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SLAGMARK: Interview mit Beist

30.03.2005 | 22:09

SLAGMARK sind ein plötzlicher und unvermuteter Stern in der norwegischen Black-Metal-Szene und unter Umständen eine der Bands, die das Anfang des neuen Jahrtausends gesunkene Schiff wieder auf Kurs bringen wird. Mit dem ersten Album "Eradication" kratzen diese Norweger jedenfalls schon sehr stark an den ersten Releases von DIMMU BORGIR und Konsorten und hinterlassen einen mehr als sehr guten Eindruck. Schlagzeuger Beist erklärte mir hierzu ausführlich, warum die Band trotz allem mit ihrer Musik nicht ein paar Jahre zu spät dran ist.

Björn:
Hallo, wie geht's?

Beist:
Hallo Powermetal.de. Hier ist Beist, der Schlagzeuger und Texteschreiber von SLAGMARK. Mir geht es heute ziemlich gut, vielen Dank!

Björn:
Wie ist denn zur Zeit der Winter in Norwegen?

Beist:
In erster Linie friert es hier gewaltig und weil es schon mal urplötzlich passieren kann, dass am nächsten Morgen auf einmal ein halber Meter Schnee liegt, wird man sehr unangenehm überrascht, wenn man das nicht gewohnt ist. Norwegische Winter dauern normalerweise immer ziemlich lange, insbesondere hier an der nordwestlichen Küste bei Kristiansund, wo wir leben.

Björn:
Und was macht eine Band wie SLAGMARK im Winter, außer der Veröffentlichung eines neuen Albums?

Beist:
Du meinst wohl außer betrunken zu werden, haha! Nun, einige von uns haben einen regulären Job, wohingegen ich zurzeit arbeitslos bin. Wir verbringen die meiste Zeit damit, das neue Material einzuproben und das neue Album so gut wie möglich zu promoten.

Björn:
Ist "Eradication" eigentlich euer erster offizieller Release?

Beist:
Ja, das ist unsere erste Full-Length.

Björn:
Aber es hat zuvor ja einige Demos gegeben. Sind die Songs auf eurem neuen Album zum Teil von diesen ersten Veröffentlichungen oder handelt es sich hierbei um komplett neue Kompositionen?

Beist:
Das ist korrekt, es hat zuvor drei Demos gegeben: "Maniq Lord" (1999), "Art Of War" (2001) und "Erase Christianity" (2003). Auf "Eradication" befinden sich sowohl einige neue Songs wie 'Aeon Of Horus', 'Death Come Forth' und 'Slavery By The Book', als auch Nummern von den letzten beiden Demos.

Björn:
Sind die Demos denn auch noch in ihrer ursprünglichen Version erhältlich?

Beist:
Ich befürchte nicht. Weil die Nachfrage nicht so besonders groß war, haben wir uns entschlossen, keine weiteren Exemplare pressen zu lassen.

Björn:
SLAGMARK gibt es schon seit 1998, doch bis zu diesem Album hat es dennoch sieben Jahre gedauert. Warum ist eure Zeit nicht früher gekommen?

Beist:
Nun, dafür gibt es viele Gründe. Zwei von uns mussten erst einmal ihre Wehrpflicht ableisten und ich selber war außerdem noch in BLOOD RED THRONE involviert. Hinzu kommt, dass wir in den letzten drei Jahren zwei neue Mitglieder einarbeiten mussten, um nur mal ein paar Gründe zu nennen.

Björn:
Hat es demzufolge auch noch keine interessanten Angebote von irgendwelchen Plattenfirmen gegeben?

Beist:
Nichts wirklich Interessantes. Es kamen nur so Sachen wie Beiträge zu einem Sampler, aber keine seriösen Angebote.

Björn:
Ihr habt die Band eine Zeit lang über das Internet promotet, wo euer neues Label Edgerunner dann auch auf euch aufmerksam geworden ist. Ich vermute einmal, dass das World Wide Web für euch ein wichtiger Faktor geworden ist, oder?

Beist:
Tja, das haben wir wohl unserem Sänger Avsky zu verdanken, der 24/7 am Rechner sitzt und surft. Er hat jedenfalls einige Songs ins Netz gestellt, woraufhin Martin von Edgerunner uns entdeckt hat und Interesse an unserer Musik bekundet hat. Es war also sozusagen ein sehr glückliches Ereignis.

Björn:
Welchen Stellenwert hat das Internet demzufolge für eure Band?

Beist:
Es ist in der Tat sehr wichtig geworden. Erst im Netz bekommen kleinere Bands wie wir, die gerade versuchen, nach oben zu kommen, ein wenig Aufmerksamkeit. So startet die ganze Sache. Die großen Magazine sind ja meistens schon viel zu beschäftigt mit den etablierten und überpräsenten Bands. Ohne dass man zuvor Interviews und Reviews für ein Webzine bekommen hat, wird man nur ganz schwer den nächsten Schritt in die größeren Magazine oder möglicherweise ins Radio packen. Bands wie SLAGMARK stehen daher auch ganz klar für den Begriff Underground!

Björn:
Also unterstreichst du auch die Aussage, dass man als Band demnächst ohne eigene Page nichts mehr reißen kann?

Beist:
Ja, das wird sehr wahrscheinlich so sein. Im Internet liegt die Zukunft – auch beim Metal!

Björn:
Du hast eben schon erzählt, inwiefern das Internet einer Band wie SLAGMARK helfen kann. Wo siehst du dann die Vorteile eines Online-Mags gegenüber einem Print-Magazin?

Beist:
Zuerst einmal kann man im Internet so viele Informationen wie nur möglich über eine Band verbreiten. Zudem denke ich, dass die unterschiedlichen Magazine im Internet potenziell viel größere Leserzahlen haben als die konkurrierenden Medien.

Björn:
Gut, dann reden wir noch einmal über euer neues Album. Meiner Meinung nach spielt ihr melodischen, aber dennoch rauen Black Metal, ganz so wie DIMMU BORGIR ganz zu Beginn, als sie noch nicht so erfolgreich waren. Haben euch Bands wie DIMMU BORGIR in eurer musikalischen Entwicklung beeinflusst?

Beist:
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht stimmt. Als Teenager haben wir uns nur diese Bands angehört, und sie übernehmen für uns den Part, den CELTIC FROST und VENOM für sie inne hatten. Ich würde sagen, dass die zweite Welle des norwegischen Black Metal mehr oder weniger eine Inspiration war, selber Black Metal zu spielen. Das gilt aber auch für den amerikanischen Death Metal der frühen 90er, den wir ebenso gerne hören.

Björn:
Wen würdest du denn als wichtigsten Einfluss nennen?

Beist:
Hauptsächlich uns selber. Wir sind allesamt Atheisten, was heißt, dass wir an uns selber glauben, und die Eigenschaft zu denken und die Sachen nach unserer Vorstellung zu gestalten gefällt uns sehr gut, ganz egal was andere darüber denken mögen. Es geht auch um den Hass gegen die Christenheit und Religionen im Allgemeinen, da sie die hilflosen Seelen manipulieren und ihnen befehlen, wie sie handeln sollen. Dies alles plus unsere Lieblingsbands ist der größte Einfluss. Meiner Meinung nach ist das eine gute Mischung, haha.

Björn:
Ihr klingt ja auch recht modern, was die Produktion anbelangt. Wenn ich also jetzt behaupte, dass SLAGMARK die perfekte Kombination aus dem Black Metal der mittleren Neunziger und dem Sound des neuen Milleniums sind, würdest du mir da in gewisser Weise zustimmen?

Beist:
Jackpot, Bulls Eye, genau richtig! Entschuldige bitte, ich war für einen Moment weggetreten. Aber ganz ehrlich, das ist meiner Meinung nach eine sehr gute Beschreibung von SLAGMARK, zumindest was das "Eradication"-Album betrifft.

Björn:
Was bedeutet SLAGMARK denn für euch?

Beist:
SLAGMARK ist unser Sprachrohr, durch das wir unsere individuelle, höllische Wut mit unseren Instrumenten ausdrücken können. Wir haben bandintern eine recht gute Beschreibung von Wut: wütend, wütender, SLAGMARK! Extreme Musik, extreme Texte, extremes Artwork und eine extreme Performance – darum geht es bei SLAGMARK.

Björn:
Die Black-Metal-Szene ist im Moment nicht so im Vordergrund wie das noch vor einigen Jahren der Fall war, und bis auf die größeren Bands setzt sich kaum jemand mehr szeneintern durch. Wie könnte euch das trotzdem gelingen?

Beist:
Um dies zu erreichen, muss unser Album natürlich gute Absatzzahlen erreichen, sich am besten sogar ganz ausverkaufen. Außerdem müssen wir die Platte mit Live-Auftritten unterstützen, wann immer das auch möglich ist. Mehrere Interviews und Reviews sind ebenfalls enorm wichtig!

Björn:
Wie denkst du allgemein über die aktuelle Black-Metal-Szene?

Beist:
Ich denke, sie leidet unter der depressiven Stimmung in der Bevölkerung, wie du eben schon sagtest: die Szene ist nicht so groß im Moment. Death und Thrash Metal sind wieder angesagter, was wir an den Reunions der ganzen Death-Metal-Bands sehen können. Und auch die traditionellen Sachen sind wieder gefragt, hier reformieren sich ja auch wieder so einige Bands. Aber mit dem Black Metal ist es wie mit jedem anderen Genre auch; es hat seine Hochs und Tiefs. Und trotzdem wird Black Metal irgendwann wieder zurückkehren!

Björn:
Wenn ihr "Eradication" Mitte der Neunziger herausgebracht hättet, wäret ihr vielleicht ziemlich groß herausgekommen. Ist dir das bewusst?

Beist:
Ja, das mag sein. Aber SLAGMARK waren zu dieser Zeit eben nicht aktiv, und die Band war leider etwas zu spät für diese Ära. Wir können das nun mal nicht ändern.

Björn:
Bereust du das?

Beist:
Nein! Die Gelegenheit war eben nicht da. Als die Black-Metal-Szene sich entwickelte, konnte ich noch nicht mal Schlagzeug spielen. Jetzt ist die Zeit von SLAGMARK, und wir werden das Beste daraus machen bis uns die nächste Welle packt. Es ist die Zukunft, die interessiert, und SLAGMARK sind ein Teil davon.

Björn:
Was können wir in den nächsten Wochen von euch erwarten? Wie werdet ihr die Scheibe vorstellen?

Beist:
Jetzt ist die Zeit, das Album zu pushen! Genau jetzt müssen wir den Namen bekannt machen, Interviews geben, Konzerte spielen etc. Erwarte alles Mögliche von uns.

Björn:
Ihr habt ja in Norwegen schon einige Konzerte gespielt, aber ich bin mir nicht sicher, ob ihr auch außerhalb eurer Heimat schon einmal aufgetreten seid. Was kannst du mir über eure bisherigen Live-Erfahrungen so erzählen?

Beist:
Wir haben einige Shows in unserer Heimat gespielt, aber noch nicht außerhalb von Norwegen. Live-Shows sind genau unser Ding und bisher haben wir auch nur gute Erfahrungen machen können. Wir sind aber auch schon ziemlich verarscht worden und haben so die negativen Seiten des Business kennen gelernt. Man kann also sagen, dass wir eine erfahrene Live-Band sind.

Björn:
Wie sieht es denn mit den Zuschauern bei Black-Metal-Konzerten in Norwegen aus. Was passiert bei euren heimischen Konzerten?

Beist:
Ich denke, das variiert von Show zu Show. Wenn die Atmosphäre stimmt und die Leute mögen, was sie hören und sehen, dann kann daraus das verrückteste, enthusiastischste und fanatischste Publikum werden. Andererseits kann es aber auch ziemlich ärgerlich sein, wenn man vor einem Publikum spielt, das dir absolut keine Aufmerksamkeit schenkt und jeder Versuch, dort hindurch zu brechen, scheitert. Ein SLAGMARK-Konzert ist in der Regel sehr laut, intensiv und brutal, weil wir auch kein langes Set spielen wollen. Die Menge scheint es zu genießen. Wir möchten sie lieber mit Hunger auf mehr als gelangweilt hinterlassen.

Björn:
Ihr habt jetzt einen Deal und ein starkes Album am Start. Nichtsdestotrotz ist es nun sehr wichtig, schnellstmöglich ebenbürtiges Material nachzulegen. Hast du schon eine Idee, wie es diesbezüglich weitergehen wird?

Beist:
Du hast vollkommen recht. Wir arbeiten gerade auch schon an neuen Sachen und haben das Angebot, eine weitere Platte über Edgerunner Music zu veröffentlichen. Wir werden sehen, wann das der Fall sein wird. Hoffentlich können wir zwischendurch auch eine EP dazwischen schieben, um den Namen heiß zu behalten.

Björn:
Was sonst kann man von euch in Zukunft erwarten?

Beist:
Es sieht so aus, als würden die neuen Sachen eine ähnliche Richtung einschlagen, wie die neueren Songs des "Eradication"-Albums. Mit anderen Worten, schneller und brutaler. Das nächste Album wird definitiv ein rücksichtsloses sein. Andererseits hoffe ich, dass wir die Chance bekommen werden, schon bald in anderen Ländern zu spielen und auf Tour zu gehen.

Björn:
Irgendwelche letzten Worte?

Beist:
In Zukunft wird man sich an den Namen SLAGMARK erinnern – du doch auch, oder? Kauft euch "Eradication" jetzt!

Redakteur:
Björn Backes

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