OU: Interview mit Anthony Vanacore

05.04.2024 | 12:43

Vom Buddhismus über Suchmaschinenkompatibilitäten bis hin zu kanadischen Genies. "II: Frailty", das zweite Album der chinesischen Prog-Metaller von OU steckt voller Geheimnisse und Besonderheiten. Doch ist es wirklich Prog? Was steckt hinter dem Symbol des Kreises? Was hat der Zustand der Gelassenheit oder eine Zeichentrickserie mit OU zu tun? Fragen über Fragen, zu denen uns Schlagzeuger und Gründungsmitglied Anthony Vanacore passende Antworten geben kann. Hoffentlich.

Anthony, vielen Dank, dass du dir etwas Zeit für uns nimmst. Wie geht es dir und wie ist die Stimmung bei OU?
Hallo! Vielen Dank, dass du dich an uns wendest! Uns geht es gut, danke und wir freuen uns sehr, dass das zweite Album bald erscheint!

Ich bin im Zuge der aktuellen "II: Frailty"-Veröffentlichung zum ersten Mal mit euch in Kontakt gekommen. Was bedeutet OU und was hat sich seit eurem Debüt "One" getan? Kannst du mir ein kleines Update geben?
OU wird genauso ausgesprochen wie der englische Buchstabe "O", tatsächlich war der ursprüngliche Bandname "O", weil wir vier alle die Blutgruppe O haben, aber später, angesichts der Tatsache, dass "O" nicht suchmaschinenfreundlich ist, haben wir ein U hinzugefügt und daraus OU gemacht, was im chinesischen Pinyin, der Umschrift des Chinesischen, genauso ausgesprochen wird wie der Buchstabe "O", was wir wirklich geliebt haben. Natürlich ist uns klar, dass auch OU nicht gerade die suchfreundlichste Variante ist.

Trotzdem habe ich euch gefunden. "II: Frailty" steht in den Startlöchern. Mit welchen Zielen seid ihr an das Werk herangegangen und wie weit hat sich euer Sound seit dem Debüt entwickelt?
Ich denke, "Frailty" ist im Grunde die natürliche Weiterentwicklung seit dem Debütalbum. Was die Songkomposition angeht, glaube ich nicht, dass es einen enormen Sprung gibt, aber ich denke, dass die Songs insgesamt straffer sind, mehr Song für Song strukturiert, während auf unserem Debüt viele Songstrukturen etwas offener waren. Der Sound, den DEVIN TOWNSEND abgemischt und mitproduziert hat, ist natürlich auch anders als beim Debüt.

Du hast es gerade schon erwähnt: Ihr konntet keinen geringeren als DEVIN TOWNSEND als Produzenten gewinnen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie sehr haben euch seine Arbeiten, Projekte und Musik beeinflusst?
Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir die Chance bekommen haben, mit Devin zusammenzuarbeiten. Die Idee kam von Thomas Waber, dem Chef von Inside Out Music. Er schlug vor, mit Devin am zweiten Album zusammenzuarbeiten und brachte uns in Kontakt. Ich bin seit fast 25 Jahren ein Fan und Bewunderer von Devins Arbeit, schon seit den STRAPPING YOUNG LAD-Tagen und seinen frühen Soloprojekten. Die Vielseitigkeit seiner Musik war für mich und die Musik von OU immer eine Inspiration. Etwas von Devins Harmonie und Klangfülle ist auch in der DNA der Musik von OU lebendig.

Ich persönlich finde es schwierig, euch als progressive Metal-Band zu bezeichnen, da ihr eine große Bandbreite von hypnotischen psychedelischen Momenten über Kunst- und Avantgarde-Rock bis hin zu cineastischer Musik abdeckt. Wie würdest du das Klangerlebnis auf "II: Frailty" beschreiben?
Ich denke, die Musik von OU ist ein wenig schwer zu definieren. Um ehrlich zu sein, versuche ich es zu vermeiden, zu viel darüber nachzudenken, denn ich möchte, dass die Musik einfach organisch entsteht.

Gibt es ein Konzept hinter "II: Frailty" oder einen roten Faden in Form einer Geschichte? Was genau bezeichnest du als gebrechlich und zerbrechlich?
Die Texte wurden alle von Lynn geschrieben, und es wird auch englische Übersetzungen geben. Ich glaube, es gibt ein gemeinsames Thema, das sich durch das ganze Album zieht, und ich würde es vorziehen, wenn die Hörer ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen. Das Einzige, was ich sagen kann, nachdem ich mit Lynn darüber gesprochen habe, ist, dass es einige Konzepte und Ideen gibt, die im Buddhismus zu finden sind, aber in welchem Ausmaß, das sollte Lynn vielleicht besser erklären, wenn sie das möchte.

Inwieweit ist der Titeltrack repräsentativ für das gesamte Album und die konzeptionellen Gedanken dahinter?
Ich denke, er ist ziemlich repräsentativ für das gesamte Konzept des Albums. Nämlich, dass das Leben als Lebewesen für sich genommen extrem zerbrechlich ist.

Was genau wollt ihr mit 'Capture And Elongate (Serenity)' einfangen und erweitern?
Der Text dazu ist sehr interessant! Als ich sie übersetzte, hatte ich fast das Gefühl, ich würde anfangen zu halluzinieren! Dieser Song ist wahrscheinlich der einzigartigste auf dem Album und einer meiner Lieblingssongs. Wer möchte nicht von einem langen Zustand der Gelassenheit ergriffen werden?

Das Album hat sich mir erst nach mehrmaligem Hören wirklich erschlossen, und besonders 'Spirit Broken', 'Purge' und 'Redemption' haben mir den Weg geebnet. Ist das beabsichtigt, dass sich eure Musik erst nach mehrmaligem Hören erschließt?
Ich denke, das hängt von der Person ab, aber ich würde sagen, dass die Musik ziemlich vielschichtig ist. Ich selbst habe viele Anläufe gebraucht, nachdem der Mix fertig war, um wirklich alle Nuancen zu hören. Ich denke, es gibt eine Menge Tiefe, in die Musikliebhaber wirklich tief eindringen können, wenn sie wollen!

Ihr habt euch wieder für eine runde Form für das Artwork entschieden. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Wie verhält sich das Artwork zu den Songs oder der Musik auf "II: Frailty"?
Nun, der ursprüngliche Bandname "O" ist auch eine kreisförmige Form, also denke ich, dass dieses Konzept zum Vibe der Band passt. Der Albumdesigner hier in Peking, Yooowen, hat einen tollen Job mit dem Album-Artwork gemacht, das meiner Meinung nach perfekt zum Vibe des Albums passt.

Gibt es irgendwelche Chancen, euch mit dem Album in Europa zu sehen? Was steht in den Monaten nach der Veröffentlichung von "II: Frailty" an?
Wir hoffen es, wir sprechen gerade in diesem Moment mit der Band und dem Management darüber, wie wir das realisieren können! Nach der Veröffentlichung werden einige neue Singles erscheinen, es wird interessante Videos über OU und die Bandmitglieder geben, eine 10-teilige Zeichentrickserie, in der OU als eine Art Wesen mit neuer Musik von OU als Hintergrundmusik auftritt. Viele Dinge sind in der Pipeline.

Hand aufs Herz, ich kenne mich in der chinesischen Metalwelt nicht besonders gut aus. Wie sieht die Metalszene in eurem Heimatland aus? Kannst du uns einen kleinen Einblick geben?
Es gibt hier auf jeden Fall eine Metalszene, es gibt ein paar tolle Bands hier. Es gibt eine großartige Instrumental-Progressive-Metal-Band namens VON CITIZEN, die ich empfehlen würde, auszuprobieren, und es gibt auch einige großartige Metal-Bands, die traditionelle chinesische Instrumente einsetzen.

Nochmals vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen, Anthony, und ich wünsche euch alles Gute mit eurem zweiten Album! Was möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch mitteilen?
Danke an alle für eure Unterstützung! Wir könnten es nicht ohne euch tun und wir hoffen, euch alle in nicht allzu ferner Zukunft bei den Live-Shows zu sehen.

Fotocredits: Zhang-Xin

 

Redakteur:
Marcel Rapp

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