HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER und FROZEN SOUL - Stuttgart

15.03.2026 | 14:07

06.03.2026, Porsche-Arena

HEAVEN SHALL BURN macht die Porsche-Arena in Stuttgart zur Hochdruckzone!

HEAVEN SHALL BURN hat am 6. März 2026 in der Stuttgarter Porsche-Arena ein kompromisslos intensives Brett abgeliefert, eingerahmt von drei stilistisch passenden, aber sehr eigenständigen Support-Acts.

Unter dem Banner der "Heimat Over Europe Tour 2026" macht HEAVEN SHALL BURN mit einem dicken Paket in Stuttgart Station.

Mit den Gästen THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER und FROZEN SOUL liefert die Band einen Abend ab, der sich eher wie ein kleines Indoor-Festival als wie ein gewöhnlicher Tourstopp anfühlt. 

Offizieller Einlass ist gegen 18:30 Uhr, die ersten Fans stehen aber schon lange vorher in der Kälte vor der Porsche-Arena, viele in HSB-Hoodies, THE-HALO-EFFECT-Shirts oder alten Tourshirts der Thüringer.

Im Innenraum füllt sich die Arena zügig, während auf den Rängen zunächst noch Lücken zu sehen sind – die Sitzplätze scheinen auch nicht alle verkauft worden zu sein. 

Für uns als Foto- und Schreiber-Duo geht es zunächst mal los mit: Akkreditierung abholen, Fotopass aufs Shirt kleben, kurze Lagebesprechung mit der Security vor der Bühne – und dann abwarten, ob der Graben in der Porsche-Arena eher gemütlicher Arbeitsplatz oder direkt Schlachtfeld wird.

FROZEN SOUL: Kaltstart mit Death-Metal-Walze

Den Auftakt macht pünktlich um 18:30 Uhr FROZEN SOUL aus Texas: frostig-düsterer Death Metal eröffnet den Abend. Die Band hat zunächst die undankbare Aufgabe, ein Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen, das gerade erst von der Garderobe zurück ist und noch zwischen Bierstand und Sitzplatz pendelt.

Trotzdem legt FROZEN SOUL mit Songs wie 'Absolute Zero', 'Chaos Will Reign' und 'Crypt Of Ice' ein druckvolles, rund 30-minütiges Set hin. Der Wunsch der Band nach Circle Pits wird anfangs eher zögerlich erfüllt, doch spätestens zum letzten Song beginnen sich die ersten Reihen merklich zu bewegen, und der Graben bekommt schon einen Vorgeschmack auf das, was später noch kommen soll.

THE BLACK DAHLIA MURDER: Melodic Death mit Schatten der Vergangenheit

Als zweite Band des Abends übernimmt THE BLACK DAHLIA MURDER, die seit dem tragischen Tod von Trevor Strnad mit Brian Eschbach am Mikro eine neue Ära eingeläutet hat.

Musikalisch liefert THE BLACK DAHLIA MURDER allerdings eine solide, dichte Show ab, die sich nicht verstecken muss. Songs wie 'Aftermath', 'Kings Of The Nightworld' und 'Nightbringers' stehen auf der Setliste und werden auch in Stuttgart gezockt, inklusive der typischen Mischung aus rasenden Blasts und melodischen Leads. 

Die Stimmung kocht hier noch nicht völlig über, aber es ist klar zu spüren, dass die Band vom reinen Aufwärm-Act zum ernstzunehmenden Co-Headliner gereift ist.

Für uns im Pit ist der Auftritt fotografisch ein weiterer Stresstest des Abends: viel dunkles Licht, schnelle Bewegungen, ständige Positionswechsel – und die Security, die schon beim zweiten Song die ersten Crowdsurfer aus dem vorderen Drittel nach vorne durchschleust.

THE HALO EFFECT: Melodic-Death-Feuerwerk als Stimmungskatalysator

Spätestens mit THE HALO EFFECT kippt der Abend endgültig von Aufwärmphase zu Partymodus. Die Schweden, deren Mitglieder allesamt aus der Göteborger Melodic-Death-Schule stammen, sind in Deutschland inzwischen fast so etwas wie Stammgäste und werden vom Stuttgarter Publikum entsprechend gefeiert.

Dass ihre bisher veröffentlichten Alben hierzulande bereits in den Top 10 der Charts landen und die Band auch mit eigenen Headliner-Shows gut besucht ist, merkt man sofort: Zahlreiche Fans tragen Bandshirts, singen die Refrains mit und sind von der ersten Sekunde an voll dabei. 

THE HALO EFFECT feuert ein kompaktes Set ab, in dem unter anderem 'Between Directions', 'Detonate' und 'Feel What I Believe' nicht fehlen dürfen.

Die Stimmung im Innenraum klettert mit jeder Nummer eine Stufe höher, die ersten größeren Circle Pits drehen sich jetzt auch ohne Aufforderung von der Bühne aus. 

Von unserer Position im Graben aus hat man das Gefühl, dass ab hier die Uhr endgültig auf Headliner-Vorbereitung gestellt ist: verschwitzte Gesichter, ständig neue Crowdsurfer und Fans, die uns mit hochgereckten Fäusten direkt in die Linse brüllen – ein dankbares Motiv nach dem anderen.

Und wie immer bei THE HALO EFFECT: Der absolut sympathische Sänger Mikael Stanne kommt aus dem Dauergrinsen nicht heraus. Auf Fotos wird man gar nie nachvollziehen können, welche Growls da überhaupt aus den Lautsprechern kommen, die im krassen Kontrast zum lächelnden Shouter stehen.

HEAVEN SHALL BURN: Pyro, Präzision und Premieren

Nach einem kurzen Umbau und einem Intro aus dem Off fällt schließlich der Vorhang: HEAVEN SHALL BURN startet sein Set mit 'War Is The Father Of All' und macht sofort klar, dass Stuttgart an diesem Abend nicht mit Halbgas bedient wird. Schon bei 'Voice Of The Voiceless' schießen die ersten Pyro-Fontänen in die Höhe, während der Innenraum in eine Mischung aus Rauch, Stroboskop und wildem Pit-Chaos getaucht wird.

Die Lautstärke ist auch messbar lauter als bei den Acts vor HEAVEN SHALL BURN: Da sich das Handy immer wieder mit Lautstärke-Warnungen und dabei auch den gemessenen Pegel der "lauten Umgebung" anzeigt ist klar: Hier sind beim Main Act dann nochmal 10db Headliner-Bonus drin.

Die Setliste in Stuttgart orientiert sich eng an der aktuellen Europa-Tour und verbindet Klassiker, Fan-Favoriten und neues Material vom aktuellen Album "Heimat". Unter anderem stehen 'My Revocation Of Compliance', 'Godiva', 'Counterweight', 'Armia', 'Confounder', 'Endzeit' und das EDGE-OF-SANITY-Cover 'Black Tears' auf dem Programm, dazu neuere Stücke wie 'Übermacht', 'The Martyr's Blood', 'Thoughts And Prayers' und 'The Weapon They Fear'.

Ein besonderer Moment des Abends ist die Live-Premiere von 'A Whisper From Above', das in Stuttgart erstmals auf dieser Tour präsentiert wird. Der Song wird von vielen Fans bereits sehnsüchtig erwartet, entsprechend laut fällt der Jubel aus, als die ersten Takte erklingen. 

Gegen Ende setzt die Band mit dem BLIND-GUARDIAN-Cover 'Valhalla' noch einen hymnischen Schlusspunkt, bei dem die komplette Arena lauthals mitsingt, während auf der Bühne noch einmal alles an Licht und Pyro aufgefahren wird, was das Rig hergibt.

In den Pausen zwischen den Songs nimmt sich Frontmann Marcus immer wieder Zeit für direkte, offene Ansagen. Ohne große Floskeln bedankt er sich für die jahrelange Unterstützung in Süddeutschland, spricht die aktuelle Lage in Europa an und betont, wie wichtig ihm das Konzept von "Heimat" als etwas Offenes, Einschließendes ist – ein deutliches Statement gegen Ausgrenzung, das vom Publikum mit viel Applaus quittiert wird.

Fotografisch ist der HSB-Auftritt der erwartete Ausnahmezustand: Während 'Voice Of The Voiceless' und 'Counterweight' ist der Graben eine einzige Drehplatte aus Security, Crowdsurfern und Fotografen, die versuchen, im Chaos halbwegs stabile Standpunkte zu finden.

Atmosphäre, Publikum und Nachbeben

Die Porsche-Arena braucht ein wenig Anlaufzeit, bis die Stimmung wirklich auf Betriebstemperatur ist. Spätestens mit THE HALO EFFECT und natürlich HEAVEN SHALL BURN selbst, ist die Zurückhaltung aber vergessen: Mosh- und Circle-Pits, permanente Crowdsurfer, die inzwischen fast obligatorischen Ruderboot-Moshpits sowie laute Chöre prägen das Bild im Innenraum.

Auf den Rängen zeigt sich ein etwas anderes, aber nicht weniger intensives Bild: Viele Fans nutzen die erhöhte Perspektive, um die Pyroshow und das detailverliebte Lichtdesign in voller Pracht zu genießen. Gerade während der epischeren Parts und der ruhigeren Intros entsteht so ein spannender Kontrast aus wallendem Feuer auf der Bühne und hunderten Handylichtern auf den Sitzplätzen dahinter.

Nach dem Konzert ist der Abend für einen Teil der Fans noch lange nicht vorbei: Mit "Keiler Shall Burn" gibt es im Schwarzen Keiler in Stuttgart noch eine offizielle Aftershow-Party, bei der DJ-Teams den Sound des Abends mit passenden Metal- und Melodeath-Tracks bis tief in die Nacht verlängern. Nicht wenige der dort Anwesenden kommen noch mit frischen Stempeln, Tourshirts und leicht heiserer Stimme direkt aus der Arena.

HEAVEN SHALL BURN unterstreicht mit diesem Abend eindrucksvoll, warum die Band im Spannungsfeld aus Metalcore und Melodic Death Metal seit Jahren zu den wichtigsten Live-Bands Europas zählt. Die Kombination aus massiver Produktion, politischen und persönlichen Statements und einer kompromisslosen, physisch spürbaren Live-Energie macht das Konzert in der Porsche-Arena zu einem jener Abende, bei denen man froh ist, dabeigewesen zu sein.

Text und Photo Credit: Marc Eggert

Redakteur:
Marc Eggert

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