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Iron Maiden - Stuttgart

29.10.2003 | 06:32

25.10.2003, Schleyerhalle

Im Vorfeld gab es an einer der größten Metal-Band aller Zeiten ja so einiges an Kritik: Die neue Platte sei nicht der Oberbanger, die Ticketpreise unverschämt hoch und überhaupt, die Zeit von IRON MAIDEN neige sich langsam dem Ende zu. Da frag' ich mich doch glatt, warum die Schleyerhalle mit ihrem gut und gerne 14.000 Mann fassenden Areal ausverkauft war?!?! Wie der Nil flossen pro Minute Hunderte von Langhaarigen, Kurzhaarigen, Kutten- ebenso wie H&M-Strickjackenträger, Jungs und Mädels durch die Schleusen zur Halle.

Als um 20:00 Uhr allerpünktlichst das Licht zum ersten Mal ausging und die deutschen Power Metal-Heroen um Kai Hansen auf die Bühne stürmten, war die Stimmung schon recht beeindruckend. Zwar wirkten GAMMA RAY auf der fetten MAIDEN-Bühne recht verloren, but who cares, dachten sich die Hamburger und zockten mächtig drauf los. Leider musste ich gerade jetzt zum Interview mit Jannick Geers abzischen, so dass ich über GAMMA RAY keine weiteren Worte verlieren kann. Zumindest entdeckte ich später im Graben vor der Bühne keine faulen Eier und Tomaten, also muss die knapp 45minütige Show doch recht gut vom Metaller-Volk aufgenommen worden sein.

Nach der üblichen Geht-mal-Bier-holen-und-dann-pissen-Umbaupause verwandelte sich die Halle unter lautem MAIDEN-MAIDEN-MAIDEN-Gebrülle ein zweites Mal in eine Dunkelkammer. Gespenstisch grünes Licht erleuchtete das "Dance Of The Dead"-Castle, an dessen beiden Seiten zwei Sensemänner die Show erster Klasse einläuteten. Los ging's (wie eigentlich bei MAIDEN immer üblich) mit der aktuellen Single 'Wildest Dreams', vier agile Axtmen spielten von der ersten Sekunde an mit breitem Grinsen die ersten Takte, bevor Mr. Frontman, the Siren Bruce Dickinson, auf die Bühne sprang und die nächsten 90 Minuten kaum mehr zu bändigen war. Ich hatte echt Schiss um meinen Unterkiefer, weil Mr. Bruce das ein oder andere Mal millimetergenau vor den Rand zum Fotograben angehüpft kam!!! Hinter mir begann der Hexenkessel zu brodeln und ich war froh, nicht eine von den Figuren zu sein, die sich grade im Brust-vor-die-Absperrung-drücken trainierten. Der Laden tobte schier endlos, als 'Wildest Dreams' in das göttliche 'Wrathchild' überging. Steve Harris sprang wie ein Berserker umher und "formierte" sich innerhalb von einer Minute zwei Mal mit Dave und Adrian auf der linken (vom Zuschauer gesehenen) Bühnenseite als auch mit Jannick Geers auf der rechten Seite. Positiv aufgefallen ist mir, dass Jannick Geers nicht mehr ganz so als Pausenclown umhersprang, sondern eher eine Einheit mit der restlichen Mannschaft bildete. Auf 'Wrathchild' folgte das von 10.000 Kehlen mitgesungene 'Can I Play With Madness' und zum ersten Mal zog sich ein anderes Backdrop – mit dem Eierbecherlöffel-im-Eddie-Motiv – im Hintergrund auf. Unermüdlich ging es mit 'The Trooper' weiter zur Sache (und auch hier kam ein neues Backdrop zu Geltung) und Bruce postierte sich am oberen Bühnenaufbau, wild mit der Englandflagge schwenkend. Die Band lief quasi kontinuierlich durch die Gegend, selbst der sonst eher als Ruhepol agierende Dave Murray war erstaunlich beweglich und machte es nicht gerade einfach, Fotos zu schießen! Leider etwas aus dem Blickfeld (wie aber eigentlich immer) war Nicko McBrain, der sich hinter einer fetten Schießbude verschanzt hatte und stattdessen mit exaktem Drumming glänzte. Mit 'Dance Of The Dead' folgte der Titeltrack des aktuellen Albums, Bruce saß zu Beginn auf dem linken Bühnenpodest und zeigte, dass er auch problemlos am Theater auftreten könnte, agierte er doch perfekt mit seiner Mimik, unterstützt von einer Maske. Untermalt von einer großartigen und farbenfrohen Lightshow wirkte 'Dance Of The Dead' wirklich imposant! Danach verschwand Bruce kurzzeitig und trat als Tod himself mit Kapuzenumhang wieder auf. Genial! Mit 'Hallowed Be Thy Name' folgte ein weiterer Song mit Epos-Charakter aus alten Tagen, der von den Anwesenden begeistert mitgesungen wurde. Die nächste theatrale Einlage kam etwas später beim ebenfalls neuen Song 'Paschendale', bei dem nicht nur erneut das Backdrop gewechselt wurde, sondern auch noch eine kriegsähnliche Stacheldrahtanlage (mit zugehörigen Leichen) aufgebaut wurde und Bruce abermals "in Verkleidung" auftrat – als englischer Soldat schmetterte er den Song ins Publikum, während die Herrschaften von der Saitenfraktion unlängst die Bühne unsicher machten. Die Metaljünger fraßen Steve Harris und seinen Mannen aus der Hand und erfreuten sich an den weiteren Krachern á la 'Rainmaker', 'No More Lies' oder 'Brave New World', mit 'Iron Maiden' kam der Abschluss des "offiziellen" Parts allerdings recht schnell. Natürlich war es wieder mal Pflicht für Eddie, zu "seinem" Song hinter dem Drumkit drohend emporzuwachsen, diesmal wie schon vorher Bruce Dickinson mit Todesumhang bekleidet! Unter tosendem Beifall verabschiedete sich die Band für einige Minuten, um kurz darauf mit 'Journeyman' die "Quotenballade" mit Akustik-Bass und Gitarre zum Besten zu geben. Logischerweise MUSSTE 'The Number Of The Beast' folgen und hier hatte Eddie seinen zweiten großen Auftritt und wanderte als vier Meter großer Sensenmann mit fies rot glühenden Augen über die Bühne und verbreitete Begeisterung bei den Anwesenden. Doch leider war nach dem darauf folgenden 'Run To The Hills' schon wieder Schluss und ein Hoffen auf weitere Highlights aus dem MAIDEN-Backkatalog wurden jäh durch das Aufblitzen der Hallenbeleuchtung im Keim erstickt. Schade, es waren nicht mal zwei Stunden, das ist für 50 € trotz fetter Bühnenshow und Aufmachung doch etwas wenig…, aber auch das nächste Mal werden wieder alle pilgern, wenn Eddie ruft!

Setlist IRON MAIDEN:

1. Wildest Dreams
2. Wrathchild
3. Can I Play With Madness
4. The Trooper
5. Dance Of Death
6. Rainmaker
7. Brave New World
8. Paschendale
9. Lord Of The Flies
10. No More Lies
11. Hallowed Be Thy Name
12. Fear Of The Dark
13. Iron Maiden

Zugaben:

14. Journeyman
15. The Number Of The Beast
16. Run To The Hills


Dirk Kramm

Redakteur:
Gastautor

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