist, weil auch wenn ich in Deutschland geboren bin, meine Wurzeln schließlich immer noch präsent sind und ich möchte diese Wurzeln niemals irgendwie von mir weisen. Ich möchte die Kultur, die ich mitgekriegt habe und gelebt habe, bewahren. Das hat mich sehr bestürzt und ich war fix und fertig und kam dann ins Studio zu Timo und habe gesagt, ich würde so gerne diesen Song, der gerade viral geht, der so wichtig ist für diese Bewegung, für diese Revolution, ich würde den gerne auch für Menschen, die vielleicht nicht der iranischen Sprache mächtig sind, die nicht verstehen, was da gerade passiert, machen.
Und Shervin hat das so unglaublich schön gemacht und hat das Lied auch freigegeben, um damit zu machen, was man will. Er hat das nicht monetarisiert, er hat damit quasi ein Non-Profit daraus gemacht und hat mich dazu inspiriert eine Metal-Version, auch Non-Profit, daraus zu machen, um auch die Metal-Heads abzuholen. Auch um dieser Community irgendwie, auch wenn es ein iranischer Song ist, die Lyrics sind offensichtlich persisch, diese wichtige Message zu vermitteln. Und ja, das war der Ursprung, das war quasi der erste Song, den ich selber mit Timo aufgenommen habe.
Man merkt richtig, dass dir das auch jetzt noch nahe geht. Du trägst ja diesen sozialen Einfluss, den du ja nicht nur in der Musik und im Stream auslebst, sondern du trägst ihn ja auch unter der Haut offensichtlich.
Ja, stimmt! [Ifa hat seit neuestem "Free The Opressed" – befreit die Unterdrückten als Tattoo auf dem Unterarm. - CS]
Wie wichtig ist es dir, deine Rolle als Influencerin, die du ja nun mal inne hast, für solche Themen zu nutzen?
Ich muss gestehen, ich gehörte zu den viel zu privilegierten Menschen, die sich das rausnehmen konnten, solche Themen nicht anzuschneiden. Weil es betraf einen nicht oder es gab eine Million Ausreden, warum und weshalb man eher... Und dann weiß man nicht, gibt das vielleicht sogar einen Backlash, weil die eine Meinung nicht die richtige ist? Und dann hat man Angst, dass man negativ... dass es irgendwie unharmonisch wird oder wie auch immer.
Und ich gehörte, wie gesagt, zu den Menschen, die viel zu privilegiert waren, die viel zu lange geschwiegen haben, obwohl ich diesen Weltschmerz schon immer gespürt habe. Ich habe erst vor vier, fünf Jahren mich entschieden, auch aktiv darüber zu reden, ohne Rücksicht auf Verluste. Weil ich verstanden habe, dass es jedem passieren kann, dass es jedem Land passieren kann, dass es allen Menschen dieser Welt passieren kann, dass das Land von heute auf morgen zerstört wird, die Menschen getötet werden, Unrecht geschieht. Unschuldige Menschen überall auf der Welt brauchen unsere Stimmen, weil nicht selten wir ja auch ein bisschen mitverantwortlich sind. Unser Schweigen hat nun mal einfach sehr viel Macht.
Der Fakt, dass wir schweigen, enabled diese Verbrecher, und das habe ich leider viel zu spät erst angenommen und jetzt mittlerweile versuche ich sehr aktiv mich für Minderheiten und Menschen, deren Stimme wir sein müssen, einzusetzen. Es gibt kaum eine Bühne, die ich nicht nutze, um auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen.
Ich persönlich finde das sehr lobenswert. Viel zu viele Künstlerinnen und Künstler sagen, aus marketingtechnischen Gründen ist es schlauer, stumm und vermeintlich neutral zu bleiben.
Voll. Leider. Und ich habe einige in meinem Kreis, die das so leben. Aber ich glaube, das ist offensichtlich auch genau dieses krasse Privileg, was man hat, wenn man weiß, bei uns passiert nichts. Bis es auch bei uns in Deutschland passiert, oder in unseren Nachbarländern, was viel zu nah bei uns ist. Ich habe das in der Ukraine ja mitgekriegt. Es war ein bisschen näher an uns dran, und dann wurde es doch irgendwie mehr thematisiert.
Aber alles, was nicht nah genug an unseren Ländergrenzen ist, betrifft uns leider nicht. Aus mir unerklärlichen Gründen. Ich verstehe das nicht, weil gerade wir Künstler die Möglichkeit haben, was zu sagen, und die Kunst schon immer davon geprägt war, dass wir nicht das Maul halten. Gerade in unserem Genre vor allen Dingen, der Metal kommt aus einer Rebellion, zumindest nehme ich das so wahr. Und wenn wir als Metaler, wir als Menschen, die den Metal offensichtlich so ein bisschen repräsentieren, wenn wir auch das Maul halten, dann habe ich das Konzept von all dem nicht verstanden. Also dass gerade wir den Mund halten.
Die Menschen aus der Punk-Szene haben das schon lange verstanden, aber wir hinken voll hinterher. Ich verstehe das nicht. Es sagt ja keiner, es muss ausarten. Aber die Möglichkeit zu nutzen, auf Ungerechtigkeit in dieser Welt aufmerksam zu machen - die Menschen kriegen so wahnsinnig viel nicht mit. Es zeugt davon, dass wir zu lange das Maul gehalten haben.
Und es gibt wahnsinnig viele wunderbare Beispiele. Es gibt genug Bands in der Metal-Szene, die es perfektioniert haben, ihre Plattformen zu nutzen, auf den größten Bühnen der Welt. Die trotzdem sagen, was nicht okay geht, gerade in der Weltpolitik. Was angesprochen werden muss. Und die kommen auch klar. Weißt du, was ich meine?
Absolut! Oftmals sind bei dir vor allem deine iranische Herkunft und Frauenrechte die Themen, die du ansprichst. Was sind die anderen Themen, die du ans Licht ziehen willst?
Kolonialisierung. Die Ungerechtigkeiten, die wir aus dem Westen so vielen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent zum Beispiel antun, noch heute. Die Ungerechtigkeit, wie schlecht und ungerecht verteilt die Ressourcen sind und wie selbstverständlich wir die Ressourcen anderer Länder beanspruchen.
Generell Frauenrechte, ob nun hier oder in Afghanistan. Frauenrechte, überall auf dieser Welt. Menschenrechte, die nicht debattiert werden dürfen. Man sieht das gerade in der heutigen Zeit, wie wichtig das ist. Es wird ja immer wilder. Und es war schon immer wild - let's be real.
Aber wir haben heute einen ganz anderen Zugang. Und da wegzugucken, obwohl es fast unmöglich ist, wegzugucken, ist für mich nicht sinnvoll und nicht zielführend.
Neben deiner Bühne im Stream nutzt du ja immer öfter inzwischen auch eine andere Bühne, und zwar die Bühne selbst. Wie ist das für dich, wenn aus den Namen im Chat auf einmal Gesichter im Publikum werden?
Das war schon immer unfassbar surreal. Das fing mit den ersten Treffen an. Ich bin das erste Mal so richtig mit der Community und deren Gesichtern bekannt geworden, als ich mit NEVER BACK DOWN auf Deutschland-Tour als Feature gegangen bin. Das war komplett auf freiwilliger Basis. Ich hatte einfach Bock, mit den Jungs zu touren, weil ich gar keine Vorstellung hatte, wie so eine Tour aussieht, wie sich das anfühlt, auf so vielen Bühnen in Deutschland zu rocken. Und da habe ich die Ersten überhaupt mit Gesicht und allem Drum und Dran kennengelernt, und das war surreal.
Es kamen in so vielen Städten so viele, obwohl ich nur einen Song gesungen habe auf der Tour. Es kamen so viele unglaublich süße Menschen aus meiner Community vorbei. Das war surreal, ganz ehrlich. Und dann kamen Community-Treffen dazu, und, und, und, und, und. Das ist fast schon so ultra familiär alles. Das ist surreal. Ich hätte es nie kommen sehen. Voll schön!
Wie kam denn damals der Kontakt zu NEVER BACK DOWN zustande? Wie kam es zu dieser Kooperation?
Das ist tatsächlich so passiert, dass die Jungs von NEVER BACK DOWN auch bei Timo ein paar Songs aufgenommen haben. Und ich war gerade im Stream und habe gerade, glaube ich, was Handwerkliches gemacht, weil ich als Variety-Streamerin ja gerade immer irgendwas Verrücktes mache. Ich war also gerade am Handwerken und plötzlich kam Timo in den Chat und meinte, guck mal bitte auf dein Handy, hier sind Jungs, die nennen sich NEVER BACK DOWN, die hätten Bock mit dir einen Song aufzunehmen. Wärst du dabei? Und ich war on Stream und war so, ja, let's go! Und dann ging das relativ zügig, dass ich dann zu Timo ins Studio gefahren bin.
Es war kein Song, den ich mitgeschrieben habe. Ich war einfach nur ein Feature, habe meine Stimme quasi den Jungs angeboten. Das war ein cooles Projekt. Ich liebe den Song noch heute sehr.
Und jetzt beim Streamerkonzert in Frankfurt Anfang des Jahres, da warst dann du nicht der Support für die Jungs, sondern die Jungs waren der Support für dich. Wie war es für dich das erste Mal mit deiner eigenen Band aufzutreten? Und vor allem, was mir aufgefallen ist beim Streamerkonzert; es war ja wahrscheinlich für sehr viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer die erste Live-Metal-Erfahrung.
Oh jaaa!
Was ist das für dich für ein Gefühl, dass du quasi deren Metal-Sozialisierung bist?
Ich möchte ehrlich sein, dass es für mich überhaupt nicht greifbar war, weil für mich waren so andere Größen irgendwie der Einstieg in dieses Genre, in diese Musikwelt. Deswegen ist das so surreal und ungreifbar für mich.
Und ich höre das ja regelmäßig, dass ich der erste Schnittpunkt überhaupt mit der Musik sein darf; "Eigentlich höre ich das nicht, aber...", "Eigentlich höre ich kein Metal, aber..."
Und das ist so unglaublich verrückt, auch mit den Jungs auf der Bühne zu stehen, zum ersten Mal mit meiner Technik, mit meinem Setup quasi. Das war alles unglaublich surreal. Ich hatte davor so eine Riesenangst, dass ich das nicht richtig genießen kann, weil das so schnell passiert. Ich wünschte, ich hätte eine Million Songs gehabt, weil es so viel Spaß gemacht hat. Das war einfach unvergesslich.
Alleine so Zwischendrums oder wenn plötzlich einfach eine Gitarre aufheult, das ist total ungewohnt für mich, weil normalerweise stand ich auf so vielen Messebühnen in den letzten Jahren mit meinen Backingtracks, was natürlich eine ganz andere Welt ist. Man ist so komplett eingeschränkt auf das, was aus den Boxen kommt. Und plötzlich mit so viel mehr Leben auf der Bühne zu stehen, mit so viel mehr Selbstbewusstsein, weil plötzlich sind meine Songs so lebendig. Plötzlich sind die Songs, die ich liebe und fühle, ausgefüllter und so viel menschlicher und so viel kreativer. Ich weiß nicht. Und ich kann plötzlich so viel mehr darauf viben.
Dementsprechend war das eine komplett unvergessliche Erfahrung für mich. Alleine mit den Jungs unter meiner Flagge im Backstage rumzuhängen und zu wissen, die Jungs sind da, um mich zu supporten. Die haben das mit so viel Liebe gemacht und mit so viel Respekt und so viel Offenheit und Professionalität. Ich war unglaublich dankbar.
Trotzdem unglaublich surreal, wie sich das angefühlt hat. Und ich wünschte, es wäre ewig gegangen. Ich bin richtig traurig, dass ich nicht genug Songs hatte, um richtig, richtig, richtig diese Gefühle weiterzufühlen.
Okay, ewig ist das Konzert nicht gegangen. Aber dafür hast du bald Gelegenheit, das öfter zu wiederholen, weil jetzt steht ja dieses Jahr deine erste eigene Tour an, oder?
Ja, das ist eine Tatsache. Tatsächlich, zum Ende des Jahres habe ich vor, auf Deutschland-Tour zu gehen. Es werden einige Städte sein.
Ich glaube, momentan sind es knapp sechs Städte, die confirmed sind. Einige als Headliner und zwei werde ich noch als Support machen. Aber ja, ich bin total gespannt, wie das so läuft.
[Die Info, bei wem Ifa als Support auftreten wird, ist, nach Rücksprache mit dem Management, leider noch nicht freigegeben. Wir werden euch aber natürlich hier auf POWERMETAL.de informieren, sobald alle Tourtermine feststehen. - CS]
Vielen Dank, Ifa, dass du dir Zeit genommen hast für uns. Ich freue mich, dich dann Ende des Jahres wieder live zu sehen.
Wirst du kommen? Ich würde mich so freuen!
Auf jeden Fall!
In welcher Stadt wärst du am Start? Also in welchem Bundesland?
Also ich sitze in Hamburg...
Ich würde mich übertrieben freuen, dich wiederzusehen, und auch neue Gesichter. Danke für diesen Talk jetzt hier. Ich habe mich sehr gefreut, dass ihr euch Zeit für mich nehmt.
IFA - 'Baraye' (Metal Version)
Die Promo- und Livebilder vom Auftritt zusammen mit NEVER BACK DOWN habe ich im Rahmen des Streamerkonzertes in Frankfurt im Januar 2026 gemacht.
- Redakteur:
- Chris Schantzen





