LION'S SHARE - Interview mit Gitarrist Lars Chriss

24.03.2026 | 22:54

Nach langer Pause meldet sich LION'S SHARE am 27.03.26 zurück. Der bekannteste Name im Line-up der Band ist wohl der umtriebige Sänger Nils Patrik Johansson. Für dieses Gespräch stand mir Bandgründer, Gitarrist und Songwriter Lars Chriss Rede und Antwort.

Hallo Lars! Zuerst einmal: Herzlich willkommen zurück im Metal-Zirkus. Es ist eine lange Zeit vergangen – aber jetzt brüllt der Löwe wieder!
Ja, wir waren ein paar Jahre weg…

Ich muss ehrlich sein: "Inferno" ist tatsächlich das erste Album von LION'S SHARE, das ich komplett von Anfang bis Ende gehört habe. Ich kenne zwar ein paar Songs aus eurer Vergangenheit, aber aus irgendeinem Grund ist LION'S SHARE immer ein bisschen an mir vorbeigegangen – obwohl das genau die Art von Musik ist, die ich sehr gerne höre. Zu den älteren Songs kann ich also nicht allzu viel sagen, aber das neue Album gefällt mir wirklich sehr gut!
Besser spät als nie! *lacht*
Da bist du wahrscheinlich auch nicht der Einzige.

"Inferno" ist wirklich ein großartiges Album voller eingängiger Melodien, bei dem bei mir zu keiner Minute Langeweile aufgekommen ist.
Bevor wir uns aber näher mit dem neuen Album beschäftigen, möchte ich kurz auf die Geschichte von LION'S SHARE eingehen. Die Band gibt es ja schon seit über 30 Jahren. Kannst du etwas über die Anfänge der Band erzählen?

Lars ChrissNun, ich bin ein großer Fan der 80er Jahre – vor allem des Heavy Metal aus der Zeit zwischen 1980 und 1987, der New Wave Of British Heavy Metal, mit Bands wie JUDAS PRIEST, SAXON oder DIO. Und natürlich BLACK SABBATH mit Ronnie James Dio und Tony Martin. Das sind meine wichtigsten Einflüsse als Gitarrist und Songwriter. Von Anfang an war das immer die Art von Musik, die ich schreiben wollte, weil sie einfach in meiner DNA steckt.
Als wir 1995 angefangen und unser erstes Album veröffentlicht haben, waren wir allerdings fünf Mitglieder und hatten einen festen Keyboarder. Deshalb sind in die ersten beiden Alben viele unterschiedliche Einflüsse eingeflossen. Da gab es Elemente aus dem Progressive Metal, etwa von Bands wie QUEENSRYCHE, DREAM THEATER oder RUSH. Gleichzeitig hatte unser Sound auch melodische, teilweise AOR-artige Einflüsse wie zum Beispiel von FOREIGNER, aber auch schon einen deutlichen Heavy-Metal-Anteil.
Mit jedem Album haben wir uns jedoch mehr und mehr meinen musikalischen Einflüssen und Vorstellungen angenähert. Über die Jahre sind die ursprünglichen Mitglieder nach und nach ausgestiegen. Momentan ist LION'S SHARE im Grunde ein Duo, bestehend aus mir und Patrik Johansson, der 2003 zur Band gestoßen ist. "Inferno" ist unser drittes gemeinsames Album.
Die Ära von 1980 bis 1987 ist fest in unserer DNA verankert. Unsere Musik ist stark von Tony Iommi-artigen Riffs geprägt, mit Gesang im Stil von Ronnie James Dio und Einflüssen von JUDAS PRIEST und SAXON. Genau so klingt es eben, wenn wir Songs schreiben. Wir kümmern uns nicht um Trends, Charts oder darum, was gerade um uns herum passiert – unsere Musik kommt direkt aus dem Herzen.



Nachdem sich die erste Besetzung mit Anders Engberg, der ja drei Alben eingesungen hat, sowie die zweite Besetzung mit Tony Niva, der für ein Album an Bord war, aufgelöst hatte, gab es die erste kleinere Pause von sechs Jahren, bevor sich LION'S SHARE mit Nils Patrik Johansson zurückgemeldet hat. Wie habt ihr euch damals kennengelernt? Oder kanntet ihr euch schon vorher?
Nein, nein, wir wohnen ziemlich weit voneinander entfernt. Mit dem Auto sind es NPJetwa drei Stunden – Patrik wohnt weiter nördlich als ich.
Ich habe Patrik im Internet entdeckt. Ich glaube sogar, dass das damals seine erste Aufnahme als Metal-Sänger überhaupt war. Zu der Zeit war er Sänger bei RICHARD ANDERSSON'S SPACE ODYSSEY, die einen MP3-Song im Internet veröffentlicht hatten, der 'Despair And Pain' heißt.
Ich war von seinem Gesang total begeistert. Da ich ein großer Fan von Sängern wie Russell Allen, Dino Jelusick, Jorn Lande und – wie schon erwähnt – Ronnie James Dio und Tony Martin bin, dachte ich sofort, dass seine Stimme perfekt zu meinen Songs und meinen Riffs passen würde. Ich brauchte eine kraftvolle Stimme, die zu meiner Art von Riffs passt. Also habe ich ihn kontaktiert und gefragt, ob er bei LION'S SHARE einsteigen möchte. Er kam zum Vorsingen, trat der Band bei und wir begannen, gemeinsam Songs zu schreiben. Ich habe es also letztlich dem Internet zu verdanken, dass ich ihn kennengelernt habe.

Seit eurem ersten gemeinsamen Album "Emotional Coma" habt ihr auf jedem Album euer Maskottchen auf dem Cover. Das neue Album erscheint bald – und auch dort ist es wieder zu sehen. Hat dieses Wesen eigentlich einen Namen, so wie Eddie bei IRON MAIDEN?
InfernoJa, endlich! All die Jahre konnten wir uns einfach nicht auf einen Namen einigen. Doch dann schlug unser Cover-Künstler Chain Child vor – das ist auch der Titel eines Songs auf dem neuen Album. Und natürlich hat diese Figur Kettenarme. So konnten wir uns schließlich doch auf einen Namen einigen: Er heißt also Chain Child.

Was bedeuten diese Ketten? Ist er an etwas gefesselt oder hat er die Ketten gesprengt?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Als wir "Emotional Coma" aufgenommen haben, waren wir auf der Suche nach einem Maskottchen für das Cover. Das entstand dann in Zusammenarbeit mit dem Künstler, der die Figur entworfen hat. Es war seine Idee, diese Gestalt so zu erschaffen, wie sie heute aussieht.
Er hatte mehrere Entwürfe gemacht, aber als er mit diesem Motiv kam – das später auf dem Cover gelandet ist – haben wir sofort gesagt: Ja, das ist es. Das ist unser Maskottchen. Und seitdem ist es geblieben.

Okay, jetzt sind wir im Hier und Jetzt beim neuen Album angekommen.
Warum hat es bis zur Veröffentlichung von "Inferno" ganze 17 Jahre gedauert?
Nun, ein Grund war die Entwicklung der Platten- und Musikindustrie zu der Zeit, als wir 2009 unser letztes Album "Dark Hours" veröffentlicht haben. Damals gab es weltweit eine große Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die Banken in den USA. Plattenläden schlossen reihenweise, und dazu kam: Spotify war gerade gestartet.
Also sagte ich zu Patrik: Lass uns erst einmal abwarten und sehen, was mit der Musikindustrie passiert. Wird es irgendwann nur noch Streaming geben? Ist die CD tot? Was wird passieren? So begann diese Pause.
Etwa zur gleichen Zeit bekam ich viele Angebote von anderen Bands und Künstlern, ihre Alben zu produzieren und abzumischen. Damit war ich extrem beschäftigt. Einige wollten sogar, dass ich als Co-Autor an ihren Songs mitarbeite oder Gitarrenparts für sie aufnehme und so weiter. Ich hatte also wirklich jede Menge zu tun.
Aber wir haben die Band nie auf Eis gelegt oder aufgelöst. Patrik und ich haben weiterhin Songs für das nächste Album geschrieben. Er ist mehrmals im Jahr zu mir ins Studio gekommen, und wir haben neue Songs aufgenommen und zunächst einfach auf meinem Computer gespeichert.
Irgendwann um 2017 herum sagte Patrik: Komm schon, lass uns loslegen. Lass uns ein neues Album machen und wieder richtig durchstarten. Unser Plan war, das Album 2020 zu veröffentlichen. Wir hatten sogar schon einige Live-Shows gebucht und haben damals auch ein paar Headliner-Shows in Deutschland gespielt.
An einem Sonntag sind wir von Frankfurt aus nach Hause zurückgeflogen – und drei Tage später wurde ganz Europa, ja eigentlich die ganze Welt, wegen Covid stillgelegt.
Damit haben wir natürlich weitere drei Jahre oder sogar noch mehr verloren. WirBand sahen keinen Sinn darin, mitten in dieser Situation ein Album zu veröffentlichen, wenn wir nicht auf Tour gehen oder sonst etwas tun konnten, um es zu promoten.
Außerdem war ich in dieser Zeit stark damit beschäftigt, alle drei Soloalben von Patrik zu produzieren und darauf mitzuspielen. Das bedeutet für mich ungefähr genauso viel Arbeit wie ein LION'S SHARE-Album.
In gewisser Weise sind das sogar LION'S SHARE-Alben, weil es im Grunde dieselbe Besetzung ist. Der einzige kleine Unterschied liegt darin, wie wir die Songs schreiben. Für seine Soloalben erstellt Patrik zunächst Demos aller Songs, die er geschrieben hat. Diese schickt er mir, und ich entwickle sie dann weiter, ergänze Parts und arrangiere vieles neu.
Bei LION'S SHARE hingegen beginne ich damit, Gitarrenriffs zu sammeln, weil wir eine Band sind, die stark auf Riffs basiert. Ich sammle also Riffs und setze sie anschließend von Anfang bis Ende zu Instrumentalstücken zusammen. Danach kommt Patrik zu mir, und wir arbeiten gemeinsam an den Gesangsmelodien. Wir sitzen im selben Raum und diskutieren hin und her – mehr oder weniger nach dem Motto: Wie wäre es damit? Ändere das noch einmal. Vielleicht probieren wir es hier so. Das geht so lange, bis wir beide mit der Musik zufrieden sind. Erst dann schreibt er die Texte.
Der Unterschied zwischen LION'S SHARE und einem Album von NILS PATRIK JOHANSSON liegt also im Grunde nur in der Art, wie wir die Songs schreiben.

Okay, das finde ich interessant. Ihr arbeitet also wirklich zusammen im selben Raum, wenn ihr eure Musik komponiert und daran arbeitet? Das ist ja heutzutage nicht mehr besonders üblich.
Ja, zumindest wenn es um die Gesangsmelodien geht. Ich schreibe die Musik und die Riffs, setze sie mit einer Drum Machine zusammen, spiele den Bass ein oder was auch immer der Song gerade braucht – und natürlich die Gitarren.
Aber keinen Gesang. Zum Gesang habe ich vielleicht ein paar Ideen, aber die präsentiere ich Patrik erst, wenn er hierherkommt, weil ich den Song mit seiner Stimme hören muss. Ich kann eine großartige Melodie im Kopf haben oder sie auf dem Keyboard spielen – aber ich muss sie von ihm gesungen hören, um zu wissen, ob sie wirklich zu seiner Stimmlage und zu seiner Stimme passt. Patrik hat natürlich auch seine eigenen Ideen, und auf diese Weise inspirieren wir uns gegenseitig.

Sind die Songs musikalisch schon komplett festgelegt, wenn Patrik dazukommt, oder kann es passieren, dass sich auch die Musik noch verändert?
Magnus UlfstedtNatürlich arbeiten wir auch gemeinsam an der Musik! Wenn er hier ist, arbeiten wir sehr fokussiert, weil wir so weit voneinander entfernt wohnen und keine Zeit vertrödeln wollen. Ich habe dann meist sechs oder sieben Songs vorbereitet, und wir beginnen dann, uns intensiv mit einem davon zu beschäftigen, bis wir das Gefühl haben, dass wir zufrieden sind. Danach gehen wir zum nächsten über. Meistens arbeiten wir etwa fünf Stunden am Stück.
Wenn Patrik dann wieder nach Hause fährt, beschäftige ich mich zunächst auch nicht weiter mit dem Material – ich vergesse es sogar ein bisschen. Wenn ich die Songs dann ein paar Wochen später wieder zum ersten Mal höre, klingen sie für mich völlig frisch, als wäre ich gar nicht daran beteiligt gewesen, sondern einfach nur ein Zuhörer – so, als hätte ich mir gerade eine neue Platte gekauft.
Dadurch fällt es mir leichter zu sagen: Das war doch nicht besonders gut – oder auch festzustellen: Das ist großartig! Und dann nehme ich mir auch die Freiheit, Dinge zu löschen, die ich nicht für gelungen halte.
Wenn ich merke, dass an irgendeiner Stelle noch ein Riff fehlt, um eine starke Melodie zu unterstützen, ergänze ich es einfach. 
Die Songs – und letztlich das gesamte Album – befanden sich also ständig im Wandel. Wir haben bereits 2010 begonnen, an den Tracks für "Inferno" zu arbeiten, und haben bis 2024 und 2025 weitergeschrieben. 
Einige Songs auf dem Album stammen tatsächlich aus dem Jahr 2010, andere aus 2024, und wieder andere aus der Zeit dazwischen. Wir haben immer wieder Demos und unfertige Versionen gehört und später überarbeitet, weil man mit etwas Abstand merkt: Das könnte noch besser sein. Vielleicht war das Gitarrensolo nicht optimal, oder wir sollten das Schlagzeug neu arrangieren.
Es war wirklich gut, immer wieder zurückzublicken und Dinge zu verbessern.



Ihr habt also nicht einfach – böse gesagt – die alten Singles und EP-Tracks genommen, die ihr in den letzten Jahren veröffentlicht habt, und sie einfach auf ein Album gepackt?
Auf keinen Fall. Auch wenn einige Songs bereits in früheren Versionen erschienen sind, haben wir alles noch einmal neu aufgenommen. Auf "Inferno" sind komplett neue Mixe zu hören, die zuvor noch niemand gehört hat. Das Gute an dieser langen Zeit war, dass wir immer wieder zum Material zurückkehren konnten, um es zu verfeinern, umzuschreiben oder einzelne Teile auszutauschen. So konnten wir uns noch intensiver damit auseinandersetzen und auch Reaktionen von anderen Leuten, von Fans und so weiter einholen.
Anfangs hatten wir eigentlich gar nicht vor, nach einem Plattenvertrag zu suchen. Viele Genres setzten damals nur noch auf Streaming – und das hängt auch stark vom jeweiligen Land ab. Ich weiß, dass in Deutschland physische Tonträger immer noch sehr wichtig sind und es eigentlich auch immer waren. In Schweden hingegen streamt fast jeder einfach nur über Spotify. Wir wussten also nicht, wohin sich die Branche entwickeln würde und ob CDs vielleicht komplett verschwinden.
Zum Glück sieht es inzwischen wieder besser aus: Physische Tonträger gewinnen wieder an Bedeutung, und wir bringen "Inferno" sogar auf Vinyl heraus! Als wir unsere ersten sechs Alben veröffentlicht haben, war Vinyl überhaupt nicht angesagt. Und jetzt erscheinen einige Alben sogar wieder auf Kassette. Verrückt!
Ich persönlich mag Streaming und Downloads überhaupt nicht. Ich stehe total auf Vinyl und CDs. Deshalb finde ich, dass jetzt ein perfekter Zeitpunkt für uns ist, zurückzukommen.
Keines unserer ersten sechs Alben ist jemals auf Vinyl erschienen. Jetzt haben wir endlich die Chance, das nachzuholen. Außerdem sind die CDs seit Jahrzehnten vergriffen.
Wir haben diese Alben remastert und auch das Cover-Artwork der ersten vier Alben überarbeitet. Wir würden gern bald einige Veröffentlichungen aus unserem Backkatalog neu auflegen – und natürlich auch ein neues Album herausbringen, wahrscheinlich schon im Herbst 2027, so planen wir zumindest. Wir haben bereits eine Menge Material gesammelt und schreiben immer noch weiter.
Wir meinen es ernst mit LION'S SHARE und wollen unsere Chance jetzt nutzen. Wir werden auf Tour gehen und in den nächsten Jahren nicht mehr verschwinden. Außerdem werden wir ja auch nicht jünger – also müssen wir jetzt dranbleiben!

Was mir an dem Album wirklich positiv aufgefallen ist, sind die Gitarrensoli. Ich bin absoluter Nicht-Musiker und kann kein Instrument spielen, daher konzentriere ich mich immer eher auf den Sänger, den Gesang und auch auf die Texte. Aber auf diesem Album sind die Gitarrensoli wirklich schon fast unverschämt eingängig und stechen richtig heraus. Wie komponiert man eigentlich ein Gitarrensolo? Oder ist es eher ein Ausprobieren, bei dem man zur Musik spielt, ein paar Ideen testet und am Ende ein fertiges Solo hat? Oder setzt du dich hin und komponierst ein Solo ganz bewusst?
Oh, vielen Dank erst einmal. Ich bin ja ein Kind der 80er und liebe all diese Musiker – du weißt schon: George Lynch, Gary Moore, Randy Rhoads, Jake E. Lee, Marty Friedman, Michael Schenker. All diese fantastischen Gitarristen sind meine Vorbilder.
Meine Soli sind im Grunde eine Reaktion auf die Musik, auf das Tempo und auf die Stimmung des Songs. Ich mag es, wenn ein Solo eine Art Anfang und Ende hat. Den Mittelteil füllt man dann mit verschiedenen Ideen – ein paar melodische Sachen, vielleicht etwas Aggressiveres oder auch etwas, das besonders hervorsticht. Was Vibrato und solche Dinge angeht, hängt alles davon ab, was ich ausdrücken möchte. Ich arbeite ziemlich viel an meinen Gitarrensoli, bis ich wirklich zufrieden bin. Sie sind mir wichtig. Natürlich lasse ich meine Einflüsse einfließen, hoffe aber auch, dass mein eigener Stil erkennbar ist. Und ich freue mich wirklich, dass sie dir gefallen.



Gibt es schon Pläne für Konzerte oder Festivals?
Ja, wir haben hier in Schweden sieben Shows gebucht. Wir starten mit einem Release-Konzert hier in Stockholm am 27. März, also genau an dem Tag, an dem das Album erscheint. Und wir hoffen natürlich sehr, später auch in Deutschland und im Rest Europas spielen zu können – und vielleicht sogar auf einer der coolen Metal-Kreuzfahrten in den USA, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Tourneen sind heutzutage im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie allerdings sehr teuer geworden. Und wir würden natürlich auch unglaublich gerne einmal auf dem Wacken Open Air spielen. Wir haben tatsächlich noch nie in Wacken gespielt!
Eigentlich ist das ziemlich seltsam, wenn man bedenkt, dass wir bei einigen großen deutschen Labels wie Century Media oder AFM unter Vertrag standen. Hoffentlich werden wir irgendwann einmal dorthin eingeladen.
Aber es gibt viele großartige Festivals in ganz Europa, und wir müssen nur einen guten Booker finden, der uns dabei hilft. Kontakte in Schweden haben wir zwar genug, aber nicht im gesamten europäischen Raum.

Ich habe gelesen, dass LION'S SHARE in der Vergangenheit mit wirklich großartigen Bands wie SAXON, MOTÖRHEAD, DIO, MANOWAR und vielen anderen auf Tour war. Welche Band davon war für dich persönlich die größte? Und hast du vielleicht eine coole oder lustige Geschichte aus dieser Zeit?
Also zunächst einmal: Mit all diesen Bands auf Tour zu gehen war einfach Andy Loosunglaublich. Als Teenager saß ich in meinem Zimmer und habe all diese Alben gehört. Die erste Tour, die wir mit SAXON gemacht haben, war fantastisch. Und im Jahr darauf durften wir sogar noch einmal mit ihnen auf Tour gehen.
Das Größte war aber, dass wir einen ganzen Monat lang als Vorband von DIO, MANOWAR und MOTÖRHEAD in großen Hallen spielen und mit diesen Jungs abhängen konnten. Sie waren wirklich alle unglaublich nett zu uns. Ronnie James Dio ist mein Lieblingssänger aller Zeiten – ich liebe alles, was er mit RAINBOW, BLACK SABBATH und natürlich mit DIO gemacht hat. Es war also unglaublich, ihn jeden Abend auf der Bühne zu sehen und sogar mit ihm sprechen zu können.
Aber auch die anderen Bands waren wirklich großartig zu uns. Lemmy war zum Beispiel sehr witzig und hat ständig irgendwelche Sprüche gemacht. Und bei MOTÖRHEAD war natürlich auch ein Landsmann von uns dabei: Mickey Dee, der komplett verrückt ist.
Auch die Jungs von MANOWAR waren wirklich tolle Typen. Sie haben uns eingeladen, auf ihrem Festival in Deutschland zu spielen – dem Magic Circle Festival. Wann war das noch gleich … 2007 oder 2008? Dadurch sind wir sogar mit ein paar Live-Songs auf einer ihrer DVDs vertreten.
Die Band, mit der für mich als Achtjähriger alles begann, war KISS. Im Laufe der Jahre habe ich tatsächlich alle Mitglieder von KISS persönlich getroffen. Bruce Kulick hat sogar ein Gitarrensolo auf "Emotional Coma" für den Song 'Edge Of The Razor' eingespielt.
Außerdem durfte ich mit JOHAN KIHLBERG'S IMPERA – der Band eines Freundes, bei der ich Gitarre spiele, die ich produziere und für die ich auch Songs schreibe – als Vorband für KISS bei ihrem vermeintlich letzten Konzert in Schweden in Göteborg auftreten. Das war großartig. Und dieser Auftritt soll bald auf einem Live-Album und einer DVD veröffentlicht werden!
Es war einfach fantastisch, mit den Idolen meiner Jugend auf Tour zu gehen.

Das kann ich sogar ein wenig nachvollziehen. Für mich hat in Sachen Metal alles 1987 mit HELLOWEEN und "Keeper Of The Seven Keys Part 1" begonnen. Und im letzten Jahr durfte ich Michael Kiske interviewen. Mein Gott, war ich nervös – und am Ende hat er sich als total netter Mensch entpuppt.
Ja, man ist erstmal einfach nur total beeindruckt von diesen Stars. Das geht jedem so. Und am Ende sind es eben auch nur Menschen – genau wie du und ich.

Das stimmt. Aber wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich einmal mit Leuten wie Michi Kiske, dem Sänger von ACCEPT oder auch mit dir sprechen würde, hätte ich ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Aber zurück zum eigentlichen Thema.
Welche Musiker sind auf dem Album zu hören? Oder hast du alles mit Patrik allein eingespielt?
Band im BadZum einen ist unser Original-Bassist Andy Loos wieder dabei, der auf dem ersten Album gespielt hat, er hat dann geheiratet und daher die Band verlassen, um sich um sein Familienleben zu kümmern. Andy ist schon seit 2010 wieder dabei, seit wir auf dem Sweden Rock Festival ein RONNIE JAMES DIO-Tribute gespielt haben. Das war sein erster Auftritt mit LION'S SHARE und seitdem ist er wieder dabei. 
Bevor ich zum Schlagzeuger komme, da fällt mir noch ein: Wir durften sogar auf einer Drum-Clinic mal Vinny Appice begleiten, normalerweise spielt er da zu Backing-Tapes, aber der Veranstalter hielt es für eine gute Idee, dass wir mit ihm spielen. Das war großartig, mit Vinny alte BLACK SABBATH- und DIO-Songs zu spielen. 
Auf "Inferno" ist Nils Fredrik Johansson, der Sohn von Patrik am Schlagzeug zu hören, der auch auf seinen drei Solo-Alben die Drums eingespielt hat. Da er aber wie sein Vater drei Stunden von mir weg wohnt und wir proben müssen, haben wir für Konzerte Magnus Ulfstedt an Bord. Er ist auch schon seit 2010 dabei und einfach ein großartiger Schlagzeuger.
Am Keyboard haben wir mit Kay Backlund ein Urmitglied von LION'S SHARE, mit ihm habe ich die Band damals gegründet. Auf einigen Tracks ist auch meine Freundin an den Keyboards zu hören. Sie hat eine eigene Band, SACRED SPIRIT. Wir haben aber gar nicht so viele Keyboards auf dem Album, nur hier und da mal ein paar Sequenzen, um den Songs mehr Würze zu verleihen. Ja, das ist neben Patrik und mir das aktuelle Line-up von LION'S SHARE. 

Gibt es noch etwas, was du unseren Lesern sagen möchtest?
Sicher, erstmal möchte ich mich für die Unterstützung über all die Jahre bedanken! Wir haben oft bei euch in Deutschland gespielt und unsere Alben wurden immer gut aufgenommen. 
Ich hoffe, ihr habt uns noch nicht vergessen und hoffe aber auch, dass wir neue Fans gewinnen können, die – wie du – noch nie oder nur am Rande von uns gehört haben. Hört euch auch gern unseren Back-Katalog an, wir versuchen, die Re-Releases so schnell wie möglich herauszubringen, für die Leute, denen Streaming nicht so liegt. 
Wir würden gern so bald wie möglich für Festivals und Konzerte wieder nach Deutschland kommen und so viele wie möglich von euch dort sehen. 
Ich bin mir bewusst, dass die Label-Wechsel bei fast jedem Album und die lange Abwesenheit nicht so gut für die Band waren, aber ab jetzt ist LION'S SHARE wieder da und ich verspreche euch: Diesmal werden wir bleiben!



Fotocredit: R. Quantz

Redakteur:
Maik Englich

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