DIRKSCHNEIDER, CROWNSHIFT und ALL FOR METAL - Geiselwind
05.04.2025 | 15:2230.03.2025, Live Music Hall
Udo im Gefühls- und Bällebad.
Wer ACCEPT-Songs mag, hat seit einigen Jahren immer wieder mal die Möglichkeit, diese live zu erleben. Zum einen gibt es die gleichnamige Band mit Sänger Mark Tornillo sowie Gitarrist Wolf Hoffmann, welcher immerhin seit 1976 die Saiten zupft. Ich habe ACCEPT das letzte Mal 2023 auf Rock Out Festival erleben dürfen, die Jungs machen mir einfach Spaß. Und dann gibt es natürlich noch den Herrn Dirkschneider, welcher mal als U.D.O oder eben DIRKSCHNEIDER unterwegs ist. Der Sänger und Gründer von ACCEPT hat natürlich in den letzten Jahren auch Alben veröffentlicht, die nichts mit seiner alten Band zu tun haben.
In diesem Jahr hat Udo ein besonderes Album rausgebracht. Nach sage und schreibe 42 Jahren wurde mit "Balls To The Wall Reloaded" ein Album veröffentlicht, dessen Songs 1983 durchaus Geschichte geschrieben haben. 'London Leatherboys', 'Losers And Winners' oder eben der namensgebende Track 'Balls To The Wall'. Wir haben uns früher heiser gebrüllt, als die Scheibe bei uns auf dem Plattenspieler lag. Okay, die Songs wurden auf der neuen Langrille mit zahlreichen Gastmusikern aufgehübscht. Wie die Lieder bei meinem geschätzten Kollegen Jonathan ankommen, könnt ihr in seiner Rezension nachlesen.Da zu jeder neuen Scheibe eine Tour gehört, zieht es mich an diesem Sonntag einmal mehr nach Geiselwind. Weil das Konzert in der gleichen Spielstätte am Tag zuvor binnen Minuten ausverkauft war, hat Udo einfach noch einen Gig drangehängt. Dieser ist der 25. und zugleich der letzte der "Balls To The Wall 40th Anniversary Tour". Ich mag die Live Music Hall im Eventzentrum Strohhofer einfach. Die Entfernung ist mit 54 Kilometer nahezu identisch zum Hirsch in Nürnberg, die Halle jedoch wesentlich größer und der Fotograben ein Traum. Wieder einmal habe ich Glück und erwische einen Parkplatz direkt vor der Tür. Bereits fünf Minuten vor dem geplanten Einlass öffnen sich die Tore und der übliche Papierkram eines Redakteurs ist schnell erledigt. Ich entdecke gleich drei Plakate mit Tourankündigungen, auf denen unser Name steht! POWERMETAL.de präsentiert eine Menge guter Touren, klasse!
Vor der ersten Supportband bleibt noch genug Zeit für ein Kaltgetränk und Gespräche mit der netten Security-Gruppe. Man kennt sich bereits und ich freue mich immer, auf vertraute Gesichter zu treffen. Wir sind uns einig, dass es heute aufgrund der auftretenden Künstler recht entspannt wird. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist heute eher nicht mit Crowdsurfern, Circle Pits oder gar einer Wall of Death zu rechnen. Die Leute wollen einfach nur singen, feiern und ihr Haupthaar schütteln. Das Licht geht aus und es wird Zeit für den Opener.ALL FOR METAL ist wieder einmal in Geiselwind. Vor genau 42 Tagen hat die Band um das Gesangsduo "Tetzel" Wagner und Antonio Calanna ebenfalls Halt in Geiselwind gemacht. ORDEN OGAN hatte das Sextett im Februar als Support mit auf der Tour. Wie mittlerweile gewohnt, startet das Set mit 'All For Metal', wie mittlerweile gewohnt, stehe ich anfangs rechts im Graben. Kommen euch diese Worte bekannt vor? Diese stammen eben aus dem Bericht vom Konzert vor einigen Wochen. Ich tue mich wirklich schwer einen weiteren Bericht über die tolle Show von ALL FOR METAL zu schreiben, ohne mich zu wiederholen. Ich verweise daher auf den Bericht vom Februar mit der Ergänzung, dass Bassist Flo ein richtig geiles Cover von 'Was wollen wir trinken' der Gruppe BOTS gesolot hat. Lauthals wird der Refrain des Songs, den die Niederländer bereits in den frühen 80ern veröffentlicht haben, mitgesungen. Kaum zu glauben, dass neben mir noch hunderte weitere Anwesenden den Track überhaupt kennen. Das mag daran liegen, dass aufgrund des heutigen Headliners der Altersdurchschnitt relativ hoch ist.
ALL FOR METAL befindet sich derzeit wahrlich auf einer Ochsentour und ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor dieser Leistung. Die Band ist nahezu permanent auf Tour, doch von Müdigkeit keine Spur. Auch der heutige erste Support hat die kompletten 25 Konzerte mit dem Headliner durchgezogen. Respekt vor dieser Leistung. Die Band wird in diesem Jahr wieder auf dem Metalfest in Pilsen spielen. Also zurück zu den Wurzeln, wo vor zwei Jahren mit dem ersten Auftritt von AFM alles begann. Ich freue mich auf jeden Fall auf das Metalfest und auf ALL FOR METAL und denke, dass wir noch viel von der Band hören werden.
Natürlich ist auch heute wieder die Stimmung bombastisch. Ich nutze die Umbaupause für ein weiteres Getränk und freue mich auf das, was noch kommt.Dann erscheint auch schon CROWNSHIFT auf die Bühne und ich stehe wieder im Pit. Von der Band habe ich bis auf einen Song noch nie etwas gehört. Anders sieht das bei meinem Kollegen Mario Dahl aus, der sich mit dem selbstbetitelten Debütalbum "Crownshift" auseinandergesetzt hat. Mit Schubladen ist das ja immer so eine Sache. In der Rezension hat die Scheibe den Stempel Melodic Death Metal bekommen und auch das Label Napalm Records sieht die Band in der Richtung. Während ich mit Melodic viel anfangen kann, ist Death nicht so mein Ding. Das Set beginnt mit 'If You Dare' und ich bin durchaus positiv überrascht. Sänger Tommy Tuovinen spricht mich mit seiner Stimme wirklich an und das melodische Gerüst rundet das Ganze ab. Wie mittlerweile leider üblich kommen die Keyboard-Klänge von der Bandmaschine. Doch dies tut der guten Stimmung, die bereits beim ersten Song herrscht, keinen Abbruch.
Trotz des nicht ganz so optimalen Lichts erkenne ich am Bass einen bekannten Musiker. Jukka Koskinen zupft seit 2021 bei NIGHTWISH den Tieftöner, auch Daniel Freyberg kenne ich noch aus der Zeit, als er mit CHILDREN OF BODOM unterwegs war. Der Rest der finnischen Band ist mir unbekannt. Seis drum, CROWNSHIFT liefert gut ab und kommt in der Live Music Hall bei den Metalheads gut an. Dass verschiedene Stilrichtungen auf einem Konzert durchaus funktionieren können, beweist das heutige Lineup. Vom Power Metal zum Melodic Death Metal ist schon mal eine 180 Grad-Wendung. Auch die Finnen sind vielfältig unterwegs. Gab es bisher ein schnelles und kraftvolles Brett, liefert CROWNSHIFT mit 'My Prison' fast schon eine Ballade ab. Ich kann mir nicht helfen, immer wieder höre ich bei den abwechslungsreichen Songs ein paar Schnipsel von EVERGREY raus. Eine Band, mit der ich sehr viel anfangen kann. Mit 'Black Velvet' gibt es dann noch eine sehr gute rockige Covernummer von ALANNAH MYLES und ich freue mich wie ein Schnitzel auf den heutigen Headliner.
Ich stehe wieder rechtzeitig im Graben, das Licht geht aus, Heidi Heido Heida... sofort stimmt die Crowd mit ein, jeder weiß, dass jetzt die Lutzi ab geht. Mit 'Fast As A Shark' kommt Udo DIRKSCHNEIDER auf die Bühne gerannt und geht sofort mit dem Klassiker in die Vollen. Ich fühle mich direkt 40 Jahre jünger und habe Mühe, mich aufs Fotografieren zu konzentrieren. Auch wenn ich leidenschaftlich gerne die Idole meiner Jugend ablichte, so ist doch jetzt ein Zeitpunkt, wo ich vor dem Wellenbrecher stehen möchte: lauthals mitsingen und das mittlerweile kurze dünne Haupthaar schütteln, das wäre genau mein Ding. Aber zum Feiern bleibt mir noch genug Zeit. Erst die durchaus tolle Arbeit, dann das Vergnügen.
Es geht weiter mit 'Living For Tonite' vom 1985 veröffentlichten Album "Metal Heart". Natürlich wird auch dieser Song voller Inbrunst aus hunderten Kehlen mitgesungen. So viel sei jetzt schon verraten, Band und Publikum gönnen sich bis zur letzten Note an diesem Abend keine Pause. Ich knipse noch schnell 'Midnight Mover' und verstaue mein Equipment. Nun ist auch für mich Party angesagt. Mit einem Bier bewaffnet stürze ich mich in die Menge. Während ich schon nach wenigen Takten aus der Puste bin, gibt sich Udo keine Blöße. Andere verbringen mit 72 Jahren ihren verdienten Ruhestand auf der Couch, Herr Dirkschneider spielt mal eben 25 Konzerte auf der aktuellen Tour. Ich merke ihm keinesfalls an, dass ihm die Konzerte irgendwie in den Knochen stecken. Sowohl stimmlich als auch physisch zeigt sich Udo in hervorragender Verfassung.
Dies gilt auch für den Rest der Band, von Müdigkeit keine Spur. Drummer Sven Dirkschneider thront über allem hinter seinem Set, Bassist Peter Baltes, welcher fast von Beginn an für viele Jahre bei ACCEPT spielte, beherrscht fast ausnahmslos die linke Bühnenseite. Dass er auch eine gute Stimme hat, beweist Baltes bei 'Breaking Up Again' aus dem Jahr 1981. Eine von zwei Balladen, bei denen die Handylichter das weite Rund erhellen. Gibt es bis jetzt sieben Songs aus diversen Alben, spielt DIRKSCHNEIDER nun das komplette "Balls To The Wall"-Album. Die Songs werden exakt in der Reihenfolge gespielt, wie sie auf der Langrille zu hören sind. Eine Tour unter einem Albenmotto zu stellen hat mir schon bei SAXON in München sehr gut gefallen, wurde hier doch das 1980 veröffentlichte Album "Wheels Of Steel" zum Besten gegeben.
Zum Titeltrack fliegen dann zahlreiche schwarze Bälle durch die Halle und Udo versteckt seine Augen hinter einer schwarzen Fliegerbrille. Selbstredend, dass die Heavy Metal-Fans auch die zehn Songs von vorne bis hinten komplett mitsingen. 'Winterdreams' schließt den Part ab und lässt uns endlich etwas Zeit zum Durchschnaufen. Doch die Pause währt nur 5 Minuten und 30 Sekunden. Der eine oder andere hat noch drauf gehofft, dass DORO zum Tourabschluss noch kurz nach Geiselwind kommt und den Song mit Udo als Duett singt. Doch der Sänger hat das Lied auch perfekt alleine gesungen. Auf der Setlist habe ich bis jetzt 17 Songs abgehakt. Doch die Crowd mit einer Ballade in den mittelfränkischen Nachthimmel zu schicken, das passt nicht so richtig.
Na gut, nochmal alle Kräfte bündeln, es gibt Nachschlag. Mit knapp zehn Minuten wird 'Princess Of The Dawn' ("Restless And Wild", 1982) extrem lange und euphorisch von den Metalheads gefeiert. Diese bekommen viel Gelegenheit, sich stimmlich einzubringen. Der Chef gibt auch seinen beiden Gitarristen Dee Dammers und Andrey Smirnov immer wieder viel Raum, um sich zu präsentieren. Das ist einfach eine perfekt eingespielte Gruppe und es macht Spaß, gemeinsam mit der Band den heutigen Abend zu feiern. Laute "UDO, UDO!"-Rufe zeigen, dass die Fans noch mehr möchten. Nun gut, mit 'Up To The Limit' ("Metalheart", 1985) geht es dann wirklich bis an die Grenze. Schweißnass erlebe ich dann noch 'Burning' vom 1981 erschienenen "Breaker"-Album. Auch ohne Pyro-Effekte brennt die Luft in der Live Music Hall. Ein Abend, der mir sehr lange in Erinnerung bleiben wird.
Text und Photocredit: Andre Schnittker
- Redakteur:
- Andre Schnittker