VOLLE KRAFT VORAUS FESTIVAL 2023 - Neu-Ulm

24.07.2023 | 16:25

15.07.2023, Ratiopharm Arena

Gelungene Jubiläumsausgabe des VKV!

Als letztes Jahr der Termin für das VOLLE KRAFT VORAUS für 2023 bekannt gegeben wurde, war die Freude auf meiner Seite nicht gerade groß. Denn es war am selben Wochenende wie auch das BANG YOUR HEAD-Festival, das seit 20 Jahren ein absoluter Pflichttermin war. Aber dieses Terminproblem löste sich dann Anfang Mai in Wohlgefallen auf, als das Festival in Balingen für immer abgesagt wurde. Tatsächlich hätten wir nicht gewusst, wen wir ansonsten nach Neu-Ulm geschickt hätten, denn so ziemlich die komplette Redaktion, inklusive Frank Jäger und mir, hätte sich vier Tage eben in Balingen aufgehalten. Aber so hatten sowohl Frank als auch ich an diesem Samstag nichts anderes vor und können glücklicherweise auch vom VOLLE KRAFT VORAUS berichten. Und tatsächlich ist mir das VKV die dreimal die ich bisher mit dabei war, sehr ans Herz gewachsen, nur die erste Ausgabe habe ich verpasst. Das Festival selbst feiert daher 2023 auch sein fünfjähriges Jubiläum und der Gastgeber EISBRECHER sein zwanzigjähriges Bestehen.

Dass dieser Samstag dann mit gut 35 Grad im Schatten der bisher heißeste Tag des Jahres sein sollte, bedeutet nicht nur für die Fans eine große Herausforderung, durch den langen Tag zu kommen, sondern auch für Frank und mich. Nach einem kühlen Radler zum Einstieg beschließe ich, für den Rest des Tages auf der Leitungswasserlinie zu fahren, denn bei vier Euro für einen 0,5-Liter-Becher Wasser und fünf Euro für ein Bier gleicher Größe ist das bei dementsprechendem Flüssigkeitsbedarf schonender für den Geldbeutel. Dass ich am Einlass bei der Security eine leere 0,5-Liter-PET-Flasche abgeben musste, da ich sie ja in der Arena mit Leitungswasser befüllen könnte, kommentiere ich mal nicht weiter, es gibt ja in der Halle Becher, die man auch auf diese Weise in den Waschräumen nachfüllen kann.

Da ich selbst nicht so tief in der sogenannten schwarzen Szene drin bin, bietet das VKV auch jedes Jahr die Möglichkeit, Bands neu für mich zu endecken, so auch den diesjährigen Opener. Dieser heißt SOULBOUND und stammt aus Bielefeld. Gegründet 2009 sind die Bielefelder aber bisher komplett an mir vorbeigegangen. Nicht so aber bei den Fans, welche die Arena bereits am frühen Nachmittag sehr gut füllen, denn die Stimmung ist während des dreißigminütigen Auftritts durchweg ausgezeichnet. Und auch mir gefällt die mit viel Energie vorgetragene Mischung aus Industrial und Gothic Metal richtig gut. Vor allem Sänger Jhonny Stecker erweist sich als stetiger Aktivposten. Was mir persönlich allerdings etwas abgeht, ist das gewisse Etwas, ein Alleinstellungsmerkal, das eine Band aus der Masse heraushebt. Was auf der Bühne passiert und die eher düstere Lightshow sind ansonsten eher unspektakulär, passend zum Songmaterial, aus dem auch irgendwie keines der dargebotenen Stücke herauszustechen vermag. Aber die Leute haben Spaß mit SOULBOUND und das ist, was zählt.

[Tommy Schmelz]

Dann wird es total traurig. Denn gleich wird LACRIMAS PROFUNDERE die Bühne entern, eine deutsche Dark-Rock-Institution, deren Name übersetzt "Tränen vergießen" bedeutet und der ich bislang irgendwie unabsichtlich immer ausgewichen bin. Ich erinnere mich an einen kurzen Kontakt irgendwann Anfang der 2000er, aber damals habe ich die Jungs in eine Schublade gesteckt und vergessen, irgendwo im Niemandsland von "ganz nett, aber muss ich nicht unbedingt kaufen". Ich meine, mich an Growls zu erinnern, was für mich auch weiterhin nicht gerade ein Qualitätsmerkmal ist. Doch eigentlich sollte man sie natürlich kennen, grob vom Namen her, ist einfach nicht genug. Immerhin geistert die Band bereits seit 25 Jahren durch die Musikszene, vor allem im dunklen Bereich, der zwar nicht zu meinen Hauptjagdgründen gehört, aber aus dem immer mal wieder die eine oder andere Band ihre schwarzen Tentakel nach mir ausstreckt. Deswegen ist es gut, dass ich heute in den Genuss komme.

Der erste Eindruck ist - nun ja, dunkel. Macht mal Licht! Aber das wird heute wohl vor EISBRECHER nix mehr. Das Backdrop fasziniert mich zuerst einmal, aber nein, es ist kein Irrgarten-Rätsel, bei dem Dark Bunny den Ausgang zum Land der Tränentiere finden muss. Schade eigentlich. Auf jeden Fall sieht es cool aus, als die Musiker loslegen. Dark Rock, stimmt, einfach und unprätentiös ins Rund der Halle gespielt. Erst als der neue Sänger Julian Larre hinzustößt, beginnt ein wenig Action. Wobei Julian mit Lederjacke und Sonnenbrille eher bikerrockig loslegt. Und lächelt! Na sowas. Darf man das im Dark Rock eigentlich?

Ebenfalls neu ist ein Teil der Rhythmusfraktion, nämlich Ilker Ersin, der irgendwie an Joey DeMaio erinnert, aber das liegt sicher an mir. Aber ohne ausgedehntes Basssolo. Schlagwerker Dominik Scholz ist schon eine Weile dabei, wenn auch mit Unterbrechung, aber das einzige Gründungsmitglied und Kopf der Band, ist Oliver Nikolas Schmid, der sich allerdings und offensichtlich nicht für den Showteil zuständig fühlt. Er spielt seine Sechssaitige souverän, aber zurückhaltend, sodass die Show, neben ein paar Posen von Ilker, allein auf den Schultern des Sängers ruht. Dieser nimmt die Aufgabe an, entledigt sich bald der Sonnenbrille und dann auch der Lederjacke und zeigt, dass er sowohl klar und rau singen kann, genauso gut aber auch growlt.

Ein besonderes Highlight ist, dass er sich vorn an den Zuschauerzaun begibt und von dort für ordentlich Stimmung sorgt, aber ansonsten gibt es auch nicht allzu viel visuelle Unterstützung, man verlässt sich auf die Songs und die Fans. So vergehen die 50 Minuten, anfangs zügiger, gegen Ende etwas langsamer, denn ich finde zwar Gefallen am Gehörten, aber richtige Begeisterung will sich nicht einstellen. Schön, dass ich die Band mal auf einem Festival gesehen habe. Nach diesem Zweitkontakt werde ich aber auf jeden Fall mal in das aktuelle Album reinhören, um mir ein umfassendes Bild zu verschaffen. Ob ich die Band dann wieder unter "ganz nett, aber muss ich nicht unbedingt kaufen" ablegen werde? Mal schauen.

[Frank Jaeger]

Ich bin froh, dass ich den Namen LACRIMAS PROFUNDERE endlich von meiner ewig langen "Must See"-Liste streichen kann. Und die Dark-Rock-Urgesteine zeigen auch durchaus beeindruckend, warum sie eben diesen Status haben. Was die Light Show betrifft, die ist auch hier eher düster, aber vielleicht muss das bei dieser Art von Mucke auch so sein. Mir hat es gefallen, auch wenn ich Frank zumindest in dem Punkt Recht geben muss, dass gerade nach hinten raus im Set etwas die Abwechslung gefehlt hat.

Die Koblenzer HELDMASCHINE waren bereits 2019 in Neu-Ulm zu Gast, seinerzeit noch als Opener. 2023 ist man im Billing ganze zwei Plätze nach oben gerutscht. Ich kann mich noch gut an den Auftritt 2019 erinnern, denn die Band hat auf ganzer Linie abgeräumt, und so etwas bleibt dann eben auch im Gedächtnis. Und auch 2023 kann HELDMASCHINE während der kompletten 50 Minuten Spielzeit absolut überzeugen. Obendrein gibt es zum ersten Mal ein bisschen mehr Licht, was die ganze Sache auch noch positiv aufwertet. Denn die Lightshow ist hier auch fester Bestandteil des Auftritts, mit zahlreichen Effekten und Gimmicks wie LED-Anzügen und Lasern. Neben zahlreichen Hits wie 'Himmelskörper' und 'Radioaktive' gibt es mit 'Hast Du Angst' auch die aktuelle Single zu hören. Das rollende 'R' setzt nach einer überzeugenden Mannschaftsleistung dann noch das Sahnehäubchen auf eine formidable Performance, die den Status der NDHler HELDMASCHINE als feste musikalische Größe nicht nur innerhalb der schwarzen Szene untermauert.

[Tommy Schmelz]

Oh ja, HELDMASCHINE, die Eigenkompositions-Truppe der RAMMSTEIN-Coverband VÖLKERBALL, macht zum ersten Mal am heutigen Tag Show. Coole LED-Effekte, eigentlich eine recht einfache Idee, unterstreichen den Maschinenteil des Bandnamens und Sänger René Anlauff hat deutlich an Souveränität zugelegt, seitdem ich die Band an gleicher Stelle vor einigen Jahren gesehen habe. Das futuristisch-leuchtende Megaphon ist auf jeden Fall auch ein erwähnenswertes, auffälliges Utensil. HELDMASCHINE weiß, wie man Aufmerksamkeit erregt.

An der Gitarre steht ein neuer Mann, aber ich muss zugeben, das hätte ich nicht mehr erkannt. Jedenfalls hat Eugen Leonhardt den zuvorigen Gitarristen Marco Vetter ersetzt, ansonsten hat sich nichts Entscheidendes geändert. Obwohl, doch, wie es scheint, wird man einen veritablen Hit an den Start bringen, wenn man im Herbst das neue Album "Flächenbrand" veröffentlichen wird. Während die aktuelle Single 'Hast Du Angst' ganz gut war, aber mir nicht im Ohr geblieben ist, kann ich ein weiteres neues Lied, nämlich 'Das Argument', gar nicht mehr aus den Gehirnwindungen verbannen. "Wer lauter schreit hat immer recht". Ich bin gespannt, ich glaube, das Lied könnte der Band einen echten Schub geben. Wenn mich jemand fragen würde, würde ich sagen, am Tag der Veröffentlichung des Albums als Single auskoppeln. Aber mich fragt ja keiner.

Mit BLUTENGEL folgt ein großer Name der dunklen Szene. Auch hier bin ich nicht allzu bewandert, habe sie aber vor einigen Jahren mal auf dem SUMMER BREEZE Open Air gesehen, deutlich noch vor der pandemischen Auszeit. Ich weiß noch, dass ich nicht besonders begeistert gewesen bin, aber vielleicht hat sich mein Geschmack in den letzten Jahren geändert oder die Band ist für mich kompatibler geworden oder das Drumherum passt besser. Denn auf das SUMMER BREEZE haben sie damals wirklich nicht gepasst. Also, mal sehen, ob wir diesmal zusammenkommen.

BLUTENGEL ist das Projekt von Chris Pohl aus Berlin, der mit wechselnden Musikern und Begleitdame hauptsächlich elektronisch unterwegs ist. Aber immerhin, eine Gitarre vorn und ein Schlagzeug ganz im Hintergrund, versetzen die Band in den Rockbereich, etwas, das bei ihren Auftritten wohl nicht immer der Fall ist. Denn eigentlich und im Kern ist BLUTENGEL eine Elektro-Band und diese Sounds sind es auch, die die musikalische Darbietung akustisch dominieren, visuell dagegen müssen sich der großgewachsene Bandkopf und Frontmann und die Tänzerinnen-Fraktion die Aufgabe teilen.

Pohl singt gut, tief und klar, trägt die Lieder weitgehend und lässt sich nur unterstützen. Nur die weibliche Stimme, Ulrike Goldmann, ergänzt in einigen Liedern den Meister. Die Lieder sind eingängig und ich muss zugeben, dass die Mischung durchaus ansprechend klingt. Aber ich habe ja auch keine Schwierigkeiten mit Elektro-Sounds, im Gegenteil. Die wummernden Rhythmen und feinen Melodien gehen ins Ohr, mal mehr, mal weniger mitreißend, was immerhin einen ordentichen Gig ausmachen würde.

Was aber den Unterschied macht, sind zuerst einmal die beiden Leinwände, auf denen Projektionen die Stücke optisch unterstützen. Und noch mehr die Tänzerinnen, vier an der Zahl, die mit mehr oder weniger subtiler Erotik vom Sound ablenken. Immer wieder treten die Damen, zu zweit oder zu viert, auf und entledigen sich häufig einiger Kleidungsstücke, deuten auch regelmäßig erotischen Körperkontakt an. Ist das eine Softporno-Version des Elektro-Rock oder wird BLUTENGEL gar von Victoria's Secret oder einer anderen Damenwäschekette gesponsert?

Dabei möchte ich betonen, dass die grazilen Tänzerinnen ihren Job ausgezeichnet machen, die Kostüme nett und phantasievoll sind, und ich alle vier als sehr hübsch empfinde, was nun aber natürlich Geschmackssache ist. Der Höhepunkt ist sicher der Auftritt einer als riesiger, schwarzer Engel verkleideten Tänzerin, um die herum die anderen drei zuerst in geistlicher Robe, nach der Entledigung derselben nur noch in Unterwäsche an vom Engel gehaltenen Leinen umhertanzen. Das sieht eindrucksvoll aus, aber dennoch frage ich mich, ob das Konzept notwendig ist. Originell sicher, aber ein einzelner "Ausziehen"-Ruf, der in einer Pause zwischen Liedern erschallt, unterstreicht meine Bedenken.

Vielleicht ist es, ganz subjektiv, versteht sich, einfach zuviel des Guten. Trotz der gehobenen Tageslichttauglichkeit der Damen. Ja, ich glaube, wenn die Damen das einmal gemacht hätten, wäre es als Showeffekt positiv aufgenommen worden, vielleicht ist einfach der übermäßige Einsatz der Be- und Entkleidungen zuviel. Ich bleibe bei der Musik, die gefällt mir, und über den Rest kann sich jeder seine eigene Meinung bilden. Meine kennt ihr ja jetzt. Was meinst du. Tommy?

[Frank Jaeger]

BLUTENGEL ist für mich die persönliche Überraschung des VKV 2023. Wie Frank war ich vor dem Auftritt sowohl musikalisch als auch optisch komplett unwissend, was mich erwarten könnte. Umso mehr hat mich dann die Darbietung in allen Belangen überzeugt. Die visuelle Umsetzung passt perfekt zu den einzelnen Stücken und der Begriff "großes Kino" ist hier mehr als angebracht.

Auch ASP zählt zu den Bands, die ich dank dem VOLLE KRAFT VORAUS 2023 von meiner Liste an Bands streichen kann, die ich in diesem Leben noch unbedingt mindestens einmal live sehen wollte. Ich habe es meinem guten Bekannten Timo Wuerz zu verdanken, der schon seit Jahren für sie die Covers in Booklets illustriert, dass er mich neugierig auf ASP gemacht hat. Mein Einstieg war vor etwas zwei bis drei Jahren die "Per Aspera Ad Aspera" – Anthologie. Weiter bin ich bis dato aber noch nicht eingetaucht in den musikalischen Kosmos von ASP. Allerdings wird sich das nach der starken Vorstellung in Neu-Ulm auf jeden Fall ändern, denn der Auftritt ist allererster Sahne. Und während bei BLUTENGEL für Frank etwas zu viel Drumherum war, steht bei ASP die Musik im Vordergrund. Bis auf ein riesiges Backdrop und einer ansprechenden Lightshow gibt eben Gothic Rock vom Feinsten. Klassiker wie 'Schwarzes Blut' und 'Ich will brennen' fehlen ebenso wenig im Set wie neue Stück in Form von 'Zeit' vom aktuellen Album "Endlich". Dass die Stimmung in der gesamten Arena während der kompletten 75 Minuten bestens ist, muss ich sicher nicht extra erwähnen, aber ich tue es trotzdem.

[Tommy Schmelz]

Stimmt, in Sachen Show geht es nun einen ganzen Schritt zurück. Eigentlich besteht selbige bei ASP nur aus Grimassen und Posen des namensgebenden Bandkopfes Alexander "Asp" Spreng, der mit ein bisschen Gesichtsbemalung zumeist auffordernd ins Publikum starrt. Musikalisch brennt nichts an, zu erwähnen ist noch, dass Asp in einer großartig formulierten Aufforderung an die Fans bittet, die Handys ruhen zu lassen. Ja, das ist eine ziemliche Unsitte geworden. Klar, man macht mal ein Foto, das mache ich auch, vor allem, um später im Bericht nichts zu vergessen, aber die minutenlang für ein Video oder alle dreißig Sekunden für das hundertdrölfzigste Foto hochgereckten Telefone sind schon sehr störend. Wie Asp sagt: "Ihr habt doch nicht die Eintrittskarte gekauft, um mich auf einem mikrigen Display zu sehen, oder?".

[Frank Jaeger]

Die Bühne wird jetzt während des Umbaus zum Hauptact erst einmal von einem riesigen Vorhang bedeckt, Ich nutze die Zeit, um mir die Beine zu vertreten, und bin dann rechtzeitig vor Beginn wieder auf meinem Platz. Und zu EISBRECHER gönne ich mir dann auch das erste Bier des Tages, die Wasserlinie, die ich ansonsten den ganzen Tag gefahren bin, war die absolut richtige Entscheidung. Die Anmoderation für den Headliner erfolgt wie so oft durch den Bandpsychologen Dr. Diez, bevor dann endlich der Vorhang fällt.

Bereits das Intro ist dank seiner Illumination bereits beeindruckend und der erste Song des Sets 'Volle Kraft Voraus' gibt die Marschrichtung für die kommenden gut 90 Minuten wieder. Der Checker und seine Mannen denken auch dieses Jahr zu keiner Sekunde daran, irgendetwas anbrennen zu lassen. Das Bühnenbild und die Lightshow sind mal wieder vom Allerfeinsten. Und die Songauswahl ist sowieso wie immer ohne Makel. Als sich die Band nach der letzten Zugabe mit dem genialen Falco Cover 'Out Of The Dark' verabschiedet, freue bestimmt nicht nur ich mich bereits auf das nächste VOLLE KRAFT VORAUS. Ein Termin für 2024 steht diesmal allerdings noch nicht fest. Wir halten euch diesbezüglich aber auf dem Laufenden.

[Tommy Schmelz]

Die Augsburger sind eine echte Bank. Letztes Jahr habe ich sie mit einem sehr überzeugenden Auftritt auf dem Graspop gesehen, jetzt sind sie wieder als Headliner auf dem eigenen Festival der Platzhirsch. Sänger Alexx und seine Markenzeichen, Kapitänsoutfit und polierte Platte, zeigen den Fans natürlich, wo der musikalische Heimathafen liegt.

Gleich als drittes Lied 'Fehler machen Leute', kurz darauf 'Amok' für die älteren Fans, nur die TRIO-Coverversion 'Anna - Lassmichrein lassmichraus' finde ich immer noch fehl am Platze und albern. Vielleicht habe ich einen anderen Humor als die Spatzen. Gegen Ende folgen die unvermeidlichen Hits, inklusive meines EISBRECHER-Lieblingsstückes 'Sturmfahrt', aber schon lange ist klar: EISBRECHER hat wieder geliefert.

Das VOLLE KRAFT VORAUS-Festival ist ein tadellos organisertes, spannendes Festival, bei dem ich nahezu jedes Jahr aus meiner musikalischen Komfortzone geholt werde und bei dem ich immer etwas zu entdecken habe. In diesem Jahr hat mich HELDMASCHINE positiv überrascht, die Burschen sind wirklich gewachsen, und ASP möchte ich ebenfalls als Highlight erwähnen, BLUTENGEL haben Tommy und ich wohl jeweils etwas anders erlebt, zu LACRIMAS PROFUNDERE habe ich von Pressekollegen viel Lob gehört, da habe ich etwas weniger Begeisterung empfunden. Aber so muss ein Festival sein, abwechslungsreich, auch mal kontrovers, mit einem souveränen Headliner.

Einzig die Tatsache, dass man in der Halle und draußen am Getränkestand mit der Geldkarte bezahlen musste, außen ansonsten aber Bargeld nötig war, fand ich nicht optimal. Dafür war das Speisenangebot gut und preislich auch okay, die Pizza etwas teuer, der Döner dagegen absolut preiswert, die Süßspeisen auf Festivalniveau (Ja, ich habe mich für eine umfassende Berichterstattung für euch unter vollem Körpereinsatz einmal quer durch die Kulinarik gegessen. Stichwort: Ganzkörperjournalismus!). Getränke waren recht teuer, aber auf dem üblichen Level von Konzerthallen. Immerhin, das alkoholfreie Bier war gut und nicht so suß wie viele andere, Ulms flüssiges Gold, wie das Goldochsen-Bier hier genannt wird, ist auch ohne Prozente lecker.

Merchandise wurde natürlich wieder groß geschrieben, EISBRECHER hat da immer wirklich tolle Sachen am Start. Dass man draußen 35 Grad im Schatten aushalten musste, ist ein unglückliches Zusammentreffen von Wetter und Termin, aber die Klimaanlage in der Halle hat sich redlich bemüht und dafür gesorgt, dass es drinnen tatsächlich erheblich kühler war als draußen.

Zuletzt noch ein Gruß an Sandra von Rosenheim Rocks, die die Presse perfekt betreut hat. Man kommt an und erhält das Rundum-Sorglos-Paket. Sehr schön.

Daher: man sieht sich 2024 in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm und bis dahin gönnen wir Alex und seinen Mannen diese abschließende Pose, die das VKV 23 gut zusammenfasst:

[Frank Jaeger]


Redakteur:
Frank Jaeger

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