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LILLIAN AXE: Interview mit Steve Blaze

07.10.2007 | 20:50

Vor ein paar Monaten erschien nach langer Wartezeit endlich ein neues Lebenszeichen der amerikanischen Truppe LILLIAN AXE. Die Band hat Mitte der 90er mehrere exzellente Alben veröffentlicht, die nach meinem subjektiven Empfinden zu den besten Melodic-Metal-Scheiben überhaupt zu zählen sind. Vor allem der Drittling "Psychoshizophrenia" sollte von jedem Freund harter Rockmusik angetestet werden. Eine zündendere Kombination aus Energie, Spielwitz und Melodie wird man so schnell nicht wieder finden. Das neue Werk "Waters Rising" überrascht mit deutlich dunkleren Klängen und einer anderen Stimme. Es gab also ausreichend Gesprächstoff mit Gründer und Gitarrist Steve Blaze.


Holger:
Es wäre vielleicht schön, wenn du unseren Lesern zum Anfang erzählst, wann du entschieden hast, LILLIAN AXE zu reanimieren.

Steve:
Wir nahmen eine vierjährige Auszeit bis wir 1999 nach Japan gingen und "Fields Of Yesterday" veröffentlichten. Zu dem Zeitpunkt war uns klar, dass wir weitermachen würden. Klar, dass der Fansupport damals eine bedeutende Rolle gespielt hat.

Holger:
Habt ihr versucht alle Original-Mitglieder zu reaktivieren? Warum hat das nicht geklappt und weißt du, was die restlichen Mitglieder heute so treiben?

Steve:
Bis auf den Drummerwechsel hat sich doch nichts geändert. Anstatt Tommy Scott spielt jetzt Ken Koudelka Schlagzeug.

Holger:
Wenn du meinst. Hatte die Einladung beim Bang-Your-Head-Festival zu spielen etwas mit der Reunion zu tun?

Steve:
Nein, denn wir hatten uns ja niemals aufgelöst. Die Arbeiten zu "Waters Rising" begannen zwei Jahre vor dem besagten Auftritt.

Holger:
Wart ihr euch bewusst darüber, wie viele Fans ihr speziell in Deutschland hattet?

Steve:
Wir wussten, dass wir eine starke Fanbase hatten, aber die Resonanzen waren überwältigend. Wir müssen dringend zurückkommen.

Holger:
Auf jeden Fall. Lass uns dann doch mal über eure neuen Mitglieder Sam und Eric reden. Wo habt ihr die denn aufgelesen?

Steve:
Die beiden haben auch schon in meiner anderen Band NEAR LIFE EXPERIENCE gespielt.

Holger:
Ach so. Und was war mit Rons' spontanem Ausstieg nach dem HOA-Auftritt? Wusstet ihr vorher von seinen Plänen?

Steve:
Er hat schon ewig lange davon geredet, nicht mehr auf Tour gehen zu wollen. Außerdem hat ihn das gesamte Business genervt. Als es nun den Anschein hatte, dass wir wieder regelmäßig aufnehmen und touren würden, war ein Ausstieg die einzig wahre Konsequenz. Ich war nicht überrascht.

Holger:
Wo ist denn sein Nachfolger Derrick LeFevre aufgetaucht? Von dem hat man vorher ja noch nie etwas gehört.

Steve:
Er kontaktierte mich und da ich ihn als respektierten Sänger aus diversen lokalen Bands her kannte, schickte ich ihm etwas Material. Sein Ergebnis hat mich dann echt umgehauen. Keine Frage, dieser Typ musste unser neuer Sänger werden.

Holger:
Da Derricks Stimme der seines Vorgängers (zum Glück) sehr stark ähnelt, frage ich mal, ob das so gewollt war.

Steve:
Nicht wirklich. Ich wollte einfach einen guten Sänger. Dass Derrick nun obendrein auch noch so ähnlich wie Ron klingt, ist mehr oder weniger Zufall, aber er ist ein wahrer Glücksgriff für uns, da er uns neuen Schwung gibt.

Holger:
Wenn man sich das Cover von "Waters Rising" anschaut, könnte man denken, es würde sich bei LILLIAN AXE um eine Hippie-Band handeln. Es ist sehr psychedelisch. Gibt es da eine tiefere Bedeutung?

Steve:
Die Idee für das Artwork stammt von meiner Freundin. Wir beide lieben "Alice In Wonderland", so versuchten wir dieses Teekränzchen daraus zu erschaffen. Das ist LILLIAN AXE, nachdem das Wasser zu hoch gestiegen ist. So werden wir aussehen, wenn wir alle wahnsinnig geworden sind.

Holger:
Wenden wir uns der Musik zu. Ich empfand nach dem ersten Hören, dass ihr erheblich an Eingängigkeit und Melodie eingebüßt hättet. Erst nach ein paar Durchläufen schimmerten die tollen Arrangements und Melodien durch. Kannst du diesen Eindruck verstehen?

Steve:
Es ist ein dunkles Album, dass in deine Seele eindringt. Es wächst mit jedem Durchlauf, wie ein guter Rotwein.

Holger:
Kann es sein, dass wir ein paar Einflüsse von LED ZEPPELIN und THE BEATLES in den Songs hören?

Steve:
Ich bin von vielen Bands beeinflusst, also auch von diesen beiden großen Bands. Sie haben Melodie, Schwere und dunkle Texte in die aktuelle Musik gebracht.

Holger:
Eine Sache, die mich aber auch nach etlichen Umdrehungen im Player noch immer stört, ist der Sound. Die Gitarren könnten weiter im Vordergrund stehen und es fehlt an Dynamik. Nummern wie 'Fear Of Time' würden mit einem besseren Klang absolut grandios klingen.

Steve:
Ich vermute, dass du entweder eine schlechte Kopie oder einen schlechten Download bekommen hast. Wende dich doch mal ans Label, damit sie dir eine bessere Version schicken, denn ich halte den Sound für ganz fantastisch.

Holger:
Kann ich ja mal versuchen. ;-)
Wenden wir uns den Texten zu. Da es einen roten Faden zu geben scheint, der sich thematisch durch die meisten Songs zu ziehen scheint, wäre es cool, wenn du darüber etwas erzählen würdest.

Steve:
Die Texte drehen sich um den Stress und den Wahnsinn, mit dem wir es in unserem Leben zu tun haben. Beides wird immer schlimmer, je länger wir leben. Menschen gehen auf unterschiedliche Art und Weise damit um. Die Einen wählen den rechten Weg, während die Anderen sich in die Irre leiten lassen. Wir haben alle einen freien Willen, aber manchmal kann der Druck einem den klaren Blick für die richtigen Entscheidungen nehmen. Das Album beschäftigt sich mit positiven und negativen Aspekten unserer Entscheidungen.

Holger:
Passt denn da ein alter Song wie 'Become A Monster' in dieses Schema hinein?

Steve:
In der Nummer geht es darum, innere Stärke zu erreichen und der Welt und ihren Problemen zu strotzen. Man darf nicht immer den einfachen Weg wählen. Man muss stark sein, auch wenn einem ein starker Wind entgegen weht.

Holger:
Ein Song heißt '2nd Of May'. Was ist an diesem Tag geschehen?

Steve:
Gar nichts Besonderes. Ein fiktives Datum. Es geht um die vielen vermissten Kinder und die damit verbundenen Verschwörungs-Theorien. Wohin verschwinden diese Personen nur alle?

Holger:
Seid ihr euch über den Status, den "Psychshizophrenia" hier innehat, bewusst?

Steve:
Nicht so wirklich, aber ich will unbedingt rüber kommen und es selbst erleben.

Holger:
Wie betrachtest du die Entwicklung der Band von einer Glam-Metal-Band hin zu einer beinahe progressiv ausgerichteten Melodic-Metal-Kapelle?

Steve:
Wir wollten von Beginn an Grenzen sprengen. Einige Songs waren düster, andere fröhlich, einige schnell, andere vertrackt. Ich glaube nicht, dass wir jemals eine Glam-Metal-Band waren. Das war das größte Missverständnis, mit dem wir zu kämpfen hatten. Aber ich denke, nun haben alle erkannt, dass wir unseren ganz eigenen Sound haben.

Holger:
Nun, wenn ich mich an Konzerte erinnere, bei denen mehr Haarspray als Schweiß auf der Bühne zu riechen war, ist mir schon klar, woher dieses Missverständnis rührte. Wie würdest du denn euren Sound jemandem beschreiben, der noch nie etwas von LILLIAN AXE gehört hat?

Steve:
Heavy, kraftvoll, tiefsinnig, wunderschön, emotional, befriedigend.


Holger
Und was sind deine Haupteinflüsse?

Steve:
Der klassische Kram: SABBATH, QUEEN, SCORPS, MUSE, TYPE O, ELTON JOHN, IRON MAIDEN, H.I.M. etc.

Holger:
Du hast oben schon mehrfach davon gesprochen, aber gibt es konkrete Pläne für eine Deutschland-Tour?

Steve:
Wir wollen von Februar bis März in Europa touren und werden ein großes Augenmerk auf Deutschland legen.

Holger:
Schön zu hören. Und welche Pläne gibt es sonst im Hause LILLIAN AXE?

Steve:
Tour, das Album promoten, noch eine Tour, ein weiteres Album einspielen, und so weiter und so fort.

Holger:
Und was passiert mit NEAR LIFE EXPERIENCE?

Steve:
Die nehmen gerade ein neues Album auf.

Holger:
Wird euer alter Sänger ein weiteres Album unter dem Projektnamen THE BRIDGE veröffentlichen?

Steve:
Das wage ich zu bezweifeln.

Holger:
Möchtest du abschließend noch etwas loswerden?

Steve:
Vielen Dank für die Unterstützung! Checkt meine neue Gitarre an, die nächsten Monat erscheint. Eine Guilford, die Blaze heißen wird. Und schaut bei http://www.lillianaxe.com vorbei.

Holger:
Vielen Dank.

Redakteur:
Holger Andrae

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