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SCENES: Interview mit Chris

24.03.2005 | 12:54

SCENES aus dem Großraum Stuttgart waren mir bis vor kurzem noch unbekannt. Mit "Call Us At The Number You Provide" haben die Schwaben jedoch einen wahren Progressive-Metal-Kracher der Extraklasse am Start. Mal recht verspielt, mal ziemlich emotional, aber immer rockig und vor allem sehr eingängig schafft es der Fünfer um Gitarrist Chris Lorey eine imposante Duftmarke zu setzen. Grund genug also mal mit Chris über dieses und jenes zu plaudern. Das Ergebnis des netten Gespräches sieht dann aus wie folgt:

Martin:
Chris, schildere doch bitte mal kurz die bisherige Geschichte von SCENES und stelle eure Musik mit deinen Worten kurz vor.

Chris:
Ja, los ging das im Prinzip 1995 als Zwei-Mann-Projekt von zwei Gitarristen. Wir haben damals zwei Demos aufgenommen, die eigentlich ziemlich gut ankamen. Daraufhin wollten wir das Ganze auch auf die Bühne bringen und haben daher Leute gesucht, um live spielen zu können. Die "Neuen" wollten jedoch verständlicherweise nicht nur unsere Demos nachspielen, sondern auch selber Musik "machen". So ist dann die Band entstanden. Im Jahr 2000 haben wir dann ein Demo veröffentlicht. Auch das war recht erfolgreich. Dann wollten wir ein vollständiges Album machen und waren auch bereits in aussichtsreichen Vertragsgesprächen. Doch verschiedene, unglückliche Umstände haben uns dann einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es folgten verschiedene Besetzungswechsel und ähnliches, aber nun ist etwas verspätet wieder ein Top-Line-Up am Start und jetzt endlich geht es los...
Und unsere Musik, nun, unseren Stil würde ich schon im weitesten Sinne als Prog Metal beschreiben, auch wenn wir mittlerweile kürzere Songs haben und wesentlich besser auf den Punkt kommen, also einfach straighter sind als noch auf "New Beginning", unserem 2000er Demo. Damals steckten uns noch viele Leute in die DREAM THEATER- oder PSYCHOTIC WALTZ-Ecke.

Martin:
Auf dem neuen Album hat euer alter Sänger Nektarios noch zwei Stücke gesungen, während der Rest vom neuen Mann am Mikro, Alex Koch (ex-POWERGOD, ex-SPIRAL TOWER), gesungen wird. War das Absicht, um ein wenig mehr Vielfalt oder Abwechslung auf dem Album zu haben, oder hat sich das einfach so ergeben?

Chris:
Auf dem Album hat einfach der Necki viele Sachen noch mitgeschrieben, und diese beiden Songs, die er eingesungen hat, lagen ihm einfach besonders am Herzen. Für den Alex war das kein Problem, zumal er die genauso gut gesungen hätte. Die Sache war einfach die, das der Necki eines Tages in den Proberaum kam, als er noch unser fester Sänger war, und meinte, er hätte sich bei einem Song-Contest im Fernsehen beworben. Wir meinten daraufhin nur, er solle das machen, Hauptsache er käme rechtzeitig zu unseren Proben (lacht). Irgendwann haben mir dann ständig irgendwelche Leute gesagt, dass unser Sänger oft bei RTL im Fernsehen zu sehen ist [Nektarios war in der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" - Anm. d. Verf.], was dann irgendwann überhand genommen hat. Als wir das ganze Ausmaß überblickt haben, das die Sache angenommen hat, haben wir uns entschieden getrennte Wege zu gehen. Die Platte war gerade im Entstehen, und er hatte durch seine gerade begonnene Solo-Karriere gar keine Zeit mehr. Er wollte natürlich die Chance nutzen, die sich ihm plötzlich geboten hat. Dann ist uns der Alex über den Weg gelaufen, der witzigerweise schon vor Jahren unser Wunsch-Kandidat war. Nach seiner Trennung von SPIRAL TOWER haben wir dann zugeschlagen und uns den Alex für SCENES geschnappt.

Martin:
SPIRAL TOWER sagt mir jetzt nicht so viel, aber POWERGOD steht bei mir mehrfach im Schrank. Aber das ist ja doch eine ganz andere Richtung...

Chris:
Ja, wir kennen den Alex eigentlich eher von SPIRAL TOWER, die auch Proberaum-Nachbarn von uns waren. Viele vergleichen die Stimme vom Alex mit BRUCE DICKINSON, was natürlich schon geil ist. Er wurde uns schon damals immer wieder als derjenige empfohlen, der perfekt zu uns passt, und als dann wie gesagt der Necki mit den Superstars "abgeflogen" ist...
Der Alex gibt uns in Sachen Heavyness noch mal einen gehörigen Schub. Der Necki wollte aber unbedingt diese zwei Songs ['My Own Life' und 'Save The Light' - Anm. d. Verf.] noch einsingen, was auch für den Alex okay war und so ist das dann halt gekommen. Wobei wir uns in Deutschland damit vermutlich keinen Gefallen getan haben, weil diese Superstar-Geschichte halt ein schlechtes Image hat. In Metal-Kreisen macht man sich auf den ersten Blick damit vermutlich keine Freunde.

Martin:
Wobei er wirklich genial singen kann und ich wirklich total überrascht war, als ich die Platte zum ersten Mal gehört und gelesen habe, wer da eigentlich bei besagten Songs singt...

Chris:
Das stimmt und er bringt das auch speziell bei den beiden Songs sehr gut rüber.

Martin:
Themawechsel: Auf "Call Us At The Number You Provide" steht mit 'Such A Shame' (TALK TALK) ein Cover. Warum gerade dieser Song?

Chris:
Gute Frage (lacht)! Wir hatten den Song vor Jahren schon mal im Visier und covern eigentlich generell gerne. Da wird dauernd im Proberaum rumgejammt. Ein Coversong sollte auf jeden Fall auf das Album, aber kein Metal-Song, der dann wieder von einer Metal-Band gespielt wird. Ein Achtziger-Pop-Hit passte dann am besten, weil wir da vom Arrangement am meisten machen konnten, und ihm unseren Stempel aufdrücken konnten.

Martin:
Wie entstehen Songs bei SCENES?

Chris:
Also, normalerweise entstehen bei uns die Songs komplett im Proberaum, d. h. wir gehen mit fertigen Songs ins Aufnahme-Studio. Und neue Songs entstehen dann so, dass irgendjemand mit einer Idee ankommt, die z. B. auf der Heimfahrt aufgetaucht ist oder beim Duschen. Wird etwas vorgetragen, steigen die anderen ein und bringen sich ein. Also vereinfacht gesagt, entstehen die meisten Songs bei uns aus Jam-Sessions, wo dann einzelne Teile zusammengefügt werden.

Martin:
Der Name DREAM THEATER ist schon gefallen. Die Band ist euch, wenn ich mir das neue Album so anhöre, offensichtlich nicht ganz unbekannt. Was gibt es noch für maßgebliche Einflüsse?

Chris:
(lacht) Ja, also die Band als Ganzes kommt aus den verschiedensten Richtungen. Unser Schlagzeuger ist mit METALLICA groß geworden, unser Bassist steht eher so auf IRON MAIDEN und BON JOVI, also Hard Rock. Der Keyboarder hört alles, hatte eine klassische Ausbildung, hat Posaune in einer Funkband gespielt und trägt heute ständig PANTERA- und FEAR FACTORY-Shirts und spielt nebenbei in einem Symphonie-Orchester, während ich selbst über GUNS'N'ROSES mit vierzehn zum Hard Rock und Metal gekommen bin. Dann habe ich mich aber recht schnell Bands wie FATES WARNING oder DREAM THEATER zugewandt. Ich habe aber auch klassische Gitarre gelernt und Jazz gemacht. Wir als Band werfen einfach alles in den Topf. Der DREAM THEATER-Vergleich haftet uns aber anscheinend an...

Martin:
Es gibt wahrlich Schlimmeres... :-)

Chris:
Ja, klar (lacht)! Ich liebe diese Band, aber Eigenständigkeit ist natürlich wichtig. Und was SCENES angeht, denke ich, haben wir auf dem neuen Album durch etwas straightere Songs und das schnellere auf den Punkt kommen jetzt unseren Sound gefunden. Also, etwas weniger Rumgefiedel und etwas mehr metallischen Sound...

Martin:
Was sind deine persönlichen Ziele oder Träume mit SCENES?

Chris:
(lacht) Mit vierzehn wollte ich so berühmt werden wie GUNS'N'ROSES. Mit dem Alter relativiert sich das natürlich... Man wird mit etwas Erfahrung im Musik-Business schnell realistisch. Ich habe dann alles mal auf vier Träume runter gebrochen, von denen zwei demnächst in Erfüllung gehen. Erstens wollte ich mal meine CD im Media-Markt stehen sehen, zweitens möchte ich in die "Rockfabrik" hier in der Nähe von Stuttgart kommen und einen Song von uns hören, was gerade passiert. Drittens möchte ich eine Tour spielen, also richtig mit Nightliner unterwegs sein und viertens möchte ich einmal auf dem "Progpower-Festival" in Atlanta, USA spielen.

Martin:
Vielen Dank schon mal für das Interview, Chris! Gibt es abschließend noch etwas, was du los werden möchtest?

Chris:
Ich danke auch! Ja, ich möchte mich auch bei allen bedanken, die uns in den letzten Jahren, die für uns nicht immer einfach waren, beispielsweise durch Post und E-Mails unterstützt haben. Wir haben nun ein neues Album und sind ganz einfach zurück und hoffen, dass es nun richtig abgeht. Bleibt uns weiterhin treu! Wir hoffen, euch gefällt das Album so gut wie uns!

Alles Weitere, wie beispielsweise Konzert-Daten usw. gibt es auf der Bandpage und ich bin mir sicher, dass auch die Wünsche/Träume drei und vier vom Chris bald in Erfüllung gehen werden. Mit dem starken Album kann eigentlich nicht viel schief gehen!

Redakteur:
Martin Stark

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