VICTORIUS - Interview mit Gitarrist Dirk
17.04.2026 | 14:55VICTORIUS-Gitarrist und Gründungsmitglied Dirk Scharsich gibt Auskunft über das neue Album "World War Dinosaur", Gimmick-Bands, Weltraum-Ninjas und natürlich Dinos!
Hallo Dirk, wie geht es euch mit dem bevorstehenden Release? Seid ihr froh, dass das Album auf dem Weg ist, seid ihr aufgeregt? Wie ist da eure Gemütslage im Moment?
Das war ein ganz langer Prozess, bis das Album fertig war. Und zu wissen, dass es jetzt bald veröffentlicht wird, ist schon aufregend. Es war aber auch sehr, sehr, sehr viel Arbeit in den letzten Jahren. Wir sind daher, glaube ich, auch erleichtert, wenn es dann endlich draußen ist.
Wie war das Feedback auf die bisher veröffentlichten Songs?
Bisher positiv. Ich verfolge das gar nicht so sehr, muss ich ganz ehrlich sagen. Was die Leute sagen, vor allem, wenn es negativ ist, geht schon ein bisschen an mir vorbei. Aber das bisherige Feedback ist größtenteils gut.
Ich konnte das Album seit Donnerstag (Anm: das Interview hat am Montag, den 13.04. stattgefunden) einige Male hören und bin wirklich begeistert. Im Moment finde ich dass es bisher euer bestes Album ist.
Vielen, vielen Dank. Das hört man natürlich gerne.
Ich habe festgestellt, dass wir auf Powermetal.de noch gar kein Interview mit euch haben. Und deswegen würde ich gern, bevor wir zum neuen Album kommen, den Bogen, einmal ganz zum Anfang der Band schlagen. Wenn ich richtig informiert bin, bist du ja eines der Gründungsmitglieder von VICTORIUS.
Ja, genau. Wir haben die Band gegründet, als wir noch sehr, sehr jung waren. Wir kennen uns alle aus der Schule, zumindest der Kern der Band, unser Sänger David und unser Bassist Andy und ich. Und dann haben wir uns halt gedacht, ich glaube es war so ungefähr in der siebten Klasse: Wir wollen jetzt auch so eine Musik wie Hammerfall und Co. machen. Wir konnten natürlich kein Instrument spielen, wollten aber unbedingt Rockstar werden. Und so lief das dann an und man wurde Stück für Stück immer professioneller, zumindest semiprofessioneller. So war der Anfang einfach. Ein paar Schulfreunde, die Bock auf Powermetal hatten.
Am Anfang war VICTORIUS ja eher eine normale Powermetal-Band mit einem leicht düsteren Anstrich. Und ein paar Jahre später, im Jahr 2018 seid ihr ja mit eurer EP "Dinosaur Warfare - Legend Of The Power Saurus" in eine etwas andere Richtung gegangen. War das eine Schnapsidee oder eine bewusste Entscheidung? Was war damals der Grund, von einer "normalen" Powermetal-Band zu einer - bitte nicht falsch verstehen - "Gimmick-Band" zu werden?
Das war einerseits eine Schnapsidee und andererseits auch ein gewisses Kalkül, um ehrlich zu sein. Wir dachten uns, okay, was ist denn witzig? Wir sind alle ziemliche Nerds. Ich glaube, unser anderer Gitarrist hatte dann mal das Wort "Dinosaur Warfare" in den Raum geworfen. Dann haben wir rumgesponnen und kamen auf lauter coole Titel mit Dinosauriern und irgendwann dachten wir uns: Okay, lasst uns das doch einfach mal machen. Denn wieder so ein langweiliges, oder wie du sagt normales Powermetal-Album, wo es um politische Themen oder Herzschmerzen geht, davon gibt es zu genüge. Wir hatten ja auch nichts zu verlieren und haben gedacht, wir machen jetzt einfach mal das, worauf wir Bock haben. Und es hat bisher soweit ganz gut für uns funktioniert.
War euch damals schon klar, dass ihr das Konzept weiterverfolgt, oder war die EP erst mal so ein Versuchsballon? So in die Richtung: Wenn wir für diesen Nerd-Quatsch komplett verrissen werden, dann gehen wir wieder zurück und machen weiter "langweilige, normale Powermetal-Alben"?
So weit haben wir an dem Moment nicht gedacht. Wir wollten erstmal nur die EP machen. Deswegen ist es ja auch nur eine EP, ein kleines, kürzeres Album sozusagen. Wir haben auch nicht damit gerechnet, dass das jetzt viel mehr Aufmerksamkeit oder sonst für was auf sich zieht, wir hatten einfach Bock, das mal zu machen. Und dann hat man immer mehr Spaß daran gefunden. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir dieses Konzept, dieses Universum, was wir uns ausgedacht haben, ja eigentlich immer weiterspinnen und größer machen kann – so sind wir jetzt beim aktuellen Album gelandet.
Was war denn eure Inspiration für diese Dino-Thematik? Waren das Filme, Zeichentrickserien aus eurer Kindheit oder Hörspiele?
Wir sind ja alle Kinder der 90er Jahre, alle sind in den 90ern groß geworden. Und da gab es natürlich diese ganzen coolen Serien wie "Power Rangers", "Street Sharks" und "Biker Mice From Mars", diese ganzen coolen Zeichentrickserien damals. Das hat uns ein bisschen beeinflusst. Allerdings ist dieser Einfluss gar nicht so groß, wie die Außenwelt das immer wahrnimmt. Die Leute glauben immer, dass wir riesengroße Nerds sind, die den ganzen Tag nur Animes gucken und Computerspiele spielen. So ist es nicht, wir sind, glaube ich, einfach nur kreative Personen mit einem großen Sinn für Humor. Wir nehmen das ja alles nicht so ernst und machen einfach, was wir möchten, und pfeifen drauf, ob der Black Metaller von nebenan das Kacke findet.
Ich habe in der Vorbereitung für das Interview einige Reviews zu den älteren Alben online quergelesen, und dabei bin ich über den Satz gestolpert, dass VICTORIUS ein typischer Vertreter der dritten Generation des europäischen Power Metal ist. Ich weiß gar nicht mehr wo ich den gelesen habe, aber irgendwie ist der bei mir hängengeblieben. Kannst du mit diesem Satz etwas anfangen?
Habe ich den Satz gesagt?
Nein, der stand in einem Album-Review.
Ah, okay. Vermutlich ist die erste Generation sowas wie HELLOWEEN und Co. Die zweite Generation hat dann vielleicht mit HAMMERFALL begonnen und umfasst solche Bands, die Anfang der 2000er kamen. Und Bands wie wir sind jetzt vielleicht tatsächlich die dritte Generation. Aber damit befasse ich mich nicht. Es kommen ja immer wieder neue Bands nach. In zehn Jahren wird es wieder neue Power-Metal-Bands geben. Ist das vielleicht die vierte Generation? Ich weiß es nicht.
Ich finde, dass da schon irgendwo ein Körnchen Wahrheit drin ist, weil alle etwas erfolgreicheren Bands im Moment eher weniger in Jeans und T-Shirts auftreten, sondern in die Richtung Konzept und Kostüme gehen. Deswegen auch dieser Begriff Gimmick-Band - in wirklich dicken verbalen Anführungszeichen. Ich habe da null Probleme mit, gerade wenn es so originell ist wie bei euch, aber solche Bands sind doch offensichtlich sehr stark präsent in der Szene.
Absolut, das ist ein abendfüllendes Thema, worüber man sprechen könnte. Wie du schon sagst, alle aktuell angesagten Bands sind Gimmick-Bands. Ich sage das auch ganz bewusst, und ich gebe das offen zu, dass VICTORIUS eine Gimmick-Band ist. Es funktioniert für unsere Begriffe und unsere Größenordnung ganz gut für uns. Ich befürchte aber auch, dass es nur ein Trend sein könnte und vielleicht in zehn Jahren niemand mehr darüber spricht, denn Trends kommen und gehen.
Ich glaube aber auch, dass es für die Zuschauer langweilig wäre, wenn wir nur in Jeans und T-Shirts auf der Bühne stehen und dabei über Dinos singen würden. Wir wollen den Fans auch etwas Optisches liefern, und wir haben ja auch ganz viel Spaß dabei. Aber ja, solche Gimmick-Bands gibt es zurzeit sehr, sehr viele, wie sagt man? Die sprießen wie die Pilze aus dem Boden? Mal gucken, wo das noch hinführt in den nächsten Jahren, wie viele neue Sachen und Quatsch-Bands es gibt und ob sich sowas wirklich über einen längeren Zeitraum halten kann, wenn man nicht gerade SABATON heißt.
Dann kommen wir mal zum neuen Album, das bei einem neuen Label erschienen ist, nach Massacre Records und zuletzt Napalm Records seid ihr jetzt bei Perception.
Genau, die Arbeit mit Napalm wurde sozusagen im beiderseitigen Einverständnis beendet, bezüglich der Gründe will ich nicht ins Detail gehen. Dann war ziemlich schnell klar, dass wir gerne bei Reigning Phoenix unterkommen würden, und Perception ist ja ein kleines, neues Unterlabel von denen. Das hat dann auch wirklich auf Anhieb geklappt, wir mussten überhaupt nicht groß auf Labelsuche gehen.
Wir hatten zwar auch noch ein, zwei andere Angebote, wo die Labels auf uns zugekommen sind, als klar war, dass wir von Napalm weg sind, aber wir haben schon viel Gutes von Reigning Phoenix gehört. Befreundete Bands sind auch dort unter Vertrag. Und so kam das alles sehr unkompliziert und unproblematisch zustande. Bisher sind wir auch sehr, sehr zufrieden mit der Arbeit. Das Team hat uns sehr begeistert, die haben alle Bock und geben sich auch ganz, ganz viel Mühe. Ich hoffe, dass das letzten Endes alles gute Früchte trägt.
Bracchio Bazooka Battalion
https://www.youtube.com/watch?v=uoDA11lEe5M
Ihr habt auf dem Album Gäste, beim Titelstück wirken ORDEN OGAN und ANGUS MCSIX mit, die ja eine gewisse personelle Überschneidung haben. Und bei 'Evil Mean Megalodon' habt ihr Tetzel von ASENBLUT, der das titelgebende Wesen vertont. Wie sind diese Kooperationen oder Kollaborationen zustande gekommen?
Tetzel ist ein sehr, sehr guter Freund von uns, den wir schon ganz, ganz, ganz lange kennen. Wir hatten von Anfang an die Idee, bei 'Evil Mean Megalodon' einen Growl-Sänger dabei zu haben. Dann fiel die Wahl sehr offensichtlich und schnell auf Tetzel, der hatte auch Lust, mitzumachen. Mit seinen beiden Bands, ASENBLUT und ALL FOR METAL sind wir auch alle befreundet. Tetzel wohnt auch bei uns in der Nähe, man sieht sich mehr oder weniger regelmäßig. Super Typ.
Das mit ORDEN OGAN kam dadurch dazu zustande, dass das Label den Kontakt hergestellt hat. Seeb hat dann auch recht problemlos zugesagt. ANGUS MCSIX ist so ein bisschen unsere Nemesis-Band. Das sind so ein bisschen unsere Feinde, die ärgern uns die ganze Zeit und wir ärgern die. Aber: Die haben aber angefangen! Und das ist jetzt sozusagen in diesem Track eskaliert. Aber das sind echt ganz komische Leute bei ANGUS MCSIX, und das kannst du ruhig so schreiben (lacht)
Das werde ich machen. Sie haben euch auch mindestens einen Songtitel geklaut.
Ja, mindestens einen (lacht)
Ansonsten ist ja, ich denke, das man kann sagen, das altbewährte Team wieder dabei: Lars Rettkewitz hat das Album erneut produziert und das Cover ist wieder von Stan W. Decker.
Und über das Cover würde ich gerne einmal sprechen. Wie entstehen die Cover von VICTORIUS? Ist das eine Idee von euch? Gebt ihr dem Stan bestimmte Vorgaben?
Ja, die Grundidee ist meistens von mir. Ich versuche das alles zu skizzieren, ganz klassisch auf einem Blatt Papier - was immer total hässlich aussieht (grinst)
Aber da sind immer schon die wesentlichen Bestandteile drin und ich mache Stan auch immer noch ganz, ganz viele Notizen wie: Das soll ein Dino sein und hier soll ein Laserstrahl hin, das bitte so und so anordnen. Und dann gebe ich diese Skizze zu Stan und sage: Mach das bitte einmal in cool. Ich möchte gerne das beste Power-Metal-Cover aller Zeiten haben. Und ein paar Monate später meldet er sich und dann haben wir ein fertiges Album-Cover. Eine witzige Info ist: Stan hat zu mir gesagt, dass das aktuelle Cover seine bisher aufwendigste Arbeit überhaupt für ein Album-Cover war. Er hat noch nie so viel Schweiß und Blut und Arbeit in ein Album-Artwork gesteckt. Ich glaube ihm das einfach mal. Aber das Resultat ist schon ziemlich geil.
Das stimmt auf jeden Fall! Habt ihr euch damals eigentlich sehr geärgert, als DRAGONFORCE mit "Extreme Power Metal" damals ziemlich zeitnah zu euch mit einem, sagen wir mal, sehr ähnlichem Album-Cover zu eurem "Space Ninjas From Hell" rausgekommen ist?
Wir haben uns überhaupt nicht geärgert - wir konnten ja nichts dafür! Das Album-Cover von DRAGONFORCE ist ja auch von Stan. Er hat sich dann versucht zu erklären und hat gesagt, dass er bloß das umgesetzt hat, was die Band von ihm wollten. So ein Album-Cover entsteht ja nicht innerhalb von zwei Tagen, das ist ja Monate oder noch länger in der Vorbereitungszeit. Wir wussten zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht, dass DRAGONFORCE auch sowas in Planung hatte. Und als die dann ihr Album bzw. das Cover veröffentlicht hatten, dachten wir uns: Das kennst du doch irgendwoher? Das sieht ja aus wie unseres! Wir haben unser Cover definitiv nicht bei DRAGONFORCE abgeguckt.
Witzigerweise haben wir Sam (Totman, Gitarre) von DRAGONFORCE aber vorletztes Jahr getroffen und er wusste auch sofort, wer wir waren, er hat gesagt: Ihr seid doch die mit dem Album-Cover! Er fand das auch super-witzig und hat sich dann auch das VICTORIUS-T-Shirt gekauft, wo das Album-Cover von uns drauf ist. Er meinte: Das ziehe ich bei DRAGONFORCE-Shows oder auf Fotoshootings an!
Das war auch alles völlig unproblematisch, da ist keine Band der anderen böse - letzten Endes ist das halt ein dummer Zufall gewesen. Beide Bands hatten eine ähnliche Vision und ein ähnliches Konzept. Und Stan hat es so wie gewünscht umgesetzt. Aber seitdem sage ich bei jedem Album zu Stan: Bitte lass es nicht so aussehen wie von DRAGONFORCE, lass es bitte individuell erscheinen (lacht)
Klasse Geschichte und cooler Typ, der Sam! Das neue Album führt ja eure Ninja-Dino-Story fort. Kannst du mir erzählen, worum es überhaupt in der Geschichte überhaupt geht? Die Ninjas sind die Bösen und die Dinos sind die Guten, soweit habe ich das verstanden.
Richtig, es gibt die bösen Space-Ninjas. Die kommen aus dem Weltraum und wollen die Erde angreifen und die Menschheit versklaven. Der einzige Weg, diese bösen Weltraum-Ninjas zu bekämpfen, war, die Dinos wieder zu erwecken. Die Dinos haben vor Millionen von Jahren schon mal auf der Erde gelebt und haben da für Recht und Ordnung gesorgt, aber dann waren sie verschwunden und jetzt musste man sie wieder erwecken. Wir haben das in den vorhergehenden Alben und der EP ein bisschen aufgebaut, dass es zum Krieg kommen wird. Jetzt ist der Krieg aber komplett ausgebrochen, diesmal ist die ganze Welt betroffen und jetzt haben wir einen globalen Konflikt, bei dem die Dinos gegen die Weltraum-Ninjas kämpfen. Das ist der Kern der Story, Gut gegen Böse, Ninjas gegen Dinos.
Wobei die Ninjas, wenn man sich die Cover anguckt, ja auch durchaus tierische Unterstützung haben.
Genau, Haie... Die Ninjas haben Weltraum-Haie. Die Flugsaurier gehören zu den Menschen, zu den Guten. Aber jetzt haben die Ninjas einen Riesenhai, der ist eigentlich ein U-Boot. Also ein riesengroßes U-Boot, getarnt als Hai, eben den 'Evil Mean Megalodon'.
Wird die Story auf dem Album eigentlich chronologisch erzählt? Oder ist jedes Lied eine einzelne Episode, die auch ein bisschen von der Handlung her durcheinander springen?
Das sind eigentlich einzelne Episoden. Vor allen Dingen ist es bei uns immer sehr charakterbasiert. Wir haben ja verschiedene Charaktere, wir haben auf dem neuen Ablum das 'Brachio Bazooka Battalion'. Wir hatten auf "Dinosaur Warfare Pt. 2 – The Great Ninja War" die 'Jurassic Jetfighters'. Wir hatten den Tiger, wir hatten den T-Rex. Bei uns bekommt sozusagen jeder Charakter seine eigene Story oder seinen eigenen Song.
Kingdom Of The Strong
https://www.youtube.com/watch?v=yfsiJf_oT7o
Was steht denn bei euch zuerst? Die Story oder die Musik? Oder eventuell sogar der Songtitel? Immer wenn ich die Ankündigung von einem neuen Album von VICTORIUS sehe und die ersten Songtitel da sind, denke ich mir immer: Die sitzen doch einmal im Monat mit einer Kiste Bier im Proberaum und werfen sich Songtitel zu. Und wenn sie 15 Stück zusammen haben, schreiben sie die Songs drumherum.
Exakt so ist es. Wir sitzen zwar nicht einmal im Monat mit einer Kiste Bier zusammen, das ist nicht der Fall, aber tatsächlich sind da in 95% aller Fälle zuerst die Songtitel. Entweder habe ich eine Idee für den Namen des Liedes oder irgendjemand sagt: Das und das wäre doch mal ein cooler Titel und dann überlege ich mir eine Hookline und den Refrain dazu und dann wird der ganze Rest des Stückes drumherum gebaut. Zumindest in den meisten Fällen, manchmal verläuft das Songwriting auch ein bisschen anders, dass man eine Idee für eine Melodie hat oder einen Gitarrenriff oder sonst was, aber in den allermeisten Fällen ist tatsächlich zuerst der Songtitel da und darum wird dann alles gebaut.
Cool. Ich glaube, das hört man, deswegen ist es so verdammt eingängig.
Ja, das ist ein ganz, ganz großes Ziel. Das ist zumindest mir sehr wichtig, dass alles eingängig ist, auch wenn es vielleicht manchmal sehr plakativ wirkt. Aber wenn ein Refrain nicht beim ersten oder spätestens beim zweiten Mal hören in deinem Kopf bleibt, dann ist es kein guter Refrain. Meiner Meinung nach.
Obwohl die Lieder im ersten Moment sehr simpel klingen, passiert bei euch musikalisch unglaublich viel innerhalb von so dreieinhalb, vier Minuten. Allein, was das Schlagzeug da zum Teil hinter den Gitarrensoli spielt, ist großes Kino!
Das ist eine sehr interessante Sichtweise. Vielen Dank. Im Kern sind die Songs aber auch sehr simpel. Wir versuchen hier überhaupt nicht, das Rad neu zu erfinden und wir sind auch keine Pioniere in dem, was wir tun. Ein Song besteht aus Akkorden und einer Melodie und ein guter Song braucht manchmal nur zwei oder drei Akkorde, um eine riesengroße Melodie zu erzeugen oder zu begleiten. Aber wie du schon sagst, zwischen den Dingen, die da passieren, zwischen Akkorden und Melodie, wird dann eben viel ausgemalt mit Keyboard oder mit Chören oder anderen Spielereien.
Dadurch klingt das vielleicht alles ein bisschen over the top, musikalisch gesehen. Aber ein Musiker oder Musikkenner, der dann genau hinhört, wird feststellen, dass das im Kern dann doch alles sehr, sehr straight ist.
Also wenn du einen Song nicht auf der Akustikgitarre spielen kannst, ist es kein guter Song?
Genau, genau.
Du warst auf den alten Alben zum größten Teil der alleinige Songwriter und bist auch neben eurem Sänger als Texter genannt. Ist das auf dem neuen Album auch wieder so?
Ja, ich glaube, auf dem neuen Album ist es sogar noch ein Stückchen mehr Text von mir. Meistens ist es so, dass ich mit einer Textidee ankomme und schon die kompletten Chorusse von mir stammen. Unser Sänger schreibt dann die Verse dazu.
Und wie fertig ist ein Song, wenn du ihn der Band präsentierst, beziehungsweise in welchem Umfang können deine Musiker noch Einfluss auf das mitnehmen?
Der ist schon sehr weit fertig, aber die anderen können jederzeit Einfluss nehmen. Die Jungs können jederzeit sagen, dieser Part oder diese Stelle ist nicht so cool, lass das mal anders machen. Das passiert aber relativ selten, dass diesbezüglich Kritik oder Verbesserungsvorschläge kommen. Aber jeder hat natürlich das Recht, seine Meinung kundzutun. Und wenn einer sagt, die Idee gefällt ihm nicht, dann ist das auch vollkommen legitim. Dann wird versucht, diese Idee zu verbessern.
Schreibst du die Songs schon mit Blick auf ihre Live-Tauglichkeit oder ist die Live-Umsetzbarkeit erstmal bei dem Album egal?
50-50 würde ich sagen. Also es ist schon wichtig, dass ein Song auch live funktioniert. Und natürlich denkt man dann, okay, jetzt haben wir hier so ein C-Part oder was könnte jetzt kommen? Jetzt brauchen wir irgendeine coole Stelle, wo das Publikum mitklatschen kann oder springen oder tanzen kann. Sowas ist schon wichtig. Wir machen Unterhaltungsmusik und die Leute sollen dabei auch einfach Spaß haben können. Das ist jetzt nicht immer so vorprogrammiert bei uns, dass wir sagen: Wir brauchen jetzt unbedingt noch so einen Part oder noch so einen Part. Aber wir versuchen schon mit einzubauen, dass es live alles gut funktioniert.
Live ist auch das nächste Thema. Für euch geht es auf Headliner-Tournee mit TERRA ATLANTICA und den AEON GODS. ein sehr passendes Paket, was ich mir auch definitiv im Bochum angucken werde. Kannst du schon ein bisschen spoilern, was auf der Bühne auf uns zukommt?
Wir versuchen, nein, wir haben es geschafft, unsere Show ziemlich cool aufzublasen. Wir gehen in Richtung, ich will jetzt nicht sagen Theaterstück, aber wir versuchen schon, das eine oder andere Schauspiel-Element einzubauen und auch eine Geschichte zu erzählen. Wir werden jetzt nicht nur einfach 15, 16 Songs runterspielen, sondern wir versuchen, dem Publikum schon noch ein bisschen mehr zu bieten, natürlich im Rahmen unseres Budgets und unserer Möglichkeiten. Aber ich glaube, wir haben uns da ein paar coole Dinge überlegt, die ich jetzt hier nicht verraten möchte.
Wenn du die Geschichte eures Albums in bewegten Bildern umsetzen könntest, wäre dir dann eher ein 80er-Jahre-Trash-Action-Film lieber, ein aktueller Hollywood-Blockbuster oder ein Zeichentrickfilm?
Ich würde gerne eine Mischung aus 80er-Jahre-Action-Filmen und einem heutigen Blockbuster haben. Ich muss aber wirklich dazu sagen, dass heutige Blockbuster-Action-Filme oft nur noch aus CGI bestehen, da ist ja nur noch Computer, und das ermüdet mich mittlerweile ein wenig.
Ich mag schon noch praktische, handgemachte Effekte, aber wie setzt du jetzt einen Laser schießenden Raptor oder T-Rex damit um, da müssten wir schon auf Computer und ganz, ganz viel Budget zurückgreifen, 300 Millionen Dollar müssten wir da schon reinstecken (kichert)
Mindestens.
Mindestens!
Dino Race From Outer Space
https://www.youtube.com/watch?v=zOjy3ZDm1Gg
Dann noch eine Frage, wenn du an die Zukunft von VICTORIUS denkst: Werdet ihr in eurem Dino-Universum bleiben oder kannst du dir auch vorstellen, ein "normales" Album zu machen oder sogar in eine ganz neue Storyline, eine neue Geschichte aufzumachen?
Also, ich glaube, dass wir diese Duo-Welt erweitern und wir haben auch Pläne diesbezüglich, aber ich denke auch, dass wir ein bisschen abschweifen werden. Es wird in Zukunft nicht ausnahmslose Songs über Dinos geben. Es wird sich auch um andere Themen drehen, die aber auch wieder so ein bisschen Over The Top sind. Es gibt noch so viele Richtungen, in die ich gerne gehen würde. Ich bin zum Beispiel ein riesengroßer Mittelalter-Fan, Power Metal und Mittelalter, das passt für mich perfekt zusammen, Schwerter und Ritter... das ist auf jeden Fall eine Richtung, in die wir gehen könnten. Aber ich möchte jetzt auch nicht so viel spoilern, und so weit ist der Plan auch noch nicht fortgeschritten. Wir werden sehen.
Damit bleibt mir nur noch, euch alles Gute und viel Erfolg für das Album und die Tour zu wünschen und – wir sehen uns in Bochum!
Gern, aber ob ich dich direkt erkenne, weiß ich nicht, nicht böse sein, aber man trifft so viele Leute... aber quatsch mich ruhig an, dann weiß ich wieder, wer du bist.
Werde ich machen, wenn es sich ergibt!
Photo Credit: Andrea Seidel
- Redakteur:
- Maik Englich





