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Heavy Metal - nix im Scheddel...? Nr. 36 - Leipzig

28.05.2003 | 14:45

23.05.2003, Tonellis

Nach der fulminanten Geburtstagsparty vor einem Monat ging es diesmal etwas weniger spektakulär zu und man fuhr wieder das klassische Dreierpack auf. Dafür gab es zum allerersten Mal den Scheddel-Sampler (siehe Review ) für nur fünf Euro zu kaufen, der einen guten Überblick über die Haus- und Hofkapellen dieser allmonatlichen Knüppelmania bietet.

Mit UNTAMED war, wie bisher fast immer, auch ein Act aus der näheren Umgebung am Start und die durften gleich eröffnen. Nun bekam man ein intensives und nicht selten regelrecht brachiales Gewitter vorgesetzt, dass die Trommelfelle der Anwesenden nach allen Regeln der Kunst unter Beschuss nahm. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als Thrashcore, was ich durchaus unterschreiben würde. Mir kamen UNTAMED von Beginn an ziemlich SEPULTURA-lastig vor und wie als ob es dazu noch eines Beleges bedurft hätte, wurde dies dann auch gleich mit dem Cover von "Roots" bestätigt. Aber die Jungs machten ihre Sache richtig gut; bei dieser explosiven Vorstellung war gute Unterhaltung garantiert und durch die sich in die Gehirnwindungen bohrenden, knackigen Riffsalven konnte nie Langeweile aufkommen. Wenn man der Truppe überhaupt etwas vorwerfen kann, dann vielleicht fehlende Eigenständigkeit, ansonsten aber war das ein echt heißes Eisen. Mir persönlich haben UNTAMED an diesem Abend von allen drei Bands am meisten Spaß gemacht.

Bei TEARS OF DECAY wandelte sich das Blatt etwas. Das war mal wieder eine dieser Bands, denen man zwar in punkto Aggressivität und Brutalität keinerlei Vorwurf machen kann, die aber insgesamt betrachtet doch ein wenig zu stumpf und eintönig agieren. Da war kaum mal etwas Besonderes in den Songs zu entdecken, die meiste Zeit bollerte man einfach nur vor sich hin, wenn auch zugegebenermaßen äußerst heftig und energiegeladen. Aber natürlich gab es dem Auftritt auch positive Seiten abzugewinnen. Da ist sicherlich das tighte Spiel der Band zu nennen, die Instrumente wurden nach allen Regeln der Kunst malträtiert. Und bei dieser wuchtigen Attacke konnten die Kopfschüttler ihre Haare highspeedmäßig durch die Luft wirbeln. Ob das über die angesprochenen Defizite im songschreiberischen Bereich hinwegtrösten kann, sollte jeder für sich entscheiden. Für mich allerdings waren TEARS OF DECAY eine Band, die über weite Strecken lediglich mittelmäßig herüberkam und sicherlich nicht mit den Topacts der Knüppelszene mithalten kann.

Da sah die Sache bei AGATHOCLES schon anders aus. Der Brutalitätsfaktor wurde bei deren Mixtur aus Grindcore und Death Metal locker gehalten (wenn nicht gar überboten), aber hier war einfach Mitgehen angesagt. Die Songs hatten das gewisse Etwas, das eine erstklassige Knüppelei auszeichnet. Somit war es auch absolut nicht verwunderlich, dass AGATHOCLES sehr gute Reaktionen ernteten, es waren immer wieder orgiastische Freudenjauchzer aus dem Publikum zu hören. Die sehr kurzen Stücke kamen sofort auf den Punkt (müssen sie ja, bei Längen von oftmals unter zwei Minuten), außerdem kam besonders der zweistimmige Gesang, bestehend aus grellen Screams und dunklen Growls, sehr gut herüber. Der Kultfaktor der Belgier ist ja eh unbestritten - niemand weiß genau, wie viele Platten seit den seeligen Anfangstagen Mitte der achtziger Jahre nun wirklich auf das Konto der Knüppelfreunde gehen, da sie allein an Split-CD's eine schier unglaubliche Menge aufgenommen haben. Und fast ebenso häufig standen ja (besonders am Anfang) Lineup-Wechsel auf dem Programm. Aber die Band gibt es immer noch und sie haben ihren Status nur durch harte Arbeit und viel Schweiß erlangt. Wer sich über so lange Zeit in der Szene behaupten konnte, hat einfach irgendetwas richtig gemacht. Es war ohne Frage ein schöner Abschluss für alle Krachfetischisten und solche, die es werden wollen.


Scheddel-Infos und bisherige Berichte gibt es hier:
http://www.powermetal.de/tour/festival.php?id=787

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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