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THE SAFETY FIRE: Interview mit Sean McWeeney

12.03.2012 | 20:34

Die Briten THE SAFETY FIRE haben mit "Grind The Ocean" eines der bisher stärksten Alben aus der just aufkommenden Djent-Szene aufgenommen. Auch wenn die Band sich dort gar nicht so sehr sieht. Wir sprachen mit Sänger Sean McWeeney.

Das positive Presseecho ist schon einmal ein gutes Zeichen für die Jungs. "Ja, das Feedback, das wir bisher bekommen haben, ist brillant. Die Reviews hatten oft sehr unterschiedliche Ansatzpunkte, waren aber immer sehr positiv. Aber jetzt, wo das Album veröffentlicht ist, zählt nur die Meinung der Fans."


Da die wenigsten Leser von POWERMETAL.de mit THE SAFETY FIRE vertraut sein dürften, gibt uns Sean einen kurzen Abriss der Bandhistorie. "Ja, für die Szene sind wir wohl neu, aber wir fühlen uns gar nicht als neue Band, da wir zusammen sind seit unseren frühen Teenager-Jahren. Wir haben uns in der Zeit natürlich auf verschiedenen Ebenen entwickelt. In erster Linie von schlechten Musikern mit schrecklichem Bartwuchs zu Typen mit hübschem Bartwuchs.", witzelt Sean und zeigt seine Fähigkeiten im Understatement. "Wir haben unsere erste EP "Sections" dann 2010 veröffentlicht, die schon wirklich gute Reviews erhalten hat, waren dann auf Tour mit PERIPHERY und RISE TO REMAIN und haben via Twitter sogar eine Nachricht von Grandmaster Flash erhalten (kenn ich nicht, beeindruckt mich nicht. - PK). Aber jetzt - und das ist das Wichtigste - sind wir bereit unser Debütalbum auf die Leute loszulassen."

Das "Grind The Ocean" dem Djent zugeordnet und mit Bands wie TESSERACT, VILDHJARTA oder PERIPHERY verglichen wird, möchte Sean doch relativieren. "Ich denke, wir haben weniger mit diesen Bands gemeinsam, als diese Bands untereinander. Wir sehen uns eigentlich eher in der Nähe von Bands wie CYNIC, SIKTH oder BETWEEN THE BURIED & ME. Wir werden schon relativ häufig Djent genannt und natürlich gibt es Elemente dieses Sounds in unserer Musik, aber es gibt auch Elemente von Fusion, Death Metal und Pop, von daher bevorzugen wir den Begriff Progressive Metal. "Prog" mag zwar Bilder von langhaarigen Typen aus den Siebzigern, die epische Konzeptalben über Elfen, Drachen und Zwerge geschaffen haben (Nö. Sicher nicht. - PK), aber wir meinen es in der wahren Bedeutung des Wortes. Progressive im Sinne von experimentell, vorwärts gerichtet und open-minded. Und ich hoffe, dass dies nicht so einfach als Djent definiert werden kann, auch wenn diese Bands einen ähnlichen Ansatzpunkt haben."


Der auffälligste Unterschied zu den anderen Bands des Djent ist sicher, dass die Gitarren neben dem "Palm Muting" auch sehr deutliche Heavy/Rock-Wurzeln aufweisen. "Ja, das stimmt. Bei uns fokussieren sich die Gitarren eher auf die Melodie als auf die rhythmischen Aspekte. Die Phrasierung der Melodien schafft zwar interessante Rhythmen, aber nicht in derselben Art wie es bei MESHUGGAH der Fall ist. Ein paar unserer Einflüsse habe ich ja schon erwähnt, aber auch eine Band wie KARNIVOOL oder alte Helden wie YES, RUSH, KING CRIMSON und poppigere Sachen wie PETER GABRIEL, BJÖRK und KAKI KING zählen wir zu unseren Einflüssen."

Während Kollege Holger THE SAFETY FIRE als "Musik für Zappelphilips" bezeichnet, ist der Autor eher der Meinung, dass man schon sehr konzentriert & aufmerksam zuhören muss, um die Musik zu erfassen. Wer liegt denn da jetzt richtig? "Haha, das ist eine schön formulierte Frage. Ich denke auch, dass unsere Musik einen aufmerksamen Hörer erfordert, da jeder Song viele musikalische Ideen beinhaltet und diese sehr sorgsam strukturiert sind. Wenn du dich nicht länger als fünf Minuten auf Musik konzentrieren kannst, hast du wahrscheinlich Schwierigkeiten die gesamten Strukturen zu erkennen. Der Zappelphilipp hätte da wohl so seine Schwierigkeiten. Aber es gibt eine Menge Leute, die zuerst Probleme mit unserem Sound haben und ihn zu wirr finden, nur um nach einigen Durchläufen mehr festzustellen, dass sie es mögen. Auf YouTube haben wir ein paar Kommentare von Leuten, die erst sagen, dass unser Song ein großer Haufen Scheiße ist und die dann einige Tage oder Wochen später sagen, dass sie die Musik jetzt doch lieben. Wir als Band sind auch eher kritische, aufmerksame Hörer. Musikalität ist wichtig, aber wenn ein Riff zwar unglaublich kompliziert ist, aber scheiße klingt, dann ist es immer noch scheiße.", lacht Sean.


Auch die Texte erfordern die Aufmerksamkeit des Hörers, wie Sean erzählt: "Mein Ansatz ist, Texte darüber zu schreiben, dass wir kritische und bewusste Individuen sind. Ich denke, dass die Texte wie die Musik eine Mente Aufmerksamkeit benötigen. Sie handeln von einer Menge an Themen, aber haben durchaus ein gemeinsames Gerüst, nämlich dass uns bewusst sein müssen, wie die kulturelle und politische Umgebung unsere Hoffnungen, Entwicklungen, Benehmen, ja, sogar unsere engsten Beziehungen beeinflusst. Es geht darum, wie wir konditioniert und manipuliert werden. Und natürlich gibt es auch einen Song über Drogen, um das Ganze etwas aufzuhellen.", scherzt Sean.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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