CASEY, WATCH ME RISE und LASTELLE - München
12.04.2026 | 16:5307.04.2026, Hansa 39
Ein trauriger Abend...
Dieser Abend steht ganz im Zeichen von melancholischem, emotionalem Post-Hardcore. Gleich drei stilistisch ähnliche Bands haben sich in der kleinsten Halle des Feierwerks "HANSA 39" in München eingefunden, um dem Publikum ein ordentliches Maß an Traurigkeit zu präsentieren. Da CASEY bereits in der Vergangenheit auf dem Impericon Festival 2024 in München einen starken Eindruck hinterlassen hat, ist die Vorfreude groß, sich die Band nun bei einer Headline-Show genauer anzusehen.
Den Abend eröffnet WATCH ME RISE. Musikalisch bietet die Truppe soliden, durchschnittlichen Post-Hardcore.
Die dargebotene Leistung ist ordentlich, entpuppt sich an diesem Abend jedoch nicht als die ganz große Offenbarung, was unter anderem daran liegt, dass der Gesang gelegentlich ein wenig zu sehr ins unkontrollierte Geschrei abdriftet.
Dennoch macht die Band diesen Umstand mit einer enorm agilen Bühnenpräsenz wett.
WATCH ME RISE zeigt vollen Körpereinsatz und fegt mit energiegeladenen Sprüngen und Kicks über die Bretter.
Mitten im Set wird es dann sehr persönlich: Die Band erzählt, dass sie als großer Fan von CASEY bei der Touranfrage sofort zugesagt hat – und das, obwohl sich ein Mitglied zu diesem Zeitpunkt wegen Depressionen noch in einer Klinik befand.
Die eindringliche Botschaft, die WATCH ME RISE dem Publikum mitgibt: Depression ist eine ernstzunehmende Krankheit, für die niemand etwas kann, und die Erfahrungen auf der Tour zeigen jeden Tag aufs Neue, dass man mit seinen Problemen niemals alleine ist.
Zum Abschluss gibt es noch einen Hinweis in eigener Sache: Am 17.04.2026 feiert die Band ihr zehnjähriges Jubiläum in der Schlachthof-Halle in Wiesbaden. Dabei folgt der charmante Aufruf an die Menge, doch gerne vorbeizuschauen, schließlich müsse die Halle noch vollgemacht werden.
Als nächste Band betritt LASTELLE die Bühne. Die britische Formation bringt eine eher melancholische, traurige Grundstimmung mit in den Saal. Musikalisch agiert die Gruppe dabei spürbar melodischer als noch die Kollegen aus Frankfurt zuvor. Ein überraschendes und überaus bereicherndes Element im Sound ist eine Trompete, die stellenweise zum Einsatz kommt und das Material auf interessante Weise auflockert.
Großer Respekt gebührt dem Schlagzeuger: Er gibt nicht nur souverän den Rhythmus vor, sondern übernimmt gleichzeitig den Klargesang und liefert dabei die emotionalsten Gesangspassagen des gesamten Auftritts ab. Zudem präsentiert LASTELLE eine äußerst einnehmende und agile Show. Auf der Bühne ist enorm viel in Bewegung – eine Energie, von der sich so manche andere Core-Kapelle gerne eine Scheibe abschneiden kann.
Das Publikum honoriert diesen Einsatz umgehend, vor der Bühne wird ordentlich gemosht, woraufhin die Band die engagierten Münchner ausdrücklich lobt. Vor dem letzten Song bedankt sich der Sänger noch einmal und animiert die Menge zum Mitmachen: Die einfache Zeile 'Breathe Me In For A While' soll lautstark mitgesungen werden. Am Vorabend sei das Publikum noch nicht allzu laut gewesen - da lässt sich München natürlich nicht zweimal bitten und beweist, dass es das besser kann.
Setliste: Pine; Life In Silhouettes; Tired Eyes; Bitter Roots; Bitter Seeds; Coping; Silence II; Breathe Me In
Als Headliner betritt schließlich CASEY die Bühne und beweist schnell, dass die Truppe musikalisch die stärkste Band des Abends ist. Das Songmaterial fällt insgesamt am ruhigsten aus, weshalb die Musiker auf der Bühne merklich gesetzter agieren. Auch das Publikum passt sich dieser emotionalen Stimmung zunächst an.
Doch ganz ohne Bewegung geht es dann doch nicht: Bei den älteren und etwas härteren Songs bricht die Energie durch und es wird vor der Bühne ordentlich gemosht. Sänger Tom Weaver meistert den steten Wechsel zwischen Klargesang und Screams hervorragend und wird dabei passend und dezent von den Gitarristen Liam Torrance und Toby Evans unterstützt.
Im Laufe des Auftritts bedankt sich der Frontmann herzlich für das Erscheinen zu diesem recht späten Set - was beim Autor unweigerlich einen bangen Blick auf die Uhr bezüglich der rettenden Zugrückfahrt auslöst - und lädt die Menge herzlich ein, kräftig mitzusingen. CASEY liefert wie gewohnt souverän ab, was den Auftritt einmal mehr zu einer glasklaren Live-Empfehlung macht.
Setliste: Unique Lights; Puncture Wounds; I Was Happy When You Died; Great Grief; Fluorescents; Happy; Haze; Phosphenes; Bruise; For Katie; How To Disappear; Teeth; Hell; Little Bird
Drei Bands mit einer derart traurigen und melancholischen Grundstimmung nacheinander sind fast ein bisschen viel und können emotional durchaus fordernd sein. Dennoch liefern die beiden Vorbands eine solide Leistung ab - wer Post-Hardcore mag, kann sich diese Gruppen definitiv einmal ansehen. CASEY liefert, wie erwartet, eine absolute Top-Leistung ab.
Text und Photo Credit: Noah-Manuel Heim
- Redakteur:
- Noah-Manuel Heim





