MONSTROSITY: Das Florida-Geheimnis
10.03.2026 | 09:15Es wird wieder monströs! Stolze sechs Jahre ist es her, als diese ungezügelte und wilde Death-Metal-Bestie von der Leine gelassen wurde – "The Passage Of Existence" war nicht nur optisch, sondern vor allem musikalisch ein ganz großer Schlag. Zu selbigem holen Drummer Lee Harrison und MONSTROSITY erneut aus und hinterlassen mit "Screams From Beneath The Surface" nichts als Staub und Asche. Welche Auswirkung die Heimat Florida generell auf den Todesstahl hat, wie sich die Band neu motivieren konnte und welches Schicksal die Amis verfolgen, erfahren wir in unserem Gespräch mit Lee.
Lee, wie geht es dir, wie läuft es?
Es läuft gut. Die Veröffentlichung des Albums rückt näher, also geht alles seinen guten Gang.
Seit "The Passage Of Existence" sind siebeneinhalb lange Jahre vergangen. Seitdem habt ihr auch einige neue Mitglieder gewonnen. Wie kam es dazu, dass Gründungsmitglied Mark wieder zu euch gestoßen ist?
Wir sind über die Jahre immer in Kontakt mit Mark geblieben. Er hat 2010 mit uns in Mexiko-Stadt beim "Metal in the Forest" gespielt und war vor einigen Jahren auch bei der "70.000 Tons of Metal"-Kreuzfahrt dabei. Unser vorheriger Bassist, Mike Poggione, war zu seiner Freundin in die Ukraine gezogen. Das funktionierte gut für unsere Europa-Tourneen, aber wenn wir einzelne Shows in den USA hatten, machte es keinen Sinn, ihn extra zurückzufliegen. Also haben wir Mark für diese Gigs engagiert. Ich mochte Marks Spiel schon immer, also haben wir beschlossen, ihn dauerhaft zurückzuholen und zu sehen, wie es läuft, zumal er ja schon hier in Amerika war. Wir hegen keinerlei Groll gegen Mike Poggione, und wer weiß, was die Zukunft bringen wird, aber im Moment läuft es mit Mark großartig. Wir schauen einfach nach vorne.
Und wie seid ihr auf Ed und Justin gekommen? Die beiden leisten fantastische Arbeit auf dem neuen Album!
Ich kenne Ed schon ewig, aber er kam mir einfach nicht in den Sinn, als es darum ging, einen neuen Sänger zu finden. Unser vorheriger Sänger, Mike Hrubovcak, hatte beschlossen, dass er nicht mehr auf Tour gehen wollte, und sich dafür entschieden, sich von der Band zu trennen. Wir haben es mit ein paar Leuten aus der Gegend versucht, die waren gut, aber sie hatten nicht die hohen Screams, die wir gewohnt waren. Ich glaube, sie hätten sich irgendwann daran gewöhnen können, aber als Terry Butler von OBITUARY Ed empfahl, war das einfach perfekt. Ich habe Ed sofort angerufen, wir haben uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt und seitdem haben wir es nie bereut. Ed hat auf dem Album fantastische Arbeit geleistet und wir könnten nicht glücklicher sein. Justin spielt in mehreren anderen Bands und tourt mit ihnen, daher ist er nicht immer verfügbar. Mit diesen Bands macht er ein anderes Musikgenre, eher so etwas wie Reggae-Rock. Deshalb promoten wir das Album als Vierergruppe. In letzter Zeit haben wir Sam Molina eingesetzt, der für MONSTROSITY kein Unbekannter ist, da er schon beim Album "Rise To Power" dabei war. Ich habe auch mit ihm zusammengearbeitet, als ich zwischen 2013 und 2020 mit Pete Sandoval bei TERRORIZER Gitarre gespielt habe. Wir machen Terrorizer mit Pete nicht mehr, daher wusste ich, dass Sam verfügbar war. Bei Live-Auftritten wechseln wir zwischen Sam und Justin hin und her. Es läuft gut, wir können uns also nicht beschweren – vor allem jetzt, wo das Album endlich veröffentlicht wird.
"Screams From Beneath The Surface" steht in den Startlöchern. Was waren eure Ambitionen und Absichten, als ihr nach dem Monster "The Passage Of Existence" mit der Arbeit an eurem siebten Album begonnen habt?
Das Wichtigste ist einfach, weiterzumachen und den Ball am Rollen zu halten. Unser letzter Sänger Mike Hrubovcak mochte keine Tourneen, daher hoffen wir nun, dass wir mit einer Besetzung, die wieder auf Tour gehen will, endlich wieder auf die Straße kommen können.
Für mich scheint das neue Album eine Mischung aus "The Passage..." und euren Alben aus den 1990er Jahren zu sein. War es eine bewusste Entscheidung, zu euren Wurzeln zurückzukehren, oder wie siehst du die Unterschiede zum letzten Album?
Ja, wir sind unserem Sound immer irgendwie treu geblieben. Wenn man an MONSTROSITY denkt, weiß man hoffentlich mittlerweile, was man bekommt. Es gab keine wirkliche Entscheidung, zurückzublicken oder nach vorne zu schauen ... es ging einfach darum, weiterzumachen mit dem, was wir tun. Dieses Album stammt eher von mir persönlich, da ich die Grundparts für neun der zehn Songs geschrieben habe. Matt Barnes war dabei meine rechte Hand, er hat meine Ideen aufgegriffen und noch verbessert. Das hatten wir schon bei "The Passage Of Existence" mit Songs wie 'Eyes Upon The Abyss' und 'Eternal Void' gemacht. Der zehnte Song des neuen Albums, 'Fortunes Engraved In Blood', stammt von ihm, und auch daran haben wir ein wenig zusammen gearbeitet.
Ein Teil wurde in den Audiohammer Studios aufgenommen, der andere in den legendären Morrisound Studios – warum habt ihr euch für verschiedene Studios entschieden?
Das Wichtigste bei Aufnahmen heutzutage ist, dass wir wirklich ein professionelles Studio brauchen, um einen guten Drum-Sound zu bekommen und den finalen Mix zu erstellen. Bass, Gitarren und Gesang können wir relativ einfach in einem Heimstudio aufnehmen, und das war auch ursprünglich der Plan. Ich arbeitete gerade an einem Mastering-Projekt für das posthume Cover-Album "Through Oceans of Space" des ehemaligen CRIMSON GLORY-Sängers Midnight bei Morrisound, und dabei kam mir die Idee, wieder mit Jim Morris zusammenzuarbeiten. Also pendelten wir schließlich zwischen den beiden Studios hin und her. Dass Morrisound in Tampa liegt, macht die Sache auch viel einfacher, statt nach Sanford nördlich von Orlando fahren zu müssen, was gut zwei Stunden entfernt ist.
Jim ist auch durch seine Arbeiten mit WARRANT und SAVATAGE bekannt. Wie ist es für eine reine Death-Metal-Band, mit ihm zu arbeiten?
MONSTROSITY war die erste Death-Metal-Band, die Jim aufgenommen hat, damals im Juni 1991. Er hatte natürlich schon andere Alben aufgenommen, aber wir waren die erste Death-Metal-Band, die er gemacht hat. Unterm Strich versteht er etwas von Musik und kennt sich mit seinem Equipment aus. Ich kann gar nicht genug Gutes über Jim sagen ... Es ist immer eine Freude, mit ihm zu arbeiten, da er wirklich versteht, was wir erreichen wollen. Jason Suecof ist auch großartig, es ist immer schön, mit ihm zu arbeiten. Es war also rundum eine angenehme Situation.
Ich muss ehrlich sein: Das Artwork des Vorgängeralbums ist unübertrefflich! Aber mir gefällt auch das Cover des neuen Albums sehr gut – wer hat es entworfen und was steckt hinter der Grimasse?
Das Artwork stammt wieder von Timbul Cahyono. Das letzte Album war farbenfroher, daher haben wir uns bewusst dafür entschieden, das aktuelle etwas düsterer zu gestalten, um etwas Abwechslung reinzubringen. Ich habe ihm einige Ideen gegeben, und er hat sie aufgegriffen und das Ergebnis ist das, was ihr jetzt seht. Er hat auch mehrere T-Shirt-Designs und Poster für uns entworfen. Ich habe ihn kennengelernt, als wir mit TERRORIZER in Seattle gespielt haben. Er hat ein sehr cooles handgezeichnetes Tour-Poster für die Show entworfen, auf dem die Stadt Seattle mit der Space Needle, Gasmasken und einigen Panzern zu sehen war. Jedenfalls war das eine wirklich durchdachte und coole Sache von ihm. Wir arbeiten einfach gerne mit ihm zusammen, weil er ein großartiger Künstler ist, keinen Unsinn macht und nicht ewig braucht, um etwas zu liefern. Wir waren zuvor von Zbigniew M. Bielak kontaktiert worden, der unter anderem für GHOST arbeitet ... Er wollte mit uns an "Passage ..." arbeiten, war aber so beschäftigt, dass er es nie geschafft hat, also haben wir schließlich aufgegeben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Schwierigkeiten, einen Künstler zu finden. Timbul hatte ein Werk für TERRORIZER geschaffen, das wir für das Album "Terrorizer Caustic Attack" verwendet hatten. Als ich mit Pete Sandoval darüber sprach, schlug er vor, Timbul für MONSTROSITY zu engagieren. Ich habe Timbul meine Idee vorgestellt, und drei Tage später hatten wir das Albumcover, das schließlich für "Passage..." verwendet wurde. Es versteht sich von selbst, dass er großartige Arbeit leistet. Auf seiner Instagram-Seite kann man Zeitraffer-Videos sehen, in denen er die Kunstwerke tatsächlich erstellt, was ziemlich cool anzusehen ist.
Sei ehrlich – was macht 'The Colossal Rage' zur perfekten ersten Single? Was sind die Besonderheiten dieses großartigen Songs?
'Colossal...' ist einfach ein Song ohne Schnickschnack. Er kommt direkt auf den Punkt, ohne unnötige Vorbereitungen, ohne ausgefallenes Intro, ohne zusätzliche Ebenen, durch die man sich kämpfen muss. Er springt direkt rein und tut, was er tun soll. In dieser Hinsicht war es einfach perfekt, diesen Song zu veröffentlichen.
Das Schicksal ist mit Blut geschrieben – was ist euer Schicksal, das Schicksal von MONSTROSITY?
Nun, das werden wir wohl sehen müssen, oder? Das Wichtigste ist, einfach weiterzumachen und voranzukommen. Ich erinnere mich, dass ich mich nach den Aufnahmen zu "Imperial Doom" gefragt habe, ob wir es überhaupt zu einem zweiten Album schaffen würden. Und jetzt, all die Jahre später, bin ich froh, sagen zu können, dass wir keine Kompromisse hinsichtlich unserer ursprünglichen Vision eingegangen sind. Sicher, wir sind gewachsen und haben hier und da einige Elemente hinzugefügt, aber wir haben immer versucht, dem treu zu bleiben, was wir uns vorgenommen hatten.
Und worauf spielt ihr mit 'Banished To The Skies' an? Was steckt dahinter?
Ich bin mir sicher, dass es unbewusst etwas damit zu tun hat, dass ich gerade meinen Pilotenschein mache. Momentan bin ich etwas ins Stocken geraten, während ich mich auf die schriftliche Prüfung vorbereite, aber ich habe bereits über 100 Flugstunden absolviert. Sobald ich die schriftliche Prüfung bestanden habe, wird es nicht mehr lange dauern, bis ich die eigentliche Lizenz erwerben kann. Hinter dem Song steckt keine wirkliche Geschichte, es war einfach etwas, das mir beim Schreiben aus dem Bewusstseinsstrom heraus eingefallen ist.
Die "Screams Across Europe"-Tour steht im Frühjahr bevor! Was können wir erwarten? Ich habe euch schon sehr lange nicht mehr live gesehen. Wie sehr hat sich die Live-Qualität von MONSTROSITY weiterentwickelt?
Ja, wir wollen wieder auf Tour gehen und einige der neuen Songs live spielen. Wir versuchen, mindestens zwei Songs von jedem Album zu spielen, manchmal variiert das ein wenig, aber das ist sozusagen unser Hauptziel. Ich weiß, dass die Fans die alten Songs hören wollen, aber wir wollen auch neue Songs spielen, um uns selbst zufriedenzustellen, also versuchen wir, von allem etwas zu spielen.
Florida Death Metal ist eine absolute Institution. Aber was macht den Sunshine State so besonders für packenden Death Metal? Wie unterscheidet sich Florida Death Metal von Death Metal aus anderen Regionen?
Ich glaube, die Tatsache, dass Morrisound hier in Tampa ansässig ist, hat dazu beigetragen, dass sich hier viele Bands gebildet haben. Letzte Woche gab es eine Ausstellung namens "Tampa Bay Museum of Metal", bei der alle Bands aus Florida vorgestellt wurden. Es war fast wie ein Klassentreffen. Unser guter Freund Dave Allison hat das organisiert, und es war ein wirklich großartiges Event. Was die Musik aus anderen Regionen angeht, so ist es oft so, dass eine bestimmte Band groß rauskommt und dann andere Bands folgen, die mehr oder weniger das gleiche Konzept verfolgen. In New York gibt es SUFFOCATION, und es gibt Bands, die diesem Sound nacheifern. In Schweden gibt es ENTOMBED und DISMEMBER, und es gibt eine Reihe von Bands, die diesem Sound folgen. Florida hat eine größere Vielfalt, mit Bands wie OBITUARY, die nicht wie ATHEIST klingen, die nicht wie DEATH klingen, die nicht wie MORBID ANGEL klingen. Das soll nicht heißen, dass es keine Ähnlichkeiten gibt, aber ich denke, dass es hier eine viel größere Vielfalt gibt. Ich mag die New Yorker Szene und auch die schwedische Szene, also möchte ich diese Orte nicht schlechtmachen, ich mag diese Bands auf jeden Fall. Wir haben einfach das Glück, dass wir es zu diesem Zeitpunkt immer noch machen können, und ich bin froh, dass wir immer noch rausgehen und Florida vertreten können.
Lee, vielen lieben Dank! Was möchtest du euren Fans und unseren Lesern noch sagen?
Danke für das Interview, wir freuen uns darauf, wieder rauszugehen und euch alle auf Tour zu sehen!
Fotocredits: Tim Hubbard
- Redakteur:
- Marcel Rapp






