J.B.O und GRAILKNIGHTS - Stuttgart

26.01.2026 | 00:32

24.01.2026, LKA Longhorn

Pinker wirds nicht!

Im LKA Longhorn war ich schon recht lange nicht mehr. Da mein geschätzter Kollege Marc leider krankheitsbedingt ausfällt, übernehme ich seinen Part an diesem Freitag und schaue mir J.B.O mit dem Support GRAILKNIGHTS an. Ich komme kurz vor knapp zumindest in der Nähe der Halle an, um dann über die miese Parkplatzsituation zu fluchen. 

Die Location liegt in einem Gewerbegebiet. Die Stellplätze für die Gefährte sind zu diesem Zeitpunkt von zig LKW und Firmenwagen belegt. Auch in den angrenzenden Straßen gibt es nicht die kleinste Lücke. Park- oder gar Halteverbotsschilder werden hier völlig ignoriert. 

Soll ich oder soll ich nicht? Eine amerikanische Fastfood-Kette in der Nähe bietet ein paar Kundenparkplätze an. Ich erwerbe kurzerhand Burger und Cola, bin somit Kunde und hoffe, dass mein bayerischer Motorwagen auch zu Konzertende noch auf dem Platz steht. 

300 Meter Fußweg später stehe ich vorm Eingang, an dem sich eine sehr lange Schlange gebildet hat. Offensichtlich kann sich der Veranstalter heute über eine volle Hütte freuen.

Die Formalitäten klappen absolut reibungslos, der Gästelistenwechsel von Marc auf mich hat einwandfrei funktioniert. Auf dem Weg zur Bühne schnappe ich mir im Vorbeigehen ein relativ günstiges Kaltgetränk, von dem ich dann leider innerhalb der nächsten Minuten ungefähr die Hälfte verschütte. Die Halle ist brechend voll und ich habe Mühe, durch die Menge zum Fotograben zu gelangen. Mit schwerem Rucksack auf dem Buckel, in dicker Winterjacke und dem nun halbleeren Plastikbecher ist das alles andere als ein Vergnügen. 

Nun gut, raus aus der Joppe, das Setting der Kameras einstellen und ab geht die wilde Fahrt im LKA Longhorn. Kaum zu glauben aber wahr, ich sehe GRAILKNIGHTS heute zum ersten Mal. Die niedersächsische Band erklimmt zu einem Intro mit Stimme aus dem Off die Bühne. Leider verstehe ich Dank Gehörschutz nur sehr wenig davon. Nicht so das Publikum, begeistertes Johlen wechselt sich mit Buhrufen ab. Offensichtlich hat GRAILKNIGHTS eine Menge Fans im Schwabenland. Das Quintett aus Hannover trägt Kostüme, welche mich an Marvel-Superhelden erinnern. Problem: Ich war nie ein Fan dieser Comicsparte.

Mit 'Muscle Bound For Glory' startet dann die Show. Frontmann Sir Optimus Prime bekommt das positiv gemeinte Prädikat "Rampensau" von mir verliehen. Unermüdlich ist der Sänger in Bewegung, stellt sich in Posen und animiert das Publikum. Doch auch die drei Axtmänner, bestehend aus den beiden Gitarristen Sovereign Storm und Count Cranium, sowie dem Bassisten Duncan MacLoud machen ordentlich Alarm auf der Stage. Zusätzlich unterstützen sie den Sänger beim Chorus. 

Ich habe etwas Mühe, hinter der Kamera der Show zu folgen, bekomme jedoch mit, dass Opti immer wieder mal "Battlechoir" in die Menge ruft und diese mit "Yes, Sir!" antwortet. Nach den üblichen 3 Fotosongs verlasse ich den Graben und finde noch einen kleinen Platz am Rand der Halle. Leider habe ich von hier absolut keine Sicht auf die Bühne und kann somit den Rest der Show leider nur hören statt sehen. 

Ein Teil unserer Redaktion würde Gift und Galle spucken beim Anblick der Show. Fakt ist, dass GRAILKNIGHTS einen hohen Unterhaltungswert hat und in Stuttgart für gute Stimmung sorgt. Texte, Kostüme und Ansagen des Sängers zeigen, dass die Band sich selbst nicht so ernst nimmt. Musik und Konzerte sollen eben genau das: unterhaltsam sein. Der Support hat somit heute alles richtig gemacht. Gerne verweise ich auf den etwas ausführlicheren Bericht meiner lieben Kollegen Hanne, die GRAILKNIGHTS im letzten Oktober in Aschaffenburg gesehen hat.

Es ist heiß, sehr heiß geworden im LKA Longhorn. Sowohl die Theke als auch die Toilette ist in für mich unerreichbarer Entfernung. Ich warte also mit trockener Kehle, das die gefühlt viel zu lange Umbaupause endlich vorbeigeht. Endlich, unter ohrenbetäubenden Jubel kommt die Erlanger Spaßband auf die Bühne. J.B.O. läuft mir immer wieder mal auf Festivals über den Weg, doch dort greift meist das harte Schicksal des Festival-Fotografen: Drei Songs, kein Blitz und ab zur nächsten Band. Heute dann mal eine komplette Show wie ich sie vor ungefähr 20 Jahren in Hof mal erlebt habe. 

Das Publikum kommt scheinbar deutlich öfter mit der Band in Berührung, ist dieses doch überwiegend in düsterem Pink gewandet. Auf dem Liederzettel steht 'Vito, wir machen Krach' vom aktuellen Album "Haus Of The Rising Fun" an erster Stelle. Wie so oft verwendet J.B.O. bekannte Nummern aus dem Rock- und Pop-Bereich und drückt diesen mit ihren Texten einen eigenen Stempel auf. Theo fährt nun nicht nach Lodz, dafür macht eben Vito und der Rest der Band Krach. Diese zeigt sich in allerbester Spiellaune, welche unmittelbar aufs Publikum überschwappt.

Trägt Sänger und Gitarrist Vito C. anfangs noch eine pinkfarbene Lederjacke, rinnt mir der Schweiß in Strömen aus allen Poren. Bassist Ralph steht im luftigen Shirt auf der Bühne, allerdings fällt er mit einer LED-Brille auf. Ganze 25 Songs haben es auf die Setliste geschafft. Ich merke, dass ich J.B.O. zwar irgendwann aus dem Fokus verloren habe, jedoch bei Liedern wie 'Ejaculatio Praecox', 'Bolle' und 'Geh mer halt zu Slayer' nach wie vor textsicher bin. Spaß steht bei Band sowie dem Publikum an erster Stelle, somit schließt sich hier der Kreis zum Support GRAILKNIGHTS. 

Zu 'Ich Will Spaß' gibt es dann ein Bobbycar-Battle auf der Bühne. Zwei mir namentlich nicht bekannte Chorsänger fahren singend mit dem Kinderspielzeug um die Wette. Auch sonst machen die beiden ordentlich Faxen, was beim Publikum gut ankommt. Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Bei dem ganzen Spektakel, dem ganzen Klamauk, der dort auf der Bühne passiert, darf man nicht vergessen, dass dort ausgezeichnete Musiker ihr Werk verrichten. Diesen Satz habe ich bereits vor einer Woche für den KNORKATOR-Bericht verwendet. 'Metal Was My First Love' ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Es folgt Hit auf Hit, mit den abgefeuerten Luftschlangen, die nun zahlreich auf den Lichttraversen hängen, werden die Reinigungskräfte sicher noch Spaß haben. Meine durstige Kehle denkt mittlerweile, heute ist 'Ein guter Tag zum Sterben'. Aus dem Nichts heraus kommt plötzlich für mich die Erlösung! Mir tippt ein Besucher auf die Schulter und reicht mir ein Bier. Er outet sich als Fan unseres Magazins und möchte sich stellvertretend für die Kollegen der Redaktion für unsere tolle Arbeit bedanken. 

Wir verbringen den Rest der Show zusammen am Rand, singen, grölen und unterhalten uns über Musik und Konzerte. So vergeht Minute um Minute und die Band verlässt nach 'Wacken ist nur einmal im Jahr' die Bühne. Natürlich wird auch dieser lauthals von der Crowd mitgesungen. Insgesamt folgen vier Zugaben, mit 'Alles nur geklaut' und 'Ein Fest' entlässt J.B.O. das feierwütige Publikum ins Wochenende.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

Redakteur:
Andre Schnittker

Login

Neu registrieren