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STRYPER - Hamburg

09.02.2010 | 12:27

26.01.2010, Markthalle

In der spärlich gefüllten Markthalle legen STRYPER eine astreine Show hin.

Meine Freude über das bevorstehende Konzert wurde überschattet von elender nordischer Kälte und nervigen Bahnverspätungen. So kam es, dass sich meine geplante Ankunftszeit um eine gute Stunde verschob. Zu meiner Überraschung war die Markthalle selbst eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn spärlich gefüllt. Diese Gelegenheit nutzte ich, um mich an das Merch ranzuwagen, das mir dann jedoch trotz großer Auswahl etwas teuer erschien. Nun ja, man kommt ja nicht mal eben so über den Atlantik geflogen. Schon gar nicht für lau.

Ein erster Blick in den Konzertsaal ließ mich aufatmen - nicht wegen der Fülle an ach so aufgeregten STRYPER-Fans, sondern wegen der Fülle an ungeatmeter Luft. Aber was soll's, ich hatte sowieso nicht vor, heute einen Moshpit zu starten. Ein Blick zum Mischpult ließ jegliche Hoffnung auf einen kuscheligen Abend schwinden. Nicht nur nahm es für seine kleine Größe die ganze hintere Tribüne in Anspruch, sondern es wurde auch noch durch eine kleine, zierliche Absperrung ins Abseits befördert. Aber solange der Sound stimmt, kann man über solche Kleinigkeiten hinwegsehen.

Zum Glück sollte die zurückhaltende Stimmung bald aufgelockert werden; kurz vor neun Uhr begann der Aufwärmakt. AUDIOVISION, die extra für diesen Gig und auf eigene Kosten aus Schweden angereist waren, legten eine trotz anfänglicher Soundmängel gute Show an den Tag. Jeder ihrer Songs hatte großes Headbangpotential, und ab dem dritten Song 'The King Is Alive' konnte man auch endlich den Gesang verstehen. Ein weiteres Highlight des Auftritts war der mitreißende Song 'Keep The Fire Burning', den ich jedem als Geheimtipp ans Herz legen kann. Alles in allem ein gelungener Opener, der uns auch noch mit einer Zugabe beglücken durfte.

Eine gute Viertelstunde später waren STRYPER dann endlich in den Startlöchern. Ich konnte es kaum erwarten und war bereit für meine schwarz-gelbe Überholkur. Ein kurzer Blick hinter mich war jedoch ernüchternd: Die Halle war erschreckend schlecht gefüllt für einen Topact dieses Kalibers. Zunächst hatte ich die Hoffnung, die große Lücke im hinteren Bereich wäre nur die Vorbereitung auf eine Wall Of Death zum Auftakt, doch ich vergaß, in welchem Umfeld ich heute abrocken würde.

Kälte, Verspätungen und mangelnde Zuschauer hin oder her - der Nacken war geölt und die Ohren bereit für anderthalb Stunden Musikgeschichte vom Feinsten.

Dann kamen Robert Sweet, Oz Fox, Timothy Gaines und Michael Sweet auf die Bühne. Die vom Herren Berufenen legten mit 'Soldiers Under Command' los und zogen die Markthalle in ihren magischen Bann. Und das Publikum gab einen wunderbaren Chor ab. Der Refrain ging mir durch Mark und Bein – schöner kann ein Konzertauftakt kaum sein. Direkt im Anschluss servierten sie ihren Leckerbissen 'Murder By Pride', Namensgeber ihrer neuesten Scheibe, dem zweiten Release nach ihrer Reunion.

Nach diesem bombastischen Auftakt hatte ich dann, während die Band uns begrüßte, die Gelegenheit, die Jungs etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Thomas trug sein Cowboyhemd, Oz hatte sich auf ein gelb-schwarzes T-Shirt beschränkt, und Michael trug sein bekanntes Jacket. Robert durfte neben angenehmer Seitenlage zum Publikum auch noch die kühle Brise eines oder mehrerer Ventilatoren genießen, die seiner Frisur das nötige Leben einhauchten, was jedem Drummer nur guttun kann.

Natürlich war ich gespannt auf Michaels Reaktion zur etwas dürftigen Besucherzahl. Seine einzige Sorge schien jedoch zu sein, ob wir an diesem Abend einen hörbaren Chorgesang beibehalten können.

Für den nächsten Song war volle Power angesagt. 'Loud'n'Clear' war am Start, und Michael verlangte vollen Einsatz. Da wir jedoch im ersten Refrain schwächelten, unterbrach die Band, und uns wurde unter die Arme gegriffen. Schließlich schallte der Text durch den Laden, und STRYPER schienen zufrieden zu sein.

Mit 'The Rock That Makes Me Roll' war Headbangalarm angesagt, gefolgt von einem der Ohrwürmer des Abends: 'Reach Out'. Hier war Mitsingen Pflicht, sofern man auch nur ansatzweise an Michaels Höhen herankam.

Nach kurzer Rückblende auf ihre bisherige Karriere und nachdem sie sich mit uns darauf geeinigt hatten, dass sie zwar älter, jedoch nicht alt seien, stimmten die vier jungen Hasen die rockige Ballade 'Calling On You' an. Ein weiterer Ohrwurm des Abends.

Mit ihren beiden Prachttiteln 'Free' und 'More Than A Man' wurde die beliebteste Disziplin STRYPERs eingeleitet, auch bekannt als Bibelweitwurf. Jedoch schienen sie etwas mit ihren handlichen Bibeln zu geizen, doch das Schauspiel war ein unvergessliches Erlebnis.

Nach dieser kurzen Unterbrechung machte sich die Band daran, die mittlerweile erwärmte Markthalle auf Betriebstemperatur zu halten. Mit 'Peace Of Mind' und '4 Leaf Clover' spielten sie gleich zwei Songs aus ihrem aktuellen Album, wobei Letzteres mein persönlicher Favorit unter den Releases seit der Reunion ist.

Um ihren Scheiben "Reborn" und "Against The Law" zu huldigen, wurden wir mit 'Open Your Eyes' und 'All For One' beglückt – mit die härtesten Songs des Abends. Doch vorher entführten STRYPER uns noch in die gefühlvolle Welt von 'Honestly'. Gänsehaut pur, trotz mangelnder Gesangsunterstützung.

'My Love I'll Always Show' und das groovige 'The Way' setzten den perfekten Schlusspunkt einer überragenden Setlist, doch eine Zugabe sollte uns vergönnt sein. Schließlich darf kein STRYPER-Konzert ohne die Rausschmeißer 'Sing Along Song' und den größten Hit 'To Hell With The Devil' enden.

Es war ein unvergesslicher Abend, und so war niemand abgeneigt, das Konzert mit einem Gebet von Michael zu beenden. Ausbeute: ein Plek und eine Bibel. Zufall? Wohl kaum.

Setlist:
Soldiers Under Command
Murder By Pride
Loud'n'Clear
Rock That Makes Me Roll
Reach Out
Calling On You
Free
More Than A Man
Peace Of Mind
4 Leaf Clover
Honestly
Open Your Eyes
All For One
My Love I'll Always Show
The Way
---
Sing Along Song
To Hell With The Devil
[Gastautor Jeroen Kies]

Bilder: Christin Kersten.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper
3 Mitglieder mögen diesen Konzertbericht.

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