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Girlschool - Ulm

13.06.2009 | 12:24

21.05.2009, Ulmer Zelt

Ulmer Zelt zum Zweiten: GIRLSCHOOL.

Nachdem zum Auftakt der diesjährigen Ulmer-Zelt-Saison die Progressive-Rocker von SAGA aufgespielt haben, wird es am Folgetag sogar noch ein bisschen härter. Denn die "Mädels" von GIRLSCHOOL stehen auf dem Programm, und das darf man sich als einheimischer Metaller natürlich nicht entgehen lassen. Überhaupt kommt es in der Ulmer Gegend eher selten vor, dass an zwei aufeinanderfolgenden Tagen attraktive Konzerte stattfinden - was auch nicht weiter verwunderlich ist, wenn man sich die Besucherzahl an diesem Abend anschaut. Denn während das Zelt bei SAGA am Vortag noch ziemlich gut gefüllt war, ist das Publikum dieses Mal sehr überschaubar. Viel mehr als fünfzig Leute werden es sicherlich nicht sein.

Die Voraussetzungen für das Konzert von GIRLSCHOOL sind auch alles andere als gut. Das liegt zum einen an dem Termin: Am Vatertag sind die meisten Männer traditionell unterwegs, und dabei wird auch das eine oder andere alkoholische Getränk vernichtet. An einen abendlichen Konzertbesuch ist also nicht zu denken. Zum anderen ist der Support äußerst fragwürdig: Uli Dumschat und Josoa Kohn sind definitiv keine schlechten Musiker, und sie können sehr wohl mit Gitarre bzw. Schlagzeug umgehen. Aber stilistisch will das gar nicht zu GIRLSCHOOL passen, und dementsprechend wenig kann das Publikum mit der Mischung aus Rock, Jazz, Blues, Funk und Folklore anfangen. Erschwerend kommt für die Zuhörer hinzu, dass die Musik rein instrumental ist und dass man auch nicht erkennen kann, ob es sich nun wirklich um Songs handelt oder ob die beiden Musiker nur "jammen". Es ist deswegen auch nicht weiter verwunderlich, dass Uli Dumschat und Josoa Kohn kaum mehr als Höflichkeitsapplaus ernten, als sie nach einer guten halben Stunde die Bühne verlassen.

Um 21.00 Uhr soll es dann eigentlich mit GIRLSCHOOL losgehen, und die vier Musikerinnen kommen auch pünktlich auf die Bühne. Doch es gibt einige Schwierigkeiten mit dem Drumkit, so dass der erste Song noch auf sich warten lässt. Die beiden Gitarristinnen Kim McAuliffe und Jax Chambers überbrücken diese Verzögerung allerdings gekonnt mit Dialogen, die fast schon an SPINAL TAP erinnern, und so kommt wenigstens keine Langeweile auf.

Irgendwann ist das Schlagzeug einsatzbereit, und GIRLSCHOOL können ihren Auftritt mit 'C'mon Let's Go' und 'Not For Sale' beginnen. Da diese beiden Songs von den beiden Frühwerken "Demolition" und "Hit And Run" stammen, sind sie beim Publikum natürlich bestens bekannt, und somit kommt trotz der geringen Zuschauerzahl relativ schnell eine vergleichsweise gute Stimmung auf. Auch in der Folge kommen die ersten beiden Alben immer wieder zum Zug, wie beispielsweise mit 'Hit And Run', 'Future Flash', 'Kick It Down' und 'Race With The Devil'. Doch nicht nur die Leute vor der Bühne haben ihren Spaß, auch Kim, Jax und Enid präsentieren sich bestens gelaunt (von Denise sieht man ja nicht viel). Sie geben sich äußerst spielfreudig und sind auch sonst sehr aktiv. Dass frau vor lauter Bewegungsdrang auch mal einen Moment zu spät am Mikrofon zurück ist, um weiterzusingen, kann dann schon mal vorkommen - ist aber auch nicht tragisch.

GIRLSCHOOL haben natürlich auch nach 1981 noch einige Alben veröffentlicht - zuletzt "Legacy" im vergangenen Jahr. Und eben diese Scheibe kommt an diesem Abend auch nicht zu kurz. Standesgemäß erkundigt sich Jax zunächst einmal, ob die Anwesenden das Album denn auch brav gekauft haben. Nachdem die Resonanz eher verhalten ausfällt, meint Kim nur: "I've got one." Von "Legacy" gibt es dann auch gleich einen Doppelpack zu hören, bestehend aus 'Spend Spend Spend' und 'I Spy', und etwas später wird auch noch 'Everything's The Same' nachgereicht.

Die Mischung aus alten Klassikern und neuen Stücken kommt beim Publikum sehr gut an, und so vergeht die (Spiel-)Zeit wie im Flug. Und da es im Ulmer Zelt außerdem eine "Sperrstunde" gibt, müssen GIRLSCHOOL auch schon nach einer knappen Stunde zum Ende kommen. Bevor sie aber die Bühne verlassen, gibt es noch 'Demolition Boys' sowie das unvermeidliche 'Emergency' zu hören.

Ohne Zugaben kommen die Engländerinnen aber natürlich auch nicht davon, und so kehren sie noch einmal zurück, um 'Yeah Right' und 'Take It All Away' zu spielen. Beim Refrain des zweiten Songs hält Jax ihren Mikrofonständer immer wieder in die Menge, so dass jeder in der vorderen Reihe mal mitgrölen darf - ob er nun will oder nicht. Und weil die Pro-Kopf-Stimmung gar so gut ist, gibt es mit 'Please Don't Touch' sogar noch einen weiteren Nachschlag, bevor die vier "Schulmädels" endgültig verschwinden.

Insgesamt war es wieder ein sehr guter GIRLSCHOOL-Auftritt, der definitiv mehr Publikum verdient gehabt hätte. Die Band hat sich von dem geringen Zuspruch aber nicht irritieren lassen und auch den wenigen Leuten eine gute Show geboten. Und somit hat sicherlich niemand der Anwesenden den Weg ins Ulmer Zelt bereut. Auch ich nicht, obwohl ich zum wiederholten Male 'Following The Crowd' vermisst habe.

Setlist:
C'mon Let's Go
Not For Sale
Hit And Run
Never Say Never
Spend Spend Spend
I Spy
Tonight
Screaming Blue Murder
Future Flash
Everything's The Same
Kick It Down
Race With The Devil
Demolition Boys
Emergency
Yeah Right
Take It All Away
Please Don't Touch

Redakteur:
Martin Schaich

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