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ANNISOKAY Live-Stream-Konzert - Halle

29.03.2021 | 10:47

28.03.2021, Steintor Varieté

ANNISOKAY spielt das erste Live-Stream-Konzert und bringt damit Event-Gefühle ins Wohnzimmer.

Die andauernde Pandemie sorgt dafür, dass Bands andere Wege suchen, um vor ihren Fans spielen zu können. So entschloss sich auch die Hallenser Band ANNISOKAY dafür, das erste Live-Streaming-Konzert der Bandgeschichte zu spielen. Nach genau sieben Monaten Abstinenz – im August 2020 konnte die Band im Münchner Olympiapark spielen – geht es wieder auf die Bühne.

Besonders wichtig: Das Event soll live gestreamt werden, keine Vorabaufnahmen, die einfach nur abgespielt werden. Da man an einem Online-Event von überall auf der Welt teilnehmen kann und der Termin – Sonntagabend in Deutschland – für einige Fans ungünstig in der Nacht liegen könnte, steht die Aufzeichnung der Show für 72 Stunden zum Streamen bereit. Mit einem Ticket kann unendlich häufig gestreamt werden, begrenzt auf zwei Endgeräte. Beim Ticketkauf konnte man selbst entscheiden: Die Preise sind von 15 bis 45 Euro gestaffelt.

Der Ort durfte vorher nicht verraten werden; zu groß war die Gefahr, dass sich doch Fans vor der Location einfinden würden. Später gab die Band bekannt, dass sie im Steintor Varieté in Halle gespielt hat. Im Theatersaal sind Podeste für die Musiker aufgebaut, die sie zwischendurch mal tauschen, aber nicht lange verlassen. Um die Band herum sind während des Streams immer wieder Kameramänner und -frauen zu sehen, die das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln einfangen.

Im Vorfeld hat die Band sowohl auf der offiziellen Instagram-Seite als auch die Musiker auf ihren eigenen Profilen am Vortag und über den Tag verteilt Fotos gepostet und so ihre Fans bereits Stunden vorher eingestimmt. Nach dem virtuellen Einlass wurden 15 Minuten Wartezeit mit der Instrumental-Version von 'The Tragedy' überbrückt. Dann heißt es: Licht aus, Bühnenlicht an, Intromusik!

Mit 'Like A Parasite' vom im Januar erschienenen Album "Aurora" startet ANNISOKAY das Set, um sogleich mit dem älteren 'What's Wrong' nachzulegen. Danach begrüßt Gitarrist und Clean-Vocalist Christoph Wieczorek die Fans mit den Worten: "Es ist verrückt, dass wir ohne Publikum spielen, aber gleichzeitig noch nie so viele Menschen gleichzeitig ein Konzert von uns gesehen haben." Dabei ist er schon sichtlich außer Atem, doch wer kann es ihm verübeln? Uns allen würde es nicht anders gehen nach den ersten fünf Minuten unseres ersten Live-Konzerts nach Corona.

Natürlich nutzen die Metalcoreler die Möglichkeit, viele Songs vom aktuellen Album zu präsentieren. So bekommen die Fans einen Live-Eindruck aller Single-Auskopplungen außer 'The Tragedy'. Vier Tracks kommen vom Vorgängeralbum "Arms", mit 'Blind Lane' folgt eine weitere Nummer von "Devil May Care".

Zwischen den Songs bedankt sich ANNISOKAY bei ihrer Crew, die immer mal wieder im Bild zu sehen ist, sowie den Fans und die Musiker resümieren: "Erst war es etwas komisch, hier alleine zu spielen, aber jetzt ist es ziemlich gut!"

Soll natürlich nicht heißen, dass es ohne Publikum auch geht, denn spätestens bei 'Sky', der ältesten gespielten Nummer vom Debütalbum "The Lucid Dream(er)", wird dieses schmerzlich vermisst. "Jetzt bräuchten wir eigentlich eine Wall Of Death!" Immerhin: Zwei Crew-Mitglieder versuchen sich an einer Mini-Version. Somit wird lediglich das Zweitlingswerk "Enigmatic Smile" nicht mit einem Song bedacht.

Vorher noch spielt ANNISOKAY das BRING ME THE HORIZON-Cover 'Nihilist Blues'. Bassist Norbert Rose und Screamer Rudi Schwarzer tauschen hierfür ihre Podeste, wodurch Ersterer wenigstens zeitweise etwas mehr Rampenlicht bekommt. Im Großen und Ganzen werden alle vier Musiker inklusive Schlagzeuger Nico Vaeen gut in Szene gesetzt und perfekt ausgeleuchtet. Die meisten Fans haben Rudi Schwarzer bislang noch nicht in Aktion gesehen – gesanglich bleibt er nicht hinter der Qualität seines Vorgängers zurück und auch seine Performance, obwohl nur eingeschränkt möglich, macht deutlich, dass ANNISOKAY auch für die hoffentlich kommenden Shows einen großartigen Nachfolger gefunden haben.

Mit 'STFU' endet der Auftritt und die Band verlässt etwas abrupt den Saal, sichtlich erschöpft nach einer guten Stunde Show. Ein paar Minuten später gibt es via Instagram weitere Eindrücke, die zufriedene Musiker zeigen. Endlich wieder eine Show, endlich wieder eine Bühne und der hierfür betriebene Aufwand hat sich allemal gelohnt.

Persönliches Fazit

Natürlich stellt sich nicht die Frage, ob Streams jemals ein Live-Konzert ersetzen können. Solange diese aber nicht möglich sind, können Live-Streams wenigstens ein bisschen das Event-Gefühl heraufbeschwören und für Eskapismus sorgen. Wichtig finde ich hierbei, und das habe ich im Vorfeld tatsächlich unterschätzt: Es macht etwas aus, zu wissen, dass die Musiker gerade tatsächlich irgendwo auf der Bühne stehen und man keine Aufzeichnung sieht. Ich habe andere Veranstaltungen gesehen, bei denen schnell klar wurde, dass vorproduziert wurde. Diese haben bei weitem nicht das Gefühl hervorgeholt, Teil des Ganzen zu sein. Im vergangenen Jahr habe ich bereits eine Show von THE NUMBER ZERO live auf YouTube gesehen – während des Auftritts haben Fans im Chat miteinander kommuniziert und auf die Band reagiert. Diese Möglichkeit bestand bei ANNISOKAY nicht, aber ich konnte das Konzert-Gefühl verstärken, indem ich mit einer Freundin zusammen den Stream verfolgt habe, die derzeit in der Schweiz ist. Einfach das iPad mit Skype daneben stellen, Kopfhörer rein, damit sich die Tonspur nicht doppelt, und los geht’s! Das gemeinsame Erlebnis pusht noch mehr und ich kann mit Sicherheit sagen: Remote Headbanging funktioniert! Bitte mehr solcher Events – ich habe mir die entsprechenden Termine von WITHIN THE RUINS und WE CAME AS ROMANS schon dick im Kalender markiert.

Setlist: Like A Parasite, What's Wrong, Bonfire Of The Millenials, Good Stories, Unaware, Blind Lane, Under Your Tattoos, The Cocaines Got Your Tongue, Fully Automatic, Nihilist Blue (BRING ME THE HORIZON-Cover), Sea Of Trees, Face The Facts, Sky, Coma Blue, STFU

Behind The Scenes:


Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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