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SHADOW: Interview mit Yoshio Kubo

01.01.1970 | 01:00

Hört man den Begriff Melodic Death Metal, denkt man sofort an Schweden und Bands wie DARK TRANQUILLITY, IN FLAMES … niemandem würde jedoch in den Sinn kommen im Land der aufgehenden Sonne nach einem potentiellen Vertreter dieser Stilrichtung seine Fühler auszustrecken. Mit SHADOW hat sich das Blatt nun gewendet, denn genau von dort - Japan - kommt das Quartett nämlich her und präsentiert uns mit ihrer "selftitled" Debüt-Scheibe einen Hammer erster Güte. Wenn das also kein Grund ist bei der Band anzuklopfen und diverse Details über die Nippon-Rocker zu erfahren. Rede und Antwort stand mir in dem Fall, Basser und Gründer Yoshio "Cain" Kubo, der sich allerdings nicht unbedingt als sehr redselig bzw. schreibfreuding herausstellte. Here we go!

Oliver: Könntest du kurz auf eure Bandgeschichte eingehen, da ihr hier in Europa ja ein mehr oder minder unbeschriebenes Blatt seit.

Yoshio: Ich habe die Band 1993 gegründet. 1996 stieß dann Yuichi Sumimoto und kurz darauf Shinichiro Okada dazu. Zusammen haben wir einige Songs komponiert, bevor uns auch der Drummer wieder verließ. Darauf hin habe ich meinen Kumpel Mitsuhiro Enomoto gefragt, ob er bei uns an den Drums aushelfen könne, was er auch tat um uns ein halbes Jahr später wieder den Rücken zu kehren. Nach zahlreichen Überredungsversuchen konnte ich ihn jedoch wieder dazu bewegen, wenigstens formell wieder einzusteigen.
Anschließend haben wir mit einem Session-Sänger ein Promo-Tape aufgenommen um es an diverse Labels und Bands zu schicken. Zur gleichen Zeit hatte Sami Tenetz von THY SERPENT SPIKEFARM REC. gegründet und da er uns gut fand, bot er uns einen Vertrag an. Nach langer Suche stieß dann kurze Zeit später Tokiko Shimamoto als Sängerin zur Band und wir begannen schließlich damit das Album zu schreiben. Der Mix vom Album wurde in den FINNVOX STUDIOS von Mikko Karmila und das Mastering von Mika Jussila für uns gemacht.
Tja, und im Mai wurde das Teil dann endlich veröffentlicht.

Oliver: Ich finde euer Debüt unglaublich stark. Wie sind denn sonst so die Reaktionen auf die Scheibe ausgefallen?

Yoshio: Wie ich so mitbekommen habe, sind die Reaktionen in Japan, den USA und auch Europa durchaus positiv auf unser Album. Zudem gab's etliche Interviewanfragen aus zahlreichen Ländern. Es freut uns, daß man Interesse an uns zeigt.

Oliver: Gibt es in Japan eigentlich eine große Melodic Death Metal Szene oder konzentriert sich diese hauptsächlich auf Europa?

Yoshio: Es gibt 'ne kleine Szene hier, allerdings ist die irgendwie hinten dran. Jau, in dieser Hinsicht konzentriert sich wirklich alles auf Europa … leider.

Oliver: Wie schwer ist es eigentlich Musiker für eure Art von Musik in Japan zu finden?

Yoshio: Es ist sehr schwer. Wenn wir auf der Suche sind, dann gibt es da niemanden. Haben wir jedoch Glück und finden jemanden, ist unser Line-Up sehr beständig.

Oliver: In dem Bandinfo von eurer Plattenfirma CENTURY MEDIA werdet ihr mit Bands wie IN FLAMES, DARK TRANQUILLITY … verglichen. Kommt ihr mit den Vergleichen klar oder seht ihr euch als so eigenständig an, daß euch solche Vergleiche eher zu Hals raushängen?

Yoshio: Ich habe keine Band parat, die ich mit uns vergleichen könnte, obwohl wir sicher die ein oder anderen Einflüsse von den erwähnten Bands in unseren Sound miteinfließt.

Oliver: Ihr hört euch sehr schwedisch an mit HELLOWEEN-ähnlichen Leads. Wo liegen eure musikalischen Einflüsse?

Yoshio: Ganz sicher die aktuellen schwedischen Szeneacts, 80er Jahre Hardrock, Metal, Thrash und Death Metal haben uns und unseren Sound beeinflußt.

Oliver: Was glaubst du, ist es im Hinblick auf Erfolg in Europa / den USA ein Vorteil aus Japan zu kommen oder wäre es für einen Newcomer wie euch hilfreicher aus einem der erwähnten Länder zu kommen?

Yoshio: Ich glaube in diese Länder zu reisen und dort zu spielen hat einen Menge Vorteile. Ja, wir würden dort sehr gerne spielen. Wir wären jedenfalls sehr dankbar wenn's klappen sollte (Kollege, da hast du meine Frage wohl nicht richtig verstanden, anyway ... - Anm. d. Red.).

Oliver: Ihr habt ja schon einige Shows mit Bands wie DISMEMBER, NAPALM DEATH … gespielt. War das etwas besonderes für euch und wie schwer bzw. leicht ist es überhaupt für japanische Bands an Gigs im eigenen Land ranzukommen? Man hört zwar immer wieder von allen möglichen Acts die in Japan spielen, aber nie wird was über japanische Combos im eigenen Land bzw. in Europa berichtet … seltsam, oder!?

Yoshio: Wir haben sehr viel von diesen Bands gelernt. Diesen August werden wir DIMMU BORGIR supporten, von denen wir sicherlich gleichfalls einiges abgucken können, kein Wunder bei deren Live-Erfahrung.
Da hast du wohl recht, es ist wirklich seltsam daß kaum japanische Bands in Europa spielen … kein Wunder, es gibt ja auch nicht allzu viele Bands bei uns. Nichtsdestotrotz würden wir gerne zu euch kommen um dort zu spielen. Gebt uns eine Chance … sollte irgend ein Promoter Interesse an uns haben, meldet euch … please!

Oliver: Ich war sehr beeindruckt von Tokikos Gesang und mit mir sicher noch einige andere Leute … 'ne Frau die derber röhrt wie 100 Elche, Wahnsinn. Sind ihre Vocals eine Art Markenzeichen von SHADOW?

Yoshio: Darüber machen wir uns keinen Kopf. Wir hoffen jedenfalls, daß uns die Zuhörer so nehmen wie wir sind und nicht nach Geschlecht oder sonstwas bewerten.

Oliver: Wo wir schon beim Thema Gesang sing, worum dreht es sich bei euren Lyrics?

Yoshio: Könntest du das bitte Tokiko fragen? Tut mir leid, aber davon habe ich keine Ahnung … sie schreibt die ganzen Texte (!?!? ... wie soll ich das bitte machen? - Anm. d. Red.).

Oliver: Wie sehen eure Tourpläne aus … 'ne Idee ob ihr nach Europa kommen werdet oder habt ihr derzeit andere Märkte im Visier?

Yoshio: Wenn sich eine Möglichkeit bietet würden wir liebend gerne nach Europa kommen oder aber auch in jedem anderen Land live spielen.

Nun zu den üblichen Standartfragen meinereiner.

Oliver: Welche 3 Dinge würdest du nicht mit auf eine einsame Insel mitnehmen?

Yoshio: 3 verschiedene Typen von Frauen (Hat er mich nun richtig verstanden oder nicht? Einerseits stelle ich es mir recht lustig vor mit 3 Damen verschiedenen Typs, andererseits könnte es auf der besagten Insel jedoch auch sehr sehr stressig werden. Lassen wir es also mal dahingestellt ob mich Kollege Yoshio nun falsch oder richtig verstanden hat … - Anm. d. Red.).

Oliver: Hättest du die Möglichkeit einen Tag lang eine andere Person zu sein, in welche Rolle würdest du gerne schlüpfen und warum?

Yoshio: Eine Frau ... zur genauen "Untersuchung" des weiblichen Körpers. Oder Traci Lords … hail her!

Oliver: Wie gehst du mit Kritik um? Wann ist für dich der Bogen kritikmäßig überspannt?

Yoshio: Damit hatten wir noch nie Probleme. Es läßt sich darüber streiten, ob mir die Band egal ist oder nicht, wenn ich jetzt behaupte, daß mir Kritiken sonstwo vorbeigehen, auch wenn sie vielleicht ins Schwarze treffen.

Oliver: Das Interview, das du gerade beantwortest ist ja für ein Online-Metal-Mag. Welchen Stellenwert nehmen für dich persönlich Online-Mags verglichen zu "herkömmlichen" gedruckten Magazinen ein?

Yoshio: Ich sehe zwischen den beiden Arten wenig Unterschied. Persönlich allerdings bevorzuge ich die gedruckte Variante.

Oliver: Wo siehst du SHADOW in 10 Jahren?

Yoshio: Entweder sind wir größer und erfolgreicher als jetzt oder einfach vom Bildschirm verschwunden. Sollte es uns in 10 Jahren nicht mehr geben, dann existieren wir auf jeden Fall noch in unseren Gedanken.

Oliver: Wir waren ja schon vorher bei dem Thema "Online". Wie stehst du zu MP3-Files, Napster und dem Internet im Allgemeinen?

Yoshio: Sorry, aber damit kenne ich mich überhaupt nicht aus … kann ich leider nicht beantworten.

Oliver: Danke fürs Interview. Dir gehören die letzten Worte …

Yoshio: Gleichfalls Danke fürs Interview. Ich hoffe ihr checkt unser Album, sofern ihr das noch nicht gemacht habt und unterstützt uns auch weiterhin … Metal Forever!

Redakteur:
Oliver Kast

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