"Kill The Light"-Festival: Interview mit Carolin
26.03.2026 | 21:53Mit dem Debüt des "Kill The Light"-Festivals sollen im Harz nicht alle Lichter ausgehen. Es wird eher schön düster werden. Wie es zu diesem Event gekommen ist und was die Beweggründe dafür waren, das verrät uns Carolin im Interview.
Hallo Carolin! Es freut mich, dass POWERMETAL.de das "Kill The Light"-Festival präsentiert. Und natürlich wollen wir dich zum Festival etwas löchern, um unseren Lesern das Ganze noch ein wenig detaillierter näher zu bringen. Vielleicht möchtest du dich erst einmal vorstellen?
Hallo liebe POWERMETAL.de-Leser! Ich bin Caro, 38 Jahre alt und lebe mit meiner Familie im Harz. Im echten Leben bin ich Pressesprecherin einer gemeinnützigen Stiftung, unternehme gerne schöne Sachen mit meiner Familie und Freunden und habe eine ausgeprägte Vorliebe für düstere Musik und Synthesizer.
Uns als Online-Magazin hat es ganz besonders gefreut, als wir von euch die Anfrage zwecks einer Präsentation bekommen haben. Um einmal indiskret zu fragen: Wie seid ihr denn auf uns gekommen?
Ich habe einfach immer wieder auf Instagram gestöbert und überlegt, wer gut zu uns passen könnte. Eine gewisse Schnittmenge ist ja nicht ganz unerheblich. POWERMETAL.de und den Pommesgabel-Podcast kannte ich schon. Und als ich dann gesehen habe, dass unser Headliner, THE 69 EYES, euch folgt, war die Sache für mich damit klar!
Coole Story! Sag mal, das Festival findet ja zum ersten Mal statt. Wie kam es dazu? Was waren die Beweggründe für dich bzw. euch? Gerade in diesen Zeiten, wo viele Veranstaltungen abgesagt werden, ist es doch ein gewisses Risiko?
Die Idee, so ein Festival bei uns im Harz zu veranstalten, trage ich schon viele Jahre mit mir herum. So richtig konkret wurde es aber erst, als ZERAPHINE 2023 in Bischofswerda spielte. Wir haben nach dem Gig kurz mit der Band geschnackt und gefragt, wie es sie dorthin verschlagen hatte. Und sie meinten, der Club hätte halt einfach angefragt. Ich habe dann die gesamte Rückfahrt darauf rumgekaut. Wenn man nur fragen muss, dann frag ich einfach auch! Also habe ich das Booking angeschrieben und die Antwort bekommen, dass ich mich wieder melden soll, wenn ich ein ordentliches Konzept und einen professionellen Veranstalter an meiner Seite habe.
Das Konzept war schnell fertig. Ich wollte es düster, rockig und tanzbar haben. Und ich habe mir immer gewünscht, dass nicht einfach Band an Band spielt, sondern das Ganze ein Ort der Begegnung wird. Menschen sollen zusammenkommen, etwas entdecken und erleben können und einfach eine gute Zeit miteinander haben. Und es war natürlich klar: Es kann nicht irgendeine Mehrzweckhalle werden. So habe ich angefangen herumzutelefonieren und über viele Monate hinweg immer wieder Leute angesprochen. Ich habe ganz fest daran geglaubt, dass es irgendwann klappt, und hatte mir dann sogar schon die Domain "killthelight.de" gesichert.

Anfang 2025 kam dann der Anruf von einem Bekannten, den ich wegen seiner Festivalerfahrung kontaktiert hatte. Er sagte: "Caro, wir machen dein Festival!" Er erzählte mir von dem Unternehmen Studio D4 aus Wernigerode. Studio D4 hat jahrlange Erfahrung mit Großveranstaltungen, zum Beispiel "Rocken am Brocken". Das allererste Treffen fand dann direkt in der Fürst Stolberg Hütte statt, weil sie mir die Location zeigen wollten. Die Halle war früher eine ziemlich berühmte Eisengießerei, die zufälligerweise auch Europas größte Gusseisenofenausstellung beherbergt. Es war nahezu lächerlich perfekt und Liebe auf den ersten Blick! In den Wochen darauf saßen wir öfters zusammen, haben uns kennengelernt, die Richtung ausgelotet, in die es gehen soll. Ich habe mein Konzept vorgestellt, was schon anderthalb Jahre in der Schublade auf seinen großen Moment wartete. Es wurde komplett durchgewunken. Alles ist im Grunde ganz genau so geworden, wie ich es mir erträumt habe!
Wow, was für eine tolle Entwicklung! Finden in der Fürst Stolberg Hütte sonst auch Veranstaltungen und Konzerte statt?
Ja, immer mal wieder. Die Halle ist seit ein paar Jahren in privater Hand und wird liebevoll und aufwendig aufgemöbelt. Immer wieder finden nun Veranstaltungen statt. Wir sind aber die ersten, die diese Nische bedienen.
Also quasi eine doppelte Premiere. Wie erfolgte die eigentlich Bandauswahl?
Ich habe mit meinem Konzept eine Wunschliste abgegeben und die fünf Bands, die ganz oben standen, sind es tatsächlich geworden. Das hätte ich nie für möglich gehalten! Die Zusammenstellung ist einfach zauberhaft, finde ich. ZERAPHINE stand ja eh schon fest. Dank ihnen gab es ja die Initialzündung. Ich wusste auch, dass wir mit ihnen eine gewisse Fanbase generieren, weil sie ja nur so selten spielen. Dann wollte ich unbedingt ZETRA aus England mit dabeihaben. Das ist eine meiner absoluten Lieblingsbands! Und sowohl ZETRA als auch ZERAPHINE waren zudem im Vorprogramm meiner Jugendliebe VILLE VALO. Es wird also dringend Zeit, dass die sich mal kennenlernen!
Als Headliner hatte ich von Anfang an THE 69 EYES im Kopf. Die kenne ich schon seit den guten alten "Viva Zwei"-Zeiten und wusste, dass sie immer noch auf Tour gehen und Massen begeistern. Und dann habe ich überlegt, was so richtig gut zusammenpasst. Stundenlang habe ich mir Youtube-Videos angeschaut. Es hat sich dann einfach folgerichtig angefühlt, LACRIMAS PROFUNDERE einzuladen. Sie waren auch die ersten, die zugesagt haben. WISBORG hatte ich damals in Bischofswerda ebenfalls gesehen und immer im Hinterkopf behalten. Jetzt freue ich mich so, dass sie auch dabei sind. Man kann ja gerade gut beobachten, wie die größer und größer werden.
Aufregende Wochen waren das, als die Verträge ins Haus flatterten. Zu sehen, wie das, was es bis dahin nur in meinem Kopf gab, nun Form annahm und real wurde, war einfach unbeschreiblich cool!
Das kann ich mir gut vorstellen. In euren FAQs zum Festival ist von einem ordentlichen Rahmenprogramm die Rede. Du sagtest ja bereits, dass die Veranstaltung nicht ein "einfaches Spielen" der Bands sein soll. Vielleicht magst du dazu ja noch etwas ausführlicher eingehen?
Ich habe mich gefragt, was so einen Konzerttag besonders machen kann und was mir selbst wirklich gefallen würde. Und herausgekommen ist ein bunter Blumenstrauß an Aktivitäten. Eisenherz aus Magdeburg kommt zum Tätowieren und Piercen. Wir haben eine Vintage-Ecke, wo es jenseits vom typischen Sonntagsflohmarkt wunderschöne und skurrile Dinge zu kaufen geben wird und eine Berliner Künstlerin bietet Upcycling-Mode und Accessoires an. An einer mobilen Siebdruckstation kann man eigenes Merch herstellen und am Nachmittag wird es sogar eine Lesung und eine Führung zu den wunderschönen Öfen geben. Das alles begleitet von richtig guten gastronomischen Angeboten. Ob frisch gerösteter Kaffee, preisgekrönte Burger oder vegane Spezialitäten, ich denke, es ist für alle etwas dabei. Wir öffnen die Halle extra schon um 15 Uhr, damit zwischen dem Einlass und der ersten Band (WISBORG um 17 Uhr) genug Zeit ist, alles in Ruhe zu erkunden und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Das klingt nach einem sehr spannenden Tag! Einige Dinge hast du ja bereits schon angesprochen. Was würdest du sagen, inwiefern hebt sich das Festival weiterhin von anderen ab?
Wir haben das ganze Ding innerhalb eines Jahres buchstäblich aus dem Boden gestampft. Da steht kein riesengroßes Team dahinter. Es sind im Grunde nur Jule und Christian von Studio D4 und ich. Bei Studio D4 laufen die Fäden zusammen. Sie sind für die Logistik und das Vertragliche zuständig und tragen ja auch das finanzielle Risiko. Alleine hätte ich das niemals machen können und ich bin wirklich dankbar für die Gelegenheit!
Ich könnte mir vorstellen, dass die Leute merken, dass es keine Veranstaltung von der Stange ist. Ich habe unsere Social-Media-Kanäle aufgebaut und viel persönlichen Kontakt zu unseren Followern, das ist unheimlich zeitintensiv und macht wirklich Spaß. Oft habe ich mich zusammen mit meinem Bruder durch alte Speicher gewühlt, um die tollsten Sachen für den Vintage-Flohmarkt zusammenzusuchen. Ich habe mich mit Siebdruck beschäftigt, um gemeinsam mit der Zora - einem soziokulturellen Zentrum, in dem ich aufgewachsen bin - handgemachte Festival-Shirts auf den Weg zu bringen. In jedem noch so kleinen Detail steckt viel Herzblut und viel Arbeit. Und vielleicht gibt es ja hier und da noch eine kleine Überraschung am Veranstaltungstag!? Mein Ziel ist, dass unsere Gäste ein unvergessliches Erlebnis haben. Wenn die Festivalbesucher beseelt nach Hause gehen, dann bin auch ich glücklich!
Das klingt nach einem genialen Plan. Aber sag mal, jetzt wo es langsam ernst wird, wie aufgeregt bist du schon?
Erstaunlich wenig, was mich selbst überrascht. Frag mich am Abend vorher nochmal, wenn alles aufgebaut ist! Es fühlt sich im Moment ziemlich unwirklich an. So viele Monate haben wir alles vorbereitet und nun sind es nur noch wenige Wochen. Ich versuche, wenigstens einmal am Tag die Festival-Playlist anzuschmeißen und mir ganz bewusst zu machen, dass das jetzt wirklich bald passiert.
Wie sagt man so schön: Nach dem Festival ist vor dem Festival. Ist es denn geplant, dass "Kill The Light"-Festival längerfristig zu etablieren? Oder soll es "nur" bei einer einmaligen Sache bleiben, bei der du dir einen Lebenstraum erfüllst?
Gute Frage. Im Grunde war es nie als Reihe gedacht, sondern als einmalige Veranstaltung. Das Line-up ist nur schwer zu toppen, und das Pensum – zumindest für mich, neben meiner eigentlichen Arbeit und meinem Familienleben – ist so nicht dauerhaft zu halten. Mal gucken, wie der Tag am Ende wirklich wird. Ob die Leute mögen, was wir auf die Beine gestellt haben, wissen wir ja noch gar nicht.
Caro, ich danke dir für deine Zeit, die du dir für uns genommen hast. Ich weiß, so kurz vor der Sause ist das nicht selbstverständlich. Daher gebühren dir natürlich die berühmten letzten Worte!
Auch wenn’s vielleicht ein bisschen kitschig ist: Danke an meinen lieben Mann und meine süßen Kinder, an meine Freundinnen und meinen Brudi, dass sie sich tagein, tagaus mit mir Gedanken um dieses Festival machen und nachsichtig hinnehmen, dass ich den Kopf oft in den Wolken habe. Fast alle von ihnen sind am 18. April auch dabei, und das macht die Sache erst so richtig rund. Ich freu mich wirklich unsagbar doll und hoffe, dass es für alle ein zauberhafter Tag wird!
Dann wünschen wir von POWERMETAL.de dir und deinem Team natürlich viel Erfolg mit dem Festival und einen tollen Tag.
Wer übrigens nun Lust auf das "Kill The Light"-Festival bekommen hat, der kann die Tickets auf der Festival-Homepage ab 59,00 Euro erwerben.
Photo Credits: Carolin Deike
- Redakteur:
- Swen Reuter





