TOTAL ANNIHILATION: Ein bisschen Spaß muss (nicht) sein

14.01.2026 | 13:36

TOTAL ANNIHILATION verfolge ich bereits seit dem genialen "84"-Debüt. Seitdem sind nicht nur bei mir viele Jahre ins Land gezogen, auch die Thrasher haben sich enorm weiterentwickelt. Nach vielen Widrigkeiten steht mit "Mountains Of Madness" nun ihr viertes Album in den Startlöchern und verspricht ein ziemlicher Volltreffer zu werden. Aus dem Grund schnappten wir uns Daniel und Jürgen - Sänger und Gitarrist der in der Schweiz ansässigen Combo - und sprachen über die letzten Jahre, Illusionen, mentale Gesundheit und Spaß-Songs. Here we go:

 

Hallo Jungs, wie ist die Stimmung bei TOTAL ANNIHILATION?

Daniel: Hi Marcel, aktuell laufen viele verschiedene Dinge bei uns im Hintergrund. Der Hauptgrund ist natürlich der anstehende Release unseres neuen Albums "Mountains Of Madness", aber auch die unmittelbar darauffolgende Zeit. Wir wollen die neuen Songs natürlich auf die Bühne bringen und bereiten uns intensiv auf die Shows nach dem Release vor. Die Stimmung ist vor allem eins, voller Tatendrang.

Sechs lange Jahre mussten wir uns gedulden, doch nun seid ihr endlich wieder da! Könnt ihr mir ein kleines Update geben, was in der Zeit bei euch passiert ist?

Daniel: Wir waren in der Zeit seit dem Release des letzten Albums nicht untätig, wir haben im Jahr 2021 eine Single mit Material von der "Chains"-Aufnahme-Session veröffentlicht und konnten endlich wieder einige Shows spielen. Das war auch bitter nötig nach der ganzen Zeit ohne Konzerte. 2023 waren wir dann nochmals im Studio, um Songs für eine weitere Single aufzunehmen. "Raging Death" haben wir dann noch im gleichen Jahr in Eigenregie unter die Leute gebracht.

Ich persönlich fand es sehr bedauerlich, dass direkt nach der Veröffentlichung von "... On Chains Of Doom" die Pandemie Striche gegen viele Rechnungen gemacht hat. Das hat euch wahrscheinlich auch ausgebremst und dafür gesorgt, dass erst jetzt die neue Scheibe herauskommt, oder?

Daniel: Da hast du absolut recht, die Pandemie hat uns komplett ausgebremst. Vier von uns fünf wohnen in der Schweiz und unser Gitarrist Jürgen wohnt in Deutschland. Es gab Zeiten, in denen wir uns monatelang nicht persönlich treffen, sondern uns nur online austauschen konnten. Einer Band wie uns, die von der Gemeinschaft lebt, hat das definitiv einen dicken, fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Absolut untätig waren wir dennoch nicht und haben uns so gut es ging ans Songwriting gesetzt für neues Material. Da mit dem Ende der Pandemie auch Livekonzerte wieder regelmäßiger stattfinden konnten, hatten wir da einiges nachzuholen und haben dann erst später angefangen intensiv an neuem Material zu arbeiten. Auch die Suche nach einem Label hat dann einige Zeit in Anspruch genommen.

"Mountains Of Madness" heißt die neue Scheibe und verspricht ein absoluter Volltreffer zu werden. Verfolgt das neue Album eine bestimmte Thematik, einen thematisch roten Faden, der sich durch das Album zieht?

Jürgen: Jein, einen bewussten roten Faden im Sinne von "Kommt, wir machen ein Album über die Verschiebung von Kieselsteinen" gibt es nicht. Allerdings ist es schon so, dass 2024 und 2025 sehr intensive Jahre für mich waren. Da war viel sehr Positives dabei, aber leider auch richtig beschissene Sachen, die einen halt mal ordentlich durchrütteln. Daher würde ich sagen, es gibt zwei "Absichten", die in dem neuen Material stecken. Auf der einen Seite die Klassiker Wut/Frustration/Enttäuschung, auf der anderen der zwingende Zwang morgen besser zu sein als gestern.

Ich habe euch mit "84" kennengelernt und 'Big, Fat, Lying Bastards' sowie der Titeltrack laufen noch immer rauf und runter. Wie weit habt ihr euch seit eurem sehr starken Debüt denn musikalisch entwickelt? Und was unterscheidet musikalisch "... On Chains Of Doom" vom neuen Album?

Jürgen: Im Vergleich zum Debüt denke ich sind wir einiges vielschichtiger geworden, haben es aber trotzdem geschafft die rohe, fast schon stumpfe Wut des alten Materials ins Heute zu übertragen und unsere eigene musikalische Sprache zu entwickeln. "Chains" war aus meiner Sicht die Ausrichtung/Bereitmachung in diese Richtung. Heute, mit dem Album "Mountains" sieht man die Distanz zum Startpunkt deutlich, was mich persönlich sehr freut und mir die Energie gibt dieses musikalische Gebräu weiterzuentwickeln. Mit Blick auf das Material, welches gerade als Nachfolger zu "Mountains" entsteht, kann ich auch schon mal verraten, dass die Reise auch noch lange nicht zu Ende ist.

Was macht 'The Art Of Torture' für euch zu einer perfekten Single und Opener?

Jürgen: Der Song hat alles und davon sogar viel mehr. Die grundsätzliche TOTAL ANNIHILATION-DNA ist deutlich ausgeprägt, fühlt sich aber wesentlich schärfer, schneller, aggressiver, heimtückischer und vielschichtiger an. Ich würde sagen, der Song ist exakt im Zentrum von dem, was diese Band heute zu schaffen vermag und transportiert alle diese Trademarks auf eine sehr catchy und brachiale Art & Weise. Bildlich gesehen also der Diplomat im feinen Zwirn, der links seinen Aktenkoffer und rechts die blutige Machete in der Hand hält.

'Illusion' gefällt mir unheimlich gut - was ist denn eurer Meinung nach die größte Illusion der Menschheit?

Daniel: Der Irrglaube, dass es etwas Göttliches, oder sowas wie einen Gott gibt, der bestimmt, was gut oder was böse ist. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden, von mir aus soll jeder an das glauben, was er will. Einen Glauben dann aber zu nutzen, um irgendwelche Gräueltaten zu rechtfertigen, oder sich anderen in irgendeiner Art und Weise überlegen zu fühlen, finde ich zum Kotzen. Schaltet euer Gehirn ein und lebt vernünftig miteinander.

Es gibt viele Stellen auf der Scheibe, über die ich lange nachdenken muss - 'Age Of Mental Suicide' als Beispiel. Was lässt denn eurer Meinung nach die mentale Gesundheit in den Selbstmord stürzen?

Jürgen: Danke für das Feedback. Freut mich wirklich, dass unsere Lyrics etwas bei dir bewegen. Grundsätzlich sind es die einfachsten und gleichzeitig widerlichsten Verhaltensweisen wie Egoismus, Gier, Heimtücke, Hass etc., mit Blick auf die Menschheit also nichts wirklich Neues. Nur ist es in unserer schnellen und total informierten Welt aber einfach so geworden, dass sich jeder an allem maßlos bedienen kann und man gefühlt nur noch Menschen sieht, die sich in unglaublicher Geschwindigkeit mental fett fressen, ohne geistig wirklich zu wachsen und ich rede nicht von Intelligenz, sondern von Reflektion, Achtsamkeit und Dankbarkeit.

'Nyctophobia' ist die krankhafte Angst vor der Dunkelheit - dabei ist "Mountains Of Madness" schon ein sehr düsteres Album geworden, daher der perfekte Soundtrack, um diese Angst auf die Spitze zu treiben?

Jürgen: Danke erstmal, das war Absicht, weil fröhlich ist halt so semi. "Mountains Of Madness" ist ein Album, welches neben viel Positivem auch durch einige schlechte Erfahrungen geprägt ist. Grundsätzlich sollen die Songs ein Ventil bieten und zum Nachdenken anregen. Wenn jetzt jemand seine Angst damit musikalisch untermalt sieht, ist das für mich auch ok. Schöner fände ich es, wenn nach der Angst auch der Durchbruch zu was Positivem erreicht wird.

Zum ersten Mal habt ihr keinen deutschsprachigen Song oder einen "Fun-Song" wie 'Thrash Metal und Dosenbier' oder 'Black Jack und Nutten' am Start. Eine bewusste Entscheidung, da das aktuelle Weltgeschehen nichts zum Lachen hergibt?

Daniel: Einen solchen "Fun-Song" können wir nicht forcieren, so etwas passiert einfach irgendwie. Da muss die Stimmung passen und jemandem was (halbwegs) "Geistreiches" einfallen. Ob das aktuelle Weltgeschehen dazu beigetragen hat, kann ich so nicht beurteilen, würde ich aber auch nicht ausschließen.

Das Album sprüht vor Energie und Tatendrang. Ich würde euch gerne einmal live sehen - habe ich 2026 die Chance hierzu? Was steht nach dem Release der Scheibe für das Jahr 2026 an?

Daniel: Wir werden 2026 auf jeden Fall versuchen möglichst viele Liveshows mitzunehmen und sind dazu an vielen Stellen mit unterschiedlichen Leuten in Kontakt. Neben dem neuen Album feiern wir ja auch unser 20-jähriges Bestehen als TOTAL ANNIHILATION, da wollen wir natürlich rumkommen und eine gute Zeit erleben.

Wie würdet ihr die vergangenen zwölf Monate in 2025 bewerten und welche Vorsätze habt ihr für die nächsten zwölf?

Daniel: Die vergangenen zwölf Monate waren sehr spannend, aber auch wahnsinnig intensiv. Die kommenden zwölf Monate werden allerdings noch spannender und noch ein gutes Stück intensiver. Wir freuen uns extrem auf die Zukunft und was da noch alles passieren wird.

Jungs, danke euch, dass ihr euch Zeit für mich genommen habt - "Mountains Of Madness" ist ein tolles Album geworden, für das ich euch alles Gute wünsche! Was möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch mit auf den Weg geben?

Daniel: Vielen Dank für das Interview und die netten Worte zu unserem neuen Album. Es freut uns sehr, begleitest du uns ja schon seit dem Debütalbum. Wenn du die Möglichkeit hast bei einer unserer Shows dabei zu sein, melde dich am Merch, das erste (und vielleicht auch drölfte) Bier geht auf uns, hehe. An alle Leser und Fans, wir freuen uns auf euch!

Vielen Dank! Prost!


Fotocredit: Nicolas Gysin Photography

Redakteur:
Marcel Rapp

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