BONFIRE und FIRE ROSE - Mannheim
11.02.2025 | 13:1423.01.2025, 7er Club
Ein griechischer Jungbrunnen für alte Rocker.
Das Bandkarussell hat sich seit der Umbenennung von CACUMEN in BONFIRE im Jahr 1986 schon ein paar Mal gedreht und fast zwei Dutzend Musiker sind seitdem auf- bzw. abgesprungen. Immerhin sind Gitarrist Frank Pane und Bassist Ronnie Parkes seit 2014, beziehungsweise Sänger Dyan und Schlagzeuger Fabio Alessandrini seit 2022 in der Band, was ein Stück weit nach Kontinuität aussieht. Einzig Gitarrist Hans Ziller ist heuer von der damaligen Gründungsformation übriggeblieben. Für mich waren die Ingolstädter die Helden meiner Jugend und Alben wie "Don't Touch The Light", "Fire Works" oder "Point Blank" liefen in Dauerrotation auf der heimischen Stereoanlage. Bis zum Album "Free" (2003) bin ich den Weg der Bajuwaren noch mitgegangen, danach war das Feuer bei mir leider erloschen. Immerhin kommen unter der Woche knapp 150 Fans in den 7er Club nach Mannheim.
Doch bevor die einstigen Helden von mir kritisch beäugt werden, darf FIRE ROSE aus der Schweiz den Abend eröffnen. Das Quintett ist bislang völlig an mir vorbeigerauscht, obwohl die Jungs auch schon zwei Alben veröffentlicht haben. Musikalisch sind FIRE ROSE in der Schublade Melodic Metal einzuordnen. Sänger Phillip Meier ist mittlerweile der dritte Sänger und ist seit 2016 an Bord. Stimmlich erinnert mich der Barde etwas an den jungen Tobias Sammet zu EDGUY-Zeiten, locker flockig und frei von der Leber rockt FIRE ROSE drauflos. Gerade die Songs vom neuen Album "Blood On Your Hands" überzeugen mich vollends wobei mir 'Rain Falling Down', 'Heroes' und die flotte Mitgehnummer 'Touchdown' am besten gefallen. Auch dem Publikum gefällt es und der gut zur Hälfte gefüllte 7er Club verabschiedet die jungen Schweizer mit Applaus. Dieses Jahr habe ich es scheinbar mit den Schweizer Hardrockern, den auch Anfang des Jahres haben mich FIGHTER V schon in ihren Bann gezogen. In der Schweiz geht scheinbar was!
Setliste: Intro; Get It All; Rise Like The Sun; We Are Wild; Fields Of Honor; Heroes; Rain Falling Down; Touchdown; Wheels On FireHätte BONFIRE am heutigen Abend nicht einen Stopp bei mir in der Nähe eingelegt, wäre ich nicht bereit gewesen, eine weite Anfahrt zu der Show in Kauf zu nehmen, obwohl mir die vorab veröffentlichen Songs von "Higher Ground" ganz gut gefallen haben. Leider habe ich mir auch die Neuaufnahmen der ersten drei Alben angehört, die mich wenig überzeugten und ich die Überarbeitung der Songs nicht gebraucht hätte. Schau'n wir mal, was die neue Besetzung live kann. Unvergessen ist für mich die Show im Vorprogramm von JUDAS PRIEST in der Ludwigshafener Eberthalle im Jahr 1988, als BONFIRE Support-Act war. Die Band wollte eigentlich ein paar Monate vorher auf Headliner-Tour gehen, um das Album "Fire Works" zu promoten. Wenn ich mich noch richtig erinnere, ist der damalige Gitarrist Horst Maier-Thorn in der Dusche ausgerutscht und hatte sich so schwer verletzt, dass die Headliner-Tour gecancelt werden musste. Die Tickets dieser Tour galten dann für die JUDAS PRIEST-Tour, quasi dann mein allererstes Mal mit BONFIRE. Horst Maier-Thorn ist leider 2017 verstorben und vom ursprünglichen Line-Up ist mittlerweile nur noch Hans Ziller übriggeblieben.
Während das Intro 'Nostradamus' vom neuen Album "Higher Ground" läuft, kommt BONFIRE auf die Bühne. Gleich zu Beginn hat Gitarrist Hans Ziller technische Probleme mit seinem Effektboard. Kurzerhand wird alles neu verkabelt und die Gitarre ist wieder zu hören. Frage mich nur, was der hektisch wirkende junge Mann während der Umbaupause und beim Linecheck so getrieben hat. Trotz diesem kleinen Fauxpaus startet BONFIRE mit 'I Will Rise' schwungvoll in den Abend. Der neue Sänger Dyan, bzw. "der Grieche" wie ihn Hans Ziller immer wieder liebevoll nennt, ist seit 2022 an Bord und das aktuelle Album ist auch sein erstes richtiges Album, das auf seine Stimme zugeschnitten ist. Die bereits erwähnten und mit ihm neu aufgenommen ersten drei Alben zähle ich jetzt mal nicht dazu. Dyan verfügt über eine feine kraftvolle Stimme und versteht glücklicherweise noch nicht so ganz die deutsche Sprache, so kann Hans Ziller weiterhin seine Späßchen mit ihm machen. Neu an Bord ist auch Schlagzeuger Fabio Alessandrini. Die beiden Neuzugänge haben den Ingolstädtern frisches Blut geliefert, der Band quasi eine Frischzellenkur verabreicht.
Überhaupt scheint die Stimmung bei BONFIRE gut zu sein, was man auch bei der neuen Scheibe merkt, die durchweg als gelungen bezeichnet werden darf. Leider haben es nur vier Stücke in das abendliche Programm geschafft. Der Rest ist ein "Best Of" aus den ersten drei Scheiben, wobei "Don't Touch The Light" und "Fire Works" mit je fünf Songs den Abend dominieren. Zwischendurch darf auch Hans Ziller, der ja sonst nicht als sehr redselig gilt, mal etwas Eigenwerbung für sein Buch "Rock 'n' Roll Survivor" betreiben. In dem Buch blickt Hans auf fünfzig Jahre Rockbusiness zurück und verarbeitet seine bipolare Störung, die ihn einst an den Rand eines Zusammenbruchs führte. Einer Dame, die den ganzen Abend vor ihm steht und jeden Song lauthals mitsingt, schenkt er ein Exemplar als kleine Wiedergutmachung. Wenig später bekommt auch noch Leadgitarrist Frank Pane die Aufmerksamkeit die ihm gebührt. Der sympathische Gitarrist baut in sein Solo eine Hommage an den erst kürzlich verstorbenen John Sykes mit ein. Das obligatorische Drumsolo darf dann natürlich auch nicht fehlen.
Einen eigenen Zugabeblock gibt es am heutigen Abend nicht, da es gestern der Grieche verkackt hat (O-Ton Ziller) und man sich kurzerhand dazu entschlossen hat, die Zugabe künftig unmittelbar im Anschluss an das reguläre Programm ohne Unterbrechung dranzuhängen, wer will darf aber gerne Zugabe rufen. Mit der Ballade 'You Make Me Feel' und dem Rausschmeißer 'Champion' endet ein klasse Konzert. Ich hätte es bereut, wenn ich heute Abend nicht nach Mannheim gefahren wäre und lasse mir später noch die neue Scheibe von den Jungs signieren. Die Flamme brennt wieder, auch wenn es das nächste Mal ein paar Zuschauer mehr sein dürfen.
Setliste: Nostradamus; I Will Rise; S.D.I.; Hot To Rock; Sweet Obsession; I Died Tonight; Who’s Foolin’ Who; Don’t Get Me Wrong; Sword And Stone; Lost All Control; Guitar And Drum Solo (Hommage an John Sykes); Fantasy; Longing For You; Hard On Me; Don’t Touch The Light; Zugabe: Ready 4 Reaction; You Make Me Feel; Champion
Text und Fotocredit: Frank Hameister
- Redakteur:
- Frank Hameister