GRAVEYARD und GAUPA - Leipzig

26.02.2024 | 14:17

22.02.2024, Conne Island

GRAVEYARD und GAUPA sorgen trotz ganztägigen Regens am Donnerstag Abend für eine rappelvoll gefüllte Halle im Süden von Leipzig - der Stadt, die für jegliche alternative Geschmacksausrichtung jenseits des Mainstreams etwas zu bieten hat.

Lange, lange ist es her, dass ich zuletzt das Conne Island in Leipzig aufgesucht habe. Mittlerweile wohl nun schon über zwanzig Jahre. Erinnerlich aus dieser Zeit ist mir neben der guten Musik, die dort präsentiert wurde, leider auch die schwüle Hitze in der Location, hervorgerufen durch eine Menge schwitzender Leiber mangels ausreichender Ventilation. Doch wenn meine schwedischen Lieblingsrocker und Luchsliebhaber aus Falun gleich bei mir um die Ecke einen Stopp einlegen, hält mich natürlich nichts zuhause. Deshalb gebe ich auch nach all diesen Jahren dem Conne Island gern eine weitere Chance und bin sogar schon gespannt, wie es inzwischen dort so zugehen mag.


Demzufolge begebe ich mich nach einem langen Arbeitstag sowie einer kleinen Sättigungseinlage nach Leipzig und freue mich, dass der Himmel sich endlich erbarmt und die Dusche abgestellt hat. So komme ich trockenen Fußes beim Conne Island an und bin auch schon problemlos in Nullkommanix drinnen. Selbst an der Bar läuft es unerwarteterweise wie am Schnürchen und ich halte binnen fünf Minuten ein Getränk in Händen. Zwar ist mein Lieblingsdrink nicht im Angebot enthalten, doch das Personal ist so nett, mir diesen dennoch zu einem günstigen Preis mixen. Bestens gerüstet und voller Vorfreude wandele ich somit vor die Bühne, um noch einen guten Platz in der zweiten Reihe zu ergattern und trotz meiner wenig stattlichen Größe auch Blicke auf die Akteure erhaschen zu können. Aufgrund der gewonnenen Zeit verbleiben mir ein paar Momente, um das Publikum in Augenschein zu nehmen, welches recht divers zu sein scheint. Sowohl jüngeres Volk, als auch ein paar gereiftere Jahrgänge sind vertreten - verschiedensprachige Wortfetzen dringen an mein Ohr. Lediglich im Musikgeschmack wirken die Anwesenden geeint.

Schon werden meine Gedankengänge unterbrochen, denn die vier Männer von GAUPA betreten, begleitet von leichtem Applaus, die Bühne. Sie lassen sich auch nicht lange bitten, so dass die ersten Töne von 'Mammon' den Raum durchdringen. Sängerin Emma Näslund stößt kurz darauf hinzu und gemeinsam überzeugen sie das Publikum mit ihrer energiegeladenen Musik. So mancher Laie wirkt noch überrascht von Emmas Kraft in der Stimme, die selbst in den höchsten Tönen noch stark zum Ausdruck kommt, als schon der nächste Song erklingt. Zu meiner Freude steht das 2018 veröffentlichte 'The Drunk Autopussy Wants To Fight You' weiterhin auf dem Spielplan, da es sowohl musikalisch als auch lyrisch vollen Unterhaltungswert hat. Oft stiehlt sich mir ein Schmunzeln auf die Lippen, wenn ich an das Video denke, in dem die Natur und der Humor der Band gut widergespiegelt wird. So auch heute Abend in dem Moment, als Emmas Stimme vor dem kurzen verrückten Instrumentalpart abhebt. Ein Stück, das einfach immer wieder live oder aber im Player daheim für gute Laune sorgt. Dem Rest des Publikums scheint es da nicht anders zu gehen, denn soweit mein Auge blicken kann, bewegen sich die meisten Anwesenden in individueller Weise zur Musik und auch der Applaus im Anschluss wirkt bereits euphorischer.

Der Folgetitel 'RA' ist da zumindest teilweise am heutigen Abend schon schwieriger zu erfassen. Mit dieser Meinung stehe ich wohl nicht alleine da, denn die Bewegungen um mich herum werden verhaltener oder sterben ganz ab. Andere wiederum haben offenbar besseren Zugang zum Lied gefunden und spenden dennoch laut Beifall. 'Exoskeleton' und 'Diametrical Enchantress' heizen daraufhin die Stimmung wieder auf. Die fünf Musiker setzen allesamt gekonnt ihre Stärken ein und es ist darüber hinaus immer wieder ein Fest für die Augen, den Ausdruckstanz der überaus sympathischen Sängerin als begleitenden Bestandteil beobachten zu können. In der Tat wirkt dieser auf seine Art und Weise recht ansteckend. Das als neuer Song angekündigte 'My Sister Is A Very Angry Man' ist wie die meisten Tracks auf der Setliste auf dem Album "Myriad" enthalten, wie mir nach dem Konzert noch schmunzelnd bestätigt wird. Seit Herbst ist aber sogar schon das nächste Album in Arbeit. Mit 'Vakuum' kann die Band ebenfalls in Leipzig punkten, was einigen begeisterten Zurufen sowie anhaltendem Beifall entnommen werden kann. Dies veranlasst GAUPA dann auch zu einer feinen Zugabe in Form des Klassikers 'Febersvan', der nach wie vor in seinen Bann zu ziehen vermag. Schon das schöne, orientalisch anmutende Intro verfängt sich sogleich in den Ohren und Stillstehen ist im weiteren Verlauf schlichtweg keine Option.

Setliste: Mammon; The Drunk Autopussy Wants To Fight You; RA; Exoskeleton; Diametrical Enchantress; My Sister Is A Very Angry Man; Vakuum; Zugabe: Febersvan

Mit 'Febersvan' übergibt die Band dann auch den Staffelstab an GRAVEYARD, eine mir bis dato noch völlig unbekannte Band aus Göteborg, wenn man mal davon absieht, dass ich den Bandnamen schon das eine oder andere Mal irgendwo gelesen habe. Somit habe ich heute Abend die Gelegenheit, herauszufinden, ob auch diese Schweden meine Geschmacksnerven treffen. Laut vorheriger Recherche habe ich nun Hard, Psychedelic und Blues Rock zu erwarten, was mir durchaus gefallen könnte. War die Halle vorher bei GAUPA bereits voll, ist sie jetzt schon beinahe überfüllt. Einmal wage ich es, mich für ein paar Fotos bis zum vorderen Drittel durchzukämpfen, doch von dort gibt es kein Vorwärtskommen mehr. Da bekanntlich der Sound weiter hinten in Hallen aber oft sowieso besser ist, stört mich das kein bisschen und ich suche mir letzten Endes in der hinteren Ecke in der Nähe der Tür einen Platz. Nach einer kleinen Weile werde ich dann auch des Spähens über die Schultern der vor mir stehenden Riesen müde und konzentriere mich noch mehr auf meinen Hörsinn. Das ist auch gut so, denn meine Ohren bekommen hier klasse arrangierte und versiert vorgetragene Klänge serviert, wobei ich zugeben muss, dass die im Blues Rock angesiedelten, mitunter dichte Atmosphäre webenden, ruhigeren Stücke mich am schnellsten einfangen und gefangen halten können.

Das Gitarrenspiel der Musiker überzeugt komplett, der Schlagzeuger liefert eine gute Basis und die Stimmen passen ebenfalls. Auch bei GRAVEYARD ertappe ich mich immer mal wieder beim Mitwippen. Fingerfertig werden die Gitarren bearbeitet, kunstfertig Lyrics platziert. Mir fällt nichts zum Bemängeln auf und auch die mitzappelnde Menge meint offensichtlich, dass die Band ihr Geld wert ist. Am heutigen Abend sind nicht nur vier Songs vom letzten Album "6" auf der Setliste gelandet, sondern auch ganze dreizehn weitere Titel aus dem Bandrepertoire. Während des gesamten Auftrittes fühle ich mich gut unterhalten. Nur an einer Stelle wirkt einer der Titel kurz zu überfüllt auf mich, aber das langsame Lied danach versöhnt mich gleich wieder. Überhaupt möchte ich in die bluesigen Tracks am liebsten abtauchen, sie sind zum Sich-Rein-Versenken äußerst geeignet. Doch auch den flinkeren Songs möchte ich keinesfalls ihre sehr gute Qualität absprechen. Demzufolge habe ich zum Schluss einen positiven Gesamteindruck von GRAVEYARD gewonnen und werde die souverän abliefernden Jungs bestimmt im Hinterkopf behalten.

Eines muss man GAUPA lassen, irgendwie schaffen die Musiker es, sich von erkundenswerten Bands als Support buchen zu lassen. Im letzten Jahr von UNCLE ACID & THE DEADBEATS sowie BLOOD CEREMONY und dieses Jahr eben von GRAVEYARD. Ich bin schon gespannt, welche die nächste sein wird. Vorerst bleibt festzuhalten, diese beiden Konzerte haben für einen tollen Abend gesorgt. Und das nicht nur in musikalischer Hinsicht, denn auch die mittlerweile funktionierende Ventilation in der Halle, der angenehm geräumige Außenbereich, das freundliche, hilfsbereite Personal und die netten, weltoffenen Leute im Publikum, führen zu einer entspannten Atmosphäre. Vielen Dank somit an alle Beteiligten! Der Besuch eines der Folgekonzerte in Nürnberg, Heidelberg oder Bremen lohnt sich und kann infolgedessen nur wärmstens weiterempfohlen werden. Auch Festivalauftritte sind bereits geplant, teilweise aber noch nicht offiziell verlautbart.

Setliste: Breathe In Breathe Out; The Fox; Randy; Bird Of Paradise; Cold Love; Hisingen Blues; Rampant Fields; Slowmotion; Please Don't; Hålet; It Ain't Over; Sad Song; Twice; Uncomfortably Numb; Walk On; Ain't Fit To Live Here; Siren

Redakteur:
Susanne Schaarschmidt

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